www.peterhengl.com

Tag: Amerikana

Vorgestern gesehen: Auf Wiedersehen, Major Heston.

Charlton Heston ist am Samstag gestorben. Bei all der Diskussion um Hestons politische Ausrichtung (siehe auch den hochinteressanten Wikipedia-Artikel) habe ich ihn immer gemocht – als Schauspieler, der in einem wahrhaften Haufen interessanter Filme mitgespielt hat. Ob die klassischen Monumentalschinken (Ben Hur, Die zehn Gebote), Siebziger-Jahre-Issue-SF (Planet der Affen, Soylent Green, Omega Man), oder Noir-Klassiker (Touch of Evil) – er war eigentlich immer cool.

Und natürlich musste ich mir zur Würdigung einen Film dieser Ikone des US-Kinos ansehen – allerdings habe ich mich nicht für einen der zahlreichen Klassiker entschieden, sondern für einen, den ich selbst noch nicht kannte – und der zufällig noch von einem meiner Lieblings-Regisseure stammt: Sam Peckinpahs Sierra Charriba (1965). Kurioserweise hat der Film (der im Original nach Hestons Hauptfigur Major Dundee heißt) im Deutschen dasselbe Schicksal erfahren wie The Searchers und wurde nach dem eigentlich handlungstechnisch eher unbedeutenden Indianer-Oberschurken umbenannt.

Der mörderische Indianer ist nämlich eigentlich nur ein Symbol (wie der weiße Wal in Moby Dick, mit dem der Film oft verglichen wird) – Major Dundee ist auf der Jagd nach dem Indianer, aber eigentlich geht es um die Reise, nicht um das Ziel. Und Heston spielt seinen Ahab gut: nicht so sehr ein Getriebener wie Gregory Peck in Hustons Walfänger-Film, zumindest nicht von Anfang an – aber auch besessen von der Idee, die von Sierra Charriba verschleppten Knaben zurückzubringen - auch, wenn man durch das Gebiet diverser Feinde (das französisch besetzte Mexiko) reiten muss.

Die schwierige Produktionsgeschichte und die Studiokürzungen des Films sind bekannt (nobel der Versuch Hestons, den Film durch Gagenverzicht zu retten) - angenehmerweise war die von Das Vierte ausgestrahlte Version die Restaurierte – warum allerdings ausgerechnet ein hässliches Fullscreen-Master zum Einsatz kam, ist mir schleierhaft.

Zurück zu Mr. Heston: der Film fügt sich nahtlos in Mr. Hestons exzellente Filmographie ein – ein weiterer Grund, traurig über Mr. Hestons Tod sein. Auf Wiedersehen, Mr. Heston, Sie sind ein Star, der am Himmel Hollywoods erloschen ist.

  • Share/Bookmark

Gestern gesehen: A man went looking for America

Ich hab’ mir (mittlerweile schon vor geraumer Zeit) die britische Special Edition von Easy Rider (1969) gekauft und bin erst jetzt dazugekommen, mir den Film mal wieder anzusehen. Die britische Special Edition ist identisch zur deutschen DVD (inklusive Tonspuren), allerdings enthält sie zusätzlich die Doku Easy Riders, Raging Bulls (die sehr gut sein soll, allerdings hab’ ich sie noch nicht angesehen), ein paar Bilderkarten und einen exzellenten BFI-Reader – ziemlich gutes Bündel also, und nett verpackt ist das Ding auch noch: die robuste Packung wird verziert von ebenjenem gelben Postermotiv, das auch bei mir zuhause an der Wand hängt.

Kaum zu glauben: ich habe diese Perle des US-Kinos seit sage und schreibe vier ganzen Jahren nicht mehr gesehen – vermutlich, weil ich bis dato zu geizig war, mir die DVD zuzulegen. Ich hatte regelrecht vergessen, was für ein schöner Film das ist. Ein Blick in eine halbvergessene Zeit, eine Sammlung musikalischer und optischer Vignetten, ein düsterer Blick ins Amerika anno ‘68 – jenes ganz besondere, mythische Jahr, das heute noch als Sinnbild einer Generation gilt. Ein amerikanischer Autorenfilm (damals einer der wenigen), Anfang der New-Hollywood-Ära, das quintessentielle Roadmovie of all Roadmovies. Grandios.

[youtube V7tuUG6dLv4]

  • Share/Bookmark

Gestern gesehen: Weibliches und Männliches

Wunderbar! Zwei Filme, denen ich bereits recht gelungene Reviews hier auf’m Blog spendiert habe (weshalb ich mich relativ kurz halten werde) - zwei Filme, die gegensätzlicher nicht sein könnten.

Meine Meinung über 8 Frauen (2002)  hat sich seit meiner ersten Sichtung des Films nicht geändert – auch, wenn ich angesichts der ungehörigen Kitschigkeit vom versammelten Familienkreis ungläubige Blicke bekommen habe. Und in der Tat gibt es weltweit ausserhalb von Cinephilen-Kreisen wohl nicht viele Heteros, die diesen Film zu schätzen wissen.

Ganz im Gegensatz dazu ist Der schwarze Falke (1956) dank purer Duke-Power ein Film für Männer – ein nuancierter, unendlich vielseitiger, feinfühliger Film für Männer. Seit meiner ersten Sichtung scheint der Film sogar noch wesentlich cooler geworden zu sein (zumindest kam’s mir so vor) und ich kann mittlerweile gut nachvollziehen, warum das Ding auf sämtlichen Film-Bestenlisten so weit oben ist. Grandiosest.

Und ich muss mir dringend so ein zweireihiges Duke-Hemd kaufen. Weiß jemand, wo man so etwas bekommt?

Der Duke

  • Share/Bookmark

Gestern vor einer Woche: Valentinstag

Am Valentinstag, dem internationalen Tag des Blumenschenkens und der romantischen Liebe geht man natürlich mit der Freundin ins Kino und sieht sich welchen Film an? Genau, Todeszug nach Yuma. Was hab’ ich nur für eine großartige Freundin, dass sie darauf besteht, diesen Film zu sehen, und das, obwohl sie Western gar nicht so sehr mag. Wunderbar.

Bevor ich in übermäßige Lobgesänge auf die Freundin versinke (oh, sie ist so toll…) wende ich mich lieber Punkt zwei der Tagesordnung zu: dem Filmtitel. Kollege Markus hat schon vor einer Weile darauf hingewiesen, dass er die Übersetzung von 3:10 to Yuma für nicht sehr wortgetreu hält. Da mag er recht haben, dennoch kann ich mich der Kritik am Titel keinesfalls anschließen: denn das Original dieses Remakes hatte einen viel dämlicheren deutschen Titel, und da eine wortwörtliche Übersetzung bei europäischen Kinobesuchern eher die falschen Assoziationen auslösen würde, finde ich die etwas reisserische deutsche Übersetzung recht akzeptabel – reisserische Titel gehören ja in Europa zu Western quasi dazu.

Aber kommen wir zum eigentlichen Film: der ist eine mehr als würdige Adaption des Originals (das mir seinerzeit schon gut gefallen hat, s.o.) – Mit Christian Bale und Russell Crowe hat der Film zwei Hauptdarsteller, die ihn mit Leichtigkeit tragen können, ergänzt um eine Riege exzellenter Nebendarsteller, u.A. Peter Fonda, Gretchen Mol und der von Firefly her bereits Western-erprobte Alan Tudyk. Dazu eine im Vergleich zum Original deutlich verbesserte und erweiterte Handlung und ein fast Peckinpah-eskes Ende.

Die Freundin hat sofort die gelungene Musik bemerkt und gestern haben wir dann gemeinsam gesehen, dass der Film in genau dieser Kategorie für die Oscars nominiert ist. Alles in Allem ein großartiges Film-Erlebnis, schön zu sehen, dass das eigentlich mausetote Western-Genre doch alle paar Jahre mal wieder einen sehenswerten Film hervorbringt.

  • Share/Bookmark

Gestern vor einer Woche: Eighties-Schauspiel-Götter

Jetzt hab’ ich acht Tage lang nicht mehr gebloggt – eine Katastrophe, die sich nur durch meine intensive Beschäftigung mit meiner Diplomarbeit rechtfertigen lässt. Jetzt muss nachgebloggt werden – der geneigte Leser wird mir verzeihen, dass ich mich aber eher kurz halte.

Tootsie (1982) – Starschauspieler Dustin Hoffman als Frau, das muss man gesehen haben. Erwartet habe ich Schlimmstes - das Ding ist ja aus den Achzigern, und die Prämisse des Schauspielers, der sich aus Rollenmangel als Frau verkleidet ist platt, platt, platt – aber wurde dann sehr positiv überrascht. Regisseur Sydney Pollack hält sich bemerkenswert weit weg von allzu flachen Verwechslungsgags, stattdessen gibt’s eine Komödie, die schon fast ans Drama grenzt. OK, der Film bleibt verhältnismäßig belanglos, und man sollte nicht allzu sehr nach einer fundierten oder ausgewogenen Aussage suchen (da könnte man sich verzetteln), aber als harmloser Spaß geht der Film leicht durch. Ist kommende Woche übrigens schon wieder im Fernsehen, siehe auch die kommende Ausgabe der Fernsehtipps.

Revolution (1985) – genau wie der Hoffman ist auch Al Pacino ein Schauspieler, der einen Film ohne Weiteres alleine tragen kann – in diesem Drama über den amerikanischen Bürgerkrieg erhält er Unterstützung von Donald Sutherland und Nastassia “Tochter von Jesus” Kinski – der Film weiß auf der Handlungsebene jedoch kaum zu überzeugen. Starke Pluspunkte gibt’s für die sehr, sehr, sehr atmosphärische Stimmung, die ganz entgegen dem üblichen Patriotismus die Zeit um 1776 als eine dreckige, fast mittelalterliche Epoche auf einem noch neuen Kontinent zeichnet. Interessant.

  • Share/Bookmark

26./27.: Wollte ich schon lange sehen

Ich bitte an dieser Stelle den geneigten Leser, die nun folgende verbale Entgleisung zu entschuldigen.

Fuck you, Weinstein Brothers. Fuck you. Nein, ehrlich. Fuck you.

Vor einiger Zeit haben sich die beiden Filmemacher und Genre-Fetischisten Robert Rodriguez und Quentin Tarantino zusammengetan, um ein Spezial-Filmprojekt ins Leben zu rufen: ganz in der Tradition der immens erfolgreichen Eastern/Western-Hommage Kill Bill sollte Grindhouse (2007) eine Hommage an die titulären Grindhouses werden: auf Exploitation-Filme spezialisierte Trashhäuser, deren Output aus katastrophalen Uraltkopien irgendwelcher billigster italienischer Zombiefilme, schwedischer Schulmädchenpornos und amerikanischer Blaxploitationstreifen bestand. Ich lege dem geneigten Leser nahe, sich mal den unter dem Wort “Exploitation-Filme” verlinkten Wikipedia-Artikel durchzulesen – eine recht interessante Auflistung populärer Subgenres.

Nun ist Grindhouse weniger ein echter Film als vielmehr der Versuch, eine Grindhouse-Vorstellung wiederzugeben – zwar nicht authentisch, aber dennoch in der hommagenhaft überhöhten Art, die der geneigte Leser von Tarantinos Kill Bill her gewohnt ist. Ein faszinierendes Projekt, bestehend aus alten, abgenutzten (Fake-)Trailern für typische Exploitationfilme, Dia-Werbung für ein lokales mexikanisches Restaurant, und ein Double Feature von bescheuert schlechten Filmen, gezeigt in der abgenutztest möglichen Kopie.

Naja, so sollte es sein, wären da nicht die Gebrüder Bob und Harvey Arschgesicht Weinstein, deren klare Intention es von Anfang an war – achtung: von Anfang an, nicht etwa erst nach dem katastrophalen Filmstart in den USA – no na, ein Gewaltfilm am (Familien-)Osterwochenende – also, deren klare und eindeutige Intention vom allerersten Anfang an war, den Film zwecks Gewinnmaximierung von seinen Fake-Trailern zu befreien stattdessen die beiden Filme des Double Features separat zu releasen.

Ich möchte kurz rekapitulieren: zwei Filme, deren Haupteigenschaft es ist, auf möglichst dämliche Weise schlecht zu sein, und deren filmischer Reiz vor allem darin besteht, dass damit eine seit fast dreissig Jahren verloren gegangene Kinotradition reproduziert wird, werden separat veröffentlicht und werden somit zwangsläufig… zu schlechten Filmen.

Ich möchte an dieser Stelle noch einmal einschieben: Fuck you, Weinstein Brothers. Ehrlich. Ich fühle kein noch so kleines Bisschen Reue bei dem, was ich getan habe. Ich habe den Film Grindhouse gesehen. Ich habe mir nicht Robert Rodriguez’ Planet Terror angesehen, und auch nicht Quentin Tarantinos Death Proof, sondern Grindhouse. Mit Fake-Trailern. Ich habe (obwohl ich Tarantino gerne mag, und Rodriguez ebenso) gewartet und gewartet, ob das, was man unter Beachtung der lateinischen Wurzel als Integralfassung (oder “Die Fassung, bei der die Filmemacher ihre Integrität behielten”) nicht in irgend einer legalen Weise in unseren Breiten verfügbar würde. Vielleicht dann auf DVD. Aber nix da. Nada.

Ehrlich, ich hab’ gar keine Lust, mir die “zwei Filme” auf DVD zu kaufen. Warum auch? Ich will gar nicht wissen, wie diese Katastrophen separat wirken. Seien wir ehrlich: sie sind schlechte Filme. Sie sind furchtbar. Abgesehen von ihrer Meta-Wirkung als Hommagen an bestimmte Genres haben sie nix vorzuweisen – und in der Hinsicht hält sich Tarantinos Film ebenfalls bedenklich schlecht. Das Grindhouse-”Erlebnis” ist das Einzige, was den Film (den einen Film) interessant oder sehenswert macht: die verschrobenen Trailer-Ankündigungs-Melodien (”A prevue of coming attractions”), die die Tatsache, dass Death Proof offensichtlich früher Thunderbolt hieß – das ist ein Stil, dessen Inhalt völlig irrelevant ist.

Ein Stil mit missing reel: ein besonderer Clou der Grindhouse-Integralfassung sind die Missing Reels: jedem der beiden Hauptfilme “fehlt eine Filmrolle” – ein wichtiger Teil des Films ist schlichtwegs nicht vorhanden. Das mag zwar keine echte Grindhouse-Tradition sein, sondern entstammt vielmehr Tarantinos 35mm-Sammlerleidenschaft, ist aber dennoch stilistisch konsistent – und narrativ wie humoristisch interessant. Ein Wiedereinfügen der Reels in die europäischen Fassungen als Mehrwert zu verkaufen ist schlichtwegs das Inverse von wahr.

Ebenso verlogen jegliche Marketingbehauptungen, Grindhouse wäre dem europäischen Publikum mangels Grindhouse-Tradition nicht zugänglich – bullshit. Eine dreissig Jahre alte Kino-Tradition, wiederbelebt von Filmemachern, die hauptsächlich an ein pubertäres bzw. filmhistorisch mäßig bemitteltes Publikum appellieren – das hat auch in Amerika keinerlei Boden, welches Tarantino-Kiddie wusste denn ehrlich vor Grindhouse, was der Ausdruck überhaupt bedeutet? Man hätte wenigstens zugeben können, dass man einfach wollte, dass die Europäer für halbe Filme doppelt löhnen, weil das bei Kill Bill schon so schön funktioniert hat.

A propos Europäer: den Freunden vom deutschen Verleih, Senator Film, kann man diesmal wirklich keinerlei Vorwurf machen: die haben von den Arschlöchern Weinsteins von Haus aus nur kastrierte Kopien erhalten und haben somit keine Schuld. Naja, besser macht das die Situation auch nicht, und Geld werden die Herren Senatoren auch nicht von mir erhalten.

Ich muss ehrlich gestehen: ich fühle mich gut. Moralisch gesehen mag es zwar völlig falsch sein, sich einen Film als Raubkopie aus dem Internet angesehen zu haben (Eat my shorts, Weinsteins), aus der Sicht des Filmliebhabers war es die einzige Möglichkeit. Ich muss sogar sagen, dass die Screenerkopie (DVD-Rips gibt es von der Integralfassung nicht, sie ist bisher nirgends auf DVD erschienen) mit ihrer miesen Qualität und ihren Köpfen gelangweilt toilettensuchender Zuseher dem Grindhouse-Flair sogar noch zuträglich ist. Ausnahmsweise volle Download-Empfehlung meinerseits.

Und ach ja: fuck you, Weinsteins.

Noch ein Film, den ich schon ewig sehen wollte: Das Britenteam Edgar Wright/Simon Pegg/Nick Frost hat, obwohl noch nicht allzu oft auf’m Blog gefeatured, einen fixen Platz im Herzen des Filmkings. Die wunderbare Serie Spaced genoss der ‘king seinerzeit sehr (und er würde jetzt zum DVD-Regal gehen und sein Spaced-Böxlein streicheln, wenn dieses nicht gute 500 km entfernt läge, weil er über Weihnachten die Eltern besucht) – und Shaun of the Dead war schlicht großartig. Etwas seltsam, dass der noch keinerlei Review auf’m Blog erfuhr. Naja, ein Grund mehr, sich das Ding mal wieder mit Kumpels reinzuziehen.

Hot Fuzz fand im Vorfeld bereits zwei Erwähnungen auf’m Blog: einmal in der grandiosen Jahresvorschau ‘07, und einmal wegen seines abgewichsten deutschen Verleihtitels, der dann offensichtlich sogar dem Verleiher zu dumm war, und durch den zumindest nicht ganz so geschmacklos-fehlgriffigen “Zwei Bad Boys räumen auf” ersetzt wurde. Naja, auch nicht so viel besser.

Seltsamerweise war dann mein Interesse am Film schon wieder fast verschwunden, einerseits, weil sich der Hype um den Film in unseren Breiten tatsächlich auf ein allgemeines Mokieren über den deutschen Titel beschränkte (zumindest innerhalb der Blogosphäre), andererseits, weil sich mein Interesse an einer synchronisierten Fassung des Films dank des bestenfalls peinlichen Dubs von Shaun of the Dead ebenfalls bei Null einpendelte.

Überraschenderweise hat ausgerechnet Kollege Markus, der sonst zwar einen guten Filmgeschmack, nicht unbedingt aber eine profunde Kenntnis der exotischeren Ecken der Filmwelt aufweist, den Film nun aus dem Talon gezaubert. (Kollege Markus, missversteh’ das bitte nicht als Vorwurf – es kann nicht jeder jeden Film zumindest namentlich kennen – das gelingt nur den Filmkings unter den Menschen.) Nun, eine gute Gelegenheit, den Film zu sehen – und für großartig zu befinden.

Wright/Pegg/Frost machen da weiter, wo sie mit Shaun aufgehört haben und schaffen einen Film, der gleichermaßen der Vertreter eines Genres ist, wie er es homagiert und parodiert – ohne verletzend oder primitiv sein. Hot Fuzz funktioniert gleichermaßen als klassischer Vertreter des Cop-Action-Genres, wie er es liebevoll auf die Schippe nimmt, oft auf einer Meta-Ebene, die an Tarantino gemahnt (hihi, Rückgriff auf Tarantino von weiter oben) und dennoch viel raffinierter ist.

Ich würde dem Film sogar (schweren Herzens) attestieren, dass er besser als Shaun ist – knapp. Aber das mag auch ein wenig daran liegen, dass er mir persönlich genremäßig eine winzige Spur zugänglicher ist – und für Kleinstadt-Satire hatte ich auch immer schon was übrig. Insgesamt ein ausgesprochen angenehmer, unterhaltsamer, erfrischend anderer Film. Hurra!

  • Share/Bookmark

Gestern gesehen: Intoleranz

Intoleranz (1916) sollte dem geneigten Leser als D.W. Griffiths epochales, dreistündiges Meisterwerk bekannt sein. Griffith drehte Intoleranz als Reaktion auf die mannigfaltigen Vorwürfe ihm gegenüber, nachdem Birth of a Nation ja eine mehr als zweifelhafte Message transportierte.

Intoleranz erzählt in vier verflochtenen bzw. meisterhaft parallel montierten Einzelgeschichten, in denen eine Form von Intoleranz Unglück über die Menschen bringt. Die Hauptfiguren bleiben dabei bewusst ikonisch und namenlos, repräsentieren den Menschen an sich, keine bestimmten Individuen. Filmisch war Intoleranz ungeheuerlich einflussreich: die Montagetechnik dürfte durchaus einen Einfluss auf Eisenstein and the likes gehabt haben.

Mindestens genauso beeindruckend wie die Umsetzung aus filmtheoretischer Sicht ist der Film in kommerzieller Hinsicht: die damals utopische Summe von 2 Millionen Dollar wurde in monumentale Sets investiert (die dann zeitweise zu Wahrzeichen Hollywoods wurden), in Unmengen an Statisten, Kostümen, Ausstattung. Und selbstverständlicherweise ist der Film (wie alle allzu ambitionierten Projekte) königlich gefloppt.

Dabei hat er eigentlich alles, was man von einem Film wollen kann – Sex und Gewalt en Masse, epische Schlachtenszenen, barbusige Haremsdamen, fiese Gangster, den Heiland himself - so gut wie alles, was man später in Hollywood zu sehen (oder dank des Hays Code nicht mehr) bekommen würde.

Über die moralischen Implikationen des Films bin ich mir aber ganz und gar nicht so sicher: Griffith ist dann doch zu sehr auf die Form konzentriert, um dem Inhalt eine klare Linie zu verpassen. Die vier Geschichten wirken recht willkürlich gewählt (das antike Babylon, Jesus Christus, die Hugenotten, die “Gegenwart”) – wenn etwa die Intoleranz von Angry Moms gegen Alkohol und liederliches Leben mit Jesus Christus verglichen wird (”gonna turn water into… funk wine”) – und das ganze Religionsgeschwurbel bzw. die eigentliche Aussage im alten Babylon durchblicke ich jetzt noch nicht. Einige Fakten sind jedoch klar:

  • Dieser schmierige, weibische Typ im Hugenottensegment sieht so aus wie Kevin Weisman aus Alias.
  • Catherine de Medici sieht so aus wie die Amme der Queen in Blackadder II.
  • Das Mountain Girl ist total süß.
  • In der Weltkriegsszene taucht nochmal im Hintergrund der Feuerpanzer aus dem antiken Babylon aus (Pfui! Stümperei!)
  • Die Zwischentitel sind cool, in ihrer Aufmachung aber ähnlich konsistent wie die Logik des gesamten Filmes.

Ach, und die besichtigte Filmfassung war übrigens die brandneu restaurierte, die heuer erst in Venedig gezeigt wurde, und die arte kürzlich ausgestrahlt hat.

  • Share/Bookmark

Vorgestern gesehen: Postgeklingel

(Wie gesagt: ich hatte gestern Prüfung, bin also mal wieder hinten nach mit Rezensionen.)

James Cains Roman The Postman Always Rings Twice hat das große Glück, schon x-mal verfilmt worden zu sein, in Frankreich, den USA und Italien, letzteres die bekannteste Verfilmung, Viscontis Ossessione. Amüsanterweise kennt der selbstdeklarierte Filmking nicht einmal letztere. Dafür gab’s vorgestern die neueste Verfilmung, Wenn der Postmann zweimal klingelt (1981).

Bekannt ist der Film vor allem wegen seiner angeblichen Obszönität. Passend zum Thema obszön hatte ich als Hauptdarsteller Jack Nicholson und Meryl Streep oder Glenn Close oder eine andere dieser gesetzten Damen in Erinnerung, es stellte sich jedoch erfreulicherweise heraus, dass die Dame gegenüber Chef-Schweinigel Nicholson Jessica Lange war, die dem geneigten Leser wohl vor allem aus einem anderen Remake bekannt sein dürfte, nämlich aus King Kong (1976).

Interessanterweise ist die betontermaßen “angebliche” Obszönität ziemlich harmlos (naja, vielleicht war das damals noch wüst), und auch die Film-Noir-Aspekte werden ziemlich runtergespielt (immerhin entstammt die Romanvorlage ganz klar diesem Noir-Vorlagen-Zyklus) – stattdessen fokussiert der Film vor allem auf das Drama bzw. die Liebesgeschichte, was durchaus sinnvoll scheint, denn der Film überzeugt in diesen Belangen.

Besonders erwähnenswert noch zwei weitere Mitwirkende: fürs Drehbuch zeichnet sich David Mamet verantwortlich, was dem Film vermutlich seine Theaterhaftigkeit eingebracht hat; und als gehörnten Ehemann sehen wir John Colicos, den die Science-Fiction-Nerds unter uns sofort als Klingonenkapitän Kor bzw. noch bekannter als Lord Baltar aus dem originalen Kampfstern Galactica erkennen werden.

  • Share/Bookmark

Viennale: Bob Dylan und die Coen-Brothers

Mein kurzes, aber recht treffliches Review zu einem der bis dato besten Viennale-Filme, Todd Haynes’ verquerem Bob-Dylan-Film I’m Not There, ist jetzt bei Allesfilm.com online. Als Randnotiz sei hinzuzufügen, dass es mich total ausgefreakt hat, dass ich Bob Dylan irgendwie sexy fand… zumindest in der Cate-Blanchett-Inkarnation. Irgendwie verständlich, aber trotzdem spooky.

Das Problem: wenn ich sage “einer der bis dato besten Viennale-Filme”, dann muss ich das schon wieder relativieren. Einerseits sind überhaupt alle Filme, die ich bis jetzt gesehen hatte großartig. Andererseits habe ich gestern den neuen Film der Coen-Brüder gesehen. An’ dis ees Texas, dis ain’ No Country for Old Men.

Und das sind nicht die zuckersüßen Coen-Brüder aus Hudsucker oder gar Ladykillers, die Ein (un)möglicher Härtefall gemacht haben und ein herziges Segment in Paris, je t’aime – das sind die bösen, bösen Coens, die Fargo gemacht haben, oder noch trefflicher Blood Simple. Blood Simple, der Coens Erster, ist überhaupt der allerbeste Vergleich: einige Einstellungen sind sogar eins zu eins übernommen. Aber No Country for Old Men ist noch härter, böser, hinterfotziger. Blut spritzt in einer grausigen, geronnenen, bösen Konsistenz, in ungewohnt realistischer Härte.

Ja, die üblichen Quirks der Coens sind da – aber nicht lustig. Am besten manifestieren sie sich im psychopathischen Überkiller Anton Chigurh (brilliant: Javier Bardem), vom dem man meinen möchte, er sei der Leibhaftige persönlich. So mancher Zuseher, der vielleicht wegen dem Dude oder O’ Brother… gekommen ist, dürfte ziemlich überrascht gewesen sein, was für eine grausame, staubige Härte die Coens zeigen können.

Der Filmblogist ist begeistert und erklärt No Country for Old Men zum bis dato besten Coen-Film, zu einem der bis dato besten Viennale-Filme. Genau.

nocountry.jpg

In der Druckluftflasche lauert der Tod.

  • Share/Bookmark

Gest… öh… vor drei Tagen: Superbad!

Öh, ich habe die letzten Tage mehr oder weniger vergessen, dieses Review zu posten: Donnerstag abend hab’ ich sehr spontan noch entschlossen, mir Superbad in OV zu geben, nachdem ich den Film ja lobend in meiner Kino-Vorschau erwähnt hatte.

Und, ah, der Film hat in der Tat jedes Lob verdient, das er nur kriegen kann. Lang lebe die amerikanische High-School-Teenie-Klamotte! Es gibt eigentlich nicht viel, was man über die beinahe biblische Geschichte von Seth, Evan (die beiden heißen interessanterweise genauso wie die Drehbuchautoren) und Fogell McLovin und ihrem Versuch, Alkohol für eine Party zu beschaffen, für die sie sonst nicht cool genug sind, sagen kann.

Es bleibt nur soviel zu sagen: Drehbuchautor (und Nebendarsteller) Seth Rogen hat mittlerweile meine Aufmerksamkeit bekommen, auch, wenn ich ihn in meinem Knocked-Up-Review irgendwie restlos mit Judd Apatow durcheinandergebracht habe. Ein Film, der in unseren Breiten zu Unrecht untergehen wird.

  • Share/Bookmark