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Tag: Gefängnisausbruch

Gestern gesehen: Eiskaltes Händchen

Von Chun Fang – Das blutige Geheimnis (1982) habe ich irgendwie vergessen, einen Screenshot zu machen, nicht aber vom Paul-Newman-Vehikel Cool Hand Luke (1967). von beiden Filmen gibt es übrigens schon Reviews aufm Blog. (Chun Fang, Cool Hand Luke)

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Gestern gesehen: Jodorowsky und Homo-Belmondo

Alejandro Jodorowskys psychedelisches, mit religiösen Symboliken überladenes Meisterwerk The Holy Mountain (1973) lässt sich eigentlich nicht in Worte fassen. Ergo versuche ich’s einfach gar nicht und lege dem Leser stattdessen nahe, sich den Film schleunigst reinzuziehen.

Widmen wir uns lieber dem Doppelfeature, das den Abend eigentlich geprägt hat und werfen wir einen Blick auf zwei klassische Euro-Actionfilme mit Jean-Paul Belmondo, die sich deshalb sehr gut zusammenfassen lassen, weil sie beide dezente homosexuelle Untertöne beinhalten.

Der Panther wird gehetzt – 1960 war allerdings noch Lino Ventura der coolste Euro-Actionheld, und so darf der olle Jean-Paul (der damals noch ziemlich jung war) nur ein bisschen supplieren: Abel “der Panther” (Ventura), gesuchter Raubüberfaller, versucht, mit Frau, Kindern und Gangsterpartner von Italien über die Grenze nach Frankreich zu fliehen – unterwegs werden aber Frau und Partner erschossen, sodass er sich mit den beiden Bemperln alleine in Nizza findet. Von Kollegen losgeschickt trifft Eric (Belmondo) ein, um ihn im Krankenwagen nach Paris zu schmuggeln und dort eine Weile zu verstecken.

Und ich orte in diesem sonst sehr soliden Euro-Kracher einen dezent homosexuellen Unterton aus der Richtung Bébel: vielleicht ist es das Drehbuch, das nur allzu unerklärt lässt, warum Eric Abel retten will und für ihn durch jedes Feuer geht. Da kann auch das Mädel, das er so im Vorübergehen angräbt nichts ändern.

In Der Greifer (1976) drehen sich dann die Verhältnisse um 180 Grad: Belmondo ist der Ex-Großwildjäger, der von der Regierung angeheuert wird, um semilegal Verbrecher zu jagen, und dessen momentanes Hauptziel die “Bestie” ist, ein homosexueller Flugbegleiter, der junge Männer zu grausamen Raubmorden anstiftet und dann um die Ecke bringt. Und, äh, das ist bei Weitem nicht so klischeehaft, wie es klingt. Aber zuerst möchte ich auf das exzellente und tiefschürfende Review bei Sauft Benzin, ihr Himmelhunde! hinweisen, das man gelesen haben sollte.

Und, haben Sie’s gelesen? Ja? Dann kann ich eigentlich nicht mehr viel hinzufügen… tolles Review! Naja, witzigerweise war ich (der ich das Review schon vor dem Film kannte) dank der Erwähnung von Rainer Brandt war ich aufs Schlimmste vorbereitet, und auch, wenn ich die französische Fassung weder kenne noch verstehen würde: die deutsche Fassung ist OK. Gut, ab und zu kalauert der Belmondo schon ein bisschen, aber von einer Minderung des kalten Existenzialismus, den Funkhundd und der Aussenseiter dem Film unterstellen ist keine Spur: der Film ist nach wie vor sehr düster (und der Belmondo grinst sich ja so oder so einen, also, so unpassend können die ein, zwei Schnoddereien gar nicht sein). Ein ausgesprochen gelungener, düsterer kleiner Actioner, fast noir-artig.

Da fällt mir auf: nicht nur der Böse ist ja schwul, zwischen dem Belmondo und seinem jungen Zögling scheint’s ja durchaus auch zu funken – und dann schliesst der Film auch noch mit einem Zitat von Wilde! Sehr lauwarm, muss ich sagen.

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Gestern gesehen: wieder mal Western

Zwei Western sehr unterschiedlichen Bautyps:

Der lange Tag der Rache (1967), wie jeder Italowestern dadurch gekennzeichnet, dass er irgendwo in Kill Bill referenziert wurde (das merkt man erst so über die Jahre, was für einen umfassenden Genre-Katalog Tarantino da geschaffen hat) – und, dass er im EPG kurioserweise als “Die lange Nacht der Rache” geführt wurde, obwohl es keinerlei sonstigen Hinweis auf eine Legitimität dieses Titels gibt. Und das ist für das sonst so Multipeltitel-lastige Spagetti-Genre doch eher überraschend.

Handlungsmäßig serviert uns der Film eine Rachegeschichte: ein Mann bricht aus dem Arbeitslager aus, um den Tod seines Vaters zu rächen, für den er selbst beschuldigt und eingekerkert worden war. Er will Rache nehmen an den wahren Mördern, die jetzt die Eisenbahnlinien seines Vaters für krumme Geschäfte nutzen. Klingt spannend, ist es auch… die ersten 30 Minuten. In dieser Zeit zeichnet sich der Film durch die italotypische gewaltbetonte, sadistische Bösheit aus, kombiniert mit einer beinahe Hitchcockesken Suspense (die obigen Fakten werden nämlich erst Stück für Stück enthüllt). Dann versandet er jedoch recht schnell, und wird relativ langweilig und uninteressant.

Danach eine Art Ausblick auf den nahenden Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford, den ich gerade erst in der kürzlichen Kino-Vorschau gelobt habe. Samuel Fuller ist einer von diesen Regisseuren, die in Cineastenkreisen Weltruhm geniessen … und nur dort. Interessanterweise sind es gerade zwei nicht sehr von mir geschätzte Regisseure, die den Fuller besonders gerne mögen, nämlich Godard und Wim Wenders. Meinereiner muss zugeben, dass er von Fuller noch nicht allzu viel gesehen hat, eigentlich überhaupt nur Forty Guns.

Ebenfalls dem Western-Genre entsprungen ist Fullers Erstling, Ich erschoss Jesse James (1949), eigentlich mehr ein noireskes Drama als ein klassischer Western (aber der klassische US-Western war ja sowieso mehr ein reines Setting denn ein echtes Genre). Wie der Titel vermuten lässt, geht’s mal wieder um den Feigling Robert Ford, der dafür berühmt wurde, dass er dem gesuchten Bankräuber in den Rücken schoss, während dieser ein Bild begradigte. Der Feigling wird aber gar nicht als solcher dargestellt (und auch nicht als schnurrbartzwirbelnder Finsterling), sondern als ein menschliches Wesen, das mit sich ringt und kämpft, und noch lange an der Ermordung zu leiden hat. Mutige Herangehensweise, starker Film.

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Gestern gesehen: Kinder im Krieg

Oh Mann: jahrelang hab’ ich geglaubt, die filmische Aufarbeitung des zweiten Weltkrieges sei die längste Zeit den Amerikanern, Italienern, Ostdeutschen, und was-weiß-ich-wem vorbehalten gewesen. Und dann stolpere ich über den westdeutschen Die Brücke (1959) von Bernhard Wicki. Ok, ok, soo zeitnah ist 1959 auch wieder nicht – dennoch, beachtlich, beachtlich, ein Antikriegsfilm aus deutschen Landen zu dieser Zeit, beeindruckend.

Im bayrischen Cham verbringen sieben 16-jährige deutsche Jungens die letzten Tage des Krieges. Anders als ihre Mütter, Lehrer und Freundinnen sind sie von ihrer kurzfristigen Einberufung restlos begeistert – als Helden in die deutsche Geschichte eingehen! Als ihr Battalion bereits am ersten Tag der Einberufung an die Front muss, begeht ein Offizier einen Gnadenakt: die sieben Burschen werden zur Bewachung einer taktisch völlig irrelevanten Brücke abkommandiert, um zu verhindern, dass die sieben Unerfahrenen den Grauen des Krieges ausgesetzt werden. Doch die Aktion wird zum Fiasko…

Ok, zugegeben: der Film geht taktisch ziemlich geschickt vor, zeigt ein kriegsmüdes Deutschland, das beinahe mehr Opfer als Täter ist, und umgeht damit Volkes Zorn, der vermutlich bei einer allzu harschen Darstellung des Weltkrieges unweigerlich zugeschlagen hätte. Dafür findet sich umso subtilere, allgemeingültigere und in der zweiten Hälfte des Films umso heftiger wirkende Kritik an Indoktrinierung der Jugend, falschen Heldenidealen und Ausnutzung jugendlicher Naivität. So sind die sieben Knaben im Film die Einzigen, die den hohlen Parolen vom Endsieg und der zu beschützenden deutschen Heimat noch Glauben schenken und entsprechend verbissen ihre Brückenbewachung in Angriff nehmen – die meisten anderen Soldaten sind bereits nur noch mit ihrer Flucht ihrem taktischen Rückzug beschäftigt.

Großer Film! Klar, da wäre schon noch mehr gegangen, aber die zahlreichen nationalen und internationalen Preise zeigen, dass Wicki hier einen großen Film geschaffen hat.

Danach ein Film, der gerade eben erst im Mai hier auf’m Blog ein exzellentes Review erfuhr: Steven Spielbergs Das Reich der Sonne (1988), den ich damals irrtümlich als “Im Reich der Sonne” betitelt habe. Amazon verkauft derzeit die 2-Disk-Special-Edition-DVD für knapp unter sieben Euro, und ich sehe nicht, wie ich da nein sagen konnte.

Und jetzt habe ich ein Problem: mein altes Review sagt eigentlich im Wesentlichen schon alles, was mir zu dem Film einfällt. Die einzige Neuentdeckung, die mir der Genuss der O-Ton-Spur gebracht hat, ist die Tatsache, dass Christian Bale gebürtiger Waliser ist. Batman ein Brite? Huch.

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Mega-Serien-Update, Vol.2

Fortsetzung des aktuellen “Serien, die ich zuletzt gesehen habe”-Marathons.

American Dad! und Family Guy: MTV bringt die beiden Seth-McFarlane-geschaffenen, als Simpsons-Klone verschrienen Zeichentrick-Comedies im Doppelpack – für mich ein Grund, den sonst unbrauchbaren Sender zumindest einmal die Woche einzuschalten. Witzigerweise gilt (und das scheint die Simpsons-Klon-Theorie zu untermauern) bei Family Guy für mich dasselbe wie bei den Simpsons: die Quasi-Spinoff-/Von-den-Machern-von-Serie ist lustiger als das Original – oder anders gesagt: American Dad ist für Family Guy, was Futurama für die Simpsons war/ist: lustiger.

So zeigt American Dad im Vergleich zu Family Guy schon in den frühen Staffeln (und die sind es, die bei MTV in Dauerschleife rotieren) einen wesentlich bissigeren, böseren, popkulturell verspielteren Humor. In meiner bis dato persönlichen Lieblingsepisode beispielsweise spielen der Geist der vergangenen Weihnachten Feiertage, Martin Scorsese, ein Reagan-Attentat und der Duke eine nicht ungeringe Rolle. Herrlich!

Erfreulich, dass diese Serien nach einem scheinbar eher erfolglosen Run auf ProSieben im Zeichentrick-Corner von MTV eine neue Heimat gefunden haben (witzigerweise wurden die anderen Teilnehmer der MTVschen Animations-Ambitionen noch kaum goutiert – Drawn Together und South Park haben mich witzigerweise bis jetzt noch nicht so sonderlich reizen können). Manko an dieser erfreulichen Tatsache ist einerseits der Sender an sich (bereits die <3 Minuten MTV-Gülle, die ich vor Start des McFarlane-Blocks ertragen muss, fühlen sich wie eine Lobotomie ohne Anästhesie an), andererseits die Tatsache, dass MTV bis jetzt nur bereits gesendetes Material zu recyclen scheint. Während bei uns bisher scheinbar nur die jeweils ersten beiden Staffeln mit einer TV-Präsenz belohnt wurden, haben es die Serien in den USA bereits auf 3 (American Dad) und 6 (Family Guy) Staffeln gebracht. Aber bereits angekündigte DVD-Veröffentlichungen auch in unseren Breiten lassen vermuten und hoffen, dass sich das bald ändert.

Jetzt kommt so ein bisschen der Aussenseiter im aktuellen Serien-Block des Filmking. Obwohl der Filmking aus einer ausgesprochenen Ärztefamilie kommt, ist die Medizin für ihn ein Buch mit sieben Siegeln, und das Interesse an Ärzteserien (die ja im Moment eine wahre Renaissance feiern) relativ gering. Eine Serie konnte sich aber irgendwie doch in den Sichtbereich des großen Blogisten drängen: Dr. House.

Warum der Serie das gelungen ist, ist dem Blogisten selber nicht ganz klar. Vielleicht liegt es an den Lorbeeren, die die Serie allenthalben erfahren hat – in der Presse und im Freundes- und Bekanntenkreis. Vielleicht liegt es an der günstigen Programmplatzierung: der ORF hat die Serie jetzt erst gestartet (mit 3 Jahren Verspätung also) dafür genau vor der vielgeliebten Donnerstag Nacht – und genau in dem Moment, als der Filmking sich sowieso für die Serie zu interessieren begann. Vielleicht liegt es daran, dass Bryan “X-Men” Singer produziert. Vielleicht liegt es daran, dass die Hauptrolle von Briten-Akteur Hugh Laurie gespielt wird, den der Filmking seit Blackadder the Third ausgesprochen zu schätzen weiß.

Das Resultat ist auf jeden Fall, dass der Filmking sich eine Serie ansieht, die eigentlich höchstens das Prädikat “mittelmäßig” verdient. In ihrer episodischen Abgeschlossenheit ist die Serie extremst Old School, kann dramaturgisch kaum mit den anderen Serien mithalten, die mittlerweile alle mit verzwurbelten, tiefschürfenden Fortsetzungshandlungen punkten. Die Charaktere, also der Ärztestab rund um den titelspendenden Dr. House, interessieren kaum, bleiben (zumindest im Moment noch) relativ flach und klischeehaft. Und für die medizinische Komponente interessiert der Filmking sich schlichtwegs deswegen nicht, weil ihn Medizin nicht interessiert.

Die Hugh-Laurie-Theorie: Laurie a.k.a. Dr. House, grantelnder Spazierstockschwinger und Leiter der Diagnoseabteilung eines teuren Spezialkrankenhauses, schafft es binnen Minuten, so interessant zu sein, dass es das schon wert ist, die Serie zu sehen. Allein die 5-Minuten-Segmente, in denen House durch die Zimmer schleicht und in Blitzdiagnosen relativ generische Symptome relativ banalen Ursachen zuordnet, könnten eine komplett eigene Serie bilden.

Kritik muss wieder einmal am ausstrahlenden Sender geübt werden: einerseits ist es nicht schlecht, dass der ORF die Serie erst mit so viel Verspätung ausstrahlt, weil der Filmking als alter Serien-Purist, Komplettismus-Fanatiker und Zwangsneurotiker nie und nimmer bei RTL in einer der späteren Staffeln quereingestiegen wäre. Andererseits beweist der ORF mal wieder seine Unbrauchbarkeit als Seriensender, indem einfach so und ohne Not Folgen 2 bis 11 von der Ausstrahlung ausgespart werden. Warum, das weiß kein Mensch.

Und weil gerade noch so gut Zeit ist, kann ich ja kurz noch auf den Underdog im momentanen Serien-Zyklus eingehen, die Serie, bei der ich eigentlich am ehesten gerechnet habe, dass ich binnen kürzester Zeit aufhöre, sie mir anzusehen, und die mir jetzt schon nach 4 Folgen (ich hatte noch keine Zeit, mir diese Woche Folge 5 und 6 anzusehen) ans Herz gewachsen ist, allein schon aufgrund der unheimlich coolen Prämisse: Michael Scofield, vom Beruf statischer Ingenieur, lässt sich am ganzen Körper tätwieren. Dann zieht er los und überfällt eine Bank. Und kommt ins Gefängnis. Warum? Im selben Gefängnis sitzt auch sein Bruder. Im Todestrakt. Natürlich unschuldigerweise. Und Scofield plant einen Prison Break.

OK, die Prämisse ist ziemlich konstruiert. (Habe ich schon erwähnt, dass Scofield als Statiker an der Renovierung des Gefängnisses mitgearbeitet hat? Zufall, Zufall,…) – Macht aber nix, Gefängnis-Ausbruchs-Szenarien waren schon im Graf von Monte Christo völlig an den Haaren herbeigezogen, warum sollte das heute anders sein.

Im Gegenteil: gerade die Gefängnis-Komponente der Serie, in der Herr Scofield mit allerlei Gimmicks (unter anderem selbstgebrauter Gartendünger-Säure) am Ausbruch bastelt, sich gegen allerlei Gangster-Prolos (unter anderem Peter Stormare) durchsetzt, und sich als Diabetiker ausgibt, um die Krankenschwester anzugraben weil die Krankenstation das schwächste Glied der Kette ist – gerade diese Komponente der Serie ist es, die ungeheuer Spaß macht. Die Nebenhandlung, in der des Bruders Ex nach den wahren Mördern des Vizepräsidentinnengatten sucht, ist da vergleichsweise uninteressant.

Interessanterweise hat sich das, wovor sich der Filmking am meisten gefürchtet hat, als gar nicht so schlimm herausgestellt: RTL ist als Sender gar nicht soo schlimm. Der übliche Serien-Umgang mit Schwestersender RTL II hat den Filmking Übelstes befürchten lassen (mit Grausen erinnert man sich an die fast komplett unbrauchbare Ausstrahlung der ersten Staffel von Battlestar Galactica) – doch RTL überzeugt mit einem völlig durchschnittlichen Maß an Werbung (was dem Filmking als HDD-Besitzer blunzn ist) und von diesem Sender ungewohnter 16:9-Ausstrahlung (was der ORF bei House nicht hinbekommen hat). Doch wie allgemein fürs ganze Serien-Update zutreffend scheint es kein deutscher Sender zu schaffen, eine Serie nicht ohne zumindest einen größeren Fauxpas auszustrahlen. Und so hat RTL die recht durchschnittliche Prison-Break-Titelmelodie durch grausigen deutschen Wischi-Waschi-Hiphop ersetzt. Es läuft mir eiskalt den Rücken runter. Gleichzeitig bin ich amüsiert, weil der deutsche Vorspann in der Tat eine deutsche Spezialität zu sein scheint: in der Schweiz ist dieser Kelch an Prison Break vorübergezogen, was mich vermuten lässt, dass bei einer DVD-Veröffentlichung auch wieder das Original zum Zug kommen wird und die Hiphop-Sülze auf RTL gefangen bleiben wird.

OK, der zweite Teil des Mega-Serien-Updates ist geschafft. Wir sind halb durch, von den 12 rezensierten Serien fehlen noch 6, die im Laufe der nächsten Tage folgen werden.

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Gestern gesehen: Italowestern mit Tomas Milian

Der kubanisch-amerikanische Schauspieler Tomas Milian war recht aktiv, was Italowestern anging; er hat zum Beispiel eine Rolle in allen drei Western von Sergio Sollima – also auch in Der Gehetzte der Sierra Madre.

Lee Van Cleef spielt darin einen Kopfgeldjäger/angehenden Senator von Texas (das passt), der sich im Auftrag eines Eisenbahnbonzen auf die Jagd nach dem angeblichen Vergewaltiger einer Zwölfjährigen (Milian) macht. Aber natürlich ist alles anders, als es zuerst scheint.

Lee Van Cleef: Lee Van Cool. Soundtrack: Sound-cool. Kabel 1: Coolness-Bonus für Ausstrahlung der ungekürzten Version (nicht der wie üblich um 20 Minuten erleichterten deutschen Kinoversion), und zwar werbefrei (!). Ausserdem strotzt der Film von originellen Momenten, wie ich sie im Italowestern gerne habe, Oblatenbacken etwa, oder gemeinsamem Singen mit dem Wärter beim Gefängnisausbruch.

Äh, Synchro: in den ersten Minuten fällt sofort auf, dass die Synchro des Films (offensichtlich neuerer Bauart, notwendig wegen der ursprünglich gekürzten deutschen Fassung) rein technisch gesehen ziemlich mies ist. Ehrlich: Robert Spindlers “Im Westen nur Bohnen” klingt soundtechnisch ungefähr zehnmal so natürlich wie diese professionell im Studio gemachte Synchro.

Dafür klingt die Synchro seltsam vertraut. Ich habe ungefähr 30 Minuten gebraucht, um zu erkennen, warum. Ganz einfach: weil hier die halbe Crew der “Enterprise” synchronisiert. Und damit meine ich nicht G.G. Hoffmann (Kirk) und Herbert Weicker (Spock), die ja alle Nase lang in irgendwelchen deutschen Synchros zu hören sind (und die zu meinen Lieblings-Synchronsprechern gehören), sondern vielmehr die Crew der “Enterprise”-Enterprise, also der neuen neuen Enterprise aus “Enterprise” und nicht der alten Enterprise aus “Raumschiff Enterprise”. Dafür aber wirklich die ganze Crew. Jeder und jede einzelne. Unglaublich.

Und danach gleich noch einmal Italowestern, wieder aus der Feder eines “Sergio”: Sergio Corbucci diesmal, Regisseur des originalen “Django”, hat einige Jährchen nach ebendiesem den Film Zwei Companeros a.k.a. “Lasst uns töten, Companeros” a.k.a. “Drei Companeros räumen auf” (nur wer zur Hölle ist der dritte Companero?) gedreht, einen relativ heiteren Western in Starbesetzung.

Franco Nero, der Original-Django, ist wieder mit von der Partie, und zwar als — Achtung — heiterer schwedischer Waffenhändler (!), an seiner Seite (bzw. zeitweise ihm gegenüber) findet sich Tomas Milian als Baske. Ausserdem: Fernando Rey als pazifistischer Revoluzzer-Professor und Jack Palance als einarmiger Bandit.

Besonders nennenswert in der Besetzung ist allerdings Iris Berben. Genau, “Rosa Roth”. Berben ist irgendwie die Sorte Frau, die man wohl am ehesten als “reife Frau” bezeichnen würde. Als “Powerfrau um die 50″. Als “in dem Alter werde ich froh sein, wenn ich so eine noch abbekomme”. Kurz gesagt: sie ist alt.

Wenn man sieht, was die damals, im zarten Alter von 20 Lenzen für ein unglaublicher Käfer war, fliegen einem fast die Augen raus.

Ich will mich jetzt allerdings nicht in meiner üblichen sexistisch-notgeilen Art auf Berbens Mini-Rolle versteifen, nur weil sie damals ein Käfer war (versteifen! Schön gesagt!), sondern lieber wieder zum eigentlichen Film zurückkehren. Mmmh, Iris Berben! Von allen Frauen auf der Welt die, von der ich nie gedacht hätte, dass ich sie jemals attraktiv finden werde. Ich sollte einen Weg finden, wie ich meine Erinnerung an die “alte” Iris Berben löschen kann, damit ich mich besser auf die “junge” Iris Berben konzentrieren kann. Und dasselbe Verfahren dann am Besten gleich auf Brigitte Bardot, Rachel Welch und Jane Fonda anwenden.

Zurück zum Thema. Franco Neros Rolle hat interessanterweise nichts mit seinem harten Knochen Django zu tun, vielmehr spielt er den Terence-Hill-esken Spaßmacher. Kurioserweise spielt dafür Milian, der sonst oft die eher lustigen Italo-Typen spielt (vgl. “Der Gehetzte…”) hier den harten Knochen. Ich hoffe, dass Scarlett Johansson nie altern wird. Und, dass sie mich heiratet. Und, dass Iris Berben wieder jünger wird. So, sagen wir, zwanzig. Und dass sie mich heiratet. Mmmh, Bigamie mit Scarlett Johansson und der jungen Iris Berben. Entschuldigen sie mich bitte kurz.

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