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300: es ist noch lange nicht vorbei

Yeah. Ich hab’ noch jede Menge Gift und Galle übrig für den filmischen Dreck der da heißt 300. Mein originales Review ist schon wieder verdächtig weit nach unten gerutscht, also leg’ ich heute noch einmal gründlich nach. Von der politischen Diskussion nehm’ ich heute allerdings mal Abstand, das stresst mich auf die Dauer emotional zu sehr. Stattdessen widme ich mich heute ausgiebig der Inszenierung.

Wenn man zur Zeit die diversen Online-Foren durchstreift, und Meinungen zu 300 liest, so ist eine Aussage dominant: der Film sei optisch ungeheuer spektakulär, eine extrem genaue Umsetzung des Comics, voller geiler Kämpfe. Huch? Hab’ ich da einen anderen Film gesehen? Ich bin zwar schon in meinem originalen Review darauf eingegangen, zur Sicherheit hier aber noch einmal:

Nein, nein, nein.

OK, zugegeben: wir alle haben diese diversen Vergleiche im Internet gesehen, wo die Leute den Trailer in Einzelbilder zerpflückt und mit den Bildern aus dem Comic verglichen haben. Und die lassen natürlich nur einen Schluss zu: wow, voll die genaue Adaption, total präzise und so weiter.

Falsch. (Gebt’s zu, ihr habt damit gerechnet, dass das jetzt kommt.)

Geht mal auf die oben verlinkte Vergleichsseite, und seht euch die Bilder genau an:

  • Das flächige Schwarz im Comic bildet einen starken Kontrast zum Rest. Im Film fehlt dieser Kontrast.
  • Lynn Varleys geniale Farbgebung ist ein ganzes Stück greller und bunter als die entsättigt-langweiligen Ocker-Töne des Films.
  • Die Posen sind bei Miller immer eine Spur dynamischer als bei Snyder.

Das sind jetzt ein paar Kleinigkeiten, die zwar auf den ersten Blick eher harmlos wirken, insgesamt aber doch eine gewisse Wirkung erzielen: der Comic ist optisch ein ganzes Stück “krasser”. Ich will mich aber nicht an diesen Fitzli-Putzli-Details aufhängen, und lieber das wesentlich gravierendere Problem ansprechen:

Was ist zwischen den Bildern?

Comics und Filme sind drastisch unterschiedliche Medien. Weil sie beide (hauptsächlich) optisch sind, glauben die Leute irgendwie immer, es reiche für eine (visuell orientierte) Adaption, wenn der Regisseur (wie Snyder) einfach die Bilder des Comic aneinanderhängt und zusammenschneidet. Falsch, falsch, falsch. Wie in meinem ersten Review bereits erwähnt, werden in Comics völlig andere Stilmittel verwendet, um Konzepte wie Raum und Zeit oder (am Augenscheinlichsten) Geräusch zu vermitteln, und gerade Miller ist da sehr experimentell.

Unregelmäßige Panels: kaum ein Zeichner liebt es so sehr wie Miller, mit der Anordnung und Größe der Panels zu spielen. Da wechseln sich eineinhalbseitige Schlachtengemälde ab mit kaum briefmarkengroßen Vignetten, Panels sind mal breiter als lang, mal dreimal so lang wie breit, mal – ganz mondän – quadratisch. Und natürlich spielt auch die Anordnung eine große Rolle: bereits in den obigen Vergleichsbildern erkennt man schön, dass die Panels überlappen, die kleinen Panels in die großen Panels reingesprenkelt sind, und so weiter. Die Zeiten sind vorbei, wo ein Carl-Barks-Comic noch aus lauter annähernd gleichgroßen Rechtecken bestand – und sogar Barks hat bereits mit offenen und unterschiedlich großen Panels experimentiert.

Und diese Stilmittel auf die große Leinwand zu transportieren erfordert natürlich einen ganzen Haufen Geschick: Ang Lee hat einen recht innovativen Versuch in Hulk gestartet, klassische Comic-Panel-Tricks auf einer Leinwand umzusetzen (recht erfolgreich, wenngleich ein wenig ungewohnt, wie ich finde), Rodriguez und Miller selbst haben ganze Arbeit geleistet, Sin City in eine konventionellere Film-Form zu überführen. Bei 300 scheitert Zack Snyder aber auf ganzer Linie: kaum ein Bild, das sich so überproportioniert groß anfühlt wie im Comic, kaum eine Pose, die so spektakulär wirkt. Obwohl Snyder brav die Einzelbilder abgemalt hat, hat er das Dazwischen nicht ausreichend beachtet und schafft so einen Film, der nur einen Bruchteil so “breit” ist, wie seine Vorlage.

Recht leicht erkennt man die Schwächen des Films, sobald sich dieser von der Vorlage abwendet und eigene Pfade beschreitet: die Bilder sind zumeist langweilig und uninteressant. Naja, das sind sie auch, wenn sie brav vom Comic abgemalt sind – aus obengenannten Gründen. Langweilig!

Echt die Grausbirnen bekomm’ ich aber, wenn ich von den “geilen Kämpfen” lese: was? Das langweilig inszenierte, klischeehafte MTV-Zeitlupen-Geschisse soll so ungeheuerlich gut inszeniert sein? Welcher Blogger war das, der da so trefflich darauf hinwies, dass man in jedem Bild den Blue/Green-Screen-bedingten Mangel an Ellenbogenfreiheit spürt? Oder hab’ ich das in einem Forum gelesen? Egal, es war sehr trefflich formuliert. noch trefflicher formuliert es Rajko Burchardt auf seinem Blog: “[...] viel gelernt hat der Bubi [gemeint ist natürlich Snyder, Anm. d. Red.] nicht. “300″ ist ebenso langweilig wie auch infantil inszeniert.” Volle Zustimmung meinerseits.

“Langweilig” ist überhaupt das beste Stichwort. Wie man dem Film auch nur irgendetwas Interessantes abringen kann, verstehe ich nicht. Vermutlich verbeisse ich mich deshalb so in politische Diskussionen um 300, weil mir der Film in seiner bieder-typischen Inszenierung keinerlei Unterhaltung bot. Wer den Trailer gesehen hat, hat eigentlich auch schon den Film gesehen – inhaltlich wie stilistisch weiß der Film nicht mehr viel hinzuzufügen.

Bleibt nur mehr eine Frage: wenn der Film so langweilig war, warum kriegt er dann mittlerweile den dritten Eintrag hier auf’m Filmblog? Zu recht stört sich nämlich Christian Heller an den überzogenen Reaktionen der diversen Blogs (und da schliesse ich jetzt meinen ein): “Intellektuell so unerträglich langweilig wie am Kern vorbei: das politisch motivierte Rumpöbeln gegen 300, das jetzt nach der langerwarteten Premiere aus allen Ecken der Blogosphäre eintröpfelt.

Meine Motive für den 300-Overkill hier auf’m Filmblog sind ganz und gar niederer Natur: seit meinem 300-Review sind die Besucherzahlen auf fast das Doppelte gestiegen, ich wurde von anderen Blogs verlinkt. Und als alte Aufmerksamkeitshure, die ich nun mal bin, muss ich da gleich nachlegen. Der nächste Teil in meiner Artikelserie “300″: ich will mehr Leser! wird dann nochmal kräftig in der Polit-Brühe herumrühren und die Leser möglichst provokativ anstänkern, wenn es dann darum geht, ob eine unpolitische Sichtweise des Films überhaupt legitim oder schlichtwegs genauso dumm wie der Film selbst ist. Freut euch schon mal, ihr Idioten, ihr alle. Und kommt her und lest das Ding. Ich will Leser! DAS IST SSSPARRTA!

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