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Gestern gesehen: Filme mit TV-Bezug

HBOFilms scheint beinahe so etwas wie ein Garant für Filme mit relativ hohem Qualitätsniveau zu sein, wenngleich man üblicherweise eher Gedankenketten wie “HBOFilms -> HBO -> Fernsehen -> Hallmark Entertainment -> Müll” anwendet. Im Fall von American Splendor zeigen die Herren vom großen amerikanischen Kabelsender wieder einmal, was sie draufhaben.

Harvey Pekar ist so etwas wie der König der Grantler: er hat seine Granteleien zum Beruf gemacht, indem er in den Siebzigern und Achzigern mit einem autobiographischen Comic große Erfolge bei Kritikern und Publikum feierte. Moment, Korrektur: er hat seine Granteleien nicht zum Beruf gemacht, weil sein Comic zwar erfolgreich war, aber keinesfalls zum Überleben reichte. Deshalb hat der Mann, der durch sein Comic und regelmäßige Auftritte als Witzfigur bei Letterman in ganz Amerika berühmt wurde, nebenher seinen Job als Verwaltungsbeamter bis zur Pensionierung behalten.

Pekar hat aber noch eine interessante Eigenschaft: er sah in jüngeren Jahren beinahe genauso aus wie Paul Giamatti. Und der ist ja gerade auf dem besten Wege, sich als Spitzenschauspieler zu etablieren. Passt also gut zusammen.

Und so ergibt sich eine semidokumentarische Filmbiographie, die durch Auftritte der echten Personen eine dokumentarische Note erhält – passend für einen Mann, der sein Leben damit verbracht hat, sich selbst zu dokumentieren. Fazit: exzellenter Film.

Ein Computer wird gejagt (auch: Ein Android wird gejagt, 1974) war ursprünglich als Pilotfilm für eine Science-Fiction-Serie geplant gewesen – weil der Film aber für die Siebziger ein wenig zu kopflastig und atypisch war, wurde daraus nichts, der Film verschwand in der Versenkung. Heute gibt es nur einen Grund, warum der Film manchen Leuten noch ein Begriff ist und entsprechend ab und an in einer sehr ausgeblichenen, spürbar gealterten Kopie auf Das Vierte läuft: der Film ist aus der Feder von Star-Trek-Schöpfer Gene Roddenberry.

Obacht, lieber Leser: der Blogschreiber wird den Film jetzt wohl ein bisschen durch die rosa Brille eines Star-Trek-Fans betrachten.

Der Film ist OK. Für einen abgelehnten Serienpiloten aus den Siebzigern aber doch überraschend stark, mit nennenswerten Momenten und einem sehr überraschendem Schluss. Ja, der Schluss ist wohl das Nennenswerteste: der Film geht völlig anders aus, als man zu Beginn erwarten mag.

Star-Trek-Bezüge: der auffälligste Bezug ist der Android Questor selbst, der ein recht eindeutiger Prototyp von Commander Data aus Star Trek: The Next Generation ist. Einige Szenen und Ideen dürften dem geneigten Star-Trek-Fan bekannt vorkommen, da sie in Star Trek eindeutig recycled wurden. Daneben gibts noch Auftritte von Chekov und Trek-Urgestein Majel Barrett.

Fazit: nett, für Science-Fiction- oder Star-Trek-Fans der Vollständigkeit halber ansehenswert, aber kein Muss.

Und als Abschluss noch eine Folge einer SF-Serie, die ich (wie auch schon früher erwähnt) im Moment verfolge: Seven Days. Wir erinnern uns: die NSA ist im Besitz einer Sieben-Tage-Zeitzurück-Maschine, mit der Chrononaut und Ex-Irrenhäusler Frank Parker staatsgefährdende Bedrohungen rückgängig machen muss.

Das Problem: ich bin jetzt so halb durch die erste Staffel und die Serie wird nicht besser. Auf Dauer können die coole Prämisse, die irgendwie hängenbleibende Titelmelodie und der solide Cast (in sympathischen Rollen) die mäßigen und leider schlechter werdenden Geschichten nicht ausgleichen. Das Stock-Footage-Fest mit klischee- und zweifelhaften Terroristen letzte Woche war schon schlimm genug, doch die ambivalent-seltsame Sektenfolge dieser Woche war auch nicht ohne. Zumal die Zeitmaschine zum reinen Gimmick verkommt. 08/15-SciFi-Plots waren auch schon genug da. Lange sehe ich die Serie nicht mehr, wenn sich da nichts bessert.

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