Die letzten Tage gesehen und so
Ich hab Lust, nach langer Abwesenheit mal wieder ganz banal ein paar kurze, stilistisch willkürliche Film-Rezen von mir zu geben, der Leserschaft zum Genusse.
Postadresse: 2640 Schlöglmühl (1990) – wenig überraschend, dass meine momentane Ausbildung an der Filmakademie Wien ein gesteigertes Interesse am österreichischen Film hervorgerufen hat. Dieser spielt sich (sofern man vom “Kino”-Film spricht) bekanntermaßen gelegentlich in irgendwelchen Programmkinos ab, sowie in der Edition Der Standard, die ja in ihrer Bedeutung zur Zugänglichmachung österreichischen Filmschaffens kaum zu überschätzen ist.
Da in der österreichischen Kino-Marginalexistenz die Kopiensituation ebenfalls oft äusserst dürftig ist, wundert es nicht, dass das DVD-Master dieses kaum bekannten österreichischen Dokumentarfilms verdächtig nach der Überspielung einer alten VHS aussieht – was es vermutlich auch ist.
Der Film selbst ist großes österreichisches Filmschaffen: der Verfall einer niederösterreichischen Industriesiedlung nach dem Konkurs des einzigen Betriebs, einer Papierfabrik mit 300 Beschäftigten.
Unmittelbarste Assoziation: Markers Sans Soleil (wohl wegen der weiblichen Erzählerstimme, die ständig ihre Sätze mit “Sie schrieben…” beginnt) – allerdings doch dokumentarischer, weniger essayistisch. Bilder des physischen Verfalls des Dorfes mischen sich mit Interviewpassagen mit Bewohnern Schlöglmühls, die ebenfalls von besagtem Verfall betroffen scheinen.
Ja, gelegentlich neigt das ein wenig ins Sozialpornöse, vielleicht auch ein bisschen mehr, als es der Film nötig gehabt hätte, und bei vielen Einstellungen fragt man sich, wie diese unter dokumentarischen Bedingungen zustandegekommen sein konnten – nichtsdestotrotz in sich so schlüssig, dass man diese Fehler gerne verzeiht.
Sabotage (1936) – nachdem der Filmking gerade erst diesen Sommer Joseph Conrads grandiosen Roman The Secret Agent gelesen hat (hier zum Billigstpreis kaufen und sofort lesen!!) war er recht erstaunt festzustellen, dass Hitchcock himself bereits 1936 eine Verfilmung gemacht hat (das mit dem Titel ist kurios: Hitch hat ein Jahr zuvor eine andere Geschichte mit dem Titel “The Secret Agent” verfilmt und musste folglich für diese einen neuen Titel finden).
Die Erwartungen des Filmkings wurden aber leider erfüllt: Hitchcock, möge er noch so sehr der große Meister des Suspense (und in der Tat vom Filmking sehr geschätzt) sein, er kann aus seiner Haut nicht heraus – und so bleibt von Conrads komplexer, vielschichtiger, vielseitiger, verschachtelter Geschichte kaum mehr übrig als die Namen von drei Figuren und die Tatsache, dass jemand explodiert. Ein unglaublich geradliniger Plot, der als solches eine Schändung von Conrad ist. Ich liebe Hitchcock, aber das kann ich ihm nicht verzeihen.
Ich sollte mir noch die Verfilmung von 1996 mit Bob Hoskins besorgen – die soll allerdings auch ziemlich gräulich sein – und: woher krieg ich den? Um sachdienliche Hinweise wird gebeten…
Zabriskie Point (1970) – als ich den das erste Mal gesehen habe, bin ich irgendwann in der Mitte eingeschlafen und dann vom Film während dem Finale brutalst geweckt worden, was die verstörende Wirkung nur verdoppelt hat. Geiler Film.
Interessantes zur DVD: nachdem er eine Weile nur in einer Kabel-1-Edition (Fernsehmaster im 4:3-Bildformat, ein VERBRECHEN) verfügbar war, hat Warner Bros. mittlerweile eine DVD nachgeschoben, die zwar etwas spärlich ausgestattet ist (US-Trailer als Bonusmaterial), zumindest aber mit toller Bildqualität an den Start geht – mit dem englischen Ton hatte ich allerdings qualitätsbedingt akute Verständnisprobleme.
Il Conformista (1970) – ich muss zwar zugeben, dass ich mich ein bisschen schwer getan habe, die Geschichte zu entschlüsseln, aber alleine schon die unglaublichen Bilder haben mich gefesselt. Bertolucci ist für mich mitunter etwas hit-and-miss, aber der hier ist definitiv “hit”. Jetzt bitte noch eine schöne DVD veröffentlichen, aber pronto!
Dracula: tot aber glücklich (1995) – ich muss gestehen, dass ich vor dem Ansehen dieses Films ein wenig Angst hatte: den habe ich glaube ich zuletzt im Kino (oder zumindest in einer sehr frühen TV-Ausstrahlung) gesehen. Und irgendwie sind die späten Mel-Brooks-Filme dann doch schrecklich albern. Ich war positiv überrascht: bis auf zwei drei nicht wirklich notwendige Gags (Renfield fällt aus der Kutsche, etc.) zieht der Film noch erstaunlich gut, wohl wegen der tollen Besetzung (Nielsen sowieso, aber auch Peter MacNicol gibt eine feine Performance, und auch diese ganzen Unbekannten, die da sonst noch mitspielen, sind eigentlich ok). Irgendwie fühle ich mich jetzt beinahe mutig – ich würde mich fast wieder mal an “Helden in Strumpfhosen” rantrauen.
Porco Rosso (1992) – Miyazaki liebe ich mittlerweile heiß. Den kannte ich noch nicht, danke, Filmcasino, für die feine Retro, auch wenn das mit Ponyo leider nicht geklappt hat. Porco Rosso ist wirklich ganz toll, es war schön zu sehen, wie das ganze Publikum im Kino mitgegangen ist und den Film genossen hat. Jetzt hab ich dann leider das ganze Schaffen des Meisters durch (Castle of Cagliostro fehlt noch; ist der interessant für jemanden, der mit Anime ausserhalb von Miyazaki quasi nix anfangen kann, und der keinerlei Ambitionen hat, sich sonst mit Lupin III. zu beschäftigen?).
Oben (2009) – Pixar rockt! Sogar die Synchro von Otto Schenk (vor der ich mich ein bisschen gefürchtet habe) ist ziemlich super. Und 3D war auch stimmig, anders als bei Coraline (wo evtl. technisch was nicht gepasst hat). Trotzdem wird sich das nicht durchsetzen.
Cinemania (2002) – vermutlich meine Lieblingsdoku, obwohl ich sie zuvor erst einmal gesehen habe, damals, 2004 oder so im TV. Seither hatte ich das Ding immer im Kopf, war aber zu geizig, Geld für die DVD auszugeben (die lange Zeit 20 €uronen gekostet hat). Jetzt, bei 15€, konnte ich nicht widerstehen. Großartiger Film, wahnsinnig beklemmend und doch nett für Kinofans. Den wunderschönen Titeltrack von Stereo Total können die Freundin und ich übrigens fast auswendig mitsingen.
[youtube SoY7i04vII0]
So, jetzt ist’s aber gut mit Bloggen für heute. Vielleicht hab ich ja die nächsten Tage mal Zeit, was über die Jim-Jarmusch-DVD-Collection von Kinowelt zu bloggen, die ich jetzt endlich durch hab.




