Viennale: Lynch, Lou, L—bLade Runner
Lynch - eine Doku of sorts über jedermanns Arthouse-Lieblings-Schatzi David Lynch. Entstanden vor allem während der Dreharbeiten zu Inland Empire (den ich leider noch nicht gesehen habe, grr) besteht Lynch vorrangig aus Behind-the-Scenes-Fetzen von Lynch bei der Arbeit. Wobei Arbeit in diesem Fall nicht nur Filmemachen bedeutet: der Lynch malt ja auch Bilder, bastelt geheimnisvoll aussehende Kisten, fotografiert Fabriken und telefoniert mit Jeremy Irons.
Die größte Schwäche von Lynch ist, dass der Film allzu sehr versucht, Lynchs Stil zu imitieren (oh Mann, wenn jemand diesen Text kopiert und die Kursivschreibung für Filmtitel vergisst, dann gibt’s Chaos) – was zwangsläufig nicht gelingt, andererseits aber auch die einzige Möglichkeit ist, wie man an so eine Doku adäquat herangehen kann. Auf jeden Fall interessant wegen dem Blick nach innen, aber auch als ungewöhnlicher Dokumentarfilm recht genießbar.
Lou Reed’s Berlin – so ganz eindeutig verrät zumindest der dünne Festivalguide nicht, was man eigentlich von diesem unter “Dokumentarfilm” eingeordneten Streifen zu erwarten hat. Um Lou Reeds tituläres Album “Berlin” geht es, das laut Guide floppte, weil es von “Sex, Travestie und Drogenexzessen” handelte. Äh, und “Transformer” hat von etwas anderem gehandelt?
Der “dicke” Festivalkatalog klärt dann auf: ein Konzertfilm ist es, der uns erwartet. Genauer gesagt, ein Konzertfilm von einem ganz besonderen Konzert: der ersten Live-Performance des Albums seit 33 Jahren. Hui! Feststellungen: Lou Reed ist ziemlich alt geworden, klingt aber noch genauso wie damals (bis auf denselben Stimmzitterer, der auch Johnny Cash im Alter so richtig cool gemacht hat), das Album ist super, zwei Nummern hab’ ich sogar gekannt.
Und danach konnte ich noch in allerletzter Sekunde eine Restkarte für ein weiteres Festival-Highlight ergattern – und eine witzige Transformation beobachten: während zu später Stunde zumindest ein Teil der Viennale-Festival-Schnösel verschwand, kam eine ganz andere Klientel aus ihren Löchern gekrochen: langhaarige, Metal-be-T-shirtete, grausige Nerds. Der Film ist einer der ganz großen Kultfilme der Achziger, und Ridley Scott hat ihm erst heuer einen neuen, finalen Schnitt verpasst: Blade Runner – The Final Cut.
Und die langhaarigen Filmnerds unter meinen Lesern wissen eh genau Bescheid: der Film ist mal wieder einer von denen, die x-duzend verschiedene Schnittfassungen über sich ergehen lassen mussten: die geheime, ungesehene Rohfassung, die erste Kinofassung, der Director’s Cut, und jetzt neu, Ridley Scotts ultimativer, abgesegneter, heiliger Final Cut, die entgültige Version.
Und diese neue Version soll sie jetzt entgültig klären, die große Frage: is’ er, oder is’ er nicht’? (Wer jetzt nur Bahnhof versteht, der sehe sich den Film an, und achte auf das Einhorn.) Selbstverständlich gibt’s wieder keine definitive Antwort. Überhaupt muss ich, was den Final Cut angeht, die Unterschiede zum Director’s Cut mit der Lupe suchen – sie sind hauptsächlich kosmetischer Natur.
Den spätnächtlichen Besuch im Kino war es trotzdem mehr als wert: die minimalen Verbesserungen der Special Effects, die kosmetischen Anpassungen und vor allem der wunderschön gesäuberte und aufbereitete Film in Digitalprojektion auf der Riesenleinwand des Gartenbau waren eine Wucht. Von der Digitalprojektion (der ich sonst sehr skeptisch gegenüberstehe) war ich positivst überrascht: gute Schwarzwerte, keine sichtbaren Pixel, keine Farbflächen, nur minimales Zeilenflackern beim Lauftext zu Beginn und bei einigen Schwenks. Wirklich ein Erlebnis.

