Gestern gesehen: schöne Frauen in historischem Kontext
Griet, so heisst Das Mädchen mit dem Perlenohrring (2003) – zumindest in der fiktionalen Hintergrundgeschichte zum gleichnamigen Gemälde von Johannes Vermeer. Griet ist Vermeers Dienstmagd, und über Umwege schliesslich auch sein Modell für das titelspendende Gemälde. Ach ja: und nebenher ist sie noch mit einem Fleischerjungen verbandelt.
Und das Problem mit flämischen Malern ist, dass sie schnarchlangweilig sind. Und selbiges gilt auch weitestgehend für den Film. Optisch schön dümpelt er so vor sich hin, bietet einige wenige Einsichten in Malerei, siebzehntes Jahrhundert und das (fiktionalisierte, weil in Realität kaum bekannte) Leben von Vermeer. Wow. Laaangweilig.
Zumindest spielt Scarlett Johansson als üppig-bleiche Schönheit die titelgebende Rolle. Und den Fleischerjungen, der scharf auf sie ist (wer kann’s ihm verübeln?) wird von einem der jungen Klone gespielt. Die jungen Klone? Das ist so etwas wie die “jungen Tenöre”: die Schauspieler Cillian Murphy (Scarecrow in Batman Begins), Ian Somerhalder (Boone aus Lost) und Tom Welling (Clark Kent aus Smallville) sehen eigentlich alle gleich aus. Und so hat mir auch erst die IMDb gesichert verraten, welcher der drei in dem Film gestern zugange war.
Danach ein rascher Wechsel in ein Genre, das mir wesentlich besser gefällt. Italienische Regisseure haben ja ein eindeutiges Lieblingsthema: ihre eigene Kindheit bzw. ihr sexuelles Erwachen in der Umgebung eines kleinen italienischen Dorfes in der Zeit des Faschismus. Ehrlich, da kann man ja wirklich schon ein eigenes Genre daraus machen. Und der andere Wiederholungstäter in diesem Genre neben Fellini ist Giuseppe Tornatore. Der Zauber von Malèna (2000) ist es, dem er als Knäblein erlag. Kann man verstehen, denn Malèna wird dargestellt von Monica Bellucci.
Der kleine Giuseppe Tornatore Renato verliebt sich in Maléna, die schönste Frau im Ort. Ein Altersunterschied von run 15 Jahren kann ihn nicht abschrecken – seine erwachende Libido wird von Monica Belluccis üppigen weiblichen Formen magnetisch angezogen. Doch er ist nicht der einzige, der von Malèna fasziniert ist, das ganze Dorf steigt ihr hinterher: Männer begehren sie, Frauen verachten sie – nur Renato versteht sie. Und obwohl er sich geschworen hat Malèna (die er ständig heimlich verfolgt und beobachtet) vor allem Übel zu beschützen, kann er nicht verhindern, dass die Missgunst und Doppelmoral des ganzen Dorfes Malèna schliesslich ins Elend treibt.
Malèna ist nicht nur ein Stimmungsbild von Tornatores Jugend (das hat er ja schon in Cinema Paradiso gemacht), sondern vor allem auch eine Metapher auf den Faschismus, verpackt in einer stimmungsvollen Liebeskomödie. Malèna, das Individuum, wird schliesslich von der Masse, die mit ihrer Individualität nicht klarkommt, vernichtet und zerdrückt, ähnlich, wie Renatos Freunde am Beginn des Films die kleine Ameise mit der Lupe töten.
Die blasseste Performance im Film gibt übrigens ausgerechnet Monica Bellucci, eine Frau, die sonst eher schafft, sehr schnell im Mittelpunkt eines Films zu stehen. Warum ihr das hier nicht gelingt, ist mir schleierhaft – von Giuseppe Sulfaro (Renato) wird sie auf jeden Fall an die Wand gespielt.
Ein interessantes Detail zum Schluss ist übrigens, dass Tornatore (wie ich gerade in der IMDb erspähen konnte) erst 1956 geboren wurde, was also meine Analyse bezüglich Obsessionen der eigenen Kindheit für völlig null und nichtig erklärt. Wieder was dazugelernt.

