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Archiv: June, 2006

Gestern gesehen: Ali G. Indahouse

Sacha Baron Cohen alias Ali G. ist sehr lustig. Der Film Ali G. Indahouse auch. Es gibt eigentlich nicht wirklich viel zu sagen – der Film ist unterhaltsam, wenngleich die Story eher schwach ist. Die Witze sitzen. Die deutsche Synchronfassung ist eigenwillig, weil man Ali G.’s echte Stimme eben doch von MTV kennt – ausserdem kommt sie mir leicht entschärfend vor. Trotzdem: ein lustiger Film. Punkt.

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Gestern gesehen: Roberto Rossellini

Bevor ich mich mit dem titelgebenden Herrn Rossellini (Papa von der Isabella) auseinandergesetzt habe, habe ich mir noch eine Achziger-Jahre-Komödie angesehen.

Aus irgendeinem Grund will ich mir nicht eingestehen, dass Steve Martin eigentlich nur in Müll mitgespielt hat. Beziehungsweise, dass nur seine sporadischen ernsten Filme etwas taugen (”Die unsichtbare Falle” ist recht gut, und “Shopgirl” soll auch sehr gelungen sein). Als Resultat zwinge ich mich immer wieder, die diversen alten Steve-Martin-Komödien (oder abgekürzt: SM-Komödien – das passt), die ich alle als Kind schon gesehen habe, anzusehen, nur, um dann festzustellen, dass sie überhaupt nicht lustig sind.

Diesmal ein Film mit einem Trio Infernal: Die Drei Amigos mit Steve Martin, Martin Short und Chevy Chase. Drei Leute, von denen nur einer (Chase) auch in wirklich witzigen Filmen mitgespielt hat.

Die hauchdünne Handlung: die titelgebenden Amigos sind Filmstars, die in Hollywood-Stummfilmen mexikanische Helden spielen. Bis sie von einem echten mexikanischen Dorf im besten “glorreiche Sieben”-Style um Hilfe gerufen werden… aber die Handlung ist zum Glück ohnehin so dünn, dass man die unendlich vielen Schwächen und Fehler total vernachlässigen kann.

Slapstick-Schauspielerei ist so eine Sache: die einen können es (Luis De Funes, Leslie Nielsen), die anderen nicht (Steve Martin, Martin Short). In zweiterem Fall wird ein Film dann meistens zur Unerträglichkeit. Zum Glück sind die spasmodischen Gesichts-Gewaltakte der drei Grimassenschneider bei weitem nicht so dick aufgetragen, wie man befürchten muss. Aber allein Steve Martins patentierter “Steve Martin”-Gesichtsausdruck (1, 2) löst bei mir mittelschwere Bauchkrmpfe und Brechdurchfall aus.

Dabei muss man dem Film zugestehen, dass er durchaus seine Momente hat. Die Stummfilm-Parodie zu Beginn des Films trifft den Ton haargenau, und auch sonst schleicht sich hier und da ein Witz an, mit dem man nicht gerechnet hat. Für die meisten Pointen gilt aber der klassische Fehler, der für viele Achziger-Jahre-Komödien nur zu typisch ist: jede Pointe kündigt sich schon minutenlang vorher an, und wird dann über die nächsten zehn Minuten ausgewälzt.

Also, kein wirklich schöner Film. Nachwievor spricht im Grunde nichts für Steve Martin - dennoch werde ich mir in zwei Wochen oder so “Tote tragen keine Karos” ansehen, eine ganz frühe Komödie, einer der wenigen SM-Filme, den ich als Kind nie gesehen habe.

Um diesen Film dann aus meinem System zu spülen, war ein bisschen italienischer Neorealismus angesagt. Wer mich kennt, weiss, dass ich den italienischen Neorealismus sehr schätze, und so führte für mich kein Weg am Erwerb der kürzlich bei Koch Media erschienenen “Roberto-Rossellini-Edition” vorbei. Gerade der Hammerpreis von knapp 22 Euro für vier Filme sollte alle Cinephilen jetzt sofort zur Amazon-Webseite wechseln lassen.

Kurz zur Box allgemein: die Box ist sehr schön gemacht und enthält neben den vier Filmen auch ein umfangreiches Booklet. Das ist aber auch schon das einzige Bonusmaterial. Die Filme sind jeweils mit Originalton und (falls existent) deutscher Tonspur enthalten, Untertitel sind teilweise nicht ausblendbar. Das einzige, was man an Kritik äussern kann, ist die saumäßig schlechte Bild- und Tonqualität. Da dürfte aber Koch Media keine Schuld treffen, das scheint für den Neorealismus chronisch zu sein.

Also habe ich mit zwei der vier Filme begonnen: zuerst Paisà, den chronologisch ersten. 1946 gedreht, ist Paisà ein Episodenfilm, bestehend aus sechs Episoden, die alle während des Einmarsches der Alliierten in Italien spielen. Die Episoden sind chronologisch (1943-44) bzw. geographisch (von Süd nach Nord) geordnet und erzählen unterschiedliche Geschichten aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

Inhaltlich ist der Film (wie Neorealismus halt immer) faszinierend, optisch ist er (vor allem das letzte Kapitel) wunderschön. Inhaltlich wirkt der Film recht ausgewogen, das Einzige, was mich irritiert (da fehlt mir aber das geschichtliche Hintergrundwissen) ist die völlige Abwesenheit der Faschisten. Die werden zwar erwähnt, die Bevölkerung wird aber als völlig auf der Seite der Amerikaner portraitiert.

Fast schon ein Exotikum ist der Film Deutschland im Jahre Null: er hat nämlich mit Italien gar nichts zu tun (und das ist für den italienischen Neorealismus sehr ungewöhnlich), sondern spielt in Berlin unmittelbar nach Kriegsende.

Der kleine Edmund muss seine Familie quasi allein versorgen: der Vater kränkelt vor sich hin, der große Bruder war in der Wehrmacht und traut sich nicht, sich zu melden. Die groe Schwester tut zwar, was sie kann, dennoch ist der Druck auf Edmund gewaltig.

Vor Ort in Berlin gedreht, und die düster-schaurigen Bilder aus dem völlig ausgebombten Berlin gehören mit zum Beeindruckendsten, was der Film zu bieten hat. Neben der genialen Handlung natürlich. Die Charaktere, die man allesamt nur als sinister bezeichnen kann, repräsentieren alle verschiedene Facetten des Nachkriegsdeutschland.

Ein Spitzenfilm. Ich kann es nicht erwarten, (vielleicht heute schon) die beiden anderen Filme zu sehen.

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Gestern gesehen: Wilder, Hitchcock

(In letzter Zeit versuche ich, vom langweiligen “Gestern gesehen” Titel wegzukommen, und etwas deskriptiver zu sein)

Frau ohne Gewissen (OT: “Double Indemnity”) ist nicht nur ein guter Grund, das Wort “Indemnity” im Wörterbuch nachzuschlagen, sondern auch ein sehr früher Film Noir. Wenn nicht der erste. Billy Wilder hat sich hier mit Raymond “Noir” Chandler zusammengetan, um ein Buch von einem gewissen James M. Cain zu adaptieren, das wiederum auf realen Begebenheiten beruht.

Die Story: ein Versicherungsvertreter und eine Ehefrau beschliessen gemeinsam, den Gatten umzubringen, zwecks Versicherungsbetrug. Noir-typisch geht das bei weitem nicht so gut wie geplant, und so findet sich der arme Vertreter in einer ungeschickten Lage wieder…

Exzellenter Film, exzellenter Regisseur: ich bin sehr erfreut, dass anlässlich des hundertsten Geburtstags von Billy Wilder so viele seiner Filme im Fernsehen laufen, und mit denen, die ich noch auf Video aufgenommen habe, werde ich sicher noch ein Weilchen beschäftigt sein.

Danach bin ich im Kriminal-Genre geblieben, und auch im selben Jahrzehnt, habe aber den Noir verlassen, um mir eine Hitchcock’sche Theater-Adaption anzusehen: den exzellenten Cocktail für eine Leiche (”Rope”), der schon immer zu meinen Favoriten unter den Hitchcocks gehört hat.

Handlung: Phillip und Brandon, zwei reiche Unistudenten, möglicherweise homosexuell, bringen einen Studienkollegen um – um zu beweisen, dass sie es können, und um die eigenartigen Thesen ihres ehemaligen Schulprofessors (James Stewart) zu untermauern. Anschliessend gibt man eine Party, bei der die Leiche ohne Wissen der Gäste in einer omnipräsenten Holztruhe versteckt ist.

Nachdem ich dieses Frühjahr erst “Mr. Hitchcock, wie haben sie das gemacht?” gelesen habe, das ultimative Hitchcock-Interview-Buch (ein endloses Interview über alle Hitchcock-Filme, geführt von Hitchcock-Fan und Filmregisseur Francois Truffaut), bin ich jetzt ziemlich fit, was den großen Hitch angeht.

Und als ich das Buch gelesen habe, war ich sehr überrascht, herauszufinden, dass Herr Hitchcock selbst diesen Film immer als einen seiner Geringeren angesehen hat. Wie kann er nur? Natürlich gibt es eine rationale Antwort: Hitchcock war schon immer ein Meister der Montage, ein exzellenter Editor, ein cleverer Cutter, dem entsprechend ein Film fast völlig ohne Schnitt im Nachhinein sehr seltsam vorgekommen sein muss.

“Rope” versucht nämlich, was sich viele erst Jahrzehnte später erlaubt haben: den gesamten Film in einer einzigen Aufnahme zu zeigen. Natürlich bewegt sich die Kamera, und natürlich gibt es versteckte Schnitte (die damaligen Kameras hatten lediglich ein Fassungsvermögen für maximal 10 Minuten Film), aber klassisches “Editing” im Sinne einer Montage fehlt natürlich.

Dennoch: wenn ich durch die Zeit reisen könnte, so würde ich zum Herrn Hitchcock gehen und ihm sagen: “Sie haben Unrecht, Herr Hitchcock! Rope ist Montage!” Als ich nämlich Rope das erste Mal sah, ist mir gar nicht aufgefallen, dass die Schnitte fehlen. Der Grund: Rope montiert, wie jeder andere Film, aber mit Kamerabewegung anstelle von Schnitten. Brilliant, Herr Hitchcock, und sie haben es nicht einmal selber gemerkt.

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Ja! Ja! Ja! Ja!

Ja! Ja! Ja! Ja! Ja! Ja!

GRANDIOS!!! GENIAL!!! UNVERGLEICHLICH!!!

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Ein schöner Trailer

Ich glaube, ich habe schon ein bisschen Hype für diesen Film betrieben:

http://playlist.yahoo.com/makeplaylist.dll?id=1441473&sdm=web&qtw=640&qth=400

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Gestern gesehen: The Devil’s Rejects

“Haus der 1000 Leichen” war ja ein recht nettes Debüt vom Herrn Rob Zombie als Regisseur, The Devil’s Rejects ist aber noch einmal ein ganzes Stück besser. Obwohl inhaltlich eine direkte Fortsetzung von den 1000 Leichen, sind die Rejects stilistisch jedoch ein völlig anderes Genre: statt dem 70er-Backwood-Slasher in bester “Texas Chainsaw”-Tradition befinden wir uns auf einmal in einem exzellenten Grindhouse-Revenge-Film.

Wo im ersten Teil dunkle Farben mit grellbunten Einsprengseln zu sehen waren, nimmt hier auf einmal der 16-mm-Film die staubig-helle Farbe der trostlos-wüsten Umgebung an. Die Mitglieder der Firefly-Familie sind zum Teil visuell kaum mehr zu erkennen, drastischstes Beispiel ist Otis (Bill Moseley), der durch ein sportliches Hinterwäldler-Vollbärtchen dreissig Jahre älter wirkt.

“The Devil’s Rejects” ist eine böse böse böse Tour de Force durch die bösen Teile von Alabama, zusammen mit bösen bösen bösen bösen Menschen. Dafür, dass die Firefly-Familie den ganzen Film lang unvorstellbare Grausamkeiten begeht, identifiziert man sich doch ziemlich gut mit ihnen, dank der bravourösen schauspielerischen Leistungen von Bill Moseley, Sheri Moon-Zombie und natürlich Sid “Captain Spaulding” Haig.

Ein wirklich kranker Film! Seht ihn euch besser nicht gemeinsam mit euren Großeltern an! Dieser Warnung kann ich eigentlich nur noch eines anhängen, nämlich einen für Insider sehr verblüffenden Vergleich: klick und klick.

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Gestern gesehen

Alice lebt hier nicht mehr von Martin Scorsese beginnt mit einer beeindruckenden Sequenz, die sehr eindeutig an den Anfang des “Zauberer von Oz” erinnert. Alice möchte Sängerin werden. Dann dreht der Film das Rad der Zeit dreissig Jahre weiter, und Alice ist keine Sängerin, aber Ehefrau und Mutter. Ehefrau ist sie aber nicht sehr lange, und so wird der Film ein Roadmovie. Irgendwie kommt dann noch Kris Kristofferson ins Spiel.

An Kristoffersons Bart zu ziehen bringt Glück, und so tut das Alice auch. Und es funktioniert. Kommt Alice in Monterey an? Wird sie Sängerin? Das sei hier nicht verraten. Verraten sei aber, dass Alice und ihr Sohn ein seltsames, humorvolles Mutter-Sohn-Verhältnis haben. Dass Harvey Keitel einfach nicht nett sein kann. Und dass ich die 12-jährige Jodie Foster erst für einen Knaben hielt.

Ein herzerwärmender und witziger Film – dessen Anfang so gar nicht zum Rest passen will. Ein faszinierender Film.

Münchhausen (1943) ist ein verdammt schwer zu beurteilender Film. Entstanden ist diese Verfilmung der berühmten Lügenbaron-Geschichten in Deutschland 1943 (oje!) als vierter deutscher Farbfilm und zum 25. UFA-Jubiläum (ojehmineh!).

Im bereits deutlich unter dem Krieg und damit unter der Rationierung jeglicher Ressourcen leidenden Deutschland wollte Goebbels einen beeindruckenden Großfilm schaffen, der mit ähnlich dimensionierten Filmen Amerikas mithalten konnte. Der Film sollte die beeindruckenden deutschen Logistikfähigkeiten unter Beweis stellen und die Leistungsfähigkeit des deutschen Films demonstrieren.

Dennoch kann man den Film keinesfalls als reines Propagandamittel sehen: der dem Regime kritisch gegenüberstehende Hans Albers war Hauptdarsteller (für einen Nichtnazi hat es Albers dann aber doch in ziemlich viele Nazi-Großproduktionen und Hitler-Lieblingsfilme geschafft), Drehbuchautor war ein gewisser Berthold Bürger. Und Bürger war ein Pseudonym für niemanden anderen als den populären deutschen Kinderbuchautor Erich Kästner. Und Kästners Bücher, das weiss heute jedes Kind, waren in NS-Deutschland verboten und wurden recht gerne auch verbrannt.

Ist der Film jetzt regimefreundlich oder -kritisch? Ganze Aufsätze wurden darüber verfasst, die meisten mit oft recht fehlerhaften oder eigenwilligen Argumenten in die eine oder andere Richtung. Meiner Meinung nach sind beide Elemente da, allerdings oft wenig ausgeprägt. Baron Münchhausen präsentiert sich sowohl als aufgeschlossener Weltbürger im modernen Sinne als auch als überlegene Allmachtsfantasie (gerade da kann man aber argumentieren, dass das im heutigen Action- und Abenteuerfilm oft nicht anders ist mit den Hauptfiguren), fremde Länder werden oft mit negativen Klischees belegt, die aus heutiger Zeit nur mehr sehr schwierig zu beurteilen sind (siehe etwa die Türken), andererseits ist die italienische Inquisition, die schalten und walten kann wie sie will doch recht eindeutig Kritik am System.

Was man allerdings, unabhängig von der möglicherweise transportierten Ideologie, mit Sicherheit loben kann, ist die pompöse, märchenhafte, beinahe kitschige Ausstattung. In riesigen Sets, authentischen Aussenaufnahmen (z.B. Venedig), mit bunten Kostümen und mit einwandfreien Special-Effects wird eine märchenhafte Traumwelt erzeugt, die in ihrer Opulenz auf Bürger des kriegsgebeutelten, unter Rationierung stehenden NS-Deutschland noch viel exzessiver gewirkt haben muss.

Gerade diese machen den Film gemeinsam mit der interessanten Diskussion über mögliche ideologische Hintergründe, den teilweisen recht originellen Einfällen (etwa dem selbstreflexiv-witzigen Anfang) und der überraschenden sexuellen Freizügigkeit (türkische Haremsdamen) auch heute noch zu einem interessanten Filmerlebnis.

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Gestern gesehen

Ariane – Liebe am Nachmittag habe ich irgendwann im Frühjahr aufgenommen, heute ist er zufällig wieder im Fernsehen. Bei dem Film handelt es sich um einen der weniger bekannten Filme von Billy Wilder. Der Film hat die noch sehr junge Prä-”Frühstück bei Tiffany”-Audrey Hepburn und den schon recht alten Gary Cooper in den Hauptrollen.

Hepburn, die Tochter eines Detektivs, der auf Ehebruch spezialisiert ist, verliebt sich in ihres Vaters Haupteinnahmequelle: den Schwerenöter Gary Cooper, der trotz seines fortgeschrittenen Alters (Cooper war 56) noch jedes Frauchen verführen kann (diese Fifties!). Um ihre Chancen zu steigern, täuscht Hepburn vor, auch schon jede Menge Erfahrung mit dem anderen Geschlecht zu haben.

Der Film ist vor allem interessant wegen seiner für damalige Verhältnisse lockere Moral. Aber das gilt ja für alle Filme von Billy Wilder. Gewisse Dinge (etwa 28 Jahre Altersunterschied zwischen dem greisen Cooper und der jugendlichen Hepburn – er war doppelt so alt wie sie!) muten befremdlich an, und die Hepburn sieht (anders als in “Frühstück …”) kaum attraktiv, sondern nur unheimlich aus. Eine Reihe von Frisuren, die sogar für die Fifties eigenartig wirken unterstreichen das durch ungeschickte Schminke und riesige, verkrümmte Augenbrauen seltsam verzerrt wirkende Gesicht, in einigen Szenen wirkt die Frau Hepburn so mager, dass es ungesund aussieht.

Der Film gehört sicher nicht zu Wilders großen Glanzmomenten, weiss aber durchaus zu erheitern.

Weniger erheiterlich ist die Fassung von Todesgrüsse aus Shanghai, die ich gestern dank RTL II ertragen durfte. Wie wir wissen haben Bruce Lee und seine unzähligen Klone nach seinem Tod zirka zehnmal soviele Filme gedreht wie davor, dieser hier ist jedoch eines der fünf oder sechs “Originale” – der echte Lee in einem echten Film.

Zum Film selbst: in einer zum Teil ganz netten, zum Teil ziemlich rassistischen (Stichwort “Japsen”) Handlung kloppt sich Bruce Lee durchs Shanghai des Jahres 1906, das damals von allerlei Besatzungsmächten (vorrangig “Japsen”) besetzt war, und rächt den Tod seines Meisters. Der umgebracht wurde von … “Japsen”.

Oder auch nicht. Hier ein kurzer Blick auf die vorgestern von mir aufgenommene und gestern angesehene Fassung:

Bei ihrer ersten Veröffentlichung in Deutschland wurde der ursprünglich 110-minütige Film um etwa 10 Minuten erleichtert. Irrsinnigerweise handelte es sich dabei größtenteils nicht um Gewalt-, sondern um Handlungssschnitte - so verschwand zum Beispiel völlig grundlos die ca. fünfminütige Einleitung. Der so entstandene Film hat allerdings immer noch eine FSK-18-Freigabe und ist indiziert (für nichts und wieder nichts), weshalb RTL II, die ja beim Herunterkürzen von 18 auf 16 schon legendär sind, noch einmal ca. 20 (!) Minuten herausgekürzt haben.

Die somit verbleibenden runden 80 Minuten kann man kaum mehr als Fragment beschimpfen. Von den spektakulär choreographierten Kämpfen, die laut Internet der einzige echte Grund sind, den Film anzusehen, bleiben insgesamt kaum mehr zehn Minuten übrig. Die Handlung springt wirr von einem Ort zum anderen, weil dazwischen relevante Szenen vollständig fehlen, Figuren tauchen auf, verschwinden wieder, sind plötzlich tot, Bruce Lee geht irgendwo hin, ist plötzlich wieder zurück, hat dann angeblich mit jemandem gekämpft, kämpft dann kaum zwei Schläge lang mit jemandem und der Film ist aus punkt.

Was nicht gekürzt wurde ist der offensichtliche und reichlich freche Rassismus, der dem Herrn Lee selber übrigens überhaupt nicht gepasst haben soll. Die Japaner, die als überzeichnete Bösewichter auftreten, sind hinterhältig und gemein und werden deshalb strafweise von der deutschen Synchronfassung durchgehend als “Japse” bezeichnet.

RTL II muss sich auch für die kurze Laufzeit geschämt haben und hat deswegen flugs wieder 15-20 Minuten Werbung eingebaut (ich als Werbekunde würde mich schämen, meine Werbung auf diesem Sender zu sehen). Zusätzlich wies ein freundliches Laufband während des Filmes ständig darauf hin, man solle sich (für nur 13,55 € [monatlich], zuzüglich abzüglich Transport-, Rückhol-, Aufholkosten, Abo-Kosten, Abo-Gutschrift, pro SMS, pro Anmeldung, Abmeldung, und in der Minute, Kiddies WÄHLT JETZT!) das Bruce-Lee-Handy-Game holen. Man fragt sich, ob da auch die Kämpfe rauszensiert wurden.

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Gestern gesehen: Billy Wilder

Billy Wilder, der emigrierte österreichische Meisterregisseur, wäre vorgestern hundert Jahre alt geworden. Mehr als genug Anlass für die Fernsehstationen, einen Großteil seiner Werke noch einmal auszustrahlen, und Gelegenheit für mich, mir ein paar der Filme anzusehen, die ich noch nicht kenne. Zwei davon, die zugleich zu seinen bekanntesten und besten gehören, habe ich mir gestern angesehen.

Stalag 17 (1953) dürfte für Wilder ein sehr persönlicher Film gewesen sein: Wilder musste wegen der Nazis emigrieren und verlor auch Verwandte (Mutter und Großmutter wurden im Holocaust getötet). Der Film ist die Geschichte eines Kriegsgefangenenlagers der Nazis, bzw. einer Gruppe von Soldaten, die dort in einer der Baracken untergebracht sind, und die einen Verräter in ihrer Mitte vermuten.

Der Verdacht fällt sofort auf den egoistischen Zyniker Sefton (William Holden), der sich von den anderen abgrenzt und ruchlose Geschäfte sowohl mit Insassen als auch mit den Wachen macht. Der Zuseher weiss natürlich: Sefton ist es nicht – aber wer dann?

Wilder schafft es auf brilliante Weise, komische Elemente in diesen Film einfliessen zu lassen, ohne dabei den dramatischen Charakter des Films zu unterminieren. Die Schauspieler (neben Holden sind vor allem der ebenfalls aus Österreich emigrierte Regisseur Otto Preminger und “Mission: Impossible”-Urgestein Peter Graves ein Begriff) leisten phantastische Arbeit. Das Drehbuch ist Wilder-typisch genial. Ein exzellenter Film, der definitiv zu Wilders Besten gehört.

Üblicherweise als Billy Wilders bester Film genannt wird jedoch Boulevard der Dämmerung (1950). Dank der Andrew-Lloyd-Webber-Vermusicalisierung ist der Film auch bei uns beinahe besser bekannt unter seinem Originaltitel ”Sunset Boulevard”, obwohl ich finde, dass der alte deutsche Verleihtitel es perfekt trifft.

Der Film ist Wilders Abrechnung mit dem Hollywood der damaligen Zeit: Joe Gillis (William Holden), ein erfolgloser Drehbuchautor, begegnet auf der Flucht vor Gläubigern der alternden Stummfilmdiva Norma Desmond (Gloria Swanson), die in der Abgeschiedenheit ihrer riesigen Villa an ihrem Comeback bastelt. Weder Gillis noch ihr Butler Max (der ebenfalls aus Österreich emigrierte Regisseur Erich von Stroheim), nicht einmal Regisseur Cecil B. DeMille (in einer Gastrolle) sind in der Lage ihr zu sagen, dass ihr jahrelang erarbeitetes “Salome”-Drehbuch äußerst schlecht ist, und ihr Comeback ins Scheinwerferlicht wohl niemals stattfinden wird.

“Boulevard der Dämmerung” ist ein Blick auf das gegenseitige Belügen, den Sado/Masochismus, Sein und Schein in Hollywood. Norma baut sich ihre eigene Scheinwelt auf, in der sie immer noch der größte Star der Welt ist, Joe und Max (der eine, weil er das Geld braucht, der andere, weil er sie verehrt) unterstützen sie dabei. Beide begeben sich in eine gefährliche Abhängigkeit, eine freiwillige, masochistische Gefangenschaft mit fatalen Folgen.

Joe ist hin- und hergerissen zwischen dieser düsteren Scheinwelt und der realen Welt, die ihm in einer ironischen Wende tatsächlichen Erfolg verspricht, und zwar in Gestalt der hübschen und engagierten Drehbuchschreiberin Betty, die mit ihm an einem Erfolg versprechenden Drehbuch bastelt (und gleichzeitig auch an ihm interessiert ist), und die er doch wegen Norma auf Distanz hält.

“Boulevard der Dämmerung” gehört wohl zu Wilders düstersten Filmen. Eine ähnlich düstere Abrechnung mit Hollywood (dann aber eher eine Rückschau) wird er später noch einmal in seinem vorletzten Film “Fedora” liefern, ebenfalls mit einer alternden Diva als Hauptfigur.

Den Ruf als Meisterwerk hat der Film verdient, er wird ihm mehr als gerecht: die düsteren Schwarz-Weiss-Bilder, die finstere Stimmung, die perfekte Inszenierung, das geniale Drehbuch: hier passt alles zusammen. Meisterhaft, Herr Wilder.

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Good News, Everyone!

You’ll be making a delivery to Stumbos 4, a planet with such high gravity you’ll most likely be crushed under the weight of your own hair. Enjoy!

Die wohl beste Fernsehserienbezügliche Nachricht der letzten zwanzig Jahre: der amerikanische Sender Comedy Central hat 13 neue Folgen der grenzgenialen Serie FUTURAMA bestellt. Und ich freue mich. Hauptfragen meinerseits: wird die Serie wieder das selbe Produktions-, Künstler- und Sprecherteam haben? Wird sie mit demselben Budget ausgestattet sein? Ich drücke die Daumen…

Näheres hier.

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