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Tag: Biopic

Fernsehtipps, Ausgabe 14/08

Mal wieder in allerletzter Sekunde bringt der Filmking die Fernsehtipps. Uff. Stress.

SAMSTAG

Robin Hood – König der Diebe (20.15, Sat.1) – hat mir eigentlich immer recht passabel gefallen. (Review)

Sideways (20.15, VOX) muss ich das letzte Mal ziemlich knapp vor dem Beginn meiner Blogger-Karriere gesehen haben; egal. Alexander Payne mag ich immer, ebenso den Giamatti – sehenswert!

Der Bär (23.10, BR) – hach, der ist ja so unendlich nett! Jean-Jacques Annauds Superfilm mit Tier-Hauptdarstellern.

Before Night Falls (00.00, WDR) – recht sehenswertes Biopic (Review)

Am Anfang war das Feuer (00.40, BR) – gleich nach dem Bären noch ein Annaud: diesmal mit Fast-Tier-Hauptdarstellern. (Review)

SONNTAG

Ferris macht blau (6.10, Sat.1) – einer der ganz wenigen Eighties-Teenagerfilme, der mir eigentlich immer gefallen hat.

Cry-Baby (8.50, RTL II) – John-Waters-Seltsamkeit mit dem sehr jungen Johnny Depp als James-Dean-artigem Motorradler. Sehenswert.

Hair (15.20, 3sat) – 3sat macht nämlich einen 68er-Tag, und da darf dieses Musical natürlich nicht fehlen. (Review)

Ghostbusters (18.10, Kabel 1) – einer der Lieblingsfilme des Filmking. Ein Wunder, dass der noch kein Review hier auf’m Blog bekommen hat, muss wohl dringend neu inspiziert werden.

The Day after Tomorrow (20.15, RTL) – ich hatte für Emmerichs leicht dämliches Endzeit-Getöse immer einen kleinen Fleck in meinem Herzen.

DIENSTAG

Außer Atem (23.25, BR) – Ja, ja, Godards superwichtiger Film. Ich mag ihn trotzdem nicht.

Der Profi (00.20, ARD) – Bébel feiert zur Zeit seinen 75er, und der hier ist einer, den ich besonders gerne mag. (Review)

MITTWOCH

Manfred von Richthofen – Der rote Baron (20.15, Das Vierte) – keine Ahnung, nie gesehen. Ich weiß nur drei Dinge über diesen Film: (1) Roger Corman hat Regie geführt (2) John Phillip Law (den ich sehr schätze) spielt den Baron (3) das Ray hat ein sehr cooles Bildmotiv in der aktuellen Ausgabe. Will ich sehen.

Oldboy (22.45, arte) – herrlich böser Südkorea-Rachefilm, must see.

Elf Uhr Nachts (00.35, ARD) – und genau wie Außer Atem dürfte auch dieser wohl vor allem wegen Jean-Paul im Programm sein.

FREITAG

The Big Lebowski (20.15, Das Vierte) – Yeah, yeah, yeah, what condition my condition was in. (kein Review)

Jackie Brown (22.35, Das Vierte) – der unterschätzte, gelegentlich vergessene Tarantino.

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Vorgestern gesehen: der Falke fliegt wieder

Zum Glück ist der durch sein Todiläum ausgelöste Mini-Hype rund um Hansi “Falco” Hölzel wieder soweit verflogen, dass man sich nicht des grob fahrlässigen medialen Mitläufertums anklagen lassen muss, wenn man seinen Hintern in eine Vorstellung des großen Falco-Biographiefilms Falco – Verdammt, wir leben noch! setzt.

Vorweg: der Film ist echt gut, vor allem für österreichische Verhältnisse. Ein sichtbar teurer Blockbuster im Stile eines amerikanischen Biopics, dem man kaum Vorwürfe machen kann. Popsternchen Manuel Rubey hat des Falken exzentrisches Diktum und seine affektiert-exzentrischen Moves gut einstudiert und kann in der Rolle durchaus überzeugen, Christian Tramitz wirkt überhaupt nicht albern, der Nebencast ist superb (bis auf die Dame, die Hansis Gattin spielt), es gibt jede Menge Gastauftritte von Stuart Freeman bis Mola Adebisi (Nineties-Flashback! Nineties-Flashback!), Drahdiwaberl wird erwähnt (auch wenn der Darsteller vom Stefan Weber viel zu dick ist), und, und das ist die größte Stärke des Films: man rückt nur gelegentlich in weinerlich-selbstverzweifelten Pathos ab. Gelegentlich darf Falco Rubey zwar düsteres Foreshadowing betreiben, und Grace Jones als unheimliche, äh, naja Frau, wirkt seltsam deplaziert und leicht campy (genau wie die permanenten Zwischenschnitte auf Falco im Jeep und seinen zukünftigen Tanzpartner, den dicken fetten Reisebus) – aber nur in Maßen, die dem King of überzogener Pathos selbst gut gefallen hätten.

Kritik gibt’s für die Songs im Film, die zwar alle wichtigen Falco-Singles abdecken, allerdings handelt es sich ausschließlich um Covers, die von Rubey neu eingesungen wurden, sich dabei aber so sklavisch ans Original halten, dass man sich fragt, warum man nicht gleich die Originale verwendet hat. Zumindest macht Rubey auch musikalisch seine Sache so gut, dass man nicht wirklich klagen kann. Der relative “Erfolg” des Films in Österreich (138.000, naja, zumindest mehr als die Fälscher) ist verdient.

[youtube jLQ2wl5TO8Q]

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Dienstag: Humoristen

Zu meiner großen cineastischen Schande muss ich gestehen, dass ich noch nie einen Film von Frankreichs Komiker Nummer eins, Jacques Tati gesehen habe. Einen guten Einstieg in Tatis Schaffen bieten Die Ferien des Monsieur Hulot (1953). Wie der Titel verrät, geht Tatis Alter Ego Monsieur Hulot (ein naher Verwandter vom kleinen Tramp und Mister Bean) auf Urlaub in ein beschauliches Küstenörtchen und sorgt dort für stummfilmesken Rambazamba.

Und in der Tat ist der Film beinahe eine traditionelle Stummfilmkomödie: kaum Dialoge, deren Überflüssigkeit durch Verwendung mehrerer Sprachen betont, kaum lineare Handlung, vielmehr eine Aneinanderreihung von Sketches. Der Humor: manchmal etwas altbacken und ausgetreten, mitunter aber absolut großartig.

Danach ein Film – nicht von einem großen Komiker, sondern über einen. The Life and Death of Peter Sellers (2004) fasst seinen Inhalt ähnlich gut im Titel zusammen wie der Tati. Der Film hat mich seinerzeit, als ich ihn erstmals sah (ich glaube, das war so Ende ‘05) von zwei Dingen überzeugt: das HBO rult, und dass TV-Filme nicht zwangsläufig kacke sein müssen.

Von TV-Filmen ist man ja in unseren Breiten Übelstes gewöhnt: deutschsprachige Produktionen sind selbst bei größtmöglichem Budget eher kacke, und die internationalen Produktionen, die es zu uns schaffen, sind meistens diese gräulichen Hallmark-Dinger, die Kohle mit aktuellen Kinofilmen machen wollen.

Dem plagiistischen Billigwust mit erbärmlichen Schauspielleistungen irgendwelcher sekundärer Baldwins oder Schauspieler, deren Brüder seinerzeit mal nennenswerte Stars waren – Moment, das ist ja die inoffizielle Baldwin-Definition – setzt diese hochklassige HBO-Produktion eine exzellente Riege an A-Akteuren entgegen, sowie ein ausgefeiltes Drehbuch und eine solide Inszenierung. Es ist beeindruckend, wie es gelungen ist, Weltstars zu engagieren, die Weltstars spielen – mit unendlich verblüffender optischer Ähnlichkeit:

  • Geoffrey Rush –> Peter Sellers (rult das Haus)
  • Charlize Theron –> Britt Ekland
  • John Lithgow –> Blake Edwards
  • Stanley Tucci –> Stanley Kubrick

(Und der von mir hochverehrte Stephen Fry als Sellers’ Lieblingswahrsager, der gegen kleine Geldsummen von Blake Edwards weitere Panther-Fortsetzungen anrät.)

Wenn es eine Kritik am genretypisch gehaltenen Biopic gibt, dann ist das die Optik mit den etwas missglückten Farbkontrasten, die in ihrer Heftigkeit doch deutlich auf den kleinen Bildschirm abzielt und somit die sonst sehr cinematische Wirkung sehr abschwächt. Sonst kann man den Film mit Fug und Recht empfehlen – speziell bei einem Preis von 2 Euro 97 Cent.

Und, um das gleich alles in einem Eintrag abgehandelt zu haben: gestern gab’s keine Halloween-spezifischen Filme, weil der Halloween-Filmabend mit Kumpels mal wieder auf das nächstgelegene Wochenende verschoben wurde (bzw. die Reviews zu den Filmen lesen Sie an dieser Stelle kommenden Samstag). Gestern gab’s überhaupt nix – ein Versuch, mir Der Kuss der Spinnenfrau anzusehen wurde vom Sandmännchen verhindert. Und bevor irgendein Cineast blöd redet: ja, ich wusste, dass das ein Schwulendrama und kein Gruselfilm ist. Trotz Halloween.

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Viennale: Bob Dylan und die Coen-Brothers

Mein kurzes, aber recht treffliches Review zu einem der bis dato besten Viennale-Filme, Todd Haynes’ verquerem Bob-Dylan-Film I’m Not There, ist jetzt bei Allesfilm.com online. Als Randnotiz sei hinzuzufügen, dass es mich total ausgefreakt hat, dass ich Bob Dylan irgendwie sexy fand… zumindest in der Cate-Blanchett-Inkarnation. Irgendwie verständlich, aber trotzdem spooky.

Das Problem: wenn ich sage “einer der bis dato besten Viennale-Filme”, dann muss ich das schon wieder relativieren. Einerseits sind überhaupt alle Filme, die ich bis jetzt gesehen hatte großartig. Andererseits habe ich gestern den neuen Film der Coen-Brüder gesehen. An’ dis ees Texas, dis ain’ No Country for Old Men.

Und das sind nicht die zuckersüßen Coen-Brüder aus Hudsucker oder gar Ladykillers, die Ein (un)möglicher Härtefall gemacht haben und ein herziges Segment in Paris, je t’aime – das sind die bösen, bösen Coens, die Fargo gemacht haben, oder noch trefflicher Blood Simple. Blood Simple, der Coens Erster, ist überhaupt der allerbeste Vergleich: einige Einstellungen sind sogar eins zu eins übernommen. Aber No Country for Old Men ist noch härter, böser, hinterfotziger. Blut spritzt in einer grausigen, geronnenen, bösen Konsistenz, in ungewohnt realistischer Härte.

Ja, die üblichen Quirks der Coens sind da – aber nicht lustig. Am besten manifestieren sie sich im psychopathischen Überkiller Anton Chigurh (brilliant: Javier Bardem), vom dem man meinen möchte, er sei der Leibhaftige persönlich. So mancher Zuseher, der vielleicht wegen dem Dude oder O’ Brother… gekommen ist, dürfte ziemlich überrascht gewesen sein, was für eine grausame, staubige Härte die Coens zeigen können.

Der Filmblogist ist begeistert und erklärt No Country for Old Men zum bis dato besten Coen-Film, zu einem der bis dato besten Viennale-Filme. Genau.

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In der Druckluftflasche lauert der Tod.

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Gestern, äh, zuletzt gesehen: Drei Tage – drei Filme

Öh. Der geneigte Leser (und damit meine ich vorrangig die Wiederholungstäter unter den Blog-Besuchern) mag mittlerweile bemerkt haben, dass der Filmking diesen Sommer ziemlich gestresst ist – ziemlich große Dinge sind am Horizont, und das erfordert viel Arbeit. Entsprechend gab’s die letzten drei Tage nur je einen Film pro Abend – und, was zu meiner großen Schande gereicht: ich hatte bisher absolut keine Zeit, über diese drei Filme zu bloggen.

Dienstag: Vera Cruz (1954) – Robert Aldrich schätze ich mittlerweile als Filmemacher doch sehr. Der Mann hatte in seinen Tagen ein Gespür für coole Filme – zuletzt hab’ ich ja den absolut großartigen Flug des Phönix hier auf’m Blog gelobt, und der so sehr geschätzte Rattennest hatte in den Anfangstagen dieses Blogs auch die eine oder andere Erwähnung. Vera Cruz, Aldrichs Western um zwei quasibefreundete Cowboys (Gary Cooper und Burt Lancaster), die gemeinsam einen Transport beschützen/berauben wollen, nimmt gewissermaßen eine filmgeschichtliche Sonderstellung ein: bereits in den Fünfzigern nimmt der Film inhaltlich wie formal vollständig alles vorweg, was Sergio Leone später als Italowestern “erfinden” würde. Scope-Format (ein frühes SuperScope mit 2.00:1), mexikanisch angehauchter Schauplatz, superharte, gnadenlose Westerner, die den alten Pathos-Westernhelden verdrängen (unter ihnen übrigens Ernest Borgnine und Charles Buchinsky Bronson), es gibt kaum etwas an diesem Film, das nicht “Italowestern” herausschreit. Leones Ruf sei hiermit höllisch geschmälert, lediglich eine Innovation hat Aldrich ihm gelassen: das patentierte Leone-Augen-Extreme-Closeup.

Mittwoch: Gandhi (1982) – Richard Attenboroughs großer Film über den kleinen Mann, der nicht gerne gegessen hat, ist als Achziger-Jahre-Blockbuster einer dieser Filme, von denen ich immer das Gefühl hatte, dass ich der einzige sei, der ihn noch nicht kenne. Und in der Tat ist der Film ausgezeichnet - was aber vor allem an der Person hinter dem Film (dem Mahatma) liegt, nicht am Film selbst. Der ist zwar solide inszeniert, zeitlos schön – ein wenig unausgewogen aber in der Aufteilung (wofür sich Attenborough aber bereits im Vorspann per Texttafel entschuldigt) – und: stinknormal und typisch fürs Biopic. Jegliche potentielle Kritik an der historischen Person Gandhi wird unterschlagen zugunsten der Biographiefilm-typischen Hype. Insgesamt dennoch ein exzellenter Film.

Donnerstag: Reise nach Indien (1984) – das Thema Indien hatten wir gerade erst mit Gandhi, Regisseur David Lean ebenfalls (mit Doktor Schiwago). Leans letzter Film, entstanden nach einer 15-jährigen Pause als Regisseur, zeigt ein wesentlich intimeres Bild des kolonialen Indien: Angela Quested (Judy Davis, die mich geradezu unnatürlich stark an Selma Blair erinnert) reist nach Indien, um ihren zukünftigen Ehemann zu besuchen, einen britischen Verwaltungsbeamten. Dort trifft sie auf Dr. Aziz, einen angepassten Inder, der sich größte Mühe gibt, sich seinen Kolonialherren zu unterwerfen. Ein Ausflug zu nahegelegenen Höhlen setzt Fürchterliches in Gang… – das groteskeste Element des Films ist Alex Guinness als indischer Gelehrter, der in seiner Ealing-esken Kostümierung nicht so recht weiß, ob er eine ernsthafte Figur oder Comic Relief darstellt. Daneben stellt der Film mehr als jeder andere heraus, dass David Leans Stärken bei allem Hang zum Monumentalen und Spektakel schon immer besonders menschliche, sympathische Figuren waren. Großartig.

[youtube On-XJw-DqWI]

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Gestern gesehen: Kindertrolle und wilde Schreiber

Der gestrige Fernsehabend begann damit, dass ich mich in meine Stammvideothek begeben habe, in der Hoffnung, das eine oder andere Highlight auszuleihen. Die Ernüchterung kam in Form von zwei Feststellungen: (1) die wirklich interessanten Filme habe ich alle schon im Kino gesehen und (2) an einem Samstag Abend ergattert man in der Videothek gar nichts.

Ich hatte eigentlich gehofft, dass der sträfliche Mangel an Promotion und die gewisse Abseitigkeit des Films dafür gesorgt hätten, dass The Proposition von den einfallenden Horden Leihwütiger verschont geblieben wäre. Doch alas, beide Exemplare waren verliehen. Und so stand ich vor der Entscheidung, mir entweder Bruce-Willis-Filme aus der zweiten Reihe (namentlich 16 Blocks und Lucky # Slevin) oder einen Trash-Abend mit Action-Weibern (Ultraviolet, Aeon Flux und DOA: Dead or Alive) auszuborgen.

Völlig desinteressiert und mit leeren Händen bin ich wieder heimgekehrt (keine Angst, lieber Leser, die genannten beiden Abende folgen bei Gelegenheit) und habe mir anstelle eines Themenabends ein Gemisch zweier völlig willkürlich ausgewählter Filme gegeben.

Film Numero eins lief gerade erst gestern im Fernsehen; erfreulicherweise zeigt ja ausgerechnet SuperRTL verteilt aufs ganze Jahr das Gesamtwerk von Hayao Miyazaki, vermutlich als Cross-Promotion mit dem Release der Filme auf DVD von Universum Film. Gestern lief der Film, der Miyazakis Studio Ghibli sein Maskottchen verliehen hat: Mein Nachbar Totoro (1988).

Und der Film ist für mich weniger interessant als die anderen Miyazaki-Filme, was nicht zuletzt daran liegt, dass er von den mir bekannten der Kindgerechteste ist. Mei (4) und Satsuki (8) ziehen gemeinsam mit ihrem Vater in ein verfallenes altes Haus auf dem Land – um näher bei Mutti zu sein, die sich von einer schweren Krankheit erholt. Mei entdeckt bald, dass in dem nahen Baum (natürlich von gewaltigen Ausmaßen) ein riesiger Totoro wohnt, eine Art Waldgeist-viech (eine Mischung aus Hase, Bär, Eule und Meeschweinchen – der ultimative Kinderfreund), der allerlei Zaubereien beherrscht und auch sonst ein heiterer Geselle ist.

Und im Zuge der faszinierend realistischen Handlung haben Mei und Satsuki dann die eine oder andere Begegnung mit dem Totoro – die dann meist recht psychedelisch ausfällt, ich sage nur “Buskatze”. Der Kontrast zwischen der Phantasiewelt des Totoro (es wird durchaus die Möglichkeit offengelassen, dass der Totoro nur eine Erfindung der Mädchen ist) und der beängstigend realistischen Welt des idyllischen Landlebens und der kranken Mutter ist auch die größte Stärke des Films. Die Figuren sind anhand vieler kleiner Details gut entwickelt, und für einen offen als Kinderfilm ausgelegten Film ist Mein Nachbar Totoro beängstigend tiefgehend. Handlungsmäßig mäandert er mir aber doch ein bisschen zuviel dahin, und ich hätte gerne mehr von Totoro und seiner Welt gesehen.

Besonderen Negativbonus gibts allerdings für das Charakterdesign der kleinen Mei: die Figur wirkt ein wenig an Betty Boop angelehnt, allerdings um einen Faktor zehnmillionen nerviger. Ich hatte (und das hatte ich bei einem vierjährigen Mädchen fast noch nie) das unbändige Bedürftnis, der kleinen in ihr riesiges Froschmaul zu treten. Und da Sympathie zu Mei (oder deren Mangel) eigentlich recht wichtig im Film ist, hat mir das den Genuss deutlich geschmälert. Trotzdem: ein interessanter Film.

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Und danach mal wieder der Versuch, einen völlig entgegengesetzten Film zu finden – und was eignet sich besser als Gegensatz zu einem japanischen Kinderzeichentrickfilm als ein Biopic über den viktorianischen Schriftsteller und Vorzeigehomosexuellen Oscar Wilde (Wilde, 1997)?

Der britische Film leistet recht solide Arbeit, das Leben des stilprägenden Satirikers mit großem Aufgebot an Stars oder zukünftigen Stars umzusetzen: als Wildes Liebhaber finden sich Jude Law und Ioan Gruffudd (genau, der Typ, der Mr. Fantastic so langweilig gespielt hat) sowie in seinem (dreisekündigen) ersten Filmauftritt Orlando Bloom. Vanessa Redgrave gibt Wildes Mutter, und Oscar Wilde himself wird gespielt von Stephen Fry. Fry ist quasi geschaffen für die Rolle: Fry ist populärer britischer Komiker (ich liebe seine diversen Auftritte in Black Adder) und selbst homosexuell. (Die Allgemeinheit kennt Fry übrigens aus seiner Nebenrolle in V for Vendetta, wo er Natalie Portmans homosexuellen Boss spielt.) Und genau so aussehen wie Wilde tut er auch.

Was den Film für meinen Geschmack deutlich weniger interessant macht, als er sein könnte, ist, dass der Fokus größtenteils auf Wildes (ausgesprochen buntem) Liebesleben liegt und Wildes gesellschaftliche Wirkung und die Wirkung des Ästhetizismus ziemlich vernachlässigt wird. Naja, trotzdem weiß der Film (mit einigen Längen) zu unterhalten, was ich vor allem auf Frys exzellente Performance zurückführe. Netter Film, dürfte vor allem interessant für Leute sein, die sich bereits mit Wilde auseinandergesetzt haben.

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Gestern gesehen: Klassiker

Zwei Filme, die indirekt mit dem Begriff “Klassiker” bezeichnet werden.

The Aviator (2004) von Martin Scorsese mag trotz Starbesetzung und 5 Oscars kein “Klassiker” sein, lehnt sich aber stilistisch stark an solche an (besonders mit der exzentrisch-exzellenten Farbgebung). Scorseses epische Verfilmung des Lebens von Aviationskönig, Lebemann und Multimillionenpsycho Howard Hughes kann als ihre beeindruckendste Leistung verbuchen, dass sie dem Zuseher trotz üppiger 160 Minuten dennoch wie im Flug (Pun intended) vergeht. [Roger Ebert behauptet dasselbe in seinem Review.] Die größte Schwäche des Films (neben seinem angeblich geringen Realismus) ist, dass er sich auf 160 Minuten stilistisch zu heterogen und bunt, zu vielfältig, wie sieben oder acht verschiedene Filme gleichzeitig anfühlt, und das, obwohl er für ein Biopic einen überraschend kurzen Zeitraum von Hughes’ Leben (ca. 20 Jahre) abdeckt. Ein großartiger Film - sicher nicht Scorseses bester (The Departed kickt des Aviators Ass) – dennoch eine exzellente Leistung.

Danach wieder der größtmögliche Kontrast, ein Wechsel zu einem der populärsten Seventies-Midnight-Movies. Das junge Paar ist gerade völlig durchnässt im finsteren alten Schloss angekommen und ist dort einigen sehr schrägen Figuren begegnet – als der Herr des Hauses seine Aufwartung macht: majestätisch schwebt er, im dunklen Umhang, mit grellweissem Gesicht, in einem Aufzug herab - schreitet langsam durch die Menge seiner Anhänger, setzt sich langsam auf seinen Thron – öffnet sein Cape! … und entblößt die Strapse, die er dort trägt. “Don’t judge a book by it’s cover” tönt Frank N. Furter (Tim Curry), die Hauptfigur der Rocky Horror Picture Show (It’s just a jump to the left.) – und ich muss gleich ein Geständnis meinerseits nachschieben: ich habe den Film noch nie gesehen. Als Musical hab’ ich die Rocky Horror Show schon erlebt (und nicht ohne Stolz füge ich hinzu: in New York) – der Film war mir tatsächlich noch fremd. Naja, eine würdige Ergänzung zu den diversen anderen klassischen Tunten-Filmen, die ich zuletzt gesehen habe.

It’s just a jump… to the left.

Natürlich ist der Film, wenn man ihn alleine im stillen Kämmerlein geniesst, kein Vergleich zum Genuss in einem mitternächtlich überfüllten Filmtheater mit tausenden Fans und ihren Insider-Blödeleien – ich würde sogar sagen, dass der Film ohne seine Fan-Bewegung ein relativ unspektakulärer, netter Film wäre – mit netten Performances von Curry und seinen Co-Stars (inklusive Meat Loaf in einer seinem Namen sehr entsprechenden Rolle). Kein Highlight, aber nett. Ein Besuch in einem Mitternachtskino ist vermutlich etwas interessanter (und wie’s der Zufall so will, steht das Kino, das Rocky Horror international am längsten spielt in München, also in geographischer Reichweite – vielleicht ein Grund für einen Ausflug?). Nennenswert ist auch der Soundtrack, den ich persönlich insgesamt ein wenig zu bieder-schmalzig finde. Ausnahme bilden natürlich die Tracks “Time Warp” (It’s just a jump to the left) und “Sweet Transvestite” - die, wenn sie nicht unbedingt 100 Prozent meinem Geschmack entsprechen, ziemlich ins Ohr gehen. Eines sollte man nicht vergessen (und dieser Satz fasst für mich den ganzen Film recht gut zusammen):

It’s just a jump to the left!

 

rockyh2.jpg

 

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Gestern gesehen: Frischware aus der Videothek

Nachdem ich mittlerweile sicher ein halbes Jahr nicht mehr in der Videothek war, habe ich mich fast schon geschämt, wieder einmal hinzugehen. Die strafenden Blicke meines Stamm-Videothekars (”wo bist du gewesen, Filmking? Ich habe jeden Tag auf dich gewartet…”) – beinahe unerträglich, der Schmerz. Dennoch: es musste sein. Also habe ich gestern brav drei Filmchen heimgetragen und mich mit politischen Journalisten, untreuen Schnösel-Ehemännern und unheimlichen Teenagerinnen herumgeschlagen.

Good Night, and Good Luck (2005) ist George Clooneys zweiter Spielfilm – als Regisseur, versteht sich. Clooney hat für seine Verfilmung von Fernsehreporter Edward R. Murrows Kampf gegen Senator Joseph McCarthy in den 50ern einen beeindruckenden Cast zusammengetragen: Jeff Daniels, Robert Downey Jr., Frank Langella, Ray “Leland Palmer” Wise und natürlich Clooney selbst schauspielern sich die Seele aus dem Leib – Highlight ist dennoch der relativ unbekannte David Strathairn als Edward R. Murrow.

Filmisch ist vor allem die Doppeldeutigkeit interessant: nicht nur bildet der Film das McCarthy-Klima interessant ab, man kann ihn auch als Allegorie auf das aktuelle Medienklima in den USA sehen, als Plädoyer für mehr Medienverantwortung. Auch wenn der Vergleich zwischen damals und heute vielleicht nicht ganz gerade ist, so hebt er doch den Film vom simplen Biopic a la Kinsey auf eine deutlich interessantere Ebene.

Clooneys Regietalent habe ich schon früher attestiert, nämlich bei Clooneys Erstling Confessions of a dangerous Mind – und auch wenn mir der ein Stück besser gefällt, muss man ganz klar sagen: Clooneys Oscar-Nominierung für den Film ist verdient. Ich bin gespannt, was Clooneys Nächster, Leatherheads, bringen wird.

Match Point (2005): Woody Allen macht zwei Arten von Filmen: lustige und anspruchsvolle. Und, äh, eine ganze Palette von Filmen dazwischen oder ausserhalb dieser Einschränkung. Äh. Worauf ich hinaus will? Weiss ich nicht… ich sollte grobe Verallgemeinerungen unterlassen. Zurück zum Film, Dieser zeichnet sich schon einmal durch drei Besonderheiten aus: es ist Woody Allens längster (ganze zwei (!) Stunden), sein erster vollständig britischer, und sein erfolgreichster Film seit fast zwanzig Jahren.

Match Point ist eine Art genre-unabhängiges Drama um Tennislehrer Chris, der sich von unten hinaufgearbeitet hat. Er freundet sich mit Tom, dem Sohn einer reichen Familie an, und kommt mit dessen Schwester zusammen. Dann verliebt er sich in Toms Verlobte. Verständlich: sie ist Scarlett Johansson.

Neben einer Allen-typisch tollen Besetzung (Jonathan Rhys-Meyers als Chris, Brian Cox und die Premierministerin aus Doctor Who als reiche Schwiegereltern – und natürlich die bereits erwähnte Scarlett Johansson) bietet der Film… nicht viel. Filmisch eher durchschnittlich entwickelt die unspektakuläre Handlung zwar eine gewisse Drögheit, aufgrund des langen Zeitraums aber auch eine unheimlich fiese Intensität, die der Unspekularität (gibt es dieses Wort?) überraschend viel Bedeutung verleihen. Der Schluss mag etwas aufgesetzt und beinahe schon lustig wirken, gibt dem Film aber Woody-Allen-Beigeschmack.

Was mich ein wenig irritiert, ist, dass Allen seinen üblichen Personenkreis, die New Yorker gebildet-liberale Mittelschicht, eintauscht gegen reiche Briten-Schnösel. Das raubt den Figuren jede Menge Sympathie, was aufgrund der Drama-Handlung aber nicht das Schlechteste ist. Im Gegenteil: ab der Mitte entwickelt der Film eine Art Tom-Ripley-Flair. Das passt, erinnern doch die beiden leider etwas ununterscheidbaren männlichen Hauptfiguren stark an Jude Law.

Ahja, und Spud aus Trainspotting spielt auch mit.

Hard Candy (2005): ein kleiner, kaum bekannter US-Indie-Film, auf den ich durch zwei Dinge aufmerksam geworden bin: durch einige Rezensionen auf aintitcoolnews.com, und durch die Tatsache, dass er hierzulande von Autobahn vertrieben wird, dem Filmlabel, das uns auch schon den exzellenten Brick gebracht hat (bzw. übernächsten Monat auf DVD bringen wird).

Und es ist quasi unmöglich, den Film zu rezensieren, ohne ein wichtiges Plot-Detail zu verraten, das man vor dem Filmkonsum vielleicht nicht unbedingt wissen sollte. Es steht dem Leser also frei, die nächsten paar Paragraphen zu überspringen. In Hard Candy geht es nämlich um einen “Internet Predator”, einen Pädophilen, der im Chat die vierzehnjärige Hayley aufreisst, in einem Lokal trifft, und dann mit nach Hause nimmt. [Und jetzt kommt der Spoiler:] Der gute Jeff schaut aber ganz schön verduzt aus der Wäsche, als er feststellen muss, dass es diesmal Hayley ist, die ihm die Rape Drugs ins Getränk getan hat, um sich anschliessend für ein verschwundenes Mädchen zu rächen. Auf sehr, sehr schmerzliche Weise.

Und in der Aufbereitung kann man dem Film eigentlich keine Vorwürfe machen. Der Stil ist vielleicht ein bisschen zu prätentiös, die doch ziemlich straighte Handlung verläuft ab ungefähr Minute 25 genau so weiter, wie man es erwartet (d.h. Hayley foltert ihn halt ein bisschen, viel mehr passiert da nicht mehr) – und man fragt sich eigentlich ein bisschen, was das soll. Speziell, weil die Sympathien des Zusehers spätestens ab der Mitte mehr als uneindeutig sind. Eigentlich hat man als Mann mit Jeff geradezu ungeheures Mitleid, da eine äußerst fiese, letzten Endes aber unbefriedigende Operationsszene mit den tiefsten Urängsten jedes Mannes spielt.

Die Zusehersympathien mit einem Pädophilen sind aber eigentlich nicht das Problem, das ich mit dem Film habe – vielmehr die gewisse Aussagenlosigkeit: was will der Film eigentlich? Denn auch wenn man das intensive Gefühl nicht los wird, dass uns Hard Candy etwas sagen will, kommt dann doch nichts: Hard Candy ist ein interessanter, gut inszenierter Kammerspiel-Thriller, nicht mehr und nicht weniger.

Und, äh, eigentlich wollte ich mich diesmal pro Film auf zwei Absätze beschränken, irgendwie hat das aber immer weniger geklappt.

Edit: und jetzt hab’ ich sogar noch einen äußerst wichtigen mittleren Absatz zur “Good Night”-Meinung hinzugefügt.

matchpoint.jpg
Match Point: ein Bett im Kornfeld oder ein schöner (verlängerter) Rücken kann auch entzücken…
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Gestern gesehen: zwei Filme

Die langweilige Betitelung dieses Eintrags liegt daran, dass die beiden Filme, die ich gestern gesehen habe, wirklich gar nichts miteinander zu tun haben. Gar nichts.

Before Night falls ist ein Film über den kubanischen Autor Reinaldo Arenas, einem Homosexuellen, der sich von der kubanischen Revolution auch gesellschaftliche Veränderungen erhofft. Und nachdem es zuerst auch den Anschein hat, dass dies passieren würde, so stellt sich schnell heraus, dass alles beim Alten zu bleiben scheint. Arenas’ Schriften werden verboten, er wird verhaftet (allerdings nicht wegen seiner Schriften, sondern wegen seiner Homosexualität, und weil er angeblich CIA-Agent ist – was ihn sehr verärgert) und muss Kuba letzlich verlassen.

Ja: ein solides Biopic, das allem Anschein nach zugleich eine Verfilmung des autobiographischen Arenas-Romans “Before Night falls” ist (kann ich aber nicht beurteilen, da ich den Roman nicht kenne). Sehr gelungener Film. Inklusive Mini-Gastauftritt von Johnny Depp als beschnurrbartetem Schurken-Leutnant.

The Salton Sea spielt dann als scharfer Kontrast im Milieu Speed-Süchtiger in Los Angeles. Val Kilmer ist ein solcher, ausserdem zugleich Polizeispitzel, und am planen eines größeren Coups. Doch kaum etwas ist so, wie es auf den ersten Blick scheint.

Besetzung: top – neben Kilmer auch noch Vincent D’Onofrio, Luiz Guzmán (=Hollywood-Standard-Latino), Deborah Kara Unger und Peter Sarsgaard (der Typ aus “Garden State”).

Regie und Handlung sind ordentlich, ein sehr solider, spannender Thriller, der allerdings den Eindruck erweckt, er möchte sich besser geben als er ist. Unterhaltsam dennoch – und sogar RTL II hat sich bei dieser Ausstrahlung mit Werbung im Film relativ zurückgehalten, abgesehen von einer eingeblendeten Werbung für “Stargate Atlantis” an einer dramatischen Stelle - wow, der Held durchlebt gerade seine schwerste Stunde, da muss ich unbedingt wissen, was RTL II sonst noch so im Programm hat. Pfeifen.

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Gestern gesehen

M & M: Maschinenpistolen und Der Mondmann. Ersterer, auch bekannt als Sprung in den Tod (bzw. im Original White Heat) ist einer der bekanntesten James-Cagney-Gangsterfilme. Die ARD zeigt ja zur Zeit quasi Cagneys ganze Filmographie, und es ärgert mich sehr, dass ich mir schon rein aus Zeitgründen nicht alle ansehen kann. Cagney hat sein Gangster-Image ja nicht besonders gemocht, dennoch sind es gerade die Gangsterfilme, die ihn bekannt gemacht haben, und die ich mir deshalb ansehe.

Der Mondmann (benannt nach dem “Man on the Moon”-Song von REM, jetzt alle bitte: “If you believe, they put a man on the moon, Maaaan o-on the Moo-oon“) ist Milos Formans Biopic rund um das Leben des exzentrischen Komikers Andy Kaufman. Was einem der Film am meisten bewusst macht: wie schade es ist, dass der Mann nicht mehr lebt. er wäre gerade mal 57 und könnte uns immer noch mit seiner schrulligen Komik bezaubern und schockieren. Andererseits, vielleicht ist er es ja.

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