Fortsetzung des aktuellen “Serien, die ich zuletzt gesehen habe”-Marathons.
American Dad! und Family Guy: MTV bringt die beiden Seth-McFarlane-geschaffenen, als Simpsons-Klone verschrienen Zeichentrick-Comedies im Doppelpack – für mich ein Grund, den sonst unbrauchbaren Sender zumindest einmal die Woche einzuschalten. Witzigerweise gilt (und das scheint die Simpsons-Klon-Theorie zu untermauern) bei Family Guy für mich dasselbe wie bei den Simpsons: die Quasi-Spinoff-/Von-den-Machern-von-Serie ist lustiger als das Original – oder anders gesagt: American Dad ist für Family Guy, was Futurama für die Simpsons war/ist: lustiger.
So zeigt American Dad im Vergleich zu Family Guy schon in den frühen Staffeln (und die sind es, die bei MTV in Dauerschleife rotieren) einen wesentlich bissigeren, böseren, popkulturell verspielteren Humor. In meiner bis dato persönlichen Lieblingsepisode beispielsweise spielen der Geist der vergangenen Weihnachten Feiertage, Martin Scorsese, ein Reagan-Attentat und der Duke eine nicht ungeringe Rolle. Herrlich!
Erfreulich, dass diese Serien nach einem scheinbar eher erfolglosen Run auf ProSieben im Zeichentrick-Corner von MTV eine neue Heimat gefunden haben (witzigerweise wurden die anderen Teilnehmer der MTVschen Animations-Ambitionen noch kaum goutiert – Drawn Together und South Park haben mich witzigerweise bis jetzt noch nicht so sonderlich reizen können). Manko an dieser erfreulichen Tatsache ist einerseits der Sender an sich (bereits die <3 Minuten MTV-Gülle, die ich vor Start des McFarlane-Blocks ertragen muss, fühlen sich wie eine Lobotomie ohne Anästhesie an), andererseits die Tatsache, dass MTV bis jetzt nur bereits gesendetes Material zu recyclen scheint. Während bei uns bisher scheinbar nur die jeweils ersten beiden Staffeln mit einer TV-Präsenz belohnt wurden, haben es die Serien in den USA bereits auf 3 (American Dad) und 6 (Family Guy) Staffeln gebracht. Aber bereits angekündigte DVD-Veröffentlichungen auch in unseren Breiten lassen vermuten und hoffen, dass sich das bald ändert.
Jetzt kommt so ein bisschen der Aussenseiter im aktuellen Serien-Block des Filmking. Obwohl der Filmking aus einer ausgesprochenen Ärztefamilie kommt, ist die Medizin für ihn ein Buch mit sieben Siegeln, und das Interesse an Ärzteserien (die ja im Moment eine wahre Renaissance feiern) relativ gering. Eine Serie konnte sich aber irgendwie doch in den Sichtbereich des großen Blogisten drängen: Dr. House.
Warum der Serie das gelungen ist, ist dem Blogisten selber nicht ganz klar. Vielleicht liegt es an den Lorbeeren, die die Serie allenthalben erfahren hat – in der Presse und im Freundes- und Bekanntenkreis. Vielleicht liegt es an der günstigen Programmplatzierung: der ORF hat die Serie jetzt erst gestartet (mit 3 Jahren Verspätung also) dafür genau vor der vielgeliebten Donnerstag Nacht – und genau in dem Moment, als der Filmking sich sowieso für die Serie zu interessieren begann. Vielleicht liegt es daran, dass Bryan “X-Men” Singer produziert. Vielleicht liegt es daran, dass die Hauptrolle von Briten-Akteur Hugh Laurie gespielt wird, den der Filmking seit Blackadder the Third ausgesprochen zu schätzen weiß.
Das Resultat ist auf jeden Fall, dass der Filmking sich eine Serie ansieht, die eigentlich höchstens das Prädikat “mittelmäßig” verdient. In ihrer episodischen Abgeschlossenheit ist die Serie extremst Old School, kann dramaturgisch kaum mit den anderen Serien mithalten, die mittlerweile alle mit verzwurbelten, tiefschürfenden Fortsetzungshandlungen punkten. Die Charaktere, also der Ärztestab rund um den titelspendenden Dr. House, interessieren kaum, bleiben (zumindest im Moment noch) relativ flach und klischeehaft. Und für die medizinische Komponente interessiert der Filmking sich schlichtwegs deswegen nicht, weil ihn Medizin nicht interessiert.
Die Hugh-Laurie-Theorie: Laurie a.k.a. Dr. House, grantelnder Spazierstockschwinger und Leiter der Diagnoseabteilung eines teuren Spezialkrankenhauses, schafft es binnen Minuten, so interessant zu sein, dass es das schon wert ist, die Serie zu sehen. Allein die 5-Minuten-Segmente, in denen House durch die Zimmer schleicht und in Blitzdiagnosen relativ generische Symptome relativ banalen Ursachen zuordnet, könnten eine komplett eigene Serie bilden.
Kritik muss wieder einmal am ausstrahlenden Sender geübt werden: einerseits ist es nicht schlecht, dass der ORF die Serie erst mit so viel Verspätung ausstrahlt, weil der Filmking als alter Serien-Purist, Komplettismus-Fanatiker und Zwangsneurotiker nie und nimmer bei RTL in einer der späteren Staffeln quereingestiegen wäre. Andererseits beweist der ORF mal wieder seine Unbrauchbarkeit als Seriensender, indem einfach so und ohne Not Folgen 2 bis 11 von der Ausstrahlung ausgespart werden. Warum, das weiß kein Mensch.
Und weil gerade noch so gut Zeit ist, kann ich ja kurz noch auf den Underdog im momentanen Serien-Zyklus eingehen, die Serie, bei der ich eigentlich am ehesten gerechnet habe, dass ich binnen kürzester Zeit aufhöre, sie mir anzusehen, und die mir jetzt schon nach 4 Folgen (ich hatte noch keine Zeit, mir diese Woche Folge 5 und 6 anzusehen) ans Herz gewachsen ist, allein schon aufgrund der unheimlich coolen Prämisse: Michael Scofield, vom Beruf statischer Ingenieur, lässt sich am ganzen Körper tätwieren. Dann zieht er los und überfällt eine Bank. Und kommt ins Gefängnis. Warum? Im selben Gefängnis sitzt auch sein Bruder. Im Todestrakt. Natürlich unschuldigerweise. Und Scofield plant einen Prison Break.
OK, die Prämisse ist ziemlich konstruiert. (Habe ich schon erwähnt, dass Scofield als Statiker an der Renovierung des Gefängnisses mitgearbeitet hat? Zufall, Zufall,…) – Macht aber nix, Gefängnis-Ausbruchs-Szenarien waren schon im Graf von Monte Christo völlig an den Haaren herbeigezogen, warum sollte das heute anders sein.
Im Gegenteil: gerade die Gefängnis-Komponente der Serie, in der Herr Scofield mit allerlei Gimmicks (unter anderem selbstgebrauter Gartendünger-Säure) am Ausbruch bastelt, sich gegen allerlei Gangster-Prolos (unter anderem Peter Stormare) durchsetzt, und sich als Diabetiker ausgibt, um die Krankenschwester anzugraben weil die Krankenstation das schwächste Glied der Kette ist – gerade diese Komponente der Serie ist es, die ungeheuer Spaß macht. Die Nebenhandlung, in der des Bruders Ex nach den wahren Mördern des Vizepräsidentinnengatten sucht, ist da vergleichsweise uninteressant.
Interessanterweise hat sich das, wovor sich der Filmking am meisten gefürchtet hat, als gar nicht so schlimm herausgestellt: RTL ist als Sender gar nicht soo schlimm. Der übliche Serien-Umgang mit Schwestersender RTL II hat den Filmking Übelstes befürchten lassen (mit Grausen erinnert man sich an die fast komplett unbrauchbare Ausstrahlung der ersten Staffel von Battlestar Galactica) – doch RTL überzeugt mit einem völlig durchschnittlichen Maß an Werbung (was dem Filmking als HDD-Besitzer blunzn ist) und von diesem Sender ungewohnter 16:9-Ausstrahlung (was der ORF bei House nicht hinbekommen hat). Doch wie allgemein fürs ganze Serien-Update zutreffend scheint es kein deutscher Sender zu schaffen, eine Serie nicht ohne zumindest einen größeren Fauxpas auszustrahlen. Und so hat RTL die recht durchschnittliche Prison-Break-Titelmelodie durch grausigen deutschen Wischi-Waschi-Hiphop ersetzt. Es läuft mir eiskalt den Rücken runter. Gleichzeitig bin ich amüsiert, weil der deutsche Vorspann in der Tat eine deutsche Spezialität zu sein scheint: in der Schweiz ist dieser Kelch an Prison Break vorübergezogen, was mich vermuten lässt, dass bei einer DVD-Veröffentlichung auch wieder das Original zum Zug kommen wird und die Hiphop-Sülze auf RTL gefangen bleiben wird.
OK, der zweite Teil des Mega-Serien-Updates ist geschafft. Wir sind halb durch, von den 12 rezensierten Serien fehlen noch 6, die im Laufe der nächsten Tage folgen werden.