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Tag: Historisches

Zuletzt gesehen: groß und größer

Aufmerksame “Followers” meines Twitter-Microblogs (http://twitter.com/peterhengl) haben vermutlich bemerkt, dass sich zuletzt eine größere Zahl monumentaler Langfilme vor meine Augen gesetzt hat. Naja, genauer gesagt waren es drei. Ben Hur (1959), Die zehn Gebote (1956) und Lawrence von Arabien (1962). Wie fast alles, das ich mir im Moment ansehe, habe ich die Filme aus meinem wahrlich riesigen Stapel noch ungesehener Kauf-DVDs herausgefischt und die Gelegenheit der Sommerferien genützt, um die jeweils 4-stündige Laufzeit ohne Kollision mit der Uni genießen zu können.

Und genießen muss man diese Filme wirklich: vier Stunden ziehen den Zuseher echt mehr in den Film hinein als zwei. Noch dazu, wenn man bei jedem der Filme auch noch eine Overtüre, Intermission und (ausser bei Lawrence) ein Entr’acte genießen darf. Großartig! Das war noch monumentale Kinokultur! Das ist was anderes, als wenn der Kinobetreiber glaubt, er muss bei Transformers 2 bei popeligen 150 Minuten zwischendrin mal auf die Pausentaste der Digitalprojektion drücken, um mehr Popcorn zu verkaufen…

Zu Lawrence von Arabien hab’ ich schon mal vor geraumer Zeit ein Review hier auf’m Blog geschrieben – was heißt, vor geraumer Zeit – vor drei verdammten Jahren! So lange gibt’s diese tolle Internetpräsenz hier schon! Das Review kann man ziemlich vergessen, da hatte ich es offensichtlich noch nicht so drauf. Also auf ein Neues.

Lawrence von Arabien ist ein epischer Film, und zwar im wortwörtlichsten Sinne: hier geht es nicht nur um große Bilder, sondern um große Inhalte – T.E. Lawrence, ein recht außergewöhnlicher britischer Offizier, kämpft mit sich selbst und anderen, um zur überlebensgroßen Figur zu werden. Menschen sind hier mit 70mm doppelt so groß wie in konventionellen Filmen. Funktionieren tut das, weil die Schauspieler ganz tolle Leistungen bieten – ich empfehle jedem die originale Sprachfassung des Films, um diesen seltsamen Sprachduktus insbesondere von Peter O’Toole zu genießen. David Lean, den ich sehr verehre und dessen Filme heuer bereits im Filmmuseum waren (leider habe ich aus Stressgründen nur Doktor Schiwago gesehen), ist ein Meister, weite Totalen mit Großaufnahmen so zu kombinieren, dass die epische Größe sowohl der Figuren als auch der Handlung zum tragen kommen. Dass da nicht viel Platz für Realismus in irgendeinem Sinne ist klar. Lawrence von Arabien ist ein großer Sandkasten für Buben, ein britisch-kolonialistisches Knabenabenteuer. Kein Platz für Frauen, wie ich schon in meiner Alten Reze bemerkte – nur einmal darf für weniger als drei Sekunden eine Frauenhand durch einen Vorhang lugen.

Die Zehn Gebote hatte ich auch schon mal auf’m Blog, und zwar hier, mit einem wirklich gelungenen Review, das (wie üblich) gleichermaßen schlampig wie lustig ist. Auch hier hat mir die DVD die Möglichkeit des Genusses der englischen Sprachfassung gegeben: “olde English” vom Feinsten.

Einen regelrechten Schock hat mir die Tatsache versetzt, dass sich für Ben Hur kein altes Review aus der Filmblog-Zauberkiste hervorholen ließ – mein Bild von der Allumfassendheit filmischen Wissens in diesem tausende Rezensionen starken Kompendium meiner letzten dreieinhalb Jahre leben gerät ins Schwanken – wo ich mir doch sicher war, den Film zuletzt gerade in meiner aktivsten Reviewschreiberphase gesehen zu haben. Komisch.

Da ich jetzt aber auch keine Lust auf ein richtiges “Review” für so einen großen und großartigen Film habe, begnüge ich mich mit zwei “Fun Facts”, die mir aufgefallen sind:

Da wäre zum einen Regisseur William Wyler, der (anders als z.B. De Mille) kein klassischer Epen-Regisseur war, sondern mir wesentlich mehr geläufig ist als ein Drama-Mann (so in letzter Zeit, grob gefasst, hab’ ich z.B. die beiden Bette-Davis-Melodramen The Letter und Jezebel gesehen). Spannend, denn Ben Hur ist ja auch recht eindeutig ein (wenngleich großgeratenes) Drama. Spannend.

Schön auch der kulturelle Hintergrund um die Romanvorlage: Ben Hur ist so amerikanisch wie es nur sein kann – verfasst von einem gläubigen Bürgerkriegsgeneral, zugleich eine Mischung aus historisiertem Roman und vulgärer Abenteuergeschichte (vgl. Wikipedia). Ein Schmelztiegel also, zugleich auch eine Was-wäre-wenn-Geschichte, wie sie die diversen amerikanischen Vulgärmythen im Bereich Comics-SF-Fantasy-etc. nur zu oft kennen (und letztenendes ist ja auch die Bibel eine Art großer Tolkien’scher Mythos). Spannend.

Besonders nennenswert betreffend alle Filme sind die jeweiligen DVDs (denn natürlich habe ich mir die jeweils luxuriöseste DVD gegönnt, die es gibt). Warnung, die Links führen zu Amazon, der DVD-Kauf beschert mir einen bescheidenen Anteil.

Lawrence von Arabien ist tendenziell noch die schwächste DVD, mit vielen “Filmspuren” wie Kratzern aller Art und “nur” 2 DVDs (wie bei allen drei Filmen ist der Film selbst bei der Intermission auf 2 DVDs aufgeteilt). Den momentanen Amazon-Kampfpreis von 8,95€ ist er allemal wert, zumal mir das Bild recht gut vorgekommen ist.

Die zehn Gebote ist mit drei Disks schon etwas besser ausgestattet – Gustostück des Bonusmaterials ist die Stummfilmfassung (übrigens ebenfalls von De Mille).

Ben Hur hat aber eindeutig die tollste DVD abbekommen, bzw. deren vier (zwei für den Film, eine für den Stummfilm, und noch mal eine für Bonus). Hach, wie ich diese herrlichen Warner-DVDs aus dem Mutterland liebe, wo jeder Käse super Restaurierung und Bonusmaterial abbekommt, erst recht ein Ben Hur. Schön, wenn diese DVDs es dann auch unverändert in den deutschen Sprachraum schaffen, anstatt dass die deutsche Tochter aus irgendwelchen Uralt-Turner-Fernsehmastern einen “Endlich auf DVD”-Schrott fabriziert. Die momentanen 25€ Kaufpreis sind eigentlich mehr als angemessen, ich hab’ das Ding für einen Zehner abgestaubt.

PS: geht irgendjemandem mein penetrantes “Ich will Kohle”-Amazon-Gelinke auf den Geist?

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Gestern gesehen: durch die Zeit

Tilda Swinton als Orlando (1992), Virginia Woolfs die Jahrhunderte überdauernde, geschlechtlich nicht so festgelegte Heldenfigur.

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Vorgestern gesehen: Münchhausen oder nicht

Ich hab’ ja bereits darüber gebloggt, dass ich momentan versuche, jeden Freitag einen All-Night-Long-Filmabend mit Kumpels hier in Wien zu halten. Vorgestern war die dritte Instanz dieser Unternehmung, beziehungsweise die erste mit einer besonderen Neuerung: in Anlehnung an einen Bekannten aus Tirol, der dort ähnliches betreibt, hab’ ich ein (sehr kompaktes) Online-System gebastelt, mit dem die Filmabend-Regulars Filmabend-Themen vorschlagen und dann darüber abstimmen können, welches Thema beim nächsten Abend gezeigt wird. Monothematische Filmabende schienen mir reizvoller, aber das Schöne an dem ganzen Organisations-Dingsbumms ist, dass man es dann natürlich herrlich ignorieren kann und sich stattdessen nach der momentanen Stimmung richtet. Und so war nur der erste der Filme wirklich aus dem Dunstkreis des Wortes “Lügenbaron”.

Münchhausen (1943) war es also, der einzige Film, der interessant genug war, dass alle ihn sehen wollten. Ich hab’ bereits einen recht soliden Blogeintrag über den Film geschrieben – nachzulesen hier. Anzumerken bleibt nur, dass es in meinem Umfeld bemerkenswert viele Leute gab (darunter die Freundin) die den Freiherrn nicht oder nicht ausreichend kannten.

Danach gab’s wieder jede Menge selbstgemachtes von verschiedenen Filmabend-Besuchern (darunter diesen da, den ich der Leserschaft nicht vorenthalten will).

Danach war’s schon recht spät, und keiner hatte mehr so recht Lust auf den Münchhausen vom Gilliam (der mein zweiter Filmvorschlag zum Thema gewesen wäre). Stattdessen entschieden wir uns relativ einstimmig für einen der besten Filme des Universums von Mister Universum. Herkules in New York (1970) hieß der Streifen, der auch hier auf’m Blog schon quasi komplett behandelt und durchbesprochen wurde und der vorgestern zwischen eins und drei quasi komplett belacht und (in den Dialogen) mitgesprochen wurde.

Und auch Praxis Doktor Hasenbein (1997), der vermutlich einzige Film, der anschließend und um diese Uhrzeit noch ansehbar war, hat die Ehre, dass über ihn hier auf’m Blog bereits alles Notwendige gesagt wurde.

So weit, so gut. Nächsten Filmabend gibt’s vermutlich Filme zum Thema “Die russische Seele”. Mal sehen, ob wir’s dann schaffen, ein bisschen beim Thema zu bleiben. Oder nicht. Egal.

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Gestern gesehen: Taras Bulba

Der SWR zeigt zu Zeit eine sonntägliche Yul-Brynner-Reihe, und ich habe bei einem Blick in die IMDb gesehen, was für einen Löwenanteil von Brynners Schaffen ich bereits kenne. Neu war mir aber Taras Bulba (1962), in dem die Glatze zwar die Titel- aber nicht die Hauptrolle spielt.

Brynner gibt den Kosakenkommandanten Taras Bulba, der im Clinch mit den Polen liegt, und später auch mit seinem Sohn. Bulba schickt seine Söhne nämlich in Polen auf die Uni, nicht der dämlichen 16.-Jahrhundert-Uni-Uniform wegen, sondern, damit sie quasi die Gepflogenheiten des Feindes lernen. Sohn Nummer eins, Tony Curtis, verliebt sich allerdings Hals über Kopf in eine junge Polin, was ihm in der finalen Schlacht noch einiges an Problemen bringen wird.

Der Film ist eines von diesen herrlichen Panavision-Widescreen-Farbfilm-Spektakeln, bei denen jegliche Deutung politischer Natur (mit Polen, Bulgaren, Ukrainern und Türken) relativ irrelevant ist und zugunsten des puren Spektakels vernachlässigt wird. Ein Siebzig-Millimeter-Spaß voller Faustkämpfe, wilder Kosakenritte und toller Landschaftsaufnahmen - es überrascht nur die passagenweise ziemlich ausgeprägte Grausamkeit, von der man sich fragt, wie das Ding durch den Hays-Code gekommen ist.

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Gestern gesehen: Meisterwerke der Filmgeschichte

Meisterwerk 1: Die Passion der Jeanne d’Arc (1928). Carl Theodor Dreyers großer, großer Klassiker, auch hier zu finden (Platz 16). Herrlich theatralisch, mit einer grandiosen Maria Falconetti als Jeanne, in jeder Szene in Drama-Pose, inklusive Augenlichterglanz. Die bösen Klerikalen als karikistische Fratzen, Dreyer-typisch jede Menge Christentum. Unglaublich!

Meisterwerk 2: L’Âge d’Or (1930) vom hochgeschätzten Luis Buñuel, genossen im großartigen österreichischen Filmmuseum. Es passt, dass das BFI den Film auf DVD mit dem Hund gekoppelt veröffentlicht – eine stilistische Ähnlichkeit ist unverkennbar. Filmking bevorzugt zwar die späteren Buñuels, nixdestotrotz liebt er auch dessen frühe, herrlich anarchische Werke.

Meisterwerk 3: Nur die Sonne war Zeuge (1960), die erste Filmadaption um die Geschichte eines gewissen Herrn Ripley, der in seinen Kreisen als recht talentiert gehandelt wird. Alain Delon > Matt Damon, um eine kürzestmögliche Zusammenfassung zu liefern, dennoch haben beide Verfilmungen eine Daseinsberechtigung: wo Nur die Sonne quasi authentisch in der (damaligen) Gegenwart spielt, verlegt Ripley die Geschichte in die Vergangenheit. Grandios.

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Vor drei Tagen: sechsfach-Filmabend

Dunkel erinnert er sich vielleicht noch, der geneigte Leser, daran, dass der Filmking Ende November mal mit ein paar Leuten von der Uni Filmabend hielt. Gestern gab’s eine Fortsetzung, im Umfang etwas heftiger als das letzte Mal. Witzigerweise aber nicht in der Dauer, denn alle sechs besehenen Filme fielen recht kurz aus. Und witzigerweise hat der Filmking himself einen Großteil des Programms gestemmt (obwohl er es gar nicht gewesen war, der eingeladen hatte), wodurch die Summe der Filme, die der Filmking noch nicht kannte, sich auf “1″ belief. Und praktischerweise hatte der Filmking die meisten Filme auch schon mal auf’m Blog, wodurch er sich jetzt viel Schreibarbeit spart.

Film #1: Freaks – Missgestaltete (1932) von Tod Browning. Sehr gut – ich hab’ bereits ein Review geschrieben, und zwar eines, mit dem ich echt zufrieden bin. Brauch ich ga nix mehr zu sagen.

Film #2: Pulp – Malta sehen und sterben (1972) hat noch kein echtes Review spendiert bekommen, war aber schon in einem Zweizeiler auf’m Blog vertreten – damals, als ich gerade erst begonnen hatte, längere Reviews zu schreiben.

Aaalso: Pulp ist für mich eine dieser kleinen Perlen, die besser werden, je öfter man sie sieht. Obwohl ich den Film erst seit gerade mal popeligen zwei Jahren kenne, kann ich bereits verblüffend viele Dialogzeilen auswendig – mein persönlicher Favorit: “Blut spritzte wie Wasser aus einem geborstenen Rohr.”

Pulp ist so ein Film, der auf zwei Ebenen funktioniert: zum einen ist er eine recht gelungene Komödie, mit allerlei herzigen Witzchen, gruppiert rund um den Schundromanschreiber Mickey King (Michael Caine) und seinen Auftrag, als Ghostwriter eine Autobiographie des früheren Gangsterdarstellers Preston Gilbert (Mickey Rooney) zu verfassen, was sich angesichts diverser Mordversuche als nicht so ganz einfach herausstellt.

Zum anderen ist er aber eben aus der Perspektive von Mickey King erzählt – und der ist es aus seinem schriftstellerischen Milieu heraus gewöhnt, in krummen Metaphern und halbrichtig angewandten Sprichworten zu erzählen, im verzweifelten Versuch, cool zu sein - der letzten Endes aber nur in einer gewissen Armseligkeit endet. Mickey King, eine Art Ritter der traurigen Gestalt, in seinem eigenwillig modischen Outfit, keine echte Leistung erbringend, keinen echten Kriminalfall lösend. Besonderes Kudos ergeht an die Schöpfer der deutschen Synchronfassung, die es in der Tat schafft, die Stimmung des Originals perfekt und fehlerfrei wiederzugeben. Ein großartiger kleiner Film.

Film #3: 1. April 2000 (1952) – ein Film, den ich in einem früheren, wirklich sehr gelungenen Review als meinen liebsten österreichischen Film deklariert habe. Altes Review lesen, das ist echt gut.

Film #4: A Hole in My Heart (2004) von Lukas Moodysson, der einzige Film des Abends, den ich noch nicht kannte. Von Moodysson kannte ich bisher zwei Filme (Tilsammans, den ich hier reviewt habe, und Lilja 4-ever, den ich seinerzeit ziemlich klischeehaft, aber doch passabel fand), weshalb Hole durchaus ein bisschen auf meinem Radar war. Ausserdem erschien der Film bei uns in der insgesamt ansehenswerten DVD-Reihe “Kino Kontrovers”.

Wenn ich ein Wort finden müsste, das den Film beschreiben soll, so wäre es wohl “entsetzlich”. Ein langweiliger, uninspirierter Film, der mit Wackelcam-Ästhetik und (relativ harmlosen) Schockeffekten verzweifelt um Aufmerksamkeit heischt, dabei aber völlig an seiner eigenen Substanzlosigkeit scheitert. In seiner Sozialpornösität und stilistischen Big-Brother-Bezügen zutiefst unsympathisch, letztenendes aber viel zu uninteressant, um sich darüber aufzuregen. Das filmische Äquivalent eines Emo-Kiddies.

Film #5: Schulmädchen-Report (1970): erstaunlicherweise haben wir irgendwie nur Filme geguckt, zu denen ich schon richtig gute, lange Reviews geschrieben habe.

Film #6: Die Delegation (1970) – endlich: zu einem Zeitpunkt, zu dem eigentlich niemand mehr so richtig munter war, diesen faszinierenden, ungewöhnlichen deutschen TV-Film, der aber doch ein kleines bisschen anstrengend ist. Das Ding hab’ ich vor Jahren mal auf Arte entdeckt, und angenehmerweise hat EuroVideo den auf DVD herausgebracht, auch wenn es scheint, als hätte man für die DVD den Original-Vor- und Abspann aus irgendwelchen Gründen durch so einen Selbstgebauten ersetzt. Von der Arte-Ausstrahlung hatte ich nämlich so etwas mit einem Fernschreiber in Erinnerung.

Egal. Die Delegation, von Regisseur Rainer Erler (mit dem ich mich dringend noch genauer auseinandersetzen sollte) stellt wohl so etwas wie ein Unikum dar: eine Mockumentary über eine angebliche UFO-Landung, dokumentiert von einem deutschen Reporter (Walter Kohut), der mit Kamera und Tonband bewaffnet nach anfänglicher Skeptik bald den UFOs nach Kanada, Washington und Chile nachreist – und schließlich stirbt. Der Film ist dabei im Stile einer TV-Sendung gehalten, die die übriggebliebenen Materialien des Reporters aufarbeitet. Anno ’70 war die Verwirrung groß, das ZDF musste reihenweise irritierte Anrufer abwimmeln, die das Gebotene für authentisch hielten.

Und Die Delegation siegt in allen Belangen: Kohut, der quasi einzige Schauspieler des Films, trägt ihn mit leichter Eleganz, stilistisch ist der Film so vielseitig, wie er nur sein kann (und wie es das angebliche Ausgangsmaterial verlangt), inhaltlich ist er verhältnismäßig gut gealtert, wirkt nur selten naiv-charmant (obwohl seine Wurzeln in dieser ganzen UFO-New-Age-Eso-Schiene schon recht stark spürbar sind). Eine großartige kleine Perle, ebenfalls am Rande der Vergessenheit. Must see.

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25./26.: auf DVD

Doofes Weihnachten – meine Besucherzahlen sinken in den Keller, und Zeit für neuen Content hab’ ich auch nicht. Bäh. Dafür hab’ ich mich ausnahmsweise entschlossen, die letzten drei Tage nicht nach Tagen, sondern nach Themen getrennt zu reviewen. Weil’s sich so anbietet.

Weihnachten zu Hause, das  heißt, man sieht mal wieder gemeinsam mit der Familie fern. Der Herr Papa hat einiges an DVDs bekommen, zwei davon wurden gemütlich in der Gruppe konsumiert. Der gemeinsam genossene Film am Christtag war Blood Diamond, den ich heuer im Frühjahr schon im Kino gesehen habe – und bei Betrachtung meines alten Reviews ist es doch ganz interessant, noch ein paar Nachgedanken dranzuhängen.

Im alten Review habe ich mich ziemlich auf das Ende fixiert, und dessen apologistisch-zynische Art – und wenn mich jemand im letzten halben Jahr nach dem Film gefragt hat, habe ich meistens die relative Stärke des Films im Vergleich zum schwachen Ende hervorgehoben. Jetzt, beim zweiten Ansehen, kommt mir der Film gar nicht mehr so stark vor; vielmehr musste ich einige allzu hollywoodistischen Elemente beobachten, die mir diesmal während des Films unangenehm aufgefallen sind.

So wirkt die Handlung, als habe sie ein besonders schlechter Schüler von Syd Field erdacht: die dramaturgischen Konventionen Hollywoods werden auf Punkt und Beistrich eingehalten, dass es wehtut: Danny Archer und Maddy Bowen leiden nicht nur an ihren einsilbig-unoriginellen Namen, sondern auch an einer Charakterisierung der Marke 08/15 – der Waffenhändler, der sich nach dem nächsten großen Ding zurückziehen will, dabei sein Herz aus Gold entdeckt und schließlich lernt, andere Dinge höher zu schätzen – ach nee.

Nichtsdestotrotz kann die brisante, düstere und größtenteils schonungslos inszenierte Thematik dann doch die Schwächen des Films überstrahlen und ihn zu einem sehenswerten Erlebnis machen. Naja, bis auf das Ende, das ist nach wie vor… naja, schweigen wir besser darüber.

Am 26.12. a.k.a. Stefanitag, wie man in unseren Breiten sagt, dann ein Film, den ich ohnehin gerne sehen wollte. Der Leser mag mir vorwerfen, dass meinem Vater einen Film zu schenken, der selbst noch auf meiner Muss-sehen-Liste stand moralisch etwas zweifelhaft wirkt – aber andererseits sähe ich mich nicht in der Lage, Filme zu verschenken, die mir selbst nicht gefallen haben oder würden. Was Filmeschenken oft sehr schwierig macht.

Egal, zurück zum Thema: Die Fälscher ist ja durchaus in Österreichs Presse gewesen, ein Film, der so gut gefallen hat, dass er für die Auslandsoscars eingereicht wurde. Und auf Regisseur Stefan Ruzowizky hab’ ich so etwas wie einen Vorbild-Crush, seit er bei uns an der Uni gesprochen hat – obwohl mich seine Filmographie eigentlich nicht so aus den Socken haut.

Deutschland, die ach so filmtauglichen Vierziger Jahre: der Geldfälscher Salomon Sorowitsch (Karl Markovics) wird von Auschwitz nach Sachsenhausen verlegt – dort haben die Nazis begonnen, KZ-Häftlinge mit graphischer Begabung in einer Spezialbaracke zu versammeln, die Währung der alliierten Mächte soll im großen Maße reproduziert werden. Nicht nur, um den Feind zu schwächen, sondern auch, um die für den Krieg dringend benötigten Ressourcen von ausserhalb einzukaufen. Während der politische Mithäftling Adolf Burger seine Chance sieht, den Kriegsverlauf zu beeinflussen, hat der opportunistische Sorowitsch anfangs kaum Ambitionen, die über den Erhalt seines eigenen Lebens hinausgehen.

Ein starkes Personendrama vor historisch akkurater Kulisse mit starken Akteuren: Markovics und Diehl tragen den Film, unterstützt von Devid Striesow, der als Obernazi ebenfalls eine gute Figur macht. Die Oscarnominierung leuchtet ein, ist die Fälscher vom Stil her doch recht amerikanisch bzw. Oscar-kompatibel – was aber kein Vorwurf sein soll. Die Fälscher, ein gelungener Film, wenngleich er angesichts der Schwemme an Filmen mit Nazi-Thematik ein wenig untergehen mag.

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Gestern gesehen: Hynkel!

Ach, bei diesen ganz, ganz großen Filmklassikern tu ich mich immer so unheimlich schwer – ich meine die, die jeder kennt, deren Ikonik in die Geschichte des Films, ja sogar der Kunst allgemein eingegangen ist. Erstens, weil irgendwie schon alles gesagt wurde, und zweitens natürlich auch aus Respekt. Chaplins Der große Diktator (1940) ist so ein Film.

Aber ehrlich: was soll ich schreiben? Soll ich eine Laudatio auf die grandiose Globus-Szene verfassen? Mich über Chaplins grandioses Fake-Deutsch (inklusive Wienerschnitzel und Schtonk) amüsieren? Die politische Brisanz während der Dreharbeiten betonen? Die inhaltliche Naivität unterstreichen? Eine der endlosen “Darf man über Nazis lachen?”-Diskussionen führen? (Die Antwort lautet ja.) IMDb-Trivia abschreiben, wie oft Chaplin gezwinkert hat etwa? Ich weiß nicht.

Aber ich kann sagen: ich mag den Film.

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Gest…Sonntag: Volle Kanne, Hoschi

[Ich muss mal wieder ein bisschen aufholen. Sorry, liebe Leserschaft, ich bin im Verzug.]

Das letzte Mal, als ich eine Kult-Jugendkomödie der Achziger, die mir noch unbekannt war, nachgeholt habe, hat mich Wayne’s World restlos begeistert. (Und, ja, Korinthenkacker, mir ist bewusst, dass der von ’92 ist.) Entsprechend war ich gespannt, was der Synchro-Phrasen-prägende Bill und Teds verrückte Reise durch die Zeit (1989) zu bieten hätte.

Meh. Ok, die Synchro-Sprüche sind in der Tat verdientermaßen erdbeerstarker Kult, aber sonst tut sich die gähnende Leere eines allzu klischeehaft-vorhersehbar-langweiligen Films auf, dessen hintergründiger Meta-Humor viel zu selten wirklich funktioniert. Und so mag der Film zwar den einen oder anderen voll cremigen Moment beinhalten, insgesamt ist er aber eher so-so-la-la. Ich denke ich bleibe, was zeitreisende Telefonzellen angeht, lieber beim Briten-Doktor. Bunt ist das Leben und granatenstark. Volle Kanne, Hoschi.

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Vorgestern gesehen: aus dem Reich der Mitte

Die rote Laterne (1991) von Zhang Yimou wollte ich schon geraume Weile sehen; sein ähnlich früher Film Leben! hat mir seinerzeit gut gefallen, auch wenn ich die im Westen gut bekannten Hero und House of Flying Daggers eher So-so fand (dafür war Der Fluch der goldenen Blume retrospektiv gesehen irgendwie geil).

Mit der Laterne ist Zhang ein Spitzenfilm geglückt: die Geschichte der vierten Ehefrau eines reichen Chinesen, die anfangs in den Intrigen der anderen drei gefangen ist, bald jedoch ihre eigenen Giftzähne entdeckt, ist düster, dicht und atmosphärisch. Ein Film, in dem Zhang Yimou alle seine Stärken zeigt.

Fist of Legend (1994) – strenggenommen gehörte Hongkong damals zwar noch nicht zu China, aber lassen wir die Haarspalterei. Fist of Legend ist das Remake von Bruce Lees Fist of Fury (a.k.a. Todesgrüße aus Shanghai) , mit Jet Li in der früheren Rolle von Bruce Lee.

Angenehmerweise habe ich bereits ein Review zum Original online und verweise hiermit darauf. Der wesentliche Unterschied zum Original besteht darin, dass das Remake keinen ganz so derben Rassismus propagiert, sondern durchaus zwischen guten (zivilen) und bösen (Militär-)Japanern unterscheidet. Rundherum gibt’s eine recht wirre Handlung. Stilistisch ist der Film extremst Old-Schooliges Hongkong-Kino, was aber durchaus charmant ist. Einen Blick wert.

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