Vor-Vorgestern gesehen: Im Krieg und in der Liebe
Da hat mich doch glatt die Freundin in Love Vegas geschleppt. Naja, ganz so stimmt’s nicht: wie in der aktuellen Kinovorschau beschrieben war der Trailer ziemlich witzig und so hab’ ich mich alles andere als gewehrt, als sie den Film vorgeschlagen hat.
Kurz vor dem eigentlichen Filmreview: erstens – liebe Posterdesigner, das ist doch wohl ein Witz, oder? Weißer Hintergrund, Cameron, Ashton, und das war’s? Und was hat das jetzt in irgendeiner Weise mit dem Film zu tun? Zweitens, und ich glaube, jeder weiß, welcher Rant jetzt kommt: der leidige deutsche Titel. Der englische Titel ist halbwegs raffiniert – “What happens in Vegas stays in Vegas”, ein altes Sprichwort, das in diesem Film eben ganz genau nicht eintritt. Deutscher Titel: “Love Vegas” – weil’s in dem Film irgendwie um Liebe geht und weil sich “Love” mit sehr, sehr viel Mühe und deutschlicher Aussprache auf “Las” reimt. Dann stellen sich eben dem CAE-zertifizierten Filmking jedes Mal die Nackenhaare auf, wenn er im Kino hört, dass sich das Pärchen neben ihm “Laaf Wegas” ansieht.
Jetzt aber zum eigentlichen Film, der eine fast screwballhaft komplizierte Prämisse sein eigen nennt: Ashton hat gerade seinen Job verloren, Cameron ihren Verlobten (und ihre Bleibe). Lösung vom jeweils besten Freund: Vegas-Sauftour. Konsequenz: Ring am falschen Finger, die beiden sind gebunden bis dass der Tod sie scheidet. Naja, im 21. Jhdt. ist das keine wirkliche Geschichte mehr, und so will man sich gerade auf eine Scheidung einigen, als ein Glücksspielgewinn (wir sind ja in Vegas) das eheliche Barvermögen in den Bereich mit sechs Nullen katapultiert. Die Scheidung verkompliziert sich, der Richter verordnet in bester RomCom-Tradition sechs Monate Zwangsehe, bevor eine Entscheidung über das Geld getroffen werden kann. Den Rest kennt man eh: was sich neckt, das liebt sich bekanntermaßen, und so finden Ashton und Cameron schließlich über die Prä-Happy-End-Krise hinweg schließlich zu ebendiesem.
Okay, der Humor ist größtenteils geglückt, und so man nicht an den Konventionen des Genres aneckt (der Filmking tut das angesichts eines momentanen Überschusses an Romantik-Hormonen absolut nicht) ist der Film durchaus passabel unterhaltsam. Das eine oder andere Klischee ist dann aber vielleicht doch ein bisschen zu dick aufgetragen (so kommen die Liebenden schließlich nicht nur zusammen, sondern jeder wird auch noch ohne wirklichen Anlass ein signifikant besserer Mensch) und das alte Trailer-Humor-Phänomen schlägt auch wieder mal zu: die besten Gags sind eigentlich allesamt schon im Trailer gewesen, und haben dort durch die formatbedingt höhere Rasanz auch noch um einiges besser gezündet.
Danach: John Phillip Law ist gestorben, und wie angekündigt fand sich auf der Recorder-Festplatte noch der kürzlich auf Das Vierte ausgestrahlte Manfred von Richthofen – Der rote Baron (1971), in welchem Law den titulärenwelchen gibt.
Interessanter als Law (der eine sehr gute Performance gibt) ist allerdings die kreative Kraft hinter dem Film: Roger Corman, der legendäre B-Papst, schuf den Film mit einem (für 1971 sehr niedrigen) Budget von 900.000 Dollar. Den Film deshalb als billig oder gar Trash zu bezeichnen wäre aber unverdient. Vielmehr ist der Baron ein Paradestück an kostengünstiger Filmproduktion, denn die niedrigen Kosten sieht man ihm keinesfalls an.
Darüber hinaus brilliert der Film mit einem sehr guten Drehbuch, das zwar durchaus seine holprigen Momente hat, insgesamt aber weit über das übliche Corman-Niveau hinausschießt – eine schöne (Anti-)Kriegsgeschichte bietet sich hier, über den Untergang soldatischen Edelmuts und ritterlicher Kriegsrichtlinien zugunsten der gnadenlosen Härte der Konflikte des 20. Jahrhunderts. Dazu gibt’s ein paar ordentliche Luftkämpfe, die sich durchaus sehen lassen können. Fazit: sehr solide, durchaus unterhaltsam.

Und das ist echt alles, was euch zu “Vegas” eingefallen ist?

