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Gestern gesehen: Magier-Duell und Trash-Dokus

Als ich das erste Mal von The Prestige gehört habe, habe ich mich ganz spontan zu diesem Blogeintrag (inklusive Schreibfehler) verleiten lassen. Hammerbesetzung, interessantes Thema, cooler Regisseur.

Und nachdem ich gestern (wie angekündigt) The Prestige gesehen habe, kann ich nur sagen: der Christopher Nolan, der gefällt mir immer mehr. Zu Batman Begins braucht meinereiner als passionierter Batman-Fan seit dem ca. siebten Lebensjahr ohnehin nichts zu sagen, und auch der enorme Bekanntheitsgrad des Films Memento ist relativ selbsterklärend. Und jetzt macht der Nolan aus einer Story mit ebensoviel Potential wie Risiko bereits das erste große Highlight des Jahres 2007.

Denn ein Garant für einen guten Film ist sie nicht, die Geschichte zweier Bühnenmagier, die sich nach einem Streit zu Beginn ihrer Karriere befetzen, wo sie nur können, und in erster Linie damit beschäftigt sind, sich gegenseitig ihre Tricks zu durchschauen. Doch “Der Professor” (Christian Bale) hat einen Trick auf Lager, den keiner durchschaut: der “transported man” (Achtung! Nicht mit The Transformed Man verwechseln) – der Professor betritt einen Kasten, nur um einen Bruchteil einer Sekunde später einen zweiten, identischen Kasten zu verlassen, der aber einige Meter entfernt steht. “Danton” (Hugh Jackman), dessen Frau der Professor möglicherweise auf dem Gewissen hat, entwickelt eine ungesunde Obsession, des Professors undurchschaubaren Trick zu durchschauen. Eine Obsession, die ihn bis nach Colorado Springs zu Nikola Tesla, und schliesslich sogar ums Leben bringen wird…

Bühnenzauberei ist cool, das weiss jeder, der sich so wie der Filmblogist mit Leben und Werk von Orson Welles befasst hat (herrlich, wie man so gut wie bei jedem Film Bezüge zu Orson Welles herstellen kann). Nolan fängt die knisternde Atmosphäre viktorianischer Bühnenmagie unglaublich gut ein, lässt den Flair alter Bühnenshows wieder auferstehen, zelebriert Magie und Taschenspielertum (und mit nochmaligem Verweis auf Orson Welles sei ja gesagt, dass Bühnenmagie und die Magie des Kinos in ihrer Wirkung auf den Zuseher durchaus Ähnlichkeiten haben). Aber The Prestige entwickelt dabei wesentlich mehr Schichten: der Film ist eine Abhandlung über das anbrechende Zeitalter der Hochtechnik, über Illusionen, Obsessionen, und vor allem: den geistigen Kampf zweier Männer, die völlig besessen von ihrer Sache sind.

Bale vs. Jackman, Batman vs. Wolverine! Das alleine ist schon ziemlich cool. Wird aber noch gesteigert: die beiden Herren sind nämlich exzellente Schauspieler (von Christian “Selbsttortur” Bale wissen wir das eh spätestens seit Der Maschinist) – und ganz hervorragend darin, die Obsession der beiden Hauptfiguren unglaublich intensiv einzufangen. Dazu kommt ein exzellenter Supporting Cast: Michael Caine, bei dem ich mittlerweile nicht mehr weiss, ob ich seine britsch-verschnodderte Originalstimme oder seine geniale deutsche Synchronstimme (Jürgen Thormann) lieber mag. Scarlett Johansson, die zwar im Prestige nicht allzuviel zu tun hat – aber was solls! Sie ist Scarlett Johansson! Und, äh, David Bowie als Nikola Tesla. Ich glaube, lieber Leser, beim schnellen Drüberlesen ist Ihnen nicht vollständig klargeworden, wie unendlich cool dieser letzte Satz ist. David Bowie als Nikola Tesla. Ziggy Stardust als der Erfinder des Wechselstroms. Der Mann, der vom Himmel fiel als der Ursprung, naja, aller wesentlichen Konzepte moderner Science Fiction. Okay, zugegben: wenn der Mann, der uns jahrzehntelang mit urbritischem Tuntenpop beglückte, plötzlich einen sehr mäßig gefakten Ost-Akzent spricht, ist das blöd. Aber er ist David F***ing Bowie, Mann!

Womit so mancher Zuseher sein Problem haben dürfte, ist, dass der Film gegen Ende hin tatsächlich [Achtung Spoiler] ein bisschen ins Phantastische abtaucht. Ich gebe zu: eine “erdigere” Auflösung wäre mir lieber gewesen – aber die Wucht, mit der das fiese Finale daherkommt (auch, wenn ich’s mir größtenteils bereits in der Mitte des Films zusammengereimt hatte), gleicht das voll und ganz aus. Ein Problem bleibt aber, und auf das weist Nolan im Film gleich noch selbst hin:

Wenn du den Trick weisst, ist die Lösung im Vergleich zum Rätsel immer enttäuschend – Magie wird plötzlich zu simpler Taschenspielerei. Wer den Trick verrät, hat verloren. Und leider prallen hier zwei Welten aufeinander: die der Magie, für die eine Auflösung der Tod ist, und die des Films, dessen Zuseher von der Geschichte eine Auflösung verlangen. Und so geht auch hier die Magie verloren, sobald der Film sein vertwistetes Ende offenbart. Aber zum Glück ist The Prestige kein Film, der von der Auflösung lebt. Als vielschichtiges, phantasievolles Drama erzaubert sich der Film souverän den Rang des Eröffnungshighlights des Kinojahrs ‘07.

Und weil’s danach noch so schrecklich früh war, habe ich mir noch schnell zwei Dokumentationen zum Thema “Trash” reingezogen. Erstens die kürzlich von arte ausgestrahlte Midnight Movies – From the Margin to the Mainstream (2005), danach Flying Saucers over Hollywood (1992), die Ed-Wood-Doku, die in der herrlichen Ed-Wood-DVD-Box von Winkler Film enthalten ist.

Bei ersterer Doku geht es um, äh, “Midnight Movies” (NEIN!) – also jene Handvoll Kultfilme, die von ca. 1969 bis 1977 Studenten und Anhänger der Gegenkultur zu nachtschlafener Zeit in die Filmtheater lockten. Dabei beschränken die Dokumentaristen sich auf die fünf oder sechs bekanntesten Midnight Movies – El Topo, die Rocky Horror Picture Show, Pink Flamingos, und so weiter. Für meinen Geschmack konzentriert man sich ein bisschen zu sehr auf die Filme, und zu wenig auf den kulturellen Hintergrund bzw. das allgemeine Phänomen. Macht nix, die Doku ist trotzdem sehr erhellend.

Anfang bis Mitte der Neunziger war es soweit: Ed Wood, zu diesem Zeitpunkt runde 15 Jahre tot, betrat cinematischen Mainstream. Von den Sechzigern oder Siebzigern an bis in die Neunziger hatte sich Wood immer mehr ins kollektive Bewusstsein gedrängt, als schlechtester Regisseur aller Zeiten. Höhepunkt dieser Entwicklung war der Burton-Spielfilm über Wood, einen wesentlichen Teil zur breiten Popularisierung des Phänomens Ed Wood und seiner vielen Legenden drumherum dürfte aber auch diese feine Doku von 1992 gewesen sein: mit einer herrlichen Leichtigkeit besucht man alte Schauplätze, interviewt den noch lebenden Teil von Woods “Menagerie” (von denen auch heute noch nicht wenige einen ordentlichen Hau haben), untersucht Mythen, die den Kultregisseur umgeben. Und wenngleich der Film keinesfalls als komplette Bestandsaufnahme des Mythos Wood reicht, so ist er doch ein schöner Einblick in das skurrile Leben eines skurrilen Mannes.

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4 Kommentare zu “Gestern gesehen: Magier-Duell und Trash-Dokus”

  1. Markus Says:

    Wieder einmal ein gelungener Text! ;-)

  2. Bert Says:

    Naja. Hab grad Teh Prestige gesehn. Und obwohl er ja nich schlecht ist, WIRKLICH gut ist er aber auch nicht. Z.B. verschwindet Scarlett Johansson (♥)s Charakter ca. 30 min vor Schluss völlig aus dem Nichts. Ein Zeichen dafür, dass der Flim zu lang geriet und man zusätzliche Szenen, die ihr einen besseren Abgang geben, wohl nur auf DVD landen werden. Generell ist kein eindeutiger roter Faden im Schnitt zu bemerken gewesen. Die Sichtweise wechselt einige male und landet dann am Ende beim “Bösen,” den Michael Caine plötzlich zum “Guten” erklärt, aus dem einzigen Grund, dass er ein Kind gezeugt hat. Ich mach mir ja auch Sorgen um meine Pension und die Alterspyramide steht nun mal Kopf, aber so?
    Was bleibt ist eine wirklich tolle Geschichte. Aber der mit Abstand beste Aspekt wurde mir ein bisschen zu wenig beleuchtet. Hugh Jackman stirbt 100 Tode. Und das auf genau diesselbe Weise wie seine Frau. Ein unglaublicher Akt der Selbstkasteiung in meinen Augen, der viel zu kurz kommt. Das hat sehr schöne masochistische Züge. Leider nur in meiner Phantasie, den bebildert wurde das nur sehr spärlich.
    Alternativer Schluss. Jackman bewegt die Teslamaschine auf wundersame Weise unter den Galgen und zaubert im Moment der Vollstreckung (vielleicht mit blutrünstigem Bagdad rip) einen Drilling vom American Psycho und begeistert das Londoner Publikum restlos.

  3. Bert Says:

    das Herz hat sich von selbst eingeschlichen!

  4. Zauberer Berlin Says:

    schön geschrieben, freut mich im Netz mal etwas über den Flim zu finden. Ich fand ihn ganz gelungen, tja was soll ich als Zauberer auch dazu sagen, es ist schon ein recht interessantes Thema und zeigt so manche Tragweite auf von wegen trickgeheimnis und so …
    nun werde ich hier mal weiter stöbern.

    Grüße

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