Bevor ich mich mit dem titelgebenden Herrn Rossellini (Papa von der Isabella) auseinandergesetzt habe, habe ich mir noch eine Achziger-Jahre-Komödie angesehen.
Aus irgendeinem Grund will ich mir nicht eingestehen, dass Steve Martin eigentlich nur in Müll mitgespielt hat. Beziehungsweise, dass nur seine sporadischen ernsten Filme etwas taugen (”Die unsichtbare Falle” ist recht gut, und “Shopgirl” soll auch sehr gelungen sein). Als Resultat zwinge ich mich immer wieder, die diversen alten Steve-Martin-Komödien (oder abgekürzt: SM-Komödien – das passt), die ich alle als Kind schon gesehen habe, anzusehen, nur, um dann festzustellen, dass sie überhaupt nicht lustig sind.
Diesmal ein Film mit einem Trio Infernal: Die Drei Amigos mit Steve Martin, Martin Short und Chevy Chase. Drei Leute, von denen nur einer (Chase) auch in wirklich witzigen Filmen mitgespielt hat.
Die hauchdünne Handlung: die titelgebenden Amigos sind Filmstars, die in Hollywood-Stummfilmen mexikanische Helden spielen. Bis sie von einem echten mexikanischen Dorf im besten “glorreiche Sieben”-Style um Hilfe gerufen werden… aber die Handlung ist zum Glück ohnehin so dünn, dass man die unendlich vielen Schwächen und Fehler total vernachlässigen kann.
Slapstick-Schauspielerei ist so eine Sache: die einen können es (Luis De Funes, Leslie Nielsen), die anderen nicht (Steve Martin, Martin Short). In zweiterem Fall wird ein Film dann meistens zur Unerträglichkeit. Zum Glück sind die spasmodischen Gesichts-Gewaltakte der drei Grimassenschneider bei weitem nicht so dick aufgetragen, wie man befürchten muss. Aber allein Steve Martins patentierter “Steve Martin”-Gesichtsausdruck (1, 2) löst bei mir mittelschwere Bauchkrmpfe und Brechdurchfall aus.
Dabei muss man dem Film zugestehen, dass er durchaus seine Momente hat. Die Stummfilm-Parodie zu Beginn des Films trifft den Ton haargenau, und auch sonst schleicht sich hier und da ein Witz an, mit dem man nicht gerechnet hat. Für die meisten Pointen gilt aber der klassische Fehler, der für viele Achziger-Jahre-Komödien nur zu typisch ist: jede Pointe kündigt sich schon minutenlang vorher an, und wird dann über die nächsten zehn Minuten ausgewälzt.
Also, kein wirklich schöner Film. Nachwievor spricht im Grunde nichts für Steve Martin - dennoch werde ich mir in zwei Wochen oder so “Tote tragen keine Karos” ansehen, eine ganz frühe Komödie, einer der wenigen SM-Filme, den ich als Kind nie gesehen habe.
Um diesen Film dann aus meinem System zu spülen, war ein bisschen italienischer Neorealismus angesagt. Wer mich kennt, weiss, dass ich den italienischen Neorealismus sehr schätze, und so führte für mich kein Weg am Erwerb der kürzlich bei Koch Media erschienenen “Roberto-Rossellini-Edition” vorbei. Gerade der Hammerpreis von knapp 22 Euro für vier Filme sollte alle Cinephilen jetzt sofort zur Amazon-Webseite wechseln lassen.
Kurz zur Box allgemein: die Box ist sehr schön gemacht und enthält neben den vier Filmen auch ein umfangreiches Booklet. Das ist aber auch schon das einzige Bonusmaterial. Die Filme sind jeweils mit Originalton und (falls existent) deutscher Tonspur enthalten, Untertitel sind teilweise nicht ausblendbar. Das einzige, was man an Kritik äussern kann, ist die saumäßig schlechte Bild- und Tonqualität. Da dürfte aber Koch Media keine Schuld treffen, das scheint für den Neorealismus chronisch zu sein.
Also habe ich mit zwei der vier Filme begonnen: zuerst Paisà, den chronologisch ersten. 1946 gedreht, ist Paisà ein Episodenfilm, bestehend aus sechs Episoden, die alle während des Einmarsches der Alliierten in Italien spielen. Die Episoden sind chronologisch (1943-44) bzw. geographisch (von Süd nach Nord) geordnet und erzählen unterschiedliche Geschichten aus unterschiedlichen Blickwinkeln.
Inhaltlich ist der Film (wie Neorealismus halt immer) faszinierend, optisch ist er (vor allem das letzte Kapitel) wunderschön. Inhaltlich wirkt der Film recht ausgewogen, das Einzige, was mich irritiert (da fehlt mir aber das geschichtliche Hintergrundwissen) ist die völlige Abwesenheit der Faschisten. Die werden zwar erwähnt, die Bevölkerung wird aber als völlig auf der Seite der Amerikaner portraitiert.
Fast schon ein Exotikum ist der Film Deutschland im Jahre Null: er hat nämlich mit Italien gar nichts zu tun (und das ist für den italienischen Neorealismus sehr ungewöhnlich), sondern spielt in Berlin unmittelbar nach Kriegsende.
Der kleine Edmund muss seine Familie quasi allein versorgen: der Vater kränkelt vor sich hin, der große Bruder war in der Wehrmacht und traut sich nicht, sich zu melden. Die groe Schwester tut zwar, was sie kann, dennoch ist der Druck auf Edmund gewaltig.
Vor Ort in Berlin gedreht, und die düster-schaurigen Bilder aus dem völlig ausgebombten Berlin gehören mit zum Beeindruckendsten, was der Film zu bieten hat. Neben der genialen Handlung natürlich. Die Charaktere, die man allesamt nur als sinister bezeichnen kann, repräsentieren alle verschiedene Facetten des Nachkriegsdeutschland.
Ein Spitzenfilm. Ich kann es nicht erwarten, (vielleicht heute schon) die beiden anderen Filme zu sehen.