Gestern gesehen: Haariges und Umgekehrtes
Für mich ist die Steve-Carell-Version von “Aquarius” immer noch die beste – Kollege Markus wird da sicherlich anderer Meinung sein. Er hat uns gestern endlich Hair (1979) gezeigt, die Adaption des weltberühmten Bühnenmusicals.
Und gerade für die Kumpels dürfte die lebhafte Geschichte des Musicals interessant nachzulesen sein. Da ich aber nicht wirklich gut im Abschreiben bin, verweise ich lieber auf den entsprechenden Wikipedia-Artikel, der unter Anderem Hamlet, Meat Loaf und fehlende Diane-Keaton-Nacktheit enthält.
Aber jetzt weg vom Musical, hin zum Film: der entstand 1979, also ganze 14 Jahre nach dem Musical (richtig: das Musical entstand bereits 1967, ist also “echte” Counterculture, während der Film wesentlich mehr eine “Nachbetrachtung” ist), erzählt die Geschichte von Claude (John Savage), einem braven Landei aus Oklahoma, der in die Armee einberufen wurde und seine letzten Tage als freier Mann in New York verbringt. Dort befreundet er sich mit einer Truppe Hippies unter der Führung von Berger (Treat Williams) und verliebt sich in die reiche Upper-Class-Tochter Sheila (Beverly D’Angelo).
Und wir haben den ganzen Abend damit verbracht, zu vermuten, woher wir die drei Hauptdarsteller kennen. Beverly D’Angelo ist leicht: sie ist Mutter Griswold. John Savage kennt der eine oder andere gerade noch als einen von den Typen aus Die durch die Hölle gehen (wo der arme Kerl schon wieder nach ‘Nam muss) – und Treat Williams? Der hat ein, zwei kleinere Rollen in diversen größeren Produktionen gespielt, aber keine, von der ich glaube, dass sich irgendwer daran erinnert. Oder ist Ihnen, lieber Leser, Treat Williams aus Es war einmal in Amerika ein Begriff? Oder aus Der Adler ist gelandet? Ja? Ok, dann nehme ich alles zurück…
Milos Forman (Einer flog über das Kuckucksnest, Amadeus, Larry Flynt – Die nackte Wahrheit, Der Mondmann – nur, um noch mal alle Forman-Filme aufzuzählen, die uns eingefallen sind) hat mit Hair eine interessante Arbeit geschaffen: der Film bietet nämlich überraschenderweise nicht so sehr ein Stimmungsbild der Hippie-Zeit, wie man denkt. Ich vermute, der Grund dafür liegt im frühen Entstehungsjahr des Musicals und dass man das damals selbst noch nicht so recht wusste. Natürlich ist es müßig, als in den Achzigern Geborener zu philosophieren, ob der Film jetzt die Hippie-Mentalität richtig einfängt, aber der bloße Umfang, den der Hippie-Artikel auf Wikipedia hat , verglichen mit der relativ an der Oberfläche schabenden Handlung in Hair – das spricht für sich.
Dafür transportiert Hair viele typische Hippie-Ideen auf eine etwas symbolischere Art – das Aufmischen einer feinen Dinner-Party zum Beispiel kann man gut und gerne als allgemeines Symbol für den Protest gegen das Establishment sehen. Ich nehme an, diese Art von vereinfachendem Symbolismus ist typisch für Bühnenkünste – da ich mich aber nie besonders mit Bühnenkünsten beschäftigt habe, lasse ich Vermutungen über die Angemessenheit einer so direkten Adaption lieber sein. Recht cool ist allerdings das Wort “Bühnenkünste”. Dennoch orte ich da einen kleinen Konflikt zwischen der eher theatralischen Handlung und Formans sehr “filmischem” Inszenierungsstil.
Was aber letztlich alle kleineren Makel des Films vergessen lässt, sind zwei Dinge: erstens die gut gezeichneten Charaktere, die alle im ersten Moment ein Klischee scheinen (Society-Girl, Oklahoma-Landei, Hippie-Prankster), diesem aber eigentlich überhaupt nicht entsprechen und die Handlung somit plastischer und glaubhafter scheinen lassen. Und zweitens ist da das herrlich fiese Vertauschungs-Ende (das übrigens im Musical anscheinend nicht enthalten ist) – ein Ende, das meiner Meinung nach alle Aussagen des Films noch einmal verdeutlicht, unterstreicht und hervorhebt. Ein schönes Ende für einen feinen Film.
Danach eine kurze Folge Wonder Showzen zum Thema “Patience”. Showzen hab’ ich den Kumpels ja schon früher einmal nahegebracht. Gestern hab’ ich dann meine Lieblingsfolge der herrlich blöden Serie ausgepackt.
Und ich denke, ich werd’ jetzt noch ein paar Absätze zum Thema “Geduld” schreiben, bevor ich mich dem letzten Punkt widme. Die Frage ist: soll ich wieder diesen blöden Schmäh anwenden, wo ich ein Hauptstilmittel des rezensierten Films, bzw. in diesem Fall der Serie – sollte ich vielleicht “des Mediums” sagen? Das wäre irgendwie neutraler. Ich weiß nicht so genau… ich glaube, ich sage “des Mediums”. “Des bewegten Bild-Mediums”. Nein, das klingt bescheuert. Audiovisuelles Medium? Ach was, für den Fall, dass ich mal ein Buch oder so etwas rezensiere, kann ich ja bei “Medium” bleiben. Ganz allgemein. Aaaalso: des rezensierten Mediums… Moment, jetzt haben Sie sicher den Faden verloren, lieber Leser. Ich fange also besser von vorne an. Soll ich dem rezensierten Film bzw. dem rezensierten Medium allgemein und auch ganz speziell Hauptstilmittel und Schmäh klauen, sodass auch mein Text zur Geduldprobe für leser und leser innen wird die nicht gerne ohne sazzaichen unt richtige gramatik lesen weil das tut voll anstrengent sein für die augen wird fragezeichen? Ich glaube, dass meine Leserschaft mir das verübeln würde. Was eigentlich? Muscles! All muscles! No brain! Only muscles!
Patience! Pei sun! Patience! Pei sun! Patience! Pei sun! Patience! Pei sun! Patience! Pei sun! Patience! Pei sun! Patience! Pei sun! Patience! Pei sun! Patience! Pei sun! Patience! Pei sun! Patience! Pei sun! Patience! Pei sun! Patience! Pei sun! Patience! Pei sun! !nus ieP !ecneitaP !nus ieP !ecneitaP !nus ieP !ecneitaP !nus ieP !ecneitaP !nus ieP !ecneitaP !nus ieP !ecneitaP !nus ieP !ecneitaP !nus ieP !ecneitaP !nus ieP !ecneitaP !nus ieP !ecneitaP !nus ieP !ecneitaP !nus ieP !ecneitaP
Gehen wir lieber zum nächsten Punkt über: Twin Peaks. Auf meinem Schreibtisch steht wartend die Season-2.1-Box, die ich mir trotz diverser Schwächen gekauft habe. Schwächen, das sind die fehlenden Bonusmaterialien (speziell die Loglady-Intros) und ganz speziell die fehlenden “zuvor bei Twin Peaks”-Einführungen. Argh! Letztere sind auf Wunsch von David Lynch entfernt worden, was mich ärgert – aber wenn ein Regisseur sein Werk ändert, ist das ja irgendwie noch OK, oder?
Die pure Gier nach Twin Peaks hat mich dann doch geritten, mir die Husch-Husch-Veröffentlichung zu kaufen, mit der festen Intention, im April auch die 2.2er-Box in meinen Besitz zu bringen. Sollte die Komplettbox im Herbst aber eine Verbesserung an der Bonus-Front bringen (Log Lady! Log Lady!), dann werden die beiden Halb-Boxen wohl Auf Wiedersehen zu mir und Hallo zu E-Bay sagen dürfen.
Vorerst aber bleibt meine Staffel-Zwo-Punkt-Eins-Box noch in Wartestellung, denn wie bereits erwähnt kämpfen die Kumpels und ich uns ja gerade noch wiederholenderweise durch Staffel 1 – Folgen drei und vier waren gestern an der Reihe, sodass von Staffel 1 jetzt nur noch die Folgen fünf, sechs und sieben fehlen. Wir sollten also schleunigst in Richtung unheilschwangeres Staffel-Eins-Finale steuern, damit wir dann endlich die seit mindestens drei Jahren nicht mehr gesehene erste Hälfte der zweiten Staffel anreissen können.
PS: Clarence die Handpuppe ist mein Held.



February 6th, 2007 at 15:25
“Hair” war – wie ich es mir angesichts des Regisseurs erwartet habe – kühl, obwohl ich – wie allgemein bekannt sein dürfte – Musicals eigentlich nicht leiden kann. Wie der Peda schon ganz richtig richtig popichtig bemerkt hat, ist es vor allem das fiese (und herrlich lakonische) Ende, das dem Flim den richtig richtig popichtigen Twist gibt. Auch die glaubwürdigen Charakterzeichnungen (der kühle Schwarze mit den fetten Ohrringen ist nicht nur kühl, sondern gleichzeitig auch ein autoritärer Ehemann und Rabenvater) hat der Flimking schon erwähnt. Er, der Flimking, trägt diesen Titel ja nicht umsonst.
Wonder Showzen: kühl, schnell (Speeeeed!), verdammt anstrengend, wie “Die Sendung ohne Namen”, die – und ich nehme hier auch gerne Widersprüche in Kauf – ebenfalls nicht von schlechten Eltern (or guardians) ist.
Twin Peaks erstaunt mich immer wieder: Ich sehe die erste Satffel jetzt zum dritten Mal kurz hintereinander und finde sie jedes Mal aufs Neue schenial (wie der Österreicher sagt).
So und jetzt noch ein Test: Mr. Locke (who rocke your Socke) und Scarlett Johansson (♥) zusammen mit Filmking Peter, Marky Mark, Christoph Leitel und Zischmän als Schauspieler in Angriff der Riesenmoussaka – ein solcher Flim röckt mit döts
!
February 6th, 2007 at 15:25
Geil, geil, geil, wobei Zischmän mein Favorit ist!
February 6th, 2007 at 15:59
Ätschebätsch, der Marky Mark war schneller, was die Auffindung neuer Wortersetzungen angeht. Jetzt muss ich mir langsam wieder neue ausdenken…