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Archiv: January, 2008

Vorgestern gesehen: Kammerzöfliches

OK, das ist mir jetzt irgendwie peinlich: Luis Buñuel gehört eigentlich zu den von mir ganz toll hochgeschätzten Regisseuren, und irgendwie habe ich völlig vergessen, dass ich Tagebuch einer Kammerzofe (1964) vor Jahren schon gesehen hatte. Peinlich, peinlich. Kurz zwei Einwürfe:

  1. ist es sehr schön zu sehen, wie durch den Geburtstag der Moreau auf einmal Regisseure gespielt werden, die man sonst das ganze Jahr über mit der Lupe suchen Muss (Antonioni ist noch so einer). Und
  2. kann ich schon wieder das Filmmuseum namedroppen: nach Masumura ist nämlich das Gesamtwerk von Buñuel an der Reihe. Es zahlt sich schon fast aus, in ein Zelt vor den Pforten des ‘museums zu übersiedeln.

Zum Film: ein Bourgeoisie-kritischer Roman und Buñuel, das geht ja schon mal recht gut zusammen. Interessanterweise verlässt Buñuel allerdings die vorgegebenen Pfade des Romans, um neben der “besseren Gesellschaft” auch den “kleinen Leuten” ein paar ordentliche Backpfeifen auszuteilen, vor allem in Gestalt des pädophilen Kindermörders/Kommunisten-, Juden-, etc.-Hassers, des bösen Försters. Dazu gibt’s ein richtig düsteres Ende. Faszinierend!

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Vor drei Tagen: Asia-Arte-Trash

Als ich das letzte Mal Asiatisches aus der arte-Trash-Reihe hier auf’m Blog hatte, habe ich unwissentlich zwei Filme von Yasuzo Masumura zusammengefasst: Die blinde Bestie und Die Tätowierung. Und während ich mir ersteren vielleicht bald auf DVD kaufen möchte, segnet das mittlerweile hochverehrte österreichische Filmmuseum die Welt mit einer Masumura-Retro. Es kann also gut sein, dass es an dieser Stelle bald mehr Masumura-Content gibt.

Die vor drei Tagen besichtigten asiatischen Filme, die der Trash-Reihe von Lieblingssender arte entsprangen, stammen indes nicht von Meister Masumura. Sayuri, die Stripperin (1972) stammt von einem gewissen Tatsumi Kumashiro (oder Kumashiro Tatsumi für die totalen Asien-Nerds) und aus dem von mir mäßig geschätzten Genre des Pinku Eiga. Handlung: die Stripperin Harumi ist eifersüchtig auf die Stripperinnen-Legende Sayuri Ichijo (gespielt von Stripperinnen-Legende Sayuri Ichijo). Nach einigem Hin und Her und dem üblichem Maß an japantypisch spärlichem nackten Fleisch ist sich der Filmking recht sicher, dass ihn das Pink-Genre nach wie vor eher langweilt. Obwohl der Film, das muss man zugeben, ästhetisch wirklich sehr nett umgesetzt ist.

Danach: Gozu (2003) von Takashi Miike, den man mitunter als einen der kränkeren Japaner bezeichnen kann. Gozu macht da weitestgehend keine Ausnahme: ein Yakuza verliert langsam den Verstand, weshalb ihn sein bestester Yakuza-Freund von allen auf eine Müllhalde und dort sodann um die Ecke bringen soll. Aber es kommt anders: in unmittelbarer Umgebung der Müllhalde verschwindigt sich das (zu diesem Zeitpunkt bereits irrtümlich verstorbene) Opfer und sein verhinderter Henker findet sich mit allerlei seltsamen Gestalten aus Japans Unter- und Oberwelt konfrontiert: dubiose Banden mit Yakuza-Tattoo-Kollektion im Dry-Cleaning-System, Muttermilch-fetischistische Motel-Betreiberinnen, und seinem Opfer – das allerdings in Form einer schönen Frau wiedergeboren wurde. Soweit ganz ok, aber ich durchblicke (abgesehen von der obligatorischen Freud’schen Ebene) den Symbolismus nicht ganz und hab’ mich – bei all dem Spektakel – fast ein bisschen gelangweilt. Dennoch: originell.

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Gestern gesehen: Körperverletzung

Vor etwas über einem Jahr habe ich einem sehr überraschenden Film ein sehr positives Review spendiert: Jackass - Nummer zwei (2006). Entsprechend war daher auch mein Interesse am bisher unbekannten ersten Teil gesteigert, wie im Review des ersten Teils erwähnt. Eine kürzliche TV-Ausstrahlung ließ mich also den Lapsus im Filmking’schen Filmkanon ausgleichen – und ich war enttäuscht.

Jackass – The Movie (2002) kann, äh, in keinster Weise halten, was sein Vorgänger versprach. Anstatt der charmant-verspielten Versuche, sich selbst zu verletzen gibt’s im ersten Teil das, was ich auch aus der Fernsehshow in Erinnerung hatte: Pöbel-Aktionen von größtenteils zweifelhafter Lustigkeit, die aber auch bei weitem nicht schockierend genug sind, um mit bloßer Shock Value zu punkten. Eine Randale-Fahrt im Golfkart durch die Minigolfanlage, das ist nichts, was mir im Tiroler Unterland im Tausch gegen einen Kasten Bier nicht auch geboten wird. Nur wenige der Stunts können tatsächlich unterhalten (das Off-Road-Tattoo etwa hält, was der Name verspricht), meistens fehlt die notwendige Rafinesse. Ein grande finale wie im zweiten Teil fehlt ebenfalls. Schade.

Danach ein bisschen mehr Anspruch, um den geballten Blödsinn des Jackass-Films aus dem System zu spülen: Roman Polanskis Bitter Moon (1992), einer der mittlerweile abzählbar wenig gewordenen Polanski-Filme, die ich noch nicht kenne.

Handlung: ein Paar auf Ehe-Einrenkungs-Kreuzfahrt nach Indien (Er: ein noch kaum bekannter Hugh Grant) trifft auf einen seltsamen Rollstuhl-Schriftsteller und sein Sexluder-Eheweib. Obwohl der Hugh es gar nicht so recht will, schüttet der Schreiberling ihm sein Herz aus und erzählt die grausige Geschichte der Ehe (die auch für den Verlust seiner motorischen Unterleibsfähigkeiten war), die dann auch des Hughs Ehe verändert.

Bitter Moon ist vor allem eine gute Geschichte. Die Flashback-basierte Erzählweise ist ausserordentlich spannend und gut umgesetzt, die Figuren (allen voran Peter Coyote als Pariser Möchtegern-Hemingway) interessant gespielt, das Ende düster. Dazu viele schöne Symboliken (der wortwörtlich durch die Beziehung entmannte Schreiber etwa) – mit Polanskis neueren Filmen bin ich ja eher vorsichtig, aber der hier erhält eine Rundum-Empfehlung.

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Best Tattoo Ever.

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Gestern gesehen: die zweitböseste Stiege der Welt

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In feiner Tradition an den letzten Sonntag anknüpfend spendiere ich dem im österreichischen Filmmuseum gezeigten Vertigo (1958) von Alfred Hitchcock einen eigenen Blogeintrag. Das hat er sich redlich verdient – rangiert er doch an zweiter Stelle der 1000 besten Filme (übertroffen nur von Orsons Kane) und (gemeinsam mit Psycho) an erster Stelle von des Filmkings persönlicher Hitchcock-Topliste. Ja, ich weiß, leidlich originell, aber durchaus angemessen, wenn man bedenkt, wie gut die beiden Vorstellungen im Filmmuseum besucht waren - die Freundin und ich hatten Glück, überhaupt noch Karten fürs Vertigo zu bekommen (aber vielleicht gab’s ja einen Haufen Groupies, die dachten, U2 würde aufspielen, was auch die diversen Bono-Fanplakate erklärt hätte).

Und an dieser Stelle gleich eine persönliche Warnung an SIE, lieber Leser: sofern Sie tatsächlich den zweitbesten Film aller Zeiten noch nicht kennen, widerstehen Sie der Versuchung, beim obigen YouTube-Video “Play” zu drücken (sehen Sie sich lieber schnellstmöglich den kompletten Film an) – es gibt nur eine richtige Art und Weise, sich Vertigo zum ersten Mal anzusehen, nämlich so, wie ich ihn das erste Mal gesehen habe.

Ich hatte nämlich das ganz immense Glück, den Film zu einem Zeitpunkt zu sehen, als ich noch so gut wie nichts über den Film wusste. Ich wusste, dass Vertigo (das Schwindelgefühl) das zentrale Motiv des Films war, und ich kannte diese Jimmy-Stewart-fällt-fast-vom-Dach-Szene. Ich hab’ mich also eines Tages hingesetzt und mir den Film angesehen. Und ich war… erschüttert, fasziniert und zutiefst bewegt.

In den letzten Jahrzehnten seit seiner Wiederveröffentlichung 1983 (ui, mein Geburtsjahr) hat sich eine ganze Traube von Filmkritkern und Aficionados gebildet, die Vertigo – wie soll ich sagen – sehr tiefsinnig interpretieren. Im Flyer des Filmmuseums findet der Filmking etwa eine sehr kryptische Kurzbeschreibung, in der es vor allem um die Unmöglichkeit der textuellen Beschreibung des Films geht, zusammen mit zwei Zitaten. Harry Tomicek, der Verfasser des Kurzreviews, bezeichnet Vertigo als “einen Film, der eine Spirale darstellt, an deren einem Ende die Farbe Grün steht und an deren anderem das Nichts.” Zusätzlich holt er den ollen Chris Marker aus dem Talon, der über Vertigo gesagt haben soll: “Ein Taumel des Raums, der ein Taumel der Zeit ist.”

Etwas theatralisch, die beiden Zitate, zugegeben, aber durchaus angemessen: Vertigo fügt sich einfach nicht ins Bild eines konventionellen Krimis. Zu unreal, zu (alp)traumhaft mutet der Film an. Ein Taumel, das ist tatsächlich der richtige Begriff. Eigentlich den ganzen Film lang unter Vertigo leidend, taumelt der arme Jimmy Stewart durch einen unheimlichen, vibrierenden, intensiven Film. Hitchcocks Bilder zusammen mit Herrmans (wieder einmal) unerträglich brilliantem Score erzeugen eine in der gesamten Filmgeschichte einzigartige Stimmung, eine Stimmung, für die tatsächlich die Worte fehlen.

vertigo-tower-down.jpg

PS: falls sich jetzt jemand fragen sollte, welche denn die böseste Stiege der Welt sei, wenn Hitchs Turmstiege nur Platz zwei einnimmt, so lautet die Antwort: die vor meiner Wohnung. Vor der fürchtet sich nämlich die Freundin ganz ausserordentlich. Ja, ja, der Wiener Altbau-Charme.

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Vorgestern gesehen: Euro-Action

Spion zwischen zwei Fronten (1966): Christopher Plummer spielt Eddie Chapman, einen britischen Bankräuber/Tresorknacker, der im Weltkrieg Numero zwo in die Hände der Nazis fällt und von ihnen zum Spion ausgebildet wird, bei seinem ersten Einsatz aber flugs die Seiten wechselt und fortan für Alliierte und Achse spioniert.

Der stark fiktionalisierte Film fällt vor allem dadurch auf, dass die Nazis überraschend gut wegkommen. Zum Einen haben sie die wesentlich bessere Besetzung in Form von Romy Schneider, Gert Fröbe und Yul Brynner (ultracool mit Monokel) – zum Anderen fällt eine relativ ambivalente Darstellung auf. Spion zwischen zwei Fronten setzt sich somit recht unangenehm zwischen zwei Stühle: für eine ernste Auseinandersetzung mit dem Weltkrieg ist der Film zu belanglos-fiktiv, für einen Kriegs-Action-Film a la Agenten sterben einsam wird deutlich zu viel geredet und zu wenig geballert. Dennoch recht unterhaltsam.

Der Profi II (1987) – den sogenannten ersten Teil hab’ ich vor geraumer Zeit gesehen, der zweite Teil war mir schon im Vornhinein eher als Fußnote des Jean-Paul-Belmondo’schen Schaffens bewusst – trägt er seinen Namen als zweiter Teil eines ersten doch eh nur im Deutschen. Mehr als den Namen und den Hauptdarsteller haben die beiden Filme nicht gemein. Ersterer ist ein grandios zynischer Euro-Actionfilm, zweiterer ein 08/15-Actionreisser, der so belanglos ist, dass es offenbar sogar Rainer Brandt die Sprache verschlagen hat. Einzig nennenswert ist die brechreiz-auslösende Eighties-Mucke und die teilweise dazupassend durchschlagenden Stilelemente. Absolut keine Anguck-Empfehlung.

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Meine Meinung: a Quantchen of Trost

(Hiermit startet der Versuch, in einer Art wöchentlicher Kolumne meine Meinung zu Aktuellem aus der Welt des Films kundzutun.)

Der Titel des neuen, zweiundzwanzigsten James-Bond-Films ist bekanntgegeben worden. Er lautet…

(Trommelwirbel)

James Bond 007

in

Quantum of Solace.

???

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OK, ja, gut. Ich kann verstehen, dass nach 21 23 – äh, muss ich jetzt den alten Casino Royale, den ganz alten Casino Royale und You Never Live Twice mitzählen? – dass nach duzenden Bond-Filmen die coolen Titel langsam zur Neige gehen. Goldfinger. Thunderball. The Spy Who Loved Me. Octo…ok, der is’ peinlich. The Man with the Golden Gun. Qua…nein! Irgendwie fehlt dieser Pulp-Faktor. Es kommt weder “Die” noch “Gold” drin vor, es fehlt dieses dezente Macho-Ding.

Kann man sich auch nur im entferntesten vorstellen, dass Shirley Bassey, Tom Jones oder meinetwegen Madonna aus diesem Titel einen brauchbaren Song machen könnten? Es wird schwierig, etwas zu finden, das sich auf “Quantum of Solace” reimt. “It’s a Quaaaantum of Solaaace…”

Noch größer wird der Spaß dann, wenn die deutschen Übersetzer sich dann an die Arbeit machen dürfen. “Ein Quentchen Trost”? Da sehe ich nicht gerade Daniel Craig als britischen Super-Geheimagenten vor meinem geistigen Auge. Mehr so…Meryl Streep als…krebskranke Kindergärtnerin…die…irgendwas Schmalziges macht. Und Robert Redford.

Aber man hat da wohl nur zwei Möglichkeiten:

(a) man behält den englischen Titel einfach bei, was die deutschen Übersetzer dazu verpflichten würde, einen dämlichen Unter-Untertitel zu finden (denn englische Titel ohne dämliche deutsche Untertitel, das geht ja gar nicht) – James Bond 007 : Quantum of Solace - Spion in Liebesnöten oder so.

Oder 2.), man erfindet einen völlig neuen deutschen Titel. Was den deutschen Titelverpatzern dann eigentlich nur zwei Möglichkeiten lässt: entweder, der deutsche Titel gemäß der stummen Gesetze deutscher Filmbetitelung verfasst sein. Hirnrissig, am Thema vorbei, oder, Königsdisziplin, mit fettem Inhaltsspoiler (wie wär’s mit James Bond 007 – Vesper Lynd ist gar nicht tot oder James Bond 007 – Endlich stirbt M?).

Oder man findet einen neuen englischen Titel, der etwas schlichter gestrickt ist als das Original. Wie wär’s mit James Bond 007 – 2 fast 4 Triple-X?

Dazu hat Empire mittlerweile die ersten Promotionsfotos zum Film veröffentlicht, die die Hauptfiguren des Films zeigen, und die sich in drei Kategorien einreihen lassen:

  • Figuren, die genauso aussehen wie im letzen Film
  • Bondgirls, die noch unspektakulärer sind als Eva Green
  • Schurken, die so aussehen wie Linda Hunt.

Insgesamt ist meine sanfte Euphorie über die Tatsache, dass der Film eine direkte Fortsetzung des vorangegangenen wird, ist sanfter Skeptik, dass der Film langweilig wird gewichen. Aber mal sehen. Dass Felix Leiter und Rene Mathis wieder mit dabei sind, spendet mir zumindest – achtung Schlusspointe – ein Quentchen Trost. Hihi.

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Gestern/Vorgestern: der menschliche Körper

Der menschliche Körper ist irgendwie dann am Grausligsten, wenn er versagt – etwa im Falle von Ramón Sampedro, der als Tetraplegiker in seinem Körper gefangen war und sich nichts sehnlicher wünschte als legale Sterbehilfe. Die obligatorische Verfilmung seines Lebens heißt Das Meer in mir (2004).

Es gibt Themen, die gehen irgendwie gar nicht. Die sind schon so zu Tode getreten, dass man sie gar nicht mehr stöhnen hören will. Fliegt doch ab mit dem Kack. Und da gehört für mich die ganze leidige Sterbehilfe-Diskussion mit dazu. (Und amüsanterweise auch die diagonal gegenüberliegende Abtreibungs-Debatte.) Und dem Film von Alejandro Amenábar (Öffne die Augen, The Others) gelingt es auch absolut nicht, dem Thema neue Facetten abzuringen. Naja, Kunststück, das Thema ist töter als tot.

Interessant ist lediglich die Darstellung Ramóns durch Javier Bardem, dem es dank mäßigem Age-Make-Up und tollen Schauspielkünsten gut gelingt, mich seine Glanzleistung im letzten Coen-Film ausblenden zu lassen und nicht jeden Moment damit zu rechnen, dass Ramón sich plötzlich aufrichtet und diverse Leute mit der Luftdruckflasche um die Ecke bringt. Ansonsten ist der Film banal, konventionell und pseudoberührend. Also quasi perfekt für einen Oscar.

Und gestern dann gemeinsam mit der Freundin der neue Film vom Meister des menschlichen Körpers, David Cronenberg: Eastern Promises – Tödliche Versprechen. Die Freundin hat’s schön formuliert: das sei ein Film für Männer. Ja, stimmt. Ich möchte ergänzen: das ist ein Drama für Männer.

Dabei muss man bei näherer Betrachtung zugeben: eigentlich ist die Handlung ja eine Katastrophe, eines drittklassigen B-Movies kaum würdig. Der wild hakenschlagende Plot um Minderjährige vergewaltigende, halbschwule Russenmafiosi in London und die Hebamme, die dem allen auf der Spur ist, wäre in den Händen eines weniger guten Regisseurs vermutlich zum hemmungslos peinlichen B-Thriller geworden und binnen Wochen in den hinteren Reihen der Videotheken-Wühltische verschwunden.

Doch alleine durch die kunstfertige, irgendwie an Kaurismäki gemahnende Inszenierung schafft es Cronenberg, dass der Zuseher die die oft grenzgängerischen Twists (etwa den um die Identität von Viggo Method Man Mortensen) dezent übersieht. Cronenbergs Faszination für den menschlichen Körper ist indes ungebrochen und manifestiert sich diesmal in Frühchen, History of Violence-esker Gewalt und russischen Mafia-Tattoos. Schön.

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22./23.: Stummfilme-Mix

(Schon wieder massive Verspätungen auf’m Blog. Aber hey, ich hab’ Prüfungen.)

Stummfilme mal wieder – die waren zuletzt eh recht regelmäßig auf’m Blog. Den Einstieg machte Ernst Lubitschs Sumurun (1920). von Lubitsch kannte ich bis jetzt nur Tonfilme aus seiner amerikanischen Ära – sein deutsches Stummfilm-Schaffen war mir bis dato fremd. Nun gut.

Sumurun kann an allererster Stelle mit einer tollen Besetzung aufwarten: die grandiose (und zugegebenermaßen sehr gutaussehende) Pola Negri, Paul “Golem” Wegener, und Lubitsch selbst geben sich die Ehre in dem verzwurbelten Plot um einen Liebesreigen.

Plot: ach ja. Irgendwie seltsam. Zuerst mal: mit Sax Rohmer hat das Ding natürlich gar nix zu tun, nur damit ich hier mal kurz mit ein paar obskuren popkulturellen Referenzen prahlen kann. Soweit sich das zurückverfolgen lässt, war Sumurun ursprünglich eine Pantomime von einem gewissen Friedrich Feska, die dann 1910 erstmals verfilmt wurde (und zwar von niemand Geringerem als Max Reinhardt), und 1920 dann eben wieder. Im Internetz lässt sich aber irgendwie verdächtig wenig Information dazu finden, jegliche Googeleien führen immer zum Lubitsch. Interessant, wie so etwas in Vergessenheit geraten kann.

Egal, gehen wir lieber zum nächsten Film. Und da wird sich Kollege Heller vom pomlomplom…nein. Plomplom…lomlomplom..pom…anderen Filmblog freuen, denn er durfte fast 5 Monate auf ein Review von mir warten. Nix mit “baldigem Konsum”. Na Mus – Die Ehre (1926), der in der Tat dem wohl eher überschaubaren armenischen Stummfilm entspringt, und der allenthalben Lob bekam, weil er die Sitten und Gebräuche des Landes realistisch wiedergibt (=Eingeborene begucken).

Die Handlung ist eine Art Romeo-und-Julia-Variation, nur, dass die Eltern diesmal voll und ganz mit der Hochzeit einverstanden sind, biss Seyran seine geliebte Sussan irrtümlich berührt, und zwar während… der, wie sagt man, “gewissen Zeit im Monat”. Sie wissen schon. Launisch und so. Und das bringt große große Unehre ins Haus, Seyran darf Sussan doch nicht heiraten, stattdessen wird Sussan recht flink an einen Anderen getraut. Das passt dem Seyran nicht, er plaudet intime Details über Sussans Anatomie aus, das macht Sussans neuen Macker ziemlich grantig – puff.

Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass die armenische Schrift irgendwie aussieht wie lauter Us und Ns? Da wirken die Zwischentitel fast wie Morsen, wenn Unnunuunu zu Uununnu sagt “Uu nunnu unuunnu”. Faszinierend. Irgendwie sehr elegant, sollte ich mal lernen. Egal, zurück zum Film: der ist wirklich recht gut, zwar ein wenig, man möchte sagen, naiv inszeniert, sicherlich meilenweit von dem entfernt, was die Sovietunion sonst so um diese Zeit herum herausbrachte. Dennoch: recht unterhaltsam.

Und schließlich der Beste Film im Tripel (was mich irgendwie überrascht hat): Der Schachspieler (1927). Im Film geht es um Polens Kampf um Unabhängigkeit von Russland im Jahre 196.. – nein, Moment, 1918…nein, Moment, so, irgendwann gegen Ende des 18. Jahrhunderts oder so. Hui, hat Polen eine komplizierte Geschichte. Und so richtig Ruhe hatten die auch nie.

Egal. Neben Polen geht’s auch um einen Schachspieler, und zwar den coolsten aller Zeiten: Gary Kasparow den mechanischen Türken. Der wird im Film in einer Mischung aus Fakt und Fiktion von seinem Erfinder Wolfgang von Kempelen dazu benutzt, einen polnischen Freiheitskämpfer und Nationalhelden vor Katharina der Großen zu verstecken – etwas patschert allerdings, dass er seinen Schachautomaten auch gegen genau jene Katharina antreten lässt. (Was für ein Glück, dass nämlicher Freiheitskämpfer auch ein superber Schachspieler ist.)

Der Film zeichnet sich durch ein da und dort fast in Expressionismus gleitendes Design aus, durch eine relativ düstere, nicht zu sehr glorifizierende Handlung, und durch eine rasante, modern anmutende Art. Superb, hat mir sehr gut gefallen.

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Virales Marketing ahoi, Captain!

Ich komme hiermit meiner Verpflichtung als alter Trek-Fan nach, jeden kleinen Kack über den nahenden Film mit dem klangvollen Titel Star Trek auf den Blog zu packen. Ganz in alter Cloverfield-Tradition hat der Meister des viralen Marketings, J.J. Abrams, bereits die erste Promotions-Seite gestartet: www.ncc-1701.com recycelt die “Ich schweiss’ mir meine Enterprise”-Clips aus dem Teaser auf drei “Überwachungskameras”, die der User erst mal scharfstellen muss. Und wer ganz ganz brav mit der “Druck”-Taste im Anschlag wartet, bekommt auf dem vierten Monitor das zu sehen:

ncc-1701.JPG

(keine Angst, ich hab’ nicht selbst gewartet, sondern das Bild einfach hier geklaut.)

Bin ich der Einzige, den das in geradezu perversem Maße an das Innere eines gewissen Kampfsternes erinnert? So, mit dunklen, spitz zulaufenden Korridoren und so? Naja, ich bin mal gespannt…

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Gestern gesehen: am Rande der Achziger

Ich neige dazu, die frühen Neunziger stilistisch noch gerade mal so zu den Achzigern dazuzurechnen. Ein sehr Achziger-frühe-Neunziger-mäßiger Film ist Der Tod steht ihr gut (1992) von Robert Zemeckis. Interessanterweise kann ich mich noch dunkel erinnern, wie der seinerzeit in Kufstein angelaufen ist – obwohl ich damals so höchstens um die 10 Jahre alt war. Das erste Mal gesehen habe ich ihn viel später, und seither alle zehn oder so Jahre mal wieder. Entsprechend war meine Erinnerung an den Film bestenfalls vage, und eine Ausstrahlung auf Arte ließ mich vermuten, dass der Film jetzt in die Riege der Filme gehörte, die nach 15 Jahren reevaluiert und zum übersehenen Meisterwerk oder Stimmungsbild ihrer Zeit erklärt wurden.

Naja, denkste. Der Tod steht ihr gut ist nach wie vor ein seichtes Unterhaltungsfilmchen, spaßig, ja, hauptsächlich aufgrund seiner tollen Besetzung. Die echte Handlung ist aber in drei Sätzen erzählt, echte Satire oder gar Gesellschaftskritik sind wohl auf dem Hollywood-Altar der Massentauglichkeit geopfert worden – und Regisseur Zemeckis war wohl mehr an der Umsetzung der (für damalige Zeiten exzellenten) Special Effects interessiert.

Tourneurs Katzenmenschen hab’ ich vor Ewigkeiten mal gesehen, zu einem Zeitpunkt, als ich definitiv noch nicht reif dafür war. Den muss ich mir schleunigst mal wieder ansehen und reevaluieren (womit ich dieses Wort heute ein zweites Mal verwendet hätte). Bis dahin muss aber eine Sichtung von Paul Schraders Version reichen: Katzenmenschen (1982).

Schrader macht genau Dasselbe wie Tourneur: er nimmt das Grundkonzept, die etwas trashige Wer-Katzen-Geschichte, und verwandelt sie in einen düsteren Dramathriller, der vor allem den erotischen Aspekt hervorhebt. Natürlich haben sich die Zeiten geändert und so darf Schrader wesentlich expliziter ans Werk gehen. Nastassia Kinski, Tochter des Erlösers, darf entsprechend einen ganz gehörigen Teil des Filmes nackend verbringen. Schrader schrammt dabei wesentlich näher am Trash vorbei als es Tourneur tat, was auch an den Eighties-Gore-esken Leoparden-Transformations-Effekten liegt. Nichtsdestotrotz ein faszinierender Film. Notizen:

  • Malcolm McDowell spielt mit – in einer für mich höchst ungewöhnlichen Altersperiode, nämlich irgendwo genau zwischen dem jugendlichen Clockwork-Alex und dem ergrauten Herrn, den man mittlerweile kennt.
  • Giorgio Moroder, vor allem bekannt für eine angeblich recht missglückte Musikfassung von Metropolis, steuert einen extrem stimmungsvollen Soundtrack bei, der für mich wesentlich die Stimmung trägt. Und, kurios kurios: Der Abspannsong, eine Variation auf das den Film durchziehende Thema, wird gesungen von David Bowie. “Putting Out the Fire”.
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