Gestern gesehen: Godard-Doublette
Aaah, Mr. Godard, my old arch-nemesis! Ich habe da ein altes Problem: ist es eigentlich legitim für einen ernsthaften Filmliebhaber und Filmkritiker wie mich (obwohl: ernsthaft bin ich nicht sehr oft), einen so kanonischen Filmemacher wie Jean-Luc Godard nicht zu mögen?
Verstehen Sie mich nicht falsch, lieber Leser: ich bin keinesfalls einer von diesen kleingeistigen, engstirnigen Vögeln, die Godard ablehnen, weil sie ihn einfach nicht verstehen. Würde ich nie tun – etwas nicht zu verstehen, heißt nicht automatisch, es nicht zu mögen. Im Gegenteil: es gibt viele Dinge, die ich nicht verstehe, und die ich trotzdem mag (obwohl mir jetzt natürlich kein angemessenes Beispiel einfällt). Zu den Dingen, die ich verstehe, gehören die Filme von Jean-Luc Godard. Ich verstehe sie. Ich verstehe ihren immensen Wert für die Filmgeschichte. Ich respektiere und bewundere Godard als Filmschaffenden und Künstler.
Ich mag seine Filme nur einfach nicht.
Ich möchte das noch einmal betonen: ich achte und beachte den Herrn mit all der Aufmerksamkeit, die er verdient hat (und ich guck’ ja auch seine Filme, wann immer einer im Fernsehen ist) – ich respektiere ihn als den technischen Innovator und Visionär, der er war, ich erkenne den enormen Einfluss an, den er auf quasi alle modernen Filmemacher hat, ja, ich gehe sogar so weit zu sagen, dass ich seine Filme bewundere.
Ich mag sie nur einfach nicht.
Total schizo, oder? Voll krass Alter, hehe. (womit der tägliche Prolo-Faktor auch wieder erfüllt wäre. Denn, lieber Leser, Sie erinnern sich: der Filmblog hat zur Zeit seine Wochen des Gehobenen Anspruchs – und was wären zünftige Wochen des Gehobenen Anspruchs ohne einen ordentlichen Godard. Oder zwei.)
Détective (1985) ist ein relatives Spätwerk von Herrn G. (relativ deswegen, weil das Ding ja auch schon wieder über 20 Jahre alt ist) – in einem Hotel spielen sich vier sich lose überschneidende Plots ab, einer davon hat mit einem Detektiv zu tun. Filmisch interessant (eine völlig statische Kamera, die das Mise-en-Scene umso mehr hervorhebt), handlungsmäßig dafür etwas unterentwickelt und -sogar für Godards Verhältnisse- relativ wirr.
Der kleine Soldat (1963) ist ein, sagen wir, wesentlich typischer Godard: Sixties, Schwarzweiß, Shaky Cam, Anna Karina, alles dabei. Formale Experimente, und so weiter, und so weiter, alles sehr typisch. Ein recht guter Artikel zum Film findet sich bei Senses of Cinema (wo sonst) – aber wie üblich ist die Methode interessanter als das Produkt.
Womit ich den Pflichtanteil der Anspruchswochen (=Godard) schnell und schmerzlos hinter mich gebracht hätte und mich wieder Filmemachern zuwenden kann, die ich mag: vor uns liegt noch einiges von Bergman, Fellini, Eisenstein und anderen Kino-Größen. Bis morgen, lieber Leser.


September 4th, 2007 at 12:07
Nuja, Godards Schaffen ist sehr vielfältig. Da muss man unterscheiden zwischen dem frühen Belmondo-Karina-Godard in den 60ern, dem politischen Dziga-Vertov-Godard in den 70ern, dem ganz besonders sperrigen Godard in den 80ern und dem Video-Multimedia-Exzess-Godard in den 90ern, der mir persönlich der liebste ist
Wäre mir unbegreiflich, wie man sich bei den (klar, fünfstündigen) “Histoire(s) du cinéma” langweilen könnte, ein so unglaublich hochgestaffeltes Bombardement der Sinne und Assoziationssynapsen ist das (und die Tonspur läuft bei mir in Endlosschleife als Hintergrundberieselung). Mal reingeschaut? Als hätte Godard YouTube erfunden.
September 4th, 2007 at 12:41
(Und YouTube hat Godard erfunden und featured massig Ausschnitte aus diesem seinem imho spektakulärsten Werk: http://www.youtube.com/watch?v=8RHgxhHEE0I & http://www.youtube.com/watch?v=EtHqVxmuSc0 & http://www.youtube.com/watch?v=PR1018icWtk & http://www.youtube.com/watch?v=dGsHhXj7y9g & viele mehr)