(Schon wieder massive Verspätungen auf’m Blog. Aber hey, ich hab’ Prüfungen.)
Stummfilme mal wieder – die waren zuletzt eh recht regelmäßig auf’m Blog. Den Einstieg machte Ernst Lubitschs Sumurun (1920). von Lubitsch kannte ich bis jetzt nur Tonfilme aus seiner amerikanischen Ära – sein deutsches Stummfilm-Schaffen war mir bis dato fremd. Nun gut.
Sumurun kann an allererster Stelle mit einer tollen Besetzung aufwarten: die grandiose (und zugegebenermaßen sehr gutaussehende) Pola Negri, Paul “Golem” Wegener, und Lubitsch selbst geben sich die Ehre in dem verzwurbelten Plot um einen Liebesreigen.
Plot: ach ja. Irgendwie seltsam. Zuerst mal: mit Sax Rohmer hat das Ding natürlich gar nix zu tun, nur damit ich hier mal kurz mit ein paar obskuren popkulturellen Referenzen prahlen kann. Soweit sich das zurückverfolgen lässt, war Sumurun ursprünglich eine Pantomime von einem gewissen Friedrich Feska, die dann 1910 erstmals verfilmt wurde (und zwar von niemand Geringerem als Max Reinhardt), und 1920 dann eben wieder. Im Internetz lässt sich aber irgendwie verdächtig wenig Information dazu finden, jegliche Googeleien führen immer zum Lubitsch. Interessant, wie so etwas in Vergessenheit geraten kann.
Egal, gehen wir lieber zum nächsten Film. Und da wird sich Kollege Heller vom pomlomplom…nein. Plomplom…lomlomplom..pom…anderen Filmblog freuen, denn er durfte fast 5 Monate auf ein Review von mir warten. Nix mit “baldigem Konsum”. Na Mus – Die Ehre (1926), der in der Tat dem wohl eher überschaubaren armenischen Stummfilm entspringt, und der allenthalben Lob bekam, weil er die Sitten und Gebräuche des Landes realistisch wiedergibt (=Eingeborene begucken).
Die Handlung ist eine Art Romeo-und-Julia-Variation, nur, dass die Eltern diesmal voll und ganz mit der Hochzeit einverstanden sind, biss Seyran seine geliebte Sussan irrtümlich berührt, und zwar während… der, wie sagt man, “gewissen Zeit im Monat”. Sie wissen schon. Launisch und so. Und das bringt große große Unehre ins Haus, Seyran darf Sussan doch nicht heiraten, stattdessen wird Sussan recht flink an einen Anderen getraut. Das passt dem Seyran nicht, er plaudet intime Details über Sussans Anatomie aus, das macht Sussans neuen Macker ziemlich grantig – puff.
Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass die armenische Schrift irgendwie aussieht wie lauter Us und Ns? Da wirken die Zwischentitel fast wie Morsen, wenn Unnunuunu zu Uununnu sagt “Uu nunnu unuunnu”. Faszinierend. Irgendwie sehr elegant, sollte ich mal lernen. Egal, zurück zum Film: der ist wirklich recht gut, zwar ein wenig, man möchte sagen, naiv inszeniert, sicherlich meilenweit von dem entfernt, was die Sovietunion sonst so um diese Zeit herum herausbrachte. Dennoch: recht unterhaltsam.
Und schließlich der Beste Film im Tripel (was mich irgendwie überrascht hat): Der Schachspieler (1927). Im Film geht es um Polens Kampf um Unabhängigkeit von Russland im Jahre 196.. – nein, Moment, 1918…nein, Moment, so, irgendwann gegen Ende des 18. Jahrhunderts oder so. Hui, hat Polen eine komplizierte Geschichte. Und so richtig Ruhe hatten die auch nie.
Egal. Neben Polen geht’s auch um einen Schachspieler, und zwar den coolsten aller Zeiten: Gary Kasparow den mechanischen Türken. Der wird im Film in einer Mischung aus Fakt und Fiktion von seinem Erfinder Wolfgang von Kempelen dazu benutzt, einen polnischen Freiheitskämpfer und Nationalhelden vor Katharina der Großen zu verstecken – etwas patschert allerdings, dass er seinen Schachautomaten auch gegen genau jene Katharina antreten lässt. (Was für ein Glück, dass nämlicher Freiheitskämpfer auch ein superber Schachspieler ist.)
Der Film zeichnet sich durch ein da und dort fast in Expressionismus gleitendes Design aus, durch eine relativ düstere, nicht zu sehr glorifizierende Handlung, und durch eine rasante, modern anmutende Art. Superb, hat mir sehr gut gefallen.