www.peterhengl.com

Tag: Eurosixties

Gestern gesehen: Unbarmherzig wie die Sonne

Klingt wie ein Rammstein-Songtitel, ist aber ein stilistisch äusserst vielseitiger Pseudo-Django-Film. Und Django/Cash hat eine ganz schön kalte Schnauze, Milch zu trinken. Django – Unbarmherzig wie die Sonne

(DVD bei Amazon)

  • Share/Bookmark

Gestern gesehen: Letztes Jahr laut Resnais

Das Filmmuseum rief schon wieder nach mir, voraussichtlich das letzte Mal während der Resnais-Retro. Das Double Feature aus Resnais’ Kurzdoku über die französische Nationalbibliothek Toute la mémoire du monde (1956) – genial, unheimlich, märchenhaft, informativ – und einen seiner bekanntesten Spielfilme, L’Année dernière à Marienbad (1961), konnte ich mir nicht entgehen lassen.

Über den unglaublich vielseitig lesbaren, unklaren Film lässt sich recht viel schreiben – das meiste wurde jedoch schon geschrieben und so fühle ich mich relativ redundant und überflüssig. Viel faszinierender ist es da, über Nim zu schreiben.

“Das Nim-Spiel ist ein Spiel mit vollständiger Information für zwei Spieler. Es ist ein beliebtes Beispiel der Spieltheorie, da es mit Papier und Bleistift vollständig analysiert werden kann.” (wikipedia) – anders gesagt: es gibt eine komplette Lösung des Spiels, und es ist nicht verwunderlich, dass M das Spiel immer gewinnt. X ist schon ein ziemlicher Trottel, dass er sich darauf einlässt – andererseits, Madame A ist es wert – ihre Frisur ist toll!

Und da hat der faule Resnais doch glatt vergessen, die Schatten von den Bäumen hinzuzufügen. Eine Schande, sowas.

  • Share/Bookmark

Gestern gesehen: Aushilfs-Django

Ich hatte mal wieder Lust auf Italowestern aus der zweiten (oder dritten) Reihe, und zufällig fanden sich auf der Platte des Recorders zwei Filme der Kategorie “Man nannte ihn Django (in Deutschland)”.

Gott vergibt… Django nie! (1967) ist ein recht unscheinbarer Italowestern mit einem schon im Original sehr auf Django getrimmten Hauptdarsteller. Bemerkenswert ist an dem recht straighten Western rund um einen Bankraub nur, dass ebendieser Hauptdarsteller Terence Hill heisst, und der Dicke an seiner Seite Bud Spencer. Der Film ist, genauer gesagt, die erste richtige Zusammenarbeit der beiden.

Wenig überraschend also, dass der Film im Deutschen neben dem Kinotitel (Django-ploitation) noch zwei weitere aufzuweisen hat: Gott vergibt – wir beide Nie! und Zwei vom Affen gebissen. Und der letzte Titel lässt den gewieften Filmblog-Leser auch schon ganz gut vermuten, was mit dem Film unter dem dritten Titel passiert ist – wenn der Titel mit “Zwei” beginnt, dann ist das eine lustige Komödie mit dem Spencer/Hill-Duo (ausser, das zweite Wort im Titel ist “Nasen” – dann ist der Film Bestandteil eines der dunkelsten Kapitel deutscher Kinogeschichte). Genau: gekürzt und neu synchronisiert (ich schieße mal ins Blaue und tippe auf Rainer B.) – nicht, dass der Film in seiner ursprünglichen deutschen Kinofassung (FSK 18, ich fass’ es nicht) nicht auch schon 10 Minuten zu kurz gewesen wäre.

Und die von mir besehene Fassung ist dann auch diese deutsche “Original”-Kinofassung, die der ZDF gnädigerweise vor einiger Zeit ausgestrahlt hat (leider im falschen Bildformat). Abgesehen von seiner Stellung in der Filmhistorie als erste Spencer/Hill-Zusammenarbeit (oder besser: Hill/Spencer-Arbeit, denn Hill ist eindeutig die Hauptfigur) ist der Film ein recht guter, allerdings nicht sehr spezieller Western, eher eine Randnotiz.

Django und Sabata – Wie blutige Geier (1970) hat im Original auch mal wieder herzlich wenig mit den Originalen Django oder Sabata zu tun, im Gegenteil: bei diesem Fall von Djangofication haben die Filmfiguren nicht mal einen Hauch von Ähnlichkeit mit Franco Nero oder Lee Van Cleef (Terence Hill sieht zumindest ein bisschen aus als der Herr Nero). Krasser noch: die Figur, die im deutschen “Django” heißt (im Original übrigens Sartana) hat eine verblüffende Ähnlichkeit zu Van Cleefs Sabata, inklusive Trickpistole. Sartana wäre als eigenständige Figur (bzw. als Sabata-Rip-Off) eigentlich viel interessanter denn als Pseudo-Django ohne jegliche Bezüge zum Original.

Zur Handlung möchte ich diesmal nichts Genaues sagen – ich war ziemlich müde und… NEIN! Ich habe nicht geschlafen! Ich habe nur… die Innenseite meiner Augenlider auf Unebenheiten untersucht! Und ausserdem nur ganz kurz! Naja… ehrlich gesagt, ich habe schon einen ordentlichen Anteil des Films in einer Art Dämmerzustand verbracht. Aber cool war er doch.

Ach, und in den USA hat man Sergio-Leone-ploitation probiert? Interessant…

  • Share/Bookmark

Vorgestern gesehen: Euro-Action

Spion zwischen zwei Fronten (1966): Christopher Plummer spielt Eddie Chapman, einen britischen Bankräuber/Tresorknacker, der im Weltkrieg Numero zwo in die Hände der Nazis fällt und von ihnen zum Spion ausgebildet wird, bei seinem ersten Einsatz aber flugs die Seiten wechselt und fortan für Alliierte und Achse spioniert.

Der stark fiktionalisierte Film fällt vor allem dadurch auf, dass die Nazis überraschend gut wegkommen. Zum Einen haben sie die wesentlich bessere Besetzung in Form von Romy Schneider, Gert Fröbe und Yul Brynner (ultracool mit Monokel) – zum Anderen fällt eine relativ ambivalente Darstellung auf. Spion zwischen zwei Fronten setzt sich somit recht unangenehm zwischen zwei Stühle: für eine ernste Auseinandersetzung mit dem Weltkrieg ist der Film zu belanglos-fiktiv, für einen Kriegs-Action-Film a la Agenten sterben einsam wird deutlich zu viel geredet und zu wenig geballert. Dennoch recht unterhaltsam.

Der Profi II (1987) – den sogenannten ersten Teil hab’ ich vor geraumer Zeit gesehen, der zweite Teil war mir schon im Vornhinein eher als Fußnote des Jean-Paul-Belmondo’schen Schaffens bewusst – trägt er seinen Namen als zweiter Teil eines ersten doch eh nur im Deutschen. Mehr als den Namen und den Hauptdarsteller haben die beiden Filme nicht gemein. Ersterer ist ein grandios zynischer Euro-Actionfilm, zweiterer ein 08/15-Actionreisser, der so belanglos ist, dass es offenbar sogar Rainer Brandt die Sprache verschlagen hat. Einzig nennenswert ist die brechreiz-auslösende Eighties-Mucke und die teilweise dazupassend durchschlagenden Stilelemente. Absolut keine Anguck-Empfehlung.

  • Share/Bookmark

Gestern gesehen: britische Seltsamkeiten

Ein Film, der sich schon eine geraume Weile auf dem DVD-Stapel befand (etwa seit Oktober): Der Schrecken der Medusa (1978), jener höchst eigenartige Eurofilm, in dem der komatöse Richard Burton scheinbar mittels Telekinese Übles anrichten will, und Psychologin Lee Remick und Inspecteur Lino Ventura das zu verhindern suchen. Ein höchst eigenartiges Filmchen, wenn man darüber nachdenkt, wirkt doch der Versuch, nicht völlig ins Trashige abzugleiten schwerfällig und eigenartig. In Doppelflashbacks geht es zurück bis in Burtons Kindheit, die seltsam ernsthaft und unpassend zu den verschollenen Astronauten und einstürzenden Altbauten der Gegenwart des Films passen. Lino Ventura wirkt seltsam gelangweilt, was mit der Materie des Films zu tun haben mag, Burton gibt dafür sein Bestes und darf sein unheimlichstes Blaue-Augen-Blitzen beisteuern. Ein höchst ungewöhnlicher Mix aus Krimi, Drama und Sci-Fantasy, interessant und abseitig.

Danach: das letzte Duzend arte-Trash muss ich noch abarbeiten, gut, dass die Reihe gerade in Winterpause ist und mir so etwas Luft verschafft. Arte scheint sich, was den Trash-Begriff angeht, mittlerweile sehr auf einige Sub-Genres versteift zu haben, was wohl vorrangig lizenzrechtliche Gründe haben dürfte – oder an persönlichen Präferenzen liegt. Und so gibt’s neben sehr viel Russ Meyer und homosexuellem Trash der letzten paar Jahre auch immer wieder mal Obskures aus Großbritannien – wie zum Beispiel Brennender Tod (Night of the Big Heat, 1967), einem Film, der sich immerhin mit den beiden Hammer-Alumni Christopher Lee und Peter Cushing schmücken kann. Der Film erinnert inhaltlich (ausserirdische Monster kommen auf britische Kleinst-Insel und sorgen für Randale) und stilistisch (billig, billig, billig) so sehr an Insel des Schreckens, dass ich zuerst annahm, es handle sich um denselben Film. Nur sind die Monster diesmal ausserirdisch, und strahlen Hitze ab, anstatt sich von Knochen zu ernähren. Aha. Speziell Christopher Lee gibt eine starke Performance, dafür wundert man sich an den hohen Anteil an Pseudo-Erotizismus (viele Bikinis, Dreiecksbeziehungen, etc.) und Langeweile – ich bin gnadenlos eingepennt und habe den großen Auftritt des Monsters (der wohl aus Kostengründen erst gegen Ende stattfand) quasi komplett verschlafen. Naja, nicht wirklich schade drum.

  • Share/Bookmark

Sonntag, Montag: Eurozeug

Sonntag: Das Milliarden-Dollar-Gehirn (1967): aus der Kategorie “Filmreihen, die heute kaum einer kennt” – die Harry-Palmer-Reihe und die dazugehörigen Bücher. Der vom Filmking hochgeschätzte Michael Caine als realistischerer Gegen-Bond Harry Palmer, der bewaffnet mit Hornbrille und semi-dämlichem Outfit auf Kommunistenjagd geht und dabei auf einen verrückten Right-Wing-Ami stößt, der das spannendste Spionage-Land der Welt vom Kommunismus befreien will: Lettland. Der Film ist ein recht solider Eintrag ins Eurospy-Genre, und weiß zu unterhalten, dass es die Palmer-Reihe aber nicht auf 21 Filme gebracht hat, ist allerdings auch kein Wunder.

billiondollarbrain.jpg

Montag: Karambolage (1963): eine französische Krimikomödie mit Louis de Funès, allerdings nicht in der Hauptrolle. Der junge Paul Martin hofft auf einen raschen beruflichen Aufstieg in seiner Firma, einem großen Reisebüro, nicht zuletzt deswegen, weil der Schwerenöter zwei Freundinnen gleichzeitig versorgen muss. Der Chef des Betriebs (de Funès) ist zwar angetan von ihm, gibt sich aber zögerlich, was finanzielle Vergünstigungen angeht. Martins hinterlistige Maßnahmen arten jedoch ohne sein Zutun in einem Massensterben in der Chefetage aus, und so findet sich Martin beinahe täglich ein Stockwerk höher im Gebäude. Der Film hält sich ziemlich gut, De Funès als Chef ist großartig, muss den Film aber viel zu früh “verlassen” – was sich wohl nur damit erklären lässt, dass er noch vor De Funès’ größten Hits entstanden ist.

  • Share/Bookmark

Gestern gesehen: quasikrimineller Delon

Alain Delon! Der Frauenschwarm mit dem Glaskinn war mir nie so recht sympathisch – aber eins muss man ihm lassen: er hat eine verdammt coole Filmographie.

Endstation Schafott (1973): die Zusammenarbeit Alain Delon – Jean Gabin hat mir bereits in Lautlos wie die Nacht verdammt gut gefallen, ergo war ich auf den hier ziemlich gespannt (auch, wenn er schon wieder ewig auf der Festplatte des DVR rumgesandelt ist). Ich war recht überrascht, als sich der Film als Drama wider die Todesstrafe herausgestellt hat, aber nicht minder begeistert.

Delon, ein auf Bewährung aus dem Gefängnis Entlassener, wird von seinem Bewährungshelfer genau unter die Lupe genommen – und freundlichst behandelt, denn im Gegensatz zum Rest der Welt glaubt Gabin an das Gute im Menschen. Und zu Recht: denn Delon schafft es tatsächlich allen Widerständen zum Trotz, sich zu bessern und eine normale Existenz aufzubauen. Aber das kann natürlich nicht dauerhaft gutgehen, denn so mancher will Delon scheitern sehen.

Wie Raubkatzen (1964): der junge Tunichtgut Marc findet sich in der peinlichen Lage, dass einige Gangster hinter ihm her sind: er hatte mit der falschen Frau ein Tête-à-Tête. Es gelingt ihm, sich bei einer reichen wie gutaussehenden Witwe als Chauffeur einzuschleichen, die in einer einsamen Villa ein abgeschiedenes Dasein gemeinsam mit ihrer Cousine (Jane Fonda) führt. Doch irgendetwas stimmt mit den beiden Damen nicht.

Mal wieder so ein hakenschlagender Verwirrkrimi, der hinter jeder Ecke einen Plot Twist lauern hat. Das eine oder andere mag etwas vorhersehbar sein, die superbe Schwarzweiß-Fotographie und der unglaubliche französische Charme machen das aber leicht wieder wett. Toll!

  • Share/Bookmark

Gestern gesehen: Jodorowsky und Homo-Belmondo

Alejandro Jodorowskys psychedelisches, mit religiösen Symboliken überladenes Meisterwerk The Holy Mountain (1973) lässt sich eigentlich nicht in Worte fassen. Ergo versuche ich’s einfach gar nicht und lege dem Leser stattdessen nahe, sich den Film schleunigst reinzuziehen.

Widmen wir uns lieber dem Doppelfeature, das den Abend eigentlich geprägt hat und werfen wir einen Blick auf zwei klassische Euro-Actionfilme mit Jean-Paul Belmondo, die sich deshalb sehr gut zusammenfassen lassen, weil sie beide dezente homosexuelle Untertöne beinhalten.

Der Panther wird gehetzt – 1960 war allerdings noch Lino Ventura der coolste Euro-Actionheld, und so darf der olle Jean-Paul (der damals noch ziemlich jung war) nur ein bisschen supplieren: Abel “der Panther” (Ventura), gesuchter Raubüberfaller, versucht, mit Frau, Kindern und Gangsterpartner von Italien über die Grenze nach Frankreich zu fliehen – unterwegs werden aber Frau und Partner erschossen, sodass er sich mit den beiden Bemperln alleine in Nizza findet. Von Kollegen losgeschickt trifft Eric (Belmondo) ein, um ihn im Krankenwagen nach Paris zu schmuggeln und dort eine Weile zu verstecken.

Und ich orte in diesem sonst sehr soliden Euro-Kracher einen dezent homosexuellen Unterton aus der Richtung Bébel: vielleicht ist es das Drehbuch, das nur allzu unerklärt lässt, warum Eric Abel retten will und für ihn durch jedes Feuer geht. Da kann auch das Mädel, das er so im Vorübergehen angräbt nichts ändern.

In Der Greifer (1976) drehen sich dann die Verhältnisse um 180 Grad: Belmondo ist der Ex-Großwildjäger, der von der Regierung angeheuert wird, um semilegal Verbrecher zu jagen, und dessen momentanes Hauptziel die “Bestie” ist, ein homosexueller Flugbegleiter, der junge Männer zu grausamen Raubmorden anstiftet und dann um die Ecke bringt. Und, äh, das ist bei Weitem nicht so klischeehaft, wie es klingt. Aber zuerst möchte ich auf das exzellente und tiefschürfende Review bei Sauft Benzin, ihr Himmelhunde! hinweisen, das man gelesen haben sollte.

Und, haben Sie’s gelesen? Ja? Dann kann ich eigentlich nicht mehr viel hinzufügen… tolles Review! Naja, witzigerweise war ich (der ich das Review schon vor dem Film kannte) dank der Erwähnung von Rainer Brandt war ich aufs Schlimmste vorbereitet, und auch, wenn ich die französische Fassung weder kenne noch verstehen würde: die deutsche Fassung ist OK. Gut, ab und zu kalauert der Belmondo schon ein bisschen, aber von einer Minderung des kalten Existenzialismus, den Funkhundd und der Aussenseiter dem Film unterstellen ist keine Spur: der Film ist nach wie vor sehr düster (und der Belmondo grinst sich ja so oder so einen, also, so unpassend können die ein, zwei Schnoddereien gar nicht sein). Ein ausgesprochen gelungener, düsterer kleiner Actioner, fast noir-artig.

Da fällt mir auf: nicht nur der Böse ist ja schwul, zwischen dem Belmondo und seinem jungen Zögling scheint’s ja durchaus auch zu funken – und dann schliesst der Film auch noch mit einem Zitat von Wilde! Sehr lauwarm, muss ich sagen.

  • Share/Bookmark

Halloween-Filmabend ‘07

Na endlich! Die Menge johlt, die Leser jubeln: mit elender Verspätung kommen endlich die Reviews zum ohnehin zwei Tage zu späten Halloween-Filmabend. Während anderswo schon Weihnachten vorgefeiert wird, ist der Filmking immer ein bisschen hinterher. Aber jetzt darf endlich auch der geneigte Leser das grandiose Line-Up erfahren, mit dem der Filmking seine heuer noch zahlreicheren Gäste drangsaliert hat.

Film 1: Film 1 war ein Sonderfall, weil der Filmking an dieser Stelle keinen Film vorgegeben hat, sondern ein Voting zuließ. Die vier Filme fallen alle so ungefähr in die Sektion des klassischen Grusels, und wurden vor allem auf der Basis vom ‘king vorselektiert, dass sie auf DVD leicht verfügbar waren. Zur Auswahl standen: Der Schrecken der Medusa (1978), Das Ding aus einer anderen Welt (1951), Der Mieter (1976) und Tanz der Vampire (1966). Der Fettdruck verrät, dass es (4:2 gegen das Ding) Polanskis brilliante Vampirkomödie geworden ist. Und ich bin heilfroh, dass es nicht der andere Polanski geworden ist, denn noch ein brauchbares Review über diesen Film hätte ich vermutlich schlicht und einfach nicht geschafft.

Witzigerweise war der hinlänglich bekannte Vampirtanz mehr so etwas wie eine Ersatznummer: ich war bei Amazon noch nicht über die 20 Euro, und so hab’ ich zwecks Versandkosten den billigen Klassiker draufgelegt, im Glauben, dass eh keiner für den hinlänglich bekannten Film votet. Und obwohl ich jetzt fernab von schönformulierten Texten die Phrase “hinlänglich bekannt” zweimal verwendet habe, ist es eigentlich so, dass ich den Film seit ewigen Jahren nicht mehr gesehen hatte. Und oft ist es ja so, dass Klassiker der eigenen Kinderzeit sich beim Wieder-ansehen als ziemlich unlustig erweisen – zum Glück ist das bei Tanz der Vampire nicht der Fall: der Film hält nicht nur jeder neuerlichen Prüfung stand, der teils subtile, teils slapstickige Humor rund um die beiden patscherten Vampirjäger (”The Fearless Vampire Killers”, wie der englische Titel so schön erklärt) erweist sich als großartig und frisch wie am ersten Tag. Einzige Kritik meinerseits ergeht an das wenig großartige deutsche DVD-Cover.

Film 2: für jene zwei, die gegen die Vampire und für das Ding gestimmt hatten, gab’s eine erfreuliche Überraschung: Film 2 war nämlich Das Ding aus einer anderen Welt (1982), großartiges Eighties-Remake von John Carpenter. Carpenters düsteres, makeup-meisterliches Grusel-Lehrstück greift Motive und Themen sowie einzelne Szenen des Originals auf und schafft es, die wesentlichen Fifties-Konzepte von Paranoia, Angst vor dem Fremden und gegenseitigem Misstrauen noch zu vertiefen. Anders als im Original, in dem das tituläre “Ding” ein recht konventioneller Alien-Astronaut war, ist das “Ding” hier wirklich reichlich entmenschlicht: ein bösartiger Formwandler, der sich als jeder der Männer der Eisstation tarnen kann, und sich dann meist in widerlichster Form offenbart. Geschickt hält sich Carpenter vage in den Erklärungen, wer wann vom Monster ersetzt wurde, und steigert somit den Verfolgungswahn – hin zum apokalyptischen, ultradüsteren Finale.

Film 3: erinnern Sie sich? Bei meinen Viennale-Reviews habe ich einen Film ausgespart, mit dem Hinweis, dass ich den Kumpels nicht die Gelegenheit geben möchte, näheres über ihn zu recherchieren, weil er beim Halloween-Filmabend vermutlich gezeigt werden wird. Und unmittelbar nach dem Viennale-Screening habe ich mich auch schon daran gemacht, eine entsprechende DVD zu organisieren. Für Filmking muss es natürlich das beste sein, weswegen ich alle verfügbaren Hebel in Bewegung gesetzt habe, um die superlimitierte, längst vergriffene Special-Edition-DVD von Suspiria (1977) aufzutreiben. Weil die bei Filmundo ersteigerte DVD leider nicht mehr rechtzeitig gekommen ist, musste ich dann ärgerlicherweise auf eine Internet-Raubkopie zurückgreifen, die dann allerdings sehr überrascht hat, was die Bildqualität angeht.

Denn die Bildqualität ist eindeutig der erste Belang, was Dario Argentos opulentes, technicoloriertes Zuckerlspektakel angeht. Ob junge Mädchen in pastellfarbenen Riesenräumen grausamst gehängt werden, oder ob sie durch primärfarbene, böse Korridore schleichen: Suspiria ist eine durchgestylte Attacke auf den Sehnerv (und passenderweise hat sich Argento ja für die Fortsetzung dann Italo-Farbspezialisten Mario Bava an Bord geholt). Aber es wäre reichlich unfair, Suspiria nur auf das Bild zu reduzieren: auch der Ton ist dank den extrem ohrwurmigen Klängen der italienischen Prog-Rocker Goblin extremst erinnerungswürdig. Was bin ich froh, diesen Film erstmals auf der Riesenleinwand des Gaatenbaus gesehen zu haben.

Und leider hat sich danach schon ein nicht ungeringer Teil der Belegschaft vertschüsst (obwohl das zugegebenermaßen verzeihlich ist, da sie Suspiria unverständlicherweise eh schon teils schlafend verbracht haben), denn Film 4 war wieder mal mit weitem Abstand das Schlimmste und Schrecklichste, was ich auftreiben konnte: ein epochales Meisterwerk, mit Reminiszenzen zu den Fünfzigern (Paranoia, Kalter-Kriegs-Metapher, Wir-gegen-die-Gedanke), Sechzigern (eindeutiger thematischer Querverweis auf Hitchcocks Vögel) und Siebzigern (Umwelt schlägt zurück, Mensch gegen Natur). Die Rede ist, wie jeder gute Cineast recht eindeutig entlarvt haben dürfte, von Angriff der Killertomaten (1978).

Endlich wieder ein Film, der sich nach allen Regeln der Kunst mit dem Trash-Etikett versehen lässt: Killertomaten ist so schlecht, dass er fast schon wieder wirklich schlecht ist, jenseits aller postmodernen Ironie. Was noch wesentlich schlechter ist als das nonexistente Budget oder ebenso sträflich abwesende Drehbuch ist der auf Präpubertierenden-Niveau angesiedelte Humor, für den “Holzhammer” ein zu subtiler Begriff ist, und der auch dann nicht zielsicher wäre, hielte er sich nur wenige Millimeter vom Pissoir entfernt auf. Aber vielleicht ist es gerade der dadurch entstehende Non-Sequitur-Faktor, der den Film dann doch wieder sehenswert macht. Wir lachen über den Film, nicht mit ihm. Was als einzige Frage zu klären gilt: wie hat es ausgerechnet dieser Film auf eine Special-Edition-Doppel-DVD gebracht?

suspiria-screen.jpg

Lost in a Wonderland of Color And of Sound: Suspiria.

  • Share/Bookmark

Viennale: Lee und Fonda

Ang Lee hat einen neuen Film am Start (und zwar bereits im November regulär in den Kinos) – Lust, Caution heißt er bzw. 色,戒 a.k.a. Sè, Jiè - bei uns Gefahr und Begierde. Ehrlich gesagt, ich finde den Titel schrecklich; er ist so langweilig wie schon lange kein Filmtitel mehr. Und weil der Titel so uninteressant klingt, wollte ich mir den Film erst gar nicht ansehen – bis ich mich an Ang Lees impressive Filmographie erinnert habe, und daran, dass ich diese mehrheitlich kenne (interessanterweise ist Brokeback Mountain, Lees bis dato wohl kommerziell erfolgreichster Film quasi an mir vorbeigezogen). Also hab’ ich mir doch zwei Stunden Warteschlange für die Restkarten angetan (der Film war sehr gut besucht) und war dann ziemlich begeistert.

Ich möchte dem geneigten Leser (und zukünftigen Zuseher des Films) nicht allzu viel von der Handlung verraten, denn das wäre sehr schade bei diesem hakenschlagenden, hochinteressanten Plot. Soviel sei gesagt: es geht um Gefahr und Begierde (ach?) in Shanghai während des zweiten Weltkriegs, und um eine Frau, die sich in einer Geschichte um Verrat und in einer beinahe sadomasochistischen Affäre findet. Der Film spielt dabei mit Motiven des klassischen Hollywood-Melodramas und des Film Noir, jedoch ohne jemals allzu altmodisch zu wirken.

Wenn man Gefahr und Begierde einen Vorwurf machen kann, dann, dass er relativ lang ist. Eine Länge, die leider notwendig ist, um die Geschichte stimmungsvoll zu erzählen und allen Charakteren (besonders Frau Mai) die notwendige Zeit zukommen zu lassen – aber eine Länge, die mitunter etwas… lang ist. Trotzdem: superber Film, ich tippe auf einen Oscar.

Danach der Film, von dem eigentlich von der ersten Bekanntgabe der Jane-Fonda-Retro klar war, dass er gezeigt werden musste, und ein Film, den ich durchaus sehr erwartet habe, weil ich ihn endlich mal auf der großen Leinwand sehen wollte. Ein Film, von dem ich schockiert feststellen musste, dass ich noch gar kein Review für den Blog geschrieben habe (dafür habe ich ihn schon mindestens fünfhundert Mal erwähnt).

Die Rede ist natürlich von der Queen of the Galaxy, von Barbarella (1968). Oh, Barbarella, Psychedella! Du bist die schönste Frau der Welt! Nein, wirklich: zeigen Sie mir eine Frau, die schöner ist als Jane Fonda mit blonder Bardot-Mähne in seltsamen Weltraum-Harnischen. A propos Weltraum-Harnische: ich habe mitgezählt, im Verlauf des Films trägt Barbarella acht verschiedene Kostüme – neun, wenn man das Eva-Kostüm mitzählt, das trägt sie ja auch nicht gerade selten.

Aber lassen wir die neckischen Betrachtungen von Jane Fondas Äußerem mal genauso beiseite wie die Handlung (Astro-Agentin Barbarella muss Bandnamen-inspirierenden Wissenschaftler Duran Duran vor böser Weltraumhexe retten) – Barbarella ist aus kultureller Sicht ein ausgesprochen interessanter Film. Denn interpretativ kann man hier sowohl in Richtung Emanzipation der Frau und sexueller Selbstständigkeit gehen wie auch in Richtung pubertärer Jungenphantasien. Äh. Streichen Sie die Emanzipation, bleiben wir bei den Jungenphantasien. Denn die Selbstverständlichkeit, mit der Barbarella in monumentalen Sixties-Psychedelic-Plüschsets immer wieder Teile ihres Kostüms verliert oder nackten Männern begegnet, hat in der Tat etwas, das an die überschäumenden Hormone der Teenagerjahre erinnert. Doch die ungeheure Chuzpe bzw. Self Awareness, mit der der Film das durchzieht, machen Barbarella zu einem ausgesprochen postmodernen Spaß. Man muss genau hinsehen um zu erkennen, wie sich der Film an seinen eigenen Eskapaden ergötzt.

Und bei all den Kostümen und sonstigen… Ablenkungen fällt es mitunter schwer zu bemerken, was für eine fantastische schauspielerische Leistung eigentlich Frau Fonda erbringt. Ihre kontrollierte Tapsigkeit und ihr perfektes humoristisches Timing erinnern an Stummfilm-Komiker a la Chaplin oder Keaton, ihre Dialoge können nur mit “Deadpan” beschrieben werden. Es gehört viel Können dazu, sich an eine solche Barbie-Rolle heranzuwagen, und dann schauspielerisch so zu brillieren. Ich verneige mich vor Ihnen, Frau Fonda!

barbarella.jpg

Heute habe ich erstmals bemerkt, dass Barbarella auf diesem Bild ein Gewehr hält. Hübsches Gewehr.

  • Share/Bookmark