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Tag: Insel

Fernsehtipps, Ausgabe 35/08

SAMSTAG

Twelve Monkeys (22.25, ARD) – Bruce Willis als zeitreisender Sträfling auf Weltrettungsmission in Terry Gilliams schräger Science-Fiction-Dystopie.

Die Flucht von Alcatraz (00.35, Kabel 1) – das berühmte Inselgefängnis kann einen Clint Eastwood nicht aufhalten.

Die Wildgänse kommen (03.25, ZDF) – Kriegs-Actionfilm der “Dreckiges Duzend”-Bauweise, der durch seinen besonders zynischen Ton hervorsticht.

SONNTAG

Unternehmen Feuergürtel (18.10, Das Vierte) – ich mag alte Spezialeffekt-Streifen.

X-Men 2 (20.15, RTL) – mittlerweile ist es ja ein etabliertes Paradigma, dass der zweite Teil von Superheldenverfilmungen der Beste ist.

The Doors (20.40, arte) – Oliver Stones Betrachtung der gleichnamigen Band.

DIENSTAG

About Schmidt (20.15, Kabel 1) – Tragikomödie von Alexander Payne, mit brilliantem Jack Nicholson.

Im Westen nichts Neues (00.30, NDR) – genialer Antikriegsfilm von 1930 (!).

MITTWOCH

Die Fliege [1958] (20.15, Das Vierte) – darum merke: den Teleporter immer schön sauber halten.

Alarmstufe: Rot (00.20, ORF 1) – Steven Seagals vermutlich ansehbarster Film.

DONNERSTAG

Ein (un)möglicher Härtefall (20.15, VOX) – ich verstehe einfach nicht, warum dieser Coen-Film so viel geschasst wird.

Der Unbeugsame (20.15, Das Vierte) – Paul Newman war so unfassbar cool.

FREITAG

Die letzte Metro (22.25, 3sat) – Truffauts Geschichte eines jüdischen Theaterbetreibers, der von seiner Frau im Keller versteckt wird.

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Was ich mir diese Woche so angesehen habe

Ich sollte versuchen, bloggen wieder in meinem Tagesablauf unterzubekommen, damit die “Gestern gesehen”-Kategorie endlich wieder ihren Namen verdient – stattdessen beschränke ich mich heute mal auf eine kurze Rückschau, in der ich die Highlights der Woche zusammenfasse.

Das Wiener Stadtkino beehrte uns in den letzten zwei Wochen mit einem besonderen Gustostückerl: Christoph Schlingensiefs 1986er-Film Menu Total wurde gezeigt. Das Podiumsgespräch mit dem Künstler (der übrigens seit Kurzem nur noch einen Lungenflügel hat) am 3.10. habe ich leider versäumt, aber den Film ließ ich mir nicht nehmen. Ich war recht erstaunt, da ich vom Frühwerk Schlingensiefs noch nichts kannte. Der Film lässt sich am besten als eine Mischung aus dem frühen Buñuel, dem frühen Lynch und Helge Schneider beschreiben – Letzteres vor allem deswegen, weil der damals blutjunge Fitze-Fatze-Helge nicht nur die Hauptrolle und die Rolle des Adolf H. gibt, sondern auch die Musik beigesteuert hat – einen sanften Jazz, der dem seiner eigenen Filme nicht unähnlich ist. Insgesamt ein wahnsinnig beeindruckendes Werk, vor allem, wenn man bedenkt, dass es aus der Feder eines 26-Jährigen stammt. Ich muss mich dringend näher mit Schlingensiefs Filmschaffen auseinandersetzen.

Beziehungsweise: das habe ich dann auch gleich getan. Ebenfalls diese Woche habe ich mir dann noch Schlingensiefs nächsten, ebenfalls 1986 entstandenen Film Egomania – Insel ohne Hoffnung angsehen. Der Film lief vor Ewigkeiten mal in artes Trash-Reihe – und ganz ehrlich: in die Schiene passt er auch ganz gut. Denn wenn ein hemmungslos overactender Udo Kier im Dracula-Cape durch Kenneth-Anger-artige Farb-Alpträume samt passender Weichspülmusik torkelt und Derek Jarmans Chefmuse Tilda Swinton verführt (oder so, der Film ist für Interpretationen recht offen), dann hat Schlingensief offensichtlich größte Gaudi, die ohnehin nur noch vagen Grenzen zwischen Art und Abfall weiter zu verwischen. Klasse. Notiz: Kiers Figur heißt laut IMDb “Baron Tante Teufel” – ich glaube, so nenn’ ich meinen Erstgeborenen.

Bleiben wir bei Udo Kier: die Kumpels haben mir ja schon vor längerer Zeit zum Geburtstag einen Stapel DVDs aus der Edition der Standard geschenkt, und ein Film, der mich schon seit Längerem gereizt hat, ist Schamlos (1968) von einem gewissen Eddy Saller, der auf dem DVD-Umschlag als der “österreichische Russ Meyer” bezeichnet wird. Und tatsächlich entpuppt sich Saller als ein heimischer Meister des Sleaze: ganz old-School-Exploitation-mäßig wird erklärt, dass der nachfolgend geschilderte authentische Kriminalfall mit echten Mitgliedern der Wiener Unterwelt als Schauspielern inszeniert worden sei, natürlich nur der Akkuratheit wegen. Der Vergleich mit Russ Meyer zieht allerdings nur bedingt, denn zwar hat Hauptdarstellerin Marina Pool mächtig Holz vor der Hütte und auch keine Scheu, dieses regelmäßig vorzuführen, aber das ist nie so sehr der Mittelpunkt des Films wie bei Meyer. Stattdessen findet sich dort eine mitunter eher banale und in der Auflösung recht vorhersehbare Krimigeschichte, deren 20-jähriger krimineller Hauptakteur niemand anderes als der eingangs schon genannte Trashbaron Kier ist.

Und bleiben wir bei der österreichischen-Film-Edition: zur bestandenen Filmakademie-Aufnahme haben mir die Kumpels wieder einen Film der Reihe geschenkt, und zwar Raffl (1984). Eine gute Wahl, denn der Regisseur, Kameramann und Mit-Autor des Films Christian Berger unterrichtet mich jetzt im Fach Kamera. Im Film geht es um den Mann, der laut Legende/Historie den großen Tiroler Volkshelden Andreas Hofer an die elenden Bayern verriet. Für den Filmking war es gleich eingangs eine nette Feststellung, dass nicht nur Christian Berger einer von uns ist, sondern auch Dietmar “Cliff Allister McLane” Schönherr, der im Film einen Priester spielt. Stilistisch erinnert der Film stark an Arbeiten von Werner Herzog oder Volker Schlöndorff (aber vielleicht kommt mir das auch nur wegen der Maultrommel im Soundtrack so vor), besonders hervorhebenswert sind die schönen Bilder des größtenteils winterlichen Tirols.

Und sonst noch: Arielle, die Meerjungfrau und Hudsucker – der große Sprung: beides gemeinsam mit der Freundin, die letzteren, obwohl sie großer Coen-Fan ist, noch nicht gesehen hatte.

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Vor-Vorige Woche (3): Freitagsfilmabend “Russland”

Hallo. Für den Fall, dass Sie mich schon vergessen hatten: ich bin der lustige Filmblogger aus Österreich. Die Internetverhältnisse in dieser Bananenrepublik und der diverse anderweitige Stress zwangen mich, zuletzt etwas seltener hier aufzutauchen. Entsprechend hoch ist inzwischen der Stapel mit Zeug, das noch zu reviewen ist. Ugh.

Gleich als erstes auf dem Reviewstack findet sich ein besonders schöner Abend: es war mal wieder Freitag(sfilmabend), und wer sich noch erinnern kann weiß, dass wir neuerdings versuchen, Themen für die jeweiligen Abende vorzugeben. Das Thema diesmal hat die Freundin ausgesucht: “Die russische Seele” – und ich möchte sagen, dass das möglicherweise einer der erfolgreichsten Filmabende bis dato war.

Das Märchen vom Zaren Saltan (1966) ist eine dieser grenzpsychedelischen, herrlich bunten Märchenverfilmungen, die der Osten zu Hammer-und-Sichel-Zeiten so herrlich machen konnte. In wunderbar kreativer, fast Fellini-esker Ausstattung wird Pushkins Geschichte vom titulären Zaren erzählt, der irrtümlich seine Frau und seinen rapide wachsenden Sohn in ein Fässchen steckt und sie ins Meer wirft, um sie so zu töten. Er hat jedoch die Rechnung ohne das Gesetz des Auftriebs gemacht, und so landen die Zarin und der eben noch infantile, jetzt schon adoleszente Prinz auf einer magischen Insel, deren Stadt durch magische Goldnüsschen mit Diamantkern reich ist, die von 33 riesigen Meereskriegern bewacht wird, und deren Schwanenprinzessin sofort Interesse am jungen Prinzen zeigt. Und das Beste: die haben auch noch ein singendes Eichhörnchen! Anders als die eher erbärmliche deutsche DVD (Vollbild, kein O-Ton) hat die aus der hiesigen Spezialitätenvideothek ausgeliehene englische, vermutlich mit dieser russischen DVD baugleiche Scheibe nicht nur Tonspuren in mehreren Sprachen [leider kein Deutsch], sondern auch duzende Untertitel [auch mitunter vertippfehlertes Deutsch] und ein zwar nicht großartiges, aber zumindest originalformatiges, recht schönes Bild. Und die klangvollen Pushkinverse sollte man ohnehin im Original hören.

Danach erlebten wir Das Ende von St. Petersburg (1927) mit, und zwar aus dem Blickwinkel eines der großen sowjetischen Montagemeister, Vsevolod Pudovkin, der zum zehnjährigen Jubiläum einen Blick auf die Oktoberrevolution warf. Die Montage ist indeed großartig, genau wie der ganze Film, wenngleich ich verdientermaßen ein paar böse Blicke von der Freundin bekam: ausgerechnet der Filmking himself, großer Shh-Meister im Kino, erlaubte sich, über einen längeren Teil des Films hinweg mit anderen Filmabendlern zu plaudern. Da half auch keine Argumentation über die üblichen Sprechgepflogenheiten im Kino zu Stummfilmzeiten. Und den Neugierigen sei noch gesagt, dass sich der Titel nicht etwa auf eine Zerstörung der Stadt bezieht, sondern auf eine Umbenennung. Tipp: ohne diese Umbenennung gäb’s wohl diese lustige Band mit den spitzen Frisuren und Schuhen nicht.

Dann ein Lieblingsfilm der Freundin: Die Brüder Karamasow (1958), eine Verfilmung, die mein Lieblings-Dostoyewski-Fan vor allem aufgrund der Werkstreue schätzt. Ich sollte an dieser Stelle eigentlich auf die etwas ältere Rezension verweisen, die ich zu dem Film geschrieben habe – aber ich vermute, die Freundin weiß den Blödelstil nicht zu schätzen, in dem ich ein wenig über die Besetzung hergezogen bin. Und in der Tat wird die alte Reze dem Film nicht gerecht, denn, so scheints, er ist einfach einer von denen, die bei mehrfachem Sehen jedes Mal ein bisschen wachsen. Regisseur Richard Brooks war mir auch nicht unmittelbar ein Begriff, ein Blick in die IMDb ließ mich jedoch erkennen, dass der neben diesem hier noch ein paar sehr sehenswerte Filme gemacht hat: Die Katze auf dem heißen Blechdach etwa, Crisis oder der vor relativ kurzer Zeit gesehene 700 Meilen westwärts. Durchaus achtbar, durchaus achtbar.

Und schließlich: es ist vier Uhr früh, alle sind total K.O., welcher populäre russische Filmemacher eignet sich da besonders, um die Stimmung wieder etwas aufzulockern? Richtig, das wäre dann ganz eindeutig Andrei Tarkovsky. Endlich einmal bot sich mir die Möglichkeit, Stalker (1979) zu sehen, Tarks episch-philosophischen Science-Fiction-Film, dessen Special Effects sich ausschließlich im Kopf des Zusehers abspielen. Handlung: in einer mutmaßlich durch einen kosmischen Körper entstandenen geheimnisvollen “Zone” mit gänzlich eigenen Spielregeln soll der tituläre Stalker einen Schriftsteller und einen Wissenschaftler zu einem Zimmer führen, das möglicherweise Wünsche erfüllt. Auf dem Weg dorthin traumtanzt man durch wunderschöne und zugleich fremdartige Landschaften und philosophiert über Themen, zu denen zwischen vier und halb sieben nur noch die wenigsten in der Lage waren, klare Gedanken zu fassen. Dennoch, ein grandioser, einmaliger Film.

Rock’n'Roll, Baby, Yeah!

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Gestern gesehen: Hayao Miyazaki und Carol Reed

Eigentlich hatte ich gerade einen relativ langen Blogeintrag über das deutsche Krimi-Urgestein Der Alte (den ich besser fand als ich ihn in Erinnerung hatte) den Anime-Regisseur Hayao Miyazaki (den ich recht gerne mag) und seinen Film Das wandelnde Schloss (2004) sowie die Zusammenarbeit Carol Reed – Graham Greene Unser Mann in Havanna (1959) (deren bekannteste Zusammenarbeit gerade erst auf’m Blog war) geschrieben, aber leider leider leider hat ein Browser-Absturz den Eintrag gefressen, und nicht mal des Wordpress’ Autosave konnte ihn retten. Und weil ich keinerlei Zeit und Energie aufbringen möchte, den ganzen Text nochmal runterzuleiern, gibt’s leider nur den US-Trailer zum Miyazaki.

[youtube Fw6mAR3JR7U]

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Gestern gesehen: Drama im zweiten Weltkrieg

Ah, der zweite Weltkrieg: nicht nur ein gewaltiges, weltumspannendes Gemetzel, sondern auch ein nimmerendender Quell von Geschichten für Hollywood. Hier zwei davon:

Die vier apokalyptischen Reiter (1962): Argentinien, kurz vor dem zweiten Weltkrieg: der Patriarch stirbt entsetzt ob der Feststellung, dass der deutsche Zweig seiner Nachfahren Patrioten und Anhänger des “schnurrbärtigen Anstreichers” geworden sind. Einige Jahre später: der französische Familienzweig genießt die Protektion der neutralen argentinischen Pässe. Sohn Julio (Glenn Ford) findet sich bald zwischen den Stühlen – die zunehmend schwieriger werdende, “sichere” Neutralität und Familienprotektion, oder der moralisch richtige Widerstand…

Hach, ist das immer schön, so einen Film zu entdecken: noch nie davon gehört, und stellt sich als verdammt starker, großartiger Film heraus. Mit Regisseur Vincente Minelli (ja, Papa von Liza) bin ich nicht wahnsinnig vertraut (The Bad and the Beautiful fand ich stark, ebenso The Sandpiper), die vier Reiter haben mich aber ziemlich überzeugt. OK, hin und wieder gleitet er ins Pathetische ab, aber dazwischen ist der Film ein verdammt starkes Drama. Und diese bunten Dokumaterial-Zwischenschnitte sind verdammt cool.

Die Hölle sind wir (Hell in the Pacific, 1968) – ein Klassiker, den so ziemlich jeder konzeptuell kennt, und den ich schon ewig mal sehen wollte: Lee Marvin und Toshiro Mifune kämpfen auf einem abgelegenen Pazifik-Inselchen gegeneinander und miteinander ums Überleben. Wolfgang Petersen hat später den eher schwächlichen Enemy Mine darauf basiert, im Original bekommt Mifune aber zum Glück kein Kind von Marvin. Regie führte John Boorman, der mit Marvin schon beim grandiosen und hochgeschätzten Point Blank zusammenarbeitete.

Boorman scheint damals seine stärksten Sachen gemacht zu haben: Marvin gibt Gas, Mifune ist wenig überraschend superstark, der Film ist wunderschön und ohne jeden Pathos berührend. Toll! Besonderes Abschlusslob an Das Vierte, die nicht etwa das Vollbild-Master der DVD ausgestrahlt haben (sowas machen sie ja gerne), sondern ein schönes, breites Breitbild. Danke!

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Gestern gesehen: das neue…Land? Grenze?

Wenn mich etwas an der deutschen Sprache ärgert, dann, dass es kein adäquates Wort für das englische “Frontier” gibt. Leo bietet mir “Grenzland” an, aber das wird der Wortbedeutung nicht gerecht. Und so habe ich Schwierigkeiten, dem Film Justice League: The New Frontier (2008) eine passende Titelübersetzung zu geben.

Ein seltsamer Trend hat in Amerika eingesetzt: die beiden Comic-Riesen DC und Marvel Comics veröffentlichen auf eigene Faust immer mehr Direct-to-DVD-Animationsfilme, die erfolgreiche Comics als knapp spielfilmlange Dinger umsetzen. Ein solches wurde von mir reviewt, als der Blog noch kaum eine Woche alt war, das Ding war aber so schlecht, dass ich ein ganzes Jahr die Finger von diesen Direct-to-DVD-Filmchen ließ. Knapp ein Jahr später hab’ ich mir dann wieder sowas angesehen und war wieder nicht sehr beeindruckt. Ein weiteres Jahr später hab’ ich dann endlich einen gefunden, der mir gefallen hat. Also, diesen hier.

Der eine oder andere weiß es vielleicht: der Filmking hat eine Zeit lang recht intensiv Comics gelesen, was die letzten ein, zwei Jahre ein wenig eingeschafen ist, primär aus Zeitgründen. Jetzt kauft sich der ‘king so einmal im halben Jahr ein Gustostückerl und freut sich dann ganz besonders. Und eines dieser Gustostückerl waren die beiden Sammelbände von Darwyn Cookes brilliantem DC: The New Frontier, einem Comic, das von A bis Z in allen Medien gehypt wurde. Naja, sagen wir, in allen Medien, die den nicht unkomplizierten Hintergrund des Comics verstehen.

Filmkings kurze Historie amerikanischer Superheldencomics: “amerikanische Comics” ist quasi gleichbedeutend mit “Superhelden-Comics”. Das kommt daher, dass Comics und Superhelden in Amerika ungefähr gleichzeitig boomten: während des zweiten Weltkrieges, als eines der wichtigsten (Verkaufs-)Merkmale eines jeden Comics war, dass auf dem Cover buntgekleidete Supermenschen Hitler die Rübe krummschlugen. Sehr dem Zeitgeist entsprechend, kommerziell sehr erfolgreich – die Ära des zweiten Weltkrieges, der enorme Comic-Boom, wird als das “Golden Age” der Superhelden-Comics bezeichnet, das goldene Zeitalter.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde es dann relativ still, die mitunter auftretende Repression (a.k.a. Frederic Wertham M.D.) tat das ihrige dazu, dass Comics bei weitem nicht mehr der größte Schlager waren. Erst so gegen 1960 brach das “Silver Age” an: neue, frische Helden wie Spider-Man und die fantastischen Vier (Marvel) oder Neuinkarnationen alter Figuren wie Green Lantern und Flash (DC) läuteten eine neue Ära ein, die sich vor allem durch zwei Eigenschaften auszeichnete: drastisch bessere Geschichten, in denen es vermehrt um Emotionen ging, und ein erhöhter Fokus auf Science Fiction und Technik (also wieder sehr zeitgeistig). Während die erste Inkarnation der Green Lantern noch einen magischen Energiering trug, war der Ring der zweiten Inkarnation Technologie ausserirdischen Ursprungs. Allenthalben fand man speerförmige Raumschiffe, eierköpfige Ausserirdische und jede Menge kosmischer Strahlen mit den seltsamsten Wirkungen.

Und um genau dieses Silver Age geht es in Darwyn Cookes Buch: in seinen fiktionalen Fünfzigern geht es um die Zeit, die gewissermaßen unmittelbar vor dem Silver Age spielt – eine liebevolle Hommage, in der duzende erfolgreicher und weniger erfolgreicher Figuren sich durch eine verwobene Geschichte rund um einen ungewöhnlichen, aber der Silver-Age-Idee sehr entsprechenden Feind wuseln, duzende Bit Parts, der Fokus liegt dabei klar auf Figuren jenseits der obligatorischen Superman, Batman und Wonder Woman (die natürlich auch ihren Auftritt haben – Superman trägt sein Kostüm aus den Fleischer-Cartoons). Wie für fast alle guten Superhelden-Comics der letzten zwanzig, dreissig Jahre gilt: vollständiges Verständnis ist nur gegeben, wenn man sich richtig gut auskennt, bei obskureren Figuren (z.B. King Faraday) muss man schon mal recherchieren. Ein dichtes, dichtes Werk, in Cookes wundervollem Retro-Stil.

Dass ausgerechnet dieses Werk ver zeichentrickt wurde, hat mich sehr gefreut (weil’s mir ja gut gefallen hat), andererseits auch ein bisschen für Panik im Filmking-Hauptquartier gesorgt: die letzten paar Direct-to-DVDs waren eher kacke. Positive Entwarnung: Justice League – The New Frontier mag zwar nicht an die superbe Vorlage heranreichen, sehenswert ist er allemal.

So wurde die Handlung zwar vorne und hinten notgedrungenerweise verknappt, bleibt in ihrer Essenz aber erhalten. Was mir im Buch gut gefallen hat, wurde größtenteils in den Film gerettet. Dazu ein Zeichenstil, der zwar Cookes grandioser Linienführung nicht ganz gerecht wird (das ist aber verständlich, ich halte Cooke für nicht 1:1-adaptierbar), der aber eine stimmige Mischung aus aktueller Animation und Fifties-Saturday-Morning-Look bietet. Ob die Handlung für Menschen, die den Comic nicht kennen genauso absorbierend ist, dessen bin ich mir nicht ganz so sicher – für mich hat jedoch alles gepasst, und auch die Pathos-Schraube war verhältnismäßig locker eingestellt (obwohl man natürlich eine Ader für so etwas haben sollte, wenn man sich eine Direct-to-DVD-Umsetzung eines eher obskuren Comics ansieht). Der Moment, in dem der Zuseher das erste Mal den großen Feind sieht, war sogar grandios.

Insgesamt kurzweilig, solide, sehr auf ein Spartenpublikum zugeschnitten: ich bin sehr zufrieden und kann mich dem allgemeinen Kritikerlob für dieses Werk nur anschließen.

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Und alle lachen und sind froh. Das gefällt mir besonders. (Nur Batman grantelt mal wieder…)

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Gestern gesehen: neuere Science-Fiction-Kracher

Da die Freundin zur Zeit recht intensiv mit diversen Uni-Kursen und Prüfungs-Lernereien beschäftigt ist, dachte ich mir, das sei eine gute Gelegenheit, im Kino mal wieder so einen richtigen “Männer-Film” anzusehen. Ziel meines Interesses war I Am Legend, die neuerliche Adaption des gleichnamigen Science-Fiction-Romans von Richard Matheson, der zuvor bereits zweimal verfilmt worden war: im bekannteren Fall als Der Omega-Mann mit Charlton Heston, im besseren Fall als The Last Man on Earth mit Vincent Price (gerade erst gestern reviewt). Wie hält sich da Will Smith im Vergleich zu diesen Schauspiel-Legenden?

Ich würde sagen, recht gut im Verhältnis zu einem sonst sehr durchwachsenen Film. Die Geschichte vom letzten Menschen, dem einzigen Überlebenden einer Pandemie, die den Rest der Menschheit in nachtaktive Vampirzombiemonster verwandelt hat, ist überraschend intensiv und stark inszeniert, mit Smiths echt verdammt gelungener Performance im Zentrum. Worunter der Film allerdings stark leidet, ist (1) die unendlich schwache CGI, die unnötigerweise für alle Tiere und Zombies eingesetzt wurde, und die – mit Verlaub – einfach nur kacke aussieht und (2) das ziemlich schwache Ende, das ein “das war’s jetzt schon?” quasi herausfordert. Viel besser als erwartet, aber viel schlechter als möglich gewesen wäre. Zusatz-Strafpunkte für das penetranteste Product-Placement seit langem.

Und danach, thematisch passend, ein paar Science-Fiction-Blockbuster vergangener Tage. Es gibt eigentlich kaum Uninteressanteres als Blockbuster von gestern, speziell, wenn sie im Bewusstsein eh schon wieder so halb vergessen sind. Und genau in diese Liga gehört recht eindeutig Die Insel (2005), jener gerade mal zwei Jahre alte Actionkracher von Michael Bay. Damn You, Michael Bay! Ein Bekannter hat gerade erst die Theorie aufgestellt, dass Michael Bay mit der Zeit immer schlechter wird, und dieser Film belegt weitestgehend die Theorie (Transformers ist da mal aufgrund seiner kulturellen Signifikanz ausgeklammert).

Ewan McGregor und Scarlett Johansson leben in einer scheinbar postapokalyptischen Welt, in der – ganz brav nach Big-Brother-Vorbild – jeder ihrer Schritte durchs hygienisch einwandfreie Leben vorbestimmt ist. Ausweg bietet nur die Lotterie, die den Menschen eine Umsiedelung auf “die Insel” verspricht, das letzte noch erhaltene Naturparadies. Zum Glück für die beiden ist jedoch die Inszenierung des Films so plump, dass sogar der künstlich naiv gehaltene McGregor innerhalb kürzester Zeit durchblickt, dass da irgendwas nicht stimmt – eine wilde Verfolgungsjagd auf dem Highway (TM Michael Bay), ein Sturz vom Hochhaus und ein paar andere Actionfilm-Klischees der 00er später ist der Film dann äh, aus.

Was mich im Prinzip am Meisten stört, ist die lustlose Zusammengestöpseltheit des Films. Die mittlerweile schon etwas überstrapazierten Actionklischees sind mehr oder weniger lose verbunden durch eine dünne Story, die gerne klüger und relevanter wäre, als sie ist, angesiedelt in einer Welt, die irgendwie nicht so recht konsistent sein kann. Mittlerweile mag ich auch die im Moment ach so populären Ex-Alias-Scribes Roberto Orci und Alex Kurtzman-Counter nicht mehr, zumal sie sich größtenteils für totalen Käse verantwortlich zeigen. Ausgerechnet diese beiden das nächste Star Trek schreiben zu lassen, halte ich für einen tödlichen Fehler.

Und noch ein Science-Fiction-Kracher, diesmal wenigstens ein Totalflop: Michael Crichton hat, wie ich meines Wissens nach schon an anderer Stelle geschrieben habe, einen gewissen Bonus bei mir, weil seine frühen Arbeiten (wo er dann sehr oft auch Regie geführt hat) eigentlich alle ziemlich gut sind: Westworld, Coma, Der große Eisenbahnraub – schade eigentlich, dass spätere Filme nach seinen Büchern (exklusive Jurassic Park) eigentlich alle ziemlich kacke sind. Timeline (2003) reiht sich da schön ein – leider, denn Regie führte der eigentlich von mir geschätzte Richard Donner.

Ein in Frankreich eine alte Burg ausbuddelndes Archäologenteam ist erstaunt, in einem Keller eine Nachricht ihres Chefarchäologen zu finden – die sechshundert Jahre alt ist, obwohl der Chef gerade eben erst zum Trip zur Sponsorfirma aufgebrochen ist. Es stellt sich heraus: diese hat beim Versuch einen Teleporter zu bauen ein Wurmloch ins 14. Jahrhundert geöffnet. Und genau dort ist jetzt der Professor und wartet auf Rettung durch sein treues Team.

Und irgendwie wird sehr schnell klar, warum der Film an den Kinokassen königlich gefloppt ist: er ist irgendwie ein völliger Anachronismus. Derselbe Film, gedreht in den frühen Sechzigern, als Teil dieser ganzen “Voyage”-Science-Fiction-Filme, wäre vermutlich ein Klassiker geworden. Und in den frühen Neunzigern wäre er vermutlich auch noch durchgegangen, zumindest als TV-Film oder Serienpilot. Aber im neuen Jahrtausend wirkt das Ding irgendwie furchtbar altbacken, plump und deplaziert. Und, um meine Verwunderung noch zu steigern: den letzten Rest an Zielpublikum, nämlich zehn- bis zwölfjährige Jungs, dürfte man mit den recht grausamen Toden diverser Teammitglieder auch noch verschreckt haben. Seltsam.

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Na das nenn’ ich mal “gut leserlich”.

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Gestern gesehen: britische Seltsamkeiten

Ein Film, der sich schon eine geraume Weile auf dem DVD-Stapel befand (etwa seit Oktober): Der Schrecken der Medusa (1978), jener höchst eigenartige Eurofilm, in dem der komatöse Richard Burton scheinbar mittels Telekinese Übles anrichten will, und Psychologin Lee Remick und Inspecteur Lino Ventura das zu verhindern suchen. Ein höchst eigenartiges Filmchen, wenn man darüber nachdenkt, wirkt doch der Versuch, nicht völlig ins Trashige abzugleiten schwerfällig und eigenartig. In Doppelflashbacks geht es zurück bis in Burtons Kindheit, die seltsam ernsthaft und unpassend zu den verschollenen Astronauten und einstürzenden Altbauten der Gegenwart des Films passen. Lino Ventura wirkt seltsam gelangweilt, was mit der Materie des Films zu tun haben mag, Burton gibt dafür sein Bestes und darf sein unheimlichstes Blaue-Augen-Blitzen beisteuern. Ein höchst ungewöhnlicher Mix aus Krimi, Drama und Sci-Fantasy, interessant und abseitig.

Danach: das letzte Duzend arte-Trash muss ich noch abarbeiten, gut, dass die Reihe gerade in Winterpause ist und mir so etwas Luft verschafft. Arte scheint sich, was den Trash-Begriff angeht, mittlerweile sehr auf einige Sub-Genres versteift zu haben, was wohl vorrangig lizenzrechtliche Gründe haben dürfte – oder an persönlichen Präferenzen liegt. Und so gibt’s neben sehr viel Russ Meyer und homosexuellem Trash der letzten paar Jahre auch immer wieder mal Obskures aus Großbritannien – wie zum Beispiel Brennender Tod (Night of the Big Heat, 1967), einem Film, der sich immerhin mit den beiden Hammer-Alumni Christopher Lee und Peter Cushing schmücken kann. Der Film erinnert inhaltlich (ausserirdische Monster kommen auf britische Kleinst-Insel und sorgen für Randale) und stilistisch (billig, billig, billig) so sehr an Insel des Schreckens, dass ich zuerst annahm, es handle sich um denselben Film. Nur sind die Monster diesmal ausserirdisch, und strahlen Hitze ab, anstatt sich von Knochen zu ernähren. Aha. Speziell Christopher Lee gibt eine starke Performance, dafür wundert man sich an den hohen Anteil an Pseudo-Erotizismus (viele Bikinis, Dreiecksbeziehungen, etc.) und Langeweile – ich bin gnadenlos eingepennt und habe den großen Auftritt des Monsters (der wohl aus Kostengründen erst gegen Ende stattfand) quasi komplett verschlafen. Naja, nicht wirklich schade drum.

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Serien-Review: Alias – Die Agentin

Lassen Sie mich ein wenig weiter ausholen: vor einigen Jahren (oder, Moment: das ist schon wieder über ein halbes Jahrzehnt her) startete VOX eine Serie, die hieß – nein, nicht Alias, soweit sind wir noch nicht – Dark Angel. Die Serie handelte von einer genetisch manipulierten Übermenschin, die in der nahen Zukunft eines Amerika, das wirtschaftlich in etwa so beieinander war wie Teile des heutigen Ostblocks ihr Dasein als Motorradkurierin fristet und gleichzeitig vor ihren Schöpfern flieht.

Äh, ziemlich dämliche Prämisse, und so trashig wie die Inhaltsangabe verspricht war die Serie dann auch größtenteils. Damals, so um 2001, als die Serie bei uns gestartet wurde, gab’s für den Filmking aber tatsächlich zwei Gründe, da mal reinzuschauen: erstens Hauptdarstellerin Jessica Alba, und zweitens Serienproduzenten (oder zumindest Für-die-Serie-Namens-Herleiher) James Cameron. Wenngleich Frau Alba es sogar schaffte, ihr völliges Schauspieler-Untalent sogar durch die deutsche Synchro durchzustrahlen, so war sie doch ein ausgesprochener Hingucker, und James Cameron war immerhin – naja, James Cameron eben. Der Terminator-Typ.

Und die Serie hatte vor allem noch einen Vorteil: der Filmking hatte sich damals, 2001, noch bei weitem nicht so intensiv damit beschäftigt, das Fernsehprogramm nach jedem Hauch von Filmklassiker oder Genreperle zu durchforsten, und hatte damals durchaus noch Abende, an denen nix lief. Unvorstellbar, aber der ‘king war durchaus froh, dass er sich Mittwochs diese durchwachsene, aber anschaubare Trash-SF-Serie ansehen konnte.

Und, äh, was hat das jetzt mit Alias zu tun? Gemach, gemach, dazu komme ich gerade: in der zweiten Staffel (die VOX nahtlos nach der ersten ausstrahlte, wenn ich mich nicht täusche) wurde Dark Angel so richtig dämlich. Man konnte sich die Serie quasi nicht mehr ansehen, ohne physikalisch Schmerzen zu verspüren. Jessica Albas neuer bester Freund war ein Hundemensch, der Serienbösewicht wurde ersetzt durch eine nicht unbedingt vorteilhaft gealterte Nana Visitor (oj! alle DS9-Bilder aus dem Gedächtnis zerstört! Dabei sah ich Frau Visitor einige Jahre später live, und da sah sie wieder bedeutend besser aus als in Dark Angel) und Stories unter jeglichem Niveau.

Der Filmking beschloss, die Serie schleunigst aus seinem Wochenablauf zu streichen, und passenderweise startete just in diesem Moment des Streichenwollens ProSieben eine neue Serie, die inhaltlich ähnlich gelagert war, und die, wenn ich mich nicht täusche, sogar eine ähnliche Sendezeit hatte. Und jetzt alle: Alias – Die Agentin. Inhalt: bla, bla, es geht um eine weibliche Geheimagentin, die jede Woche Roundhouse-Kicks austeilt, und dabei in wöchentlich anderen engen Outfits und Perücken gut aussieht. Dasselbe wie Dark Angel halt, wird schon als Ersatz gehen. Schlechter kann’s nicht sein, zumindest kommen keine Hundemenschen vor.

Und so setzt sich der Filmking hin, und sieht sich die Pilotfolge an. Und ist positiv überrascht: neben dem Erwarteten (nämlich einer perückentragenden Roundhouse-Kick-Geheimagentin) gibt’s Bonus: drei überraschende Plotwendungen in der ersten Episode (zumindest, wenn man nicht die Fernsehzeitung gelesen hat, die die erste Wendung schon mal verrät). Nicht schlecht.

Und in den nächsten Wochen passiert das Unglaubliche: die Serie wird richtig gut. Viel besser, als die Prämisse eigentlich zulässt. OK, im Grunde hängt sich jede Episode der Serie an einem einfachen Grundmuster auf: Sydney Bristow (a.k.a. Jennifer Garner), du musst wichtige Dokumente klauen/eine Bombe entschärfen/falsche Daten platzieren (und zwar in einem Hochsicherheits-Datenbunker/-Gefängnis/-Krankenhaus/-Hotel) und dabei eine Perücke tragen, um sexy auszusehen nicht erkannt zu werden. Kung Fu und Roundhouse Kicks für alle, die sich dir in den Weg stellen.

Aber neben den Schema-X-Geschichten entwickelt sich langsam mehr: das den Serientitel spendierende Thema, nämlich, dass jeder auch jemand anderer sein könnte, dass niemandem zu trauen ist und sowieso alle für die Gegenseite arbeiten, kristallisiert sich langsam in einem Meta-Plot heraus. (Ich möchte an dieser Stelle hinzufügen: Serien mit einer durchdachten übergeordeten Handlung waren damals noch bei weitem nicht so üblich wie heute.) Und dazu kommt plötzlich mehr oder weniger aus dem Nichts die Rambaldi-Substory: Milo Rambaldi, ein italienischer Gelehrter (bzw. eine dünn camouflierte Mischung aus Leonardo Da Vinci und Nostradamus) hat bereits in der Renaissance Erfindungen gemacht, die nicht nur ein bisschen in den Bereich der Fantasy gehen, sondern die auch so brisant sind, dass sie für heutige Geheimdienste (und damit für Sydney Bristow + Team) immer noch relevant sind.

Plötzlich war die Serie so spannend, dass Leute wie Tarantino gecameot haben (ohne Scheiss! Und das war noch bevor Tarantino CSI gemacht hat), und dass Leute wie der Filmking an der Mattscheibe klebten. Naja, so richtig gemerkt wie geil die Serie wirklich war hat der Filmking erst so gegen Ende der ersten Staffel und deren stimmigem Cliffhanger.

Staffel zwo war dann eine serientechnische Offenbarung, wie sie der Filmking noch nicht erlebt hatte: so ziemlich alles, was an Staffel eins großartig gewesen war, wurde noch gesteigert, und die Dinge, die irgendwie immer gestört hatten, waren langsam aber sicher rausgeschrieben worden. In der zweiten Hälfte der Staffel wurde dann die Prämisse der gesamten Serie über den Haufen geworfen, was dem Filmking (der damals vorrangig mit dem üblichen Akte-X-jede-Woche-dieselbe-Shoze-Prinzip vertraut war) völlig neu und großartig erschien. Und dann das Ende von Staffel 2, ein Ende, das für den Filmking immer noch in der Top drei der besten Cliffhanger der Fernsehgeschichte rangiert.

J.J. Abrams, Schöpfer von Alias, hatte einen fixen Platz im Herzen des Filmking bekommen. Die unglaubliche Euphorie über die zweite Staffel ließ den Filmking zwei Dinge tun: erstens kaufte sich der Filmking die DVD-Box von Staffel eins (die er eigentlich als eher so so la la in Erinnerung hatte, aber er wäre sich eher blöd vorgekommen, wenn er nur Staffel zwei gekauft hätte) – und war begeistert zu entdecken, wie gut Staffel eins eigentlich wirklich gewesen war.

Und zweitens, was noch viel bedeutender war: er rührte unter Kumpels kräftig die Werbetrommel für diese neue Serie von J.J. Abrams – die, wo so ein Flugzeug auf einer einsamen Insel abstürzt… (der Rest ist Geschichte, Anm.d.Red.). Eine der Lieblingsfiguren aus der Inselserie hatte übrigens seinen Glatzkopf zuvor bereits eine Staffel lang durch das Alias-Agenten-Hauptquartier geschoben.

Und dann: gar nichts. Denn: die Quoten im deutschen TV waren erbärmlich, und so entschloss sich ProSieben, von einer weiteren Ausstrahlung vorerst Abstand zu nehmen (bzw. die Fans mit “demnächst” zu vertrösten). Synchronrechte blockierten eine Fortsetzung der Serie auf DVD, und illegale Downloads waren dem Filmking – äh – nicht so wahnsinnig vertraut.

Ergo musste der Filmking so rund eineinhalb Jahre warten, bis ATV sich noch vor ProSieben erbarmte, die dritte Staffel ins Programm zu schicken. Zu diesem Zeitpunkt lief in den USA schon die letzte Staffel (oder war sogar schon fertig? Ich weiß es nicht mehr) – und die Rezensionen der höheren Staffeln waren eher durchwachsen. Die Serie hatte, so lautete der Konsens, den Haifisch bereits in ihrem extremen Prämissenwechsel der zweiten Staffel übersprungen und war nunmehr hauptsächlich damit beschäftigt, schlechter zu werden.

Dennoch gab sich der Filmking die dritte Staffel, um festzustellen, dass diese zwar nicht schlecht, primär aber von einer gewissen Planlosigkeit befallen war. Der Cliffhanger der zweiten Staffel wurde so-so aufgelöst, und der Prämissenwechsel aus Staffel 2 stellte sich mehr als Prämissenschwund heraus (und so war die Serie ihre restlichen drei Staffeln mehr auf der Suche nach einem neuen Serienziel als sonst irgendwas). Letztenendes zeigte die Staffel trotz einiger Highlights (darunter ein Gastauftritt von David Cronenberg) nie die Brillianz der vorangegangenen Staffeln, konnte aber auch nie als so richtig schlecht bezeichnet werden.

Staffel 4, oder Same Game All Over again. Cliffhanger der dritten Staffel wird erbärmlich schlecht aufgelöst, danach eine halbe Staffel, die eigentlich gar nicht weiß, was sie will, um schließlich wieder deutlich spannender zu werden. Das Finale der vierten Staffel gehört mit seinen Zombies (ja! Zombies! In einer Geheimagentenserie!) zum absoluten Tiefpunkt der gesamten Show. Und trotzdem: zur Sicherheit hängt man wieder einen kleinen Cliffhanger dran, um dem Filmking Lust auf die fünfte Staffel zu machen.

Und, um an dieser Stelle kurz die Historie der Zugänglichmachung der Serie festzuhalten: ATV hatte die dritte Staffel knapp eineinhalb Jahre nach der zweiten fortgesetzt, worauf wieder etwas über ein Jahr Pause folgte. Heuer im Frühjahr begann dann ProSieben die Ausstrahlung der dritten Staffel (so Daumen mal Pi drei bis vier Jahre nach Ausstrahlung der zweiten Staffel) – heuer im Herbst wurden dann im Schnellverfahren Staffel vier und fünf auf (zumindest sehr günstiger) DVD veröffentlicht. Mühevoll, da wirklich dran zu bleiben.

Es war beinahe mehr eine Art sentimentale Loyalität, die den Filmking dazu bewogen hat, sich auch noch Staffel fünf anzusehen. Mit den Zombies hatte man sich zwar mindestens auf Hundemenschen-Niveau begeben, aber zumindest konnte es nicht mehr schlimmer kommen. Stimmt auch: Staffel fünf ist zwar noch deutlich planloser als alle vorangegangenen, aber ganz so schlecht ist sie auch nicht.

Chronische Krankheiten der hinteren drei Staffeln Alias: zu Beginn jeder Staffel taucht eine neue, weltumspannende Geheimorganisation auf, die (1) schon seit vielen Jahrzehnten im Untergrund operiert hat, (2) über unglaublich viel Macht und Einfluss bis in die Spitzen sämtlicher Geheimdienste und Regierungen verfügt und (3) unbedingt hinter den Geheimnissen von Rambaldi her ist - (2a) passenderweise bekommt Sydneys Geheimdienst einen neuen Namen und ein neues Hauptquartier, um den neuen Schurken frisch und aufgetankt entgegentreten zu können. Jede Staffel werden ein paar neue Gesichter vorgestellt (bevorzugt eine hübsche, junge Agentin), die aber nicht wirklich viel beizutragen haben. In Staffel fünf wechseln sich dann sogar vier (!) neue Regulars ab, die zusammen kaum soviel Sendezeit haben wie z.B. Tech-Geek und Sympathieträger Marshall Flinkman (a.k.a. Kevin Weisman). In den hinteren Staffeln weiß man offensichtlich auch nicht so recht, was mit der Figur des Marcus Dixon (a.k.a. Carl Lumbly) zu tun ist, der in den ersten Staffeln noch eine recht wichtige Aufgabe zu erfüllen hatte, in den höheren Staffeln aber nur zwischen diversen Posten hin- und hermäandert, um dann zum Aushilfs-Prügler zu verkommen.

Schlimm auch das eher schwache Serienfinale (die Serie wurde recht kurzfristig abgesetzt, und man merkt es): underwhelming ist das Wort, für das mir im Moment ein deutsches Synonym fehlt. Es kommt alles so, wie man es seit Staffel eins vorausgesehen hat, Figuren krauchen durch Star-Trek-eske Höhlensets, Serienschurke Arvin Sloane (Ron Rifkin) findet endlich, was er fünf Staffeln lang gesucht hat (und erstaunlicherweise hat er vor der Finalfolge tatsächlich nie ausgesprochen, was er wollte, auch, wenn uns die Serienmacher beinahe auf Rambaldis größte Erfindung hingeprügelt haben), Sydney rettet (mit Hilfe der Gang) die Welt, bla bla, Serie aus, ausser Spesen nix gewesen.

Was die Serie aber bis zum Schluss sehenswert gemacht hat, sind die ausgesprochen sympathischen Charaktere, von denen doch bemerkenswert viele bis zum Schluss durchgehalten haben. Sydney Bristow, Actionheroine par excellence, von Freunden und Feinden, und wenn es etwas gibt, das an der fünften Staffel so richtig schön ist, dann, dass so gut wie jeder, der mal wichtig war (egal, ob tot oder lebendig) in irgendeiner Form zumindest mal kurz auf ein Hallo vorbeischaut. Das macht eigentlich einen viel schöneren Schluss als das sonst eher verpatzte Finale.

Final Thoughts: würde ich einem Alias-Fremden die Serie empfehlen? Jein. Ich würde empfehlen, sich die erste und zweite Staffel anzusehen, unter der Voraussetzung, man könne damit leben, nie zu erfahren, wie es nach dem Mördercliffhanger weitergeht. Denn alles, was danach kommt, ist eigentlich immer ein kleines bisschen enttäuschend. Aber ich weiß genau, dass das nicht funktioniert: eine Mischung aus morbider Neugier und Solidarität zu den Charakteren zwingt geradezu, weiterzumachen, und die eine oder andere Enttäuschung für den einen oder anderen Moment der nervenzerreissenden Spannung hinzunehmen.

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Filmking’s Favorite ist übrigens der dritte von Links.

Ach: ich entdecke gerade, dass ich seinerzeit ein recht brauchbares Review zur vierten Staffel geschrieben habe, in dem ich eh schon viel gesagt habe, was ich heute wieder durchkauen musste. Lese-Empfehlung.

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Gestern gesehen: Jodorowsky und Homo-Belmondo

Alejandro Jodorowskys psychedelisches, mit religiösen Symboliken überladenes Meisterwerk The Holy Mountain (1973) lässt sich eigentlich nicht in Worte fassen. Ergo versuche ich’s einfach gar nicht und lege dem Leser stattdessen nahe, sich den Film schleunigst reinzuziehen.

Widmen wir uns lieber dem Doppelfeature, das den Abend eigentlich geprägt hat und werfen wir einen Blick auf zwei klassische Euro-Actionfilme mit Jean-Paul Belmondo, die sich deshalb sehr gut zusammenfassen lassen, weil sie beide dezente homosexuelle Untertöne beinhalten.

Der Panther wird gehetzt – 1960 war allerdings noch Lino Ventura der coolste Euro-Actionheld, und so darf der olle Jean-Paul (der damals noch ziemlich jung war) nur ein bisschen supplieren: Abel “der Panther” (Ventura), gesuchter Raubüberfaller, versucht, mit Frau, Kindern und Gangsterpartner von Italien über die Grenze nach Frankreich zu fliehen – unterwegs werden aber Frau und Partner erschossen, sodass er sich mit den beiden Bemperln alleine in Nizza findet. Von Kollegen losgeschickt trifft Eric (Belmondo) ein, um ihn im Krankenwagen nach Paris zu schmuggeln und dort eine Weile zu verstecken.

Und ich orte in diesem sonst sehr soliden Euro-Kracher einen dezent homosexuellen Unterton aus der Richtung Bébel: vielleicht ist es das Drehbuch, das nur allzu unerklärt lässt, warum Eric Abel retten will und für ihn durch jedes Feuer geht. Da kann auch das Mädel, das er so im Vorübergehen angräbt nichts ändern.

In Der Greifer (1976) drehen sich dann die Verhältnisse um 180 Grad: Belmondo ist der Ex-Großwildjäger, der von der Regierung angeheuert wird, um semilegal Verbrecher zu jagen, und dessen momentanes Hauptziel die “Bestie” ist, ein homosexueller Flugbegleiter, der junge Männer zu grausamen Raubmorden anstiftet und dann um die Ecke bringt. Und, äh, das ist bei Weitem nicht so klischeehaft, wie es klingt. Aber zuerst möchte ich auf das exzellente und tiefschürfende Review bei Sauft Benzin, ihr Himmelhunde! hinweisen, das man gelesen haben sollte.

Und, haben Sie’s gelesen? Ja? Dann kann ich eigentlich nicht mehr viel hinzufügen… tolles Review! Naja, witzigerweise war ich (der ich das Review schon vor dem Film kannte) dank der Erwähnung von Rainer Brandt war ich aufs Schlimmste vorbereitet, und auch, wenn ich die französische Fassung weder kenne noch verstehen würde: die deutsche Fassung ist OK. Gut, ab und zu kalauert der Belmondo schon ein bisschen, aber von einer Minderung des kalten Existenzialismus, den Funkhundd und der Aussenseiter dem Film unterstellen ist keine Spur: der Film ist nach wie vor sehr düster (und der Belmondo grinst sich ja so oder so einen, also, so unpassend können die ein, zwei Schnoddereien gar nicht sein). Ein ausgesprochen gelungener, düsterer kleiner Actioner, fast noir-artig.

Da fällt mir auf: nicht nur der Böse ist ja schwul, zwischen dem Belmondo und seinem jungen Zögling scheint’s ja durchaus auch zu funken – und dann schliesst der Film auch noch mit einem Zitat von Wilde! Sehr lauwarm, muss ich sagen.

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