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Tag: der österreichische Film

Die letzten Tage gesehen und so

Ich hab Lust, nach langer Abwesenheit mal wieder ganz banal ein paar kurze, stilistisch willkürliche Film-Rezen von mir zu geben, der Leserschaft zum Genusse.

Postadresse: 2640 Schlöglmühl (1990) – wenig überraschend, dass meine momentane Ausbildung an der Filmakademie Wien ein gesteigertes Interesse am österreichischen Film hervorgerufen hat. Dieser spielt sich (sofern man vom “Kino”-Film spricht) bekanntermaßen gelegentlich in irgendwelchen Programmkinos ab, sowie in der Edition Der Standard, die ja in ihrer Bedeutung zur Zugänglichmachung österreichischen Filmschaffens kaum zu überschätzen ist.

Da in der österreichischen Kino-Marginalexistenz die Kopiensituation ebenfalls oft äusserst dürftig ist, wundert es nicht, dass das DVD-Master dieses kaum bekannten österreichischen Dokumentarfilms verdächtig nach der Überspielung einer alten VHS aussieht – was es vermutlich auch ist.

Der Film selbst ist großes österreichisches Filmschaffen: der Verfall einer niederösterreichischen Industriesiedlung nach dem Konkurs des einzigen Betriebs, einer Papierfabrik mit 300 Beschäftigten.

Unmittelbarste Assoziation: Markers Sans Soleil (wohl wegen der weiblichen Erzählerstimme, die ständig ihre Sätze mit “Sie schrieben…” beginnt) – allerdings doch dokumentarischer, weniger essayistisch. Bilder des physischen Verfalls des Dorfes mischen sich mit Interviewpassagen mit Bewohnern Schlöglmühls, die ebenfalls von besagtem Verfall betroffen scheinen.

Ja, gelegentlich neigt das ein wenig ins Sozialpornöse, vielleicht auch ein bisschen mehr, als es der Film nötig gehabt hätte, und bei vielen Einstellungen fragt man sich, wie diese unter dokumentarischen Bedingungen zustandegekommen sein konnten – nichtsdestotrotz in sich so schlüssig, dass man diese Fehler gerne verzeiht.

Sabotage (1936) – nachdem der Filmking gerade erst diesen Sommer Joseph Conrads grandiosen Roman The Secret Agent gelesen hat (hier zum Billigstpreis kaufen und sofort lesen!!) war er recht erstaunt festzustellen, dass Hitchcock himself bereits 1936 eine Verfilmung gemacht hat (das mit dem Titel ist kurios: Hitch hat ein Jahr zuvor eine andere Geschichte mit dem Titel “The Secret Agent” verfilmt und musste folglich für diese einen neuen Titel finden).

Die Erwartungen des Filmkings wurden aber leider erfüllt: Hitchcock, möge er noch so sehr der große Meister des Suspense (und in der Tat vom Filmking sehr geschätzt) sein, er kann aus seiner Haut nicht heraus – und so bleibt von Conrads komplexer, vielschichtiger, vielseitiger, verschachtelter Geschichte kaum mehr übrig als die Namen von drei Figuren und die Tatsache, dass jemand explodiert. Ein unglaublich geradliniger Plot, der als solches eine Schändung von Conrad ist. Ich liebe Hitchcock, aber das kann ich ihm nicht verzeihen.

Ich sollte mir noch die Verfilmung von 1996 mit Bob Hoskins besorgen – die soll allerdings auch ziemlich gräulich sein – und: woher krieg ich den? Um sachdienliche Hinweise wird gebeten…

Zabriskie Point (1970) – als ich den das erste Mal gesehen habe, bin ich irgendwann in der Mitte eingeschlafen und dann vom Film während dem Finale brutalst geweckt worden, was die verstörende Wirkung nur verdoppelt hat. Geiler Film.

Interessantes zur DVD: nachdem er eine Weile nur in einer Kabel-1-Edition (Fernsehmaster im 4:3-Bildformat, ein VERBRECHEN) verfügbar war, hat Warner Bros. mittlerweile eine DVD nachgeschoben, die zwar etwas spärlich ausgestattet ist (US-Trailer als Bonusmaterial), zumindest aber mit toller Bildqualität an den Start geht – mit dem englischen Ton hatte ich allerdings qualitätsbedingt akute Verständnisprobleme.

Il Conformista (1970) – ich muss zwar zugeben, dass ich mich ein bisschen schwer getan habe, die Geschichte zu entschlüsseln, aber alleine schon die unglaublichen Bilder haben mich gefesselt. Bertolucci ist für mich mitunter etwas hit-and-miss, aber der hier ist definitiv “hit”. Jetzt bitte noch eine schöne DVD veröffentlichen, aber pronto!

Dracula: tot aber glücklich (1995) – ich muss gestehen, dass ich vor dem Ansehen dieses Films ein wenig Angst hatte: den habe ich glaube ich zuletzt im Kino (oder zumindest in einer sehr frühen TV-Ausstrahlung) gesehen. Und irgendwie sind die späten Mel-Brooks-Filme dann doch schrecklich albern. Ich war positiv überrascht: bis auf zwei drei nicht wirklich notwendige Gags (Renfield fällt aus der Kutsche, etc.) zieht der Film noch erstaunlich gut, wohl wegen der tollen Besetzung (Nielsen sowieso, aber auch Peter MacNicol gibt eine feine Performance, und auch diese ganzen Unbekannten, die da sonst noch mitspielen, sind eigentlich ok). Irgendwie fühle ich mich jetzt beinahe mutig – ich würde mich fast wieder mal an “Helden in Strumpfhosen” rantrauen.

Porco Rosso (1992) – Miyazaki liebe ich mittlerweile heiß. Den kannte ich noch nicht, danke, Filmcasino, für die feine Retro, auch wenn das mit Ponyo leider nicht geklappt hat. Porco Rosso ist wirklich ganz toll, es war schön zu sehen, wie das ganze Publikum im Kino mitgegangen ist und den Film genossen hat. Jetzt hab ich dann leider das ganze Schaffen des Meisters durch (Castle of Cagliostro fehlt noch; ist der interessant für jemanden, der mit Anime ausserhalb von Miyazaki quasi nix anfangen kann, und der keinerlei Ambitionen hat, sich sonst mit Lupin III. zu beschäftigen?).

Oben (2009) – Pixar rockt! Sogar die Synchro von Otto Schenk (vor der ich mich ein bisschen gefürchtet habe) ist ziemlich super. Und 3D war auch stimmig, anders als bei Coraline (wo evtl. technisch was nicht gepasst hat). Trotzdem wird sich das nicht durchsetzen.

Cinemania (2002) – vermutlich meine Lieblingsdoku, obwohl ich sie zuvor erst einmal gesehen habe, damals, 2004 oder so im TV. Seither hatte ich das Ding immer im Kopf, war aber zu geizig, Geld für die DVD auszugeben (die lange Zeit 20 €uronen gekostet hat). Jetzt, bei 15€, konnte ich nicht widerstehen. Großartiger Film, wahnsinnig beklemmend und doch nett für Kinofans. Den wunderschönen Titeltrack von Stereo Total können die Freundin und ich übrigens fast auswendig mitsingen.

[youtube SoY7i04vII0]

So, jetzt ist’s aber gut mit Bloggen für heute. Vielleicht hab ich ja die nächsten Tage mal Zeit, was über die Jim-Jarmusch-DVD-Collection von Kinowelt zu bloggen, die ich jetzt endlich durch hab.

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Vorgestern gesehen: Heimzahlung

Leider ist es nix geworden mit dem Auslands-Oscar ’09 – Österreichs Revanche (2008) sollte man aber trotzdem gesehen haben – vor allem, weil ja fast das gesamte Personal von der Filmakademie gestellt wurde.

Die DVD gibt’s übrigens unter http://shop.filmladen.at/ käuflich zu erwerben – nicht billig, aber jeden Cent wert.

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Gestern gesehen: 8 Jahre Leben

The End of the Neubacher Project (2007): Marcus Carneys Odyssee, die Nazi-Vergangenheit seiner Familie zu dokumentieren, wird zur acht Jahre dauernden 270-Stunden-Material-Arbeit über seine Mutter. Eine Diplomarbeit an der Wiener Filmakademie übrigens.

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Gestern gesehen: Österreichisches

Ja, der Leser mag es gar nicht mehr glauben: ich schaffe es tatsächlich mal wieder, ein ordentliches “Gestern gesehen” zu verfassen. Hielt man ja gar nicht mehr für möglich. Ja, ich bin wieder da, und ja, ich hoffe, in den nächsten Tagen etwas fleissiger zu sein, was das Rezensieren angeht. Es gibt viel nachzuholen.

Der besonders regelmäßige und erinnerungsfreudige Leser mag in den Tiefen seines Gedächtnisses noch die Information verkramt haben, dass die Kumpels mir vor geraumer Zeit zum Geburtstag zehn DVDs aus der herrlichen “Edition der Standard” geschenkt haben. Bisher konnte ich noch nicht allzuviele davon genießen, gestern gab’s dann aber gleich zwei.

1. April 2021 – Haider lebt (2002). Äh. Ein Titel, der verspricht, was der Film hält: politische Utopie aus einer mittlerweile längst vergessenen Vergangenheit: In einem amerikanisch besetzten Österreich macht sich Reporter August Diehl (Die Fälscher) auf die Suche nach dem angeblich verstorbenen Ex-Bundeskanzler Jörg Haider und trifft dabei auf Dialektverbot und amerikanischen Imperialismus ebenso wie auf die Überreste des altösterreichischen Rechts/Links.

Trash, das ist ein Wort, das bei Sichtung des grell-ungeschickten Films mit seinen vielseitigen Polemiken schnell aus dem Mund kommt. Ein schlampig zusammengeschustertes, frechbuntes Werklein, dessen in alle Richtungen ausgeteilten Faustschläge brutal, aber nicht wirklich zielgerichtet ausfallen. “[...] ein Werk mit veritablen Stars, die einmal nicht in gepflegten Wortspenden für News und Co Besorgnis artikulieren, sondern ziemlich unbesorgt in die Vollen gehen”, meint der Rückentext der DVD-Hülle, und bezieht sich damit auf Leute wie Peter Turrini und Paulus Manker, die sich hier in polemischen Kurzauftritten die Klinke in die Hand drücken.

Gleichzeitig aber auch ein seltsam antiquierter und irgendwie irrelevant gewordener Film: obwohl noch nicht einmal die halbe Strecke zum Jahr der Handlung überwunden ist, sind die namentlich genannten Politiker (insbesondere Jörg H. und “Königskobra” Riess-Passer) inzwischen ziemlich sang- und klanglos aus der Politik verschwunden, an EU-Sanktionen erinnert man sich nur noch dunkel. Ein seltsames Dokument einer gar nicht so weit entfernten Vergangenheit, die aber genauso gut ein halbes Jahrhundert zurückliegen könnte.

Mann im Schatten (1961) – der ist mal so richtig richtig cool. Krimis findet der Filmking ja meistens eher langweilig, hier ist er aber wieder einmal gerne bereit, eine Ausnahme zu machen. Hinter der Oberfläche des eher biederen Frühsechziger-Krimistücks verbirgt sich nämlich ein hinterfotziger Blick auf Österreich. So wird in den ersten Sekunden des Films Wien vom Offsprecher demaskiert als Großstadt wie jede andere, die hinter Dreivierteltakt und Heurigenromantik genauso ihren Anteil an Tanzspelunken und zwielichten Gestalten zu bieten hat.

Dann jedoch verlagert es sich wieder ins Konventionelle: lang und breit wird Strickmodenfabrikantin Capell eingeführt, die von allerlei Krimi-typischen Intrigen umgarnt wird: ihr Quasi-Partner Villinger (Helmuth Lohner) betrügt sie mit ihrer Nichte, ein mysteriöser Industrieller namens Dr. Melchers bietet ihr ein etwas zu vorteilhaftes Geschäft. Bamm! Die Dame ist tot, und die Polizei ermittelt.

Und die Polizei, das ist in diesem Fall Helmut Qualtinger als Oberpolizeirat Dr. Radosch. Die Umstände des Mordes werden von der Spurensicherung mit geradezu voyeuristischer Grausamkeit offengelegt, und Radosch und sein sehr deutscher Ermittlungspartner aus Düsseldorf (der nur zu gerne auf allzu österreichische Eigenschaften aufmerksam macht) begeben sich auf eine lange Spurensuche, die so unergiebig ist, dass sie beinahe schon kottaneske Züge annimmt.

Großartig – es passt ins Gesamtbild, dass Qualtinger wenige Monate später im epochalen Der Herr Karl über die Fernsehschirme flackern würde. Mann im Schatten ist ein beeindruckend bissiger Film, der Old-School-Krimi mit Satire im wiener Charme vereint. Klasse!

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Endlich zurück

Ich möchte an dieser Stelle den vielen freundlichen Damen und Herren von UPC danken, die sich so liebevoll, schnell und umfassend darum bemüht haben, mein Internet-Problem zu lösen. Zwei Wochen für den Austausch eines defekten Modems??? Danke für gar nix, ihr Idioten.

Es hat sich eine veritable Liste von Filmen angesammelt, die ich noch reviewen muss – obwohl es eigentlich mehr sein sollten, bei einer so langen Zeit ohne vernünftiges Review-Blogging. Ich werde die letzten paar Wochen möglichst bald und in umgekehrter Reihenfolge abarbeiten.

Und zwar so sehr ich Zeit dazu habe, denn gleichzeitig kommt in den nächsten Wochen einiges auf mich zu – nicht nur der Blockbustersommer ist daran schuld, auch der unglaublich große Stapel an Filmen, die noch auf DVD auf mich warten.

An dieser Stelle nochmal speziell danke an die Kumpels. Die haben ja letztes Jahr schon ordentlich gezeigt, was für geniale Geburtstags-Schenker sie sind. Heuer haben sie mir ein Zehntel der mittlerweile auf hundert Filme angewachsenen DVD-Reihe “Der österreichische Film – Edition Der Standard” geschenkt. Zehn ausgesprochen exquisite Filme (die ich, man will es nicht glauben, tatsächlich alle noch nicht gesehen habe) haben sie ausgesucht, und die will ich mir (vielleicht, wenn es sich arrangieren lässt, gemeinsam mit den Kumpels) baldigst ansehen.

Aber auch sonst staut es sich im “Noch nicht angesehen”-Regal: Die sieben Filme umfassende Mel Brooks Collection gab’s bei Saturn für fast beleidigend niedrige 25 Euro (an alle Wiener: im Saturn im Gerngroß Mariahilferstraße steht das Ding noch duzendweise rum) – die ersten zwei Filme hab’ ich mir vorgestern gegeben. Die Dünner Mann Collection (die zeitweise bei Amazon für ebenfalls rund 20-25 Scheine zu haben ist, im Moment leider nicht) ist auch noch weitestgehend unberührt – und von der Fritz Lang Collection (die ihre 45 Euronen völlig wert ist) wurde auch erst ein Film konsumiert. Dazu noch zwei Monumentalfilm-Vierstünder sowie ein ganzer Haufen Einzeltitel. Uff, da kommt einiges auf Sie zu, lieber Leser.

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Gestern gesehen: Mordbuben in Wien

[youtube n4JpDUMXBqo]

Mit Schrecken stellte die gestrige Filmabend-Runde fest, dass zwei der vier anwesenden Personen den ultimativ klassischsten Wien-Film nie gesehen haben – ein Fehler, der sofort behoben werden musste: Der dritte Mann (1948) ist filmisches Grundwissen, das in Österreich an der Schule gezeigt werden sollte.

Der Film ist hier auf’m Blog bereits zweimal dokumentiert worden, einmal hier und einmal hier, noch lange nicht oft genug, wie ich finde. Ein Film der in so vielen Bestenlisten ist (z.b. hier[23], hier[47], hier[1]), und der auf Platz eins meiner persönlichen Liste der besten Filme über Wien rangiert (OK, das Listenthema ist vielleicht etwas speziell) verdient es, so oft wie möglich erwähnt zu werden.

Und dann ist da natürlich Orson, Orson Welles, ein Mann, dem ich trotz oder wegen seiner Fragwürdigkeit große Verehrung entgegenbringe - eine Fragwürdigkeit, die auch seine Filmfigur umhüllt – obwohl man ihm natürlich nie böse sein kann, dem alten Spitzbuben, dem.

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Herrlicher, herrlicher, herrlicher Film. Unvergessene Titelmelodie.

Danach: bleiben wir in Wien, gehen wir aber ein paar Jahre weiter. Eine Serie, die ich seit Jahren schon ansehen wollte wird jetzt endlich mal wieder wiederholt – und gestern ist es mir (gemeinsam mit den Kumpels) das erste Mal gelungen, eine Episode zu sehen (zum Glück erst die dritte, es sind also noch genug übrig): 3sat zeigt die österreichische Serie schlechthin, sowas wie die absolute Basis, das Alpha und Omega österreichischen Serienschaffens, quasi das österreichische Twin Peaks (nein, nicht Kommissar Rex): Kottan ermittelt.

Titulärer Polizeiinspektor (Inspektor gibts kaan! Sagn’s Major zu mir.) ermittelt sich durch eher nebensächliche Krimihandlungen und stolpert dabei in einem eher grindig dargestellten Wien über allerlei seltsame Gestalten. Seine Assistenten sind einbeinig oder greifen gerne auf “Fliegenpragger” zurück, sein Auto wird regelmäßig demoliert. Kottan selbst nimmt’s größtenteils gelassen. Herrlich. Der Mittwochabend gehört ab sofort Österreich.

Und zum Abschluss (ich bin zwar sicher, dass ich’s schon mal verlinkt habe, aber ich mag’s einfach so gerne) noch einmal der dicke Orson:

[youtube o5LkDNu8bVU]

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Vorgestern gesehen: der Falke fliegt wieder

Zum Glück ist der durch sein Todiläum ausgelöste Mini-Hype rund um Hansi “Falco” Hölzel wieder soweit verflogen, dass man sich nicht des grob fahrlässigen medialen Mitläufertums anklagen lassen muss, wenn man seinen Hintern in eine Vorstellung des großen Falco-Biographiefilms Falco – Verdammt, wir leben noch! setzt.

Vorweg: der Film ist echt gut, vor allem für österreichische Verhältnisse. Ein sichtbar teurer Blockbuster im Stile eines amerikanischen Biopics, dem man kaum Vorwürfe machen kann. Popsternchen Manuel Rubey hat des Falken exzentrisches Diktum und seine affektiert-exzentrischen Moves gut einstudiert und kann in der Rolle durchaus überzeugen, Christian Tramitz wirkt überhaupt nicht albern, der Nebencast ist superb (bis auf die Dame, die Hansis Gattin spielt), es gibt jede Menge Gastauftritte von Stuart Freeman bis Mola Adebisi (Nineties-Flashback! Nineties-Flashback!), Drahdiwaberl wird erwähnt (auch wenn der Darsteller vom Stefan Weber viel zu dick ist), und, und das ist die größte Stärke des Films: man rückt nur gelegentlich in weinerlich-selbstverzweifelten Pathos ab. Gelegentlich darf Falco Rubey zwar düsteres Foreshadowing betreiben, und Grace Jones als unheimliche, äh, naja Frau, wirkt seltsam deplaziert und leicht campy (genau wie die permanenten Zwischenschnitte auf Falco im Jeep und seinen zukünftigen Tanzpartner, den dicken fetten Reisebus) – aber nur in Maßen, die dem King of überzogener Pathos selbst gut gefallen hätten.

Kritik gibt’s für die Songs im Film, die zwar alle wichtigen Falco-Singles abdecken, allerdings handelt es sich ausschließlich um Covers, die von Rubey neu eingesungen wurden, sich dabei aber so sklavisch ans Original halten, dass man sich fragt, warum man nicht gleich die Originale verwendet hat. Zumindest macht Rubey auch musikalisch seine Sache so gut, dass man nicht wirklich klagen kann. Der relative “Erfolg” des Films in Österreich (138.000, naja, zumindest mehr als die Fälscher) ist verdient.

[youtube jLQ2wl5TO8Q]

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Ein bisschen an der frischen Luft gewesen.

Nein, heute gibt’s kein Review, weil ich gestern statt im Kino im Ballett war (“Anna Karenina”, wirklich sehr toll). Aber ich hab’ mal wieder was Tolles für Allesfilm.com geschrieben, und zwar einen Setbericht vom Dreh des neuen Hader/Murnberger/Haas-Krimis Der Knochenmann. Den Bericht gibt’s hier, inklusive zweier sehr schöner Fotos – die restlichen, nicht ganz so schönen Fotos hab’ ich bei Flickr hochgeladen.

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Gestern gesehen: nochmal in den wilden Westen

Ich bin gestern so gegen kurz vor elf nach Hause gekommen, was gerade richtig war, um mir noch schnell im Fernsehen eine Doku anzusehen, und zwar No Name City (2006) – ein Film über eine österreichische Westernstadt im schönen Wöllersdorf (ja, ich musste auch erst nachsehen, wo das liegt).

Westernstädte üben auf den Filmking aus drei Gründen einen Reiz aus: erstens hat der ‘king schöne Erinnerungen an gelegentliche Kindheitsausflüge in eine Westernstadt in Poing nahe München, die zufälligerweise auch “No Name City” hieß. Es schmerzt, zu ergooglen, dass es das Ding nicht mehr gibt. Zweitens war der Filmking erst letzten Sommer in einer Westernstadt, weil Kollege Robert Spindler dort einen Film gedreht hat. Und drittens ist die Westernstädterei ja nahe verwandt mit der Schaustellerei, fahrendem Volk und allerlei sonstigen schrägen Gestalten, was schon ein ganz eigener Reiz für sich ist.

Und auch der Dokumentarfilm von Florian Flicker und Georg Misch vermittelt den Eindruck, dass die Grundvoraussetzung für eine Einstellung in einer Westernstadt ein minimaler Huscher ist. Ob die diversen halbseidenen Angestellten, der falknernde Preussen-Manager oder der mittlerweile durch die elenden Dancing Stars zu sowas wie “Berühmtheit” zurückgekehrte “Waterloo” Hansi Kreuzmayr, der als Winnetou eine gleichermaßen imposante wie pathetische Figur macht – sie alle wirken, als wären sie nur in der hermetischen Welt des “Wilden Westens” überlebensfähig.

Was der Doku, die sich hauptsächlich um einen schwelenden Streit zwischen den Angestellten und dem Manager dreht, fehlt, ist Struktur und Substanz. größtenteils besteht sie aus (zugegebenermaßen schönen) Landschaftsimpressionen der gar nicht so kleinen Westernstadt, man würde sich aber wünschen, etwas mehr an Fakten über die Stadt und ihre Bewohner zu erfahren.

Reizvoll macht die Doku dann aber doch die Riege an seltsamen Figuren (obwohl ich ja von klassischen Bloßstellungs-Spott-Dokus nichts halte) - der amerikanische Müllmann, die ein bisschen neben den Pantoffeln wirkenden Frauenzimmer, der Indianer mit seinen aus Klischeegründen notwendigen, inhaltlich aber eher banalen Lebensweisheiten, und natürlich Hansi “Ich werd’ das schon regeln – ich hab’ jede Menge Einfluss” Kreuzmayr, der sich als der große Problemlöser präsentiert, faktisch aber ebenfalls nichts weiterbringt. Eine stimmige Schlussinfo zum Film ist die Tatsache, dass die No Name City in ihrer damaligen Form heute schon nicht mehr existiert. Irgendwie scheint das ja ein impliziter Bestandteil einer jeden Westernstadt zu sein, dass sie ein bisschen armselig, ein bisschen dem Untergang geweiht sein muss.

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Vor drei Tagen: sechsfach-Filmabend

Dunkel erinnert er sich vielleicht noch, der geneigte Leser, daran, dass der Filmking Ende November mal mit ein paar Leuten von der Uni Filmabend hielt. Gestern gab’s eine Fortsetzung, im Umfang etwas heftiger als das letzte Mal. Witzigerweise aber nicht in der Dauer, denn alle sechs besehenen Filme fielen recht kurz aus. Und witzigerweise hat der Filmking himself einen Großteil des Programms gestemmt (obwohl er es gar nicht gewesen war, der eingeladen hatte), wodurch die Summe der Filme, die der Filmking noch nicht kannte, sich auf “1″ belief. Und praktischerweise hatte der Filmking die meisten Filme auch schon mal auf’m Blog, wodurch er sich jetzt viel Schreibarbeit spart.

Film #1: Freaks – Missgestaltete (1932) von Tod Browning. Sehr gut – ich hab’ bereits ein Review geschrieben, und zwar eines, mit dem ich echt zufrieden bin. Brauch ich ga nix mehr zu sagen.

Film #2: Pulp – Malta sehen und sterben (1972) hat noch kein echtes Review spendiert bekommen, war aber schon in einem Zweizeiler auf’m Blog vertreten – damals, als ich gerade erst begonnen hatte, längere Reviews zu schreiben.

Aaalso: Pulp ist für mich eine dieser kleinen Perlen, die besser werden, je öfter man sie sieht. Obwohl ich den Film erst seit gerade mal popeligen zwei Jahren kenne, kann ich bereits verblüffend viele Dialogzeilen auswendig – mein persönlicher Favorit: “Blut spritzte wie Wasser aus einem geborstenen Rohr.”

Pulp ist so ein Film, der auf zwei Ebenen funktioniert: zum einen ist er eine recht gelungene Komödie, mit allerlei herzigen Witzchen, gruppiert rund um den Schundromanschreiber Mickey King (Michael Caine) und seinen Auftrag, als Ghostwriter eine Autobiographie des früheren Gangsterdarstellers Preston Gilbert (Mickey Rooney) zu verfassen, was sich angesichts diverser Mordversuche als nicht so ganz einfach herausstellt.

Zum anderen ist er aber eben aus der Perspektive von Mickey King erzählt – und der ist es aus seinem schriftstellerischen Milieu heraus gewöhnt, in krummen Metaphern und halbrichtig angewandten Sprichworten zu erzählen, im verzweifelten Versuch, cool zu sein - der letzten Endes aber nur in einer gewissen Armseligkeit endet. Mickey King, eine Art Ritter der traurigen Gestalt, in seinem eigenwillig modischen Outfit, keine echte Leistung erbringend, keinen echten Kriminalfall lösend. Besonderes Kudos ergeht an die Schöpfer der deutschen Synchronfassung, die es in der Tat schafft, die Stimmung des Originals perfekt und fehlerfrei wiederzugeben. Ein großartiger kleiner Film.

Film #3: 1. April 2000 (1952) – ein Film, den ich in einem früheren, wirklich sehr gelungenen Review als meinen liebsten österreichischen Film deklariert habe. Altes Review lesen, das ist echt gut.

Film #4: A Hole in My Heart (2004) von Lukas Moodysson, der einzige Film des Abends, den ich noch nicht kannte. Von Moodysson kannte ich bisher zwei Filme (Tilsammans, den ich hier reviewt habe, und Lilja 4-ever, den ich seinerzeit ziemlich klischeehaft, aber doch passabel fand), weshalb Hole durchaus ein bisschen auf meinem Radar war. Ausserdem erschien der Film bei uns in der insgesamt ansehenswerten DVD-Reihe “Kino Kontrovers”.

Wenn ich ein Wort finden müsste, das den Film beschreiben soll, so wäre es wohl “entsetzlich”. Ein langweiliger, uninspirierter Film, der mit Wackelcam-Ästhetik und (relativ harmlosen) Schockeffekten verzweifelt um Aufmerksamkeit heischt, dabei aber völlig an seiner eigenen Substanzlosigkeit scheitert. In seiner Sozialpornösität und stilistischen Big-Brother-Bezügen zutiefst unsympathisch, letztenendes aber viel zu uninteressant, um sich darüber aufzuregen. Das filmische Äquivalent eines Emo-Kiddies.

Film #5: Schulmädchen-Report (1970): erstaunlicherweise haben wir irgendwie nur Filme geguckt, zu denen ich schon richtig gute, lange Reviews geschrieben habe.

Film #6: Die Delegation (1970) – endlich: zu einem Zeitpunkt, zu dem eigentlich niemand mehr so richtig munter war, diesen faszinierenden, ungewöhnlichen deutschen TV-Film, der aber doch ein kleines bisschen anstrengend ist. Das Ding hab’ ich vor Jahren mal auf Arte entdeckt, und angenehmerweise hat EuroVideo den auf DVD herausgebracht, auch wenn es scheint, als hätte man für die DVD den Original-Vor- und Abspann aus irgendwelchen Gründen durch so einen Selbstgebauten ersetzt. Von der Arte-Ausstrahlung hatte ich nämlich so etwas mit einem Fernschreiber in Erinnerung.

Egal. Die Delegation, von Regisseur Rainer Erler (mit dem ich mich dringend noch genauer auseinandersetzen sollte) stellt wohl so etwas wie ein Unikum dar: eine Mockumentary über eine angebliche UFO-Landung, dokumentiert von einem deutschen Reporter (Walter Kohut), der mit Kamera und Tonband bewaffnet nach anfänglicher Skeptik bald den UFOs nach Kanada, Washington und Chile nachreist – und schließlich stirbt. Der Film ist dabei im Stile einer TV-Sendung gehalten, die die übriggebliebenen Materialien des Reporters aufarbeitet. Anno ’70 war die Verwirrung groß, das ZDF musste reihenweise irritierte Anrufer abwimmeln, die das Gebotene für authentisch hielten.

Und Die Delegation siegt in allen Belangen: Kohut, der quasi einzige Schauspieler des Films, trägt ihn mit leichter Eleganz, stilistisch ist der Film so vielseitig, wie er nur sein kann (und wie es das angebliche Ausgangsmaterial verlangt), inhaltlich ist er verhältnismäßig gut gealtert, wirkt nur selten naiv-charmant (obwohl seine Wurzeln in dieser ganzen UFO-New-Age-Eso-Schiene schon recht stark spürbar sind). Eine großartige kleine Perle, ebenfalls am Rande der Vergessenheit. Must see.

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