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Gestern gesehen: Jodorowsky und Homo-Belmondo

Alejandro Jodorowskys psychedelisches, mit religiösen Symboliken überladenes Meisterwerk The Holy Mountain (1973) lässt sich eigentlich nicht in Worte fassen. Ergo versuche ich’s einfach gar nicht und lege dem Leser stattdessen nahe, sich den Film schleunigst reinzuziehen.

Widmen wir uns lieber dem Doppelfeature, das den Abend eigentlich geprägt hat und werfen wir einen Blick auf zwei klassische Euro-Actionfilme mit Jean-Paul Belmondo, die sich deshalb sehr gut zusammenfassen lassen, weil sie beide dezente homosexuelle Untertöne beinhalten.

Der Panther wird gehetzt – 1960 war allerdings noch Lino Ventura der coolste Euro-Actionheld, und so darf der olle Jean-Paul (der damals noch ziemlich jung war) nur ein bisschen supplieren: Abel “der Panther” (Ventura), gesuchter Raubüberfaller, versucht, mit Frau, Kindern und Gangsterpartner von Italien über die Grenze nach Frankreich zu fliehen – unterwegs werden aber Frau und Partner erschossen, sodass er sich mit den beiden Bemperln alleine in Nizza findet. Von Kollegen losgeschickt trifft Eric (Belmondo) ein, um ihn im Krankenwagen nach Paris zu schmuggeln und dort eine Weile zu verstecken.

Und ich orte in diesem sonst sehr soliden Euro-Kracher einen dezent homosexuellen Unterton aus der Richtung Bébel: vielleicht ist es das Drehbuch, das nur allzu unerklärt lässt, warum Eric Abel retten will und für ihn durch jedes Feuer geht. Da kann auch das Mädel, das er so im Vorübergehen angräbt nichts ändern.

In Der Greifer (1976) drehen sich dann die Verhältnisse um 180 Grad: Belmondo ist der Ex-Großwildjäger, der von der Regierung angeheuert wird, um semilegal Verbrecher zu jagen, und dessen momentanes Hauptziel die “Bestie” ist, ein homosexueller Flugbegleiter, der junge Männer zu grausamen Raubmorden anstiftet und dann um die Ecke bringt. Und, äh, das ist bei Weitem nicht so klischeehaft, wie es klingt. Aber zuerst möchte ich auf das exzellente und tiefschürfende Review bei Sauft Benzin, ihr Himmelhunde! hinweisen, das man gelesen haben sollte.

Und, haben Sie’s gelesen? Ja? Dann kann ich eigentlich nicht mehr viel hinzufügen… tolles Review! Naja, witzigerweise war ich (der ich das Review schon vor dem Film kannte) dank der Erwähnung von Rainer Brandt war ich aufs Schlimmste vorbereitet, und auch, wenn ich die französische Fassung weder kenne noch verstehen würde: die deutsche Fassung ist OK. Gut, ab und zu kalauert der Belmondo schon ein bisschen, aber von einer Minderung des kalten Existenzialismus, den Funkhundd und der Aussenseiter dem Film unterstellen ist keine Spur: der Film ist nach wie vor sehr düster (und der Belmondo grinst sich ja so oder so einen, also, so unpassend können die ein, zwei Schnoddereien gar nicht sein). Ein ausgesprochen gelungener, düsterer kleiner Actioner, fast noir-artig.

Da fällt mir auf: nicht nur der Böse ist ja schwul, zwischen dem Belmondo und seinem jungen Zögling scheint’s ja durchaus auch zu funken – und dann schliesst der Film auch noch mit einem Zitat von Wilde! Sehr lauwarm, muss ich sagen.

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