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Tag: Männerfilme

Tarantino, Nazis, zweiter Weltkrieg

Nazis. Über die anhaltende Popularität dieses Topos wurde bereits viel geschrieben, meist im Zusammenhang mit Guido Knopps ZDF-Dominanz oder historiphilen Epen wie Hirschbiegels vielzitiertem Pathetikum. Jetzt erlebt aber ein völlig anderer Aspekt filmischer Aufarbeitung eine Renaissance, nämlich das, was man zusammenfassend am besten als die “Nazi-Fantasie” bezeichnen könnte. Auslöser dieser Welle war wie schon so oft Filmikus und ewiger Videothekars-Archetyp Quentin Tarantino mit seinem neuen Film Inglourious Basterds (sic), der nach verdientem Erfolg in Cannes nun hierzulande vor allem für eine mediale Überpräsenz von Ex-B-Movie-Knallcharge bzw. Cannes-Preisträger Christoph Waltz mit sich zog.

Auch der große Filmking hat sich dazu hinreissen lassen, sich anlässlich des Tarantino-Films ein wenig näher mit dem von ihm bekannten und geschätzten Genre der Nazi-Fantasie auseinanderzusetzen – der Filmking’sche Twitter-Kanal gibt darüber Auskunft.

Obwohl sich das Thema Nationalsozialismus in allen seinen chimärenhaften Ausprägungen vor allem im deutschen Raum noch allergrößter Beliebtheit erfreut (historische und psychologische Nähe seien als Gründe vermutet), ist ausgerechnet der Zugang über die reine Fiktion ein unausgesprochenes Tabu. Der deutsche Film ist vor allem bemüht um historische Akkuratheit und Angemessenheit - selbst wenn die Protagonisten in Filmen wie Stalingrad oder Das Boot erfunden sein mögen, bemüht man sich um einen “würdevollen” Umgang mit dem Thema, um eine geradezu pikierte Faktentreue, die nur in den Zwischenräumen der historischen Ereignisse der Fantasie des Autors Platz bieten, seine eigene Sichtweise zu präsentieren.

Das Resultat ist eine gewisse Schwerfälligkeit, die den deutschen Film im Nazi-Topos durch die ewige Suche nach dem gemeinsamen So-war-es-Konsens zu lähmen scheint – eine Schwerfälligkeit, die selbst die wenigen fantastischeren Einträge in der jüngeren deutschen Nazi-Kino-Geschichte wie etwa Dani Levys Satire Mein Führer in der völligen Unlustigkeit - und schlimmer noch : Relevanzlosigkeit – zurückhält.

Ausserhalb der ehemaligen Reichsterritorien findet sich hingegen eine Plethora an alternativen Umgangsformen mit dem Thema Nazis, nicht selten veritable Einträge fürs Kuriositätenkabinett der Film- und Fernsehgeschichte (z.B.).

Auch für Film-Mutterland USA hat der zweite Weltkrieg (und somit der Nationalsozialismus) eine besonders wichtige Stellung in der Geschichte des zwanzigsten Jahrunderts. Denn, allen sonst in kriegerischen Konflikten üblichen Ambivalenzen zum Trotz kann man rückblickend recht eindeutig sagen: die Amis waren die Guten, die Deutschen waren die Bösen (und jeder noch so gelungene historische oder filmische Versuch, dem Deutschen als Individuum eine ambivalentere Rolle als Auch-Opfer oder wenigstens nur Mittäter zu geben kann nichts an dieser grundlegenden Tatsache ändern). Ich möchte sogar soweit gehen zu sagen, dass die amerikanische Rolle im zweiten Weltkrieg ganz wesentlich identitätsstiftend war und dass das Selbstbild des Amerikaners als “Guter” (das die hunderten blutigen und restlos ambivalenten Konflikte der zweiten Hälfte des Jahrhunderts mit US-Involvement, allen voran den Vietnamkrieg) relativ gut überstanden hat, recht unangetastet überstanden hat.

Und so durchzieht die amerikanische Filmgeschichte ein wesentlich eindimensionaleres, oft trivialeres, wesentlich unhistorischeres, dafür aber psychologisch umso vielfältigeres Nazi-Bild zwischen-Superhelden-Schurke und sexueller Wunscherfüllung.

captainamerica-hitler

Während des Krieges sieht der amerikanische Film Nazis vor allem als Spione, Infiltratoren, Saboteure – eine tiefe und unmittelbare Angst vor einer schleichenden Invasion, die gut ins populäre Genre des Film Noir passt. Nach dem Krieg folgt in den frühen Sechzigern das historisierende Kriegsepos, das anfangs noch nicht unähnlich zu den Genre-Vertretern Deutschlands ausfällt (The Longest Day fällt mir spontan als berühmtester Titel ein, aber auch Premingers In Harm’s Way), das zwar auch in pseudofaktischem Pathos schwelgt, aber schon wesentlich die Abenteuer- bzw. Actionkomponente betont.

1967 ist es dann soweit: mit Das dreckige Dutzend schiebt Robert Aldrich den Nazi-Topos so weit in den Bereich der Fantasie wie noch nie zuvor und erfindet zugleich das Kommando-ohne-Wiederkehr-Genre, das den zweiten Weltkrieg von jeder Pseudohistorizität befreit und stattdessen gleichermaßen zum reinen Actionfilm bzw. zur Erfüllungsfantasie erhebt.

Ein kleines Elitekommando erfüllt hinter den feindlichen Linien einen kriegsentscheidenden Auftrag – ein zutiefst amerikanisches Moment, wenn die Entscheidung über den Kriegsausgang den Generälen und Kriegshelden des vorangegangenen Historien-Epos entrissen und dem archetypischen amerikanischen Everyman-Filmhelden (vgl. Cowboy oder Noir-Detektiv) übergeben wird. Gleichzeitig verschiebt sich der Austragungsort der Schlachten weg von den historischen Schauplätzen der Normandie oder des Pazifiks in kleine Schlösser “irgendwo in Frankreich” oder ominöse Nazi-Lager. Nazis sind böse und eindimensional, letzten Endes nur dazu da, wie die Fliegen zu sterben.

Während Aldrichs “Dutzend” sich noch wunderbar als sehr zynischer Antikriegsfilm lesen lässt (die im Krieg erfolgreiche Dutzend ist eigentlich eine Bande von Mördern und Vergewaltigern), verlässt dieser Aspekt schnell das Genre und macht geradlinigeren Vertretern platz (meinem persönlichen Genre-Liebling Agenten sterben einsam etwa). Anfang der Siebziger hat sich das doch sehr schablonenhafte Genre erschöpft und mündet in der Satire (Kellys Heroes). Eine amerikanische Fortführung findet sich erst wieder in den Achziger Jahren, als Rambo II Missionen im Vietnamkrieg überstehen muss.

1970 wird das in Amerika erschöpfte Genre von denen übernommen, die in der Übernahme amerikanischer Genres mit Sandalenschinken und Western gesammelt haben: den Italienern. In der italienischen Filmlandschaft laboriert das Genre einige Jahre vor sich hin und bringt Filme wie den letztendlich eher langweiligen Inglorious Bastards/Quel maledetto treno blindato (Namensgeber des Tarantino-Films) hervor. Wie die meisten italienischen Produktionen ist “Ein Haufen verwegener Hunde” (wie der Film im Deutschen heißt) billiger, belangloser und doch auch exploitativer als seine amerikanischen Pendants (so dürfen durchaus auch mal einige barbusige deutsche Mädels das Maschinengewehr schwingen).

In Amerika geht das Genre inzwischen in der reinen Nazisploitation auf. Die “Nazi Nasties”, die ihre Wurzeln eigentlich im Arthouse-Kino haben (und die später ebenfalls von den Italienern kopiert werden) verquicken auf perfide Weise Nazis und Sexualität, vor allem Sadomasochismus. Im Genre-Meisterwerk Ilsa, She-Wolf of the SS quält die Lagerkommandantin Ilsa Männlein wie Weiblein – der Exploitation-typische Wunsch nach Legitimation durch (oft zweifelhafte) Fakten rückt die Aktionen von Ilsa geschmacklos nahe an die Greueltaten der Geschichte heran.

In den Achzigern, während man in Deutschland die ernsthafte Auseinandersetzung mit der Geschichte erstmals übt (z.B. Das Boot) verschwinden Nazis in den USA im Pandämonium der Popkultur: spätestens nach den Indiana-Jones-Filmen werden Nazis immer mehr zum popkulturellen Meme,endgültig befreit von historischen Tatsachen (vgl. auch Hellboy).

So, jetzt sind es schon fast tausend Worte, und Tarantino ist noch nicht ein einziges Mal wirklich erwähnt worden. Also zurück zum Kommando hinter feindlichen Linien: wie bereits erwähnt verschiebt sich der Nazi-Topos hier von der versuchten Authentizität vorangegangener Epen hin zu einem reinen Kino-Schauplatz, an dem die üblichen Hollywood’schen Bubenfantasien ausgetragen werden können.

Der Vergleich zum Western drängt sich auf: da wie dort wird eine scheinhistorische Kulisse zum Erlebnisort amerikanischer Individual-Heldenvorstellungen, verankert weniger durch Historizität als durch Genreformeln und -symbole (Cowboyhüte und Swastikas). Und da wie dort lässt der Film weniger Rückschlüsse auf das historische Ereignis denn auf Produzenten und Konsumenten des Werkes zu. John Wayne repräsentiert nicht den psychologischen Zustand des amerikanischen Pioniers im ausklingenden 19. Jahrhundert, sondern den männlichen Amerikaner Mitte des Zwanzigsten.

Wobei der zweite Weltkrieg sich insofern vom Wilden Westen unterscheidet, als der Filmrezipient anno 1967 noch einen viel näheren (größtenteils noch selbst erlebten) historischen Bezug herstellen kann. Wildwest kann nur als allgemeine Kulisse unter vielen dienen (wie genausogut “Die Antike”, “Die Ritterzeit”,…) in der dann allgemeingültiges menschliches Drama ausgetragen wird. Den zweiten Weltkrieg haben 1967 die meisten Amerikaner selbst erlebt (bzw. kennen ihn aus Geschichten unmittelbarer Verwandter) – er bietet viel stärker noch die Projektionsfläche eigener Erfahrungen – allerdings als Wunschfantasie mit eigenem Verlauf. Diesmal ist jede Mission kriegsentscheidend, diesmal sind die Kämpfer nicht der Friseur, der Blumenhändler und der Junge von Nebenan, sondern deren fiktive Wunsch-Selbstbilder Charles Bronson und Lee Marvin.

Jetzt: endlich Tarantino. Dass Quentin Tarantino sich für seinen neuesten Film (scheinbar) dieses Genres bedient, ist eigentlich sehr naheliegend: die anderen großen Topoi des 70er-Jahre-Trashkinos (die Tarantino vor allem als 80er-Jahre-Videothekenware kennengelernt haben dürfte) hat er bereits ausgiebig behandelt, und der Vorgriff auf die Nazi-Thematik mit “Werewolf Women of the SS” (Grindhouse) war auch schon geliefert.

Entsprechend überrascht, dass Inglourious Basterds (sic) mehr an europäische (und damit meine ich nicht italienische) Zugänge zum Thema erinnert – nicht nur wegen der extremen Deutsch- und Französischlastigkeit der ausgedehnten Dialogszenen, nicht wegen der mannigfaltigen Referenzen auf die deutsche Filmgeschichte (Pabst, Winnetou und Edgar Wallace lassen grüßen), auch nicht, weil die titelgebenden “Basterds”, ein Kommando nach Dreckiges-Dutzend-Bauweise, eigentlich nur eine untergeordnete Rolle spielen, sondern auch, weil der gesamte Plot mehr an Le dernier Metro erinnert als an einschlägiges Genre-Material. Tarantino liebäugelt mit dem europäischen Kunstfilm (was er ja eigentlich immer schon getan hat, Stichwort “Band Apart” und Cannes-Erfolge).

Doch halt: in seinem Kern ist Inglourious Basterds genau das, was ich jetzt so ausführlich beschrieben habe: eine amerikanische Nazi-Fantasie, in der es nicht um historische Authentizität (oder: Pseudo-Authentizität im Sinne des Erlebens eines realen Schreckens in der erfundenen Geschichte) geht sondern um das Ausleben einer ungetrübten Fantasie. Und dahingehend hat sich Tarantino zu einer wahren Großtat hinreissen lassen, indem er die heilige Kuh des Nazifilms geschlachtet hat:

ACHTUNG SPOILER!!!

show

Die ultimative Ausführung dessen, was im Grunde jeder WWII-Kriegsactioner möchte: den Verlauf des Krieges nach den Regeln des Unterhaltungskinos (und somit den psychologischen Wunschvorstellungen des Kinozusehers) neuschreiben. Einerseits die konsequente Erfüllung des Zuseherwunsches, andererseits so krass weit weg von der Realität der Geschichte, dass der filmische Moment geradewegs zur Brecht’schen Brechung wird und dem Zuseher seine eigene Fantasie vorführt.

Eigentlich ist das eine Verletzung der Kardinalregel des Genres: denn so fantastisch und von der Realität abgehoben die Filme des Genres manchmal sind, irgendwo muss immer ein Restbezug zum Krieg bleiben: der Angriff auf das Alpenschloss in Where Eagles Dare ist zwar ein überzeichnetes Actionspektakel, aber es könnte ja doch gerade noch irgendwie so sein, dass man das in den Geschichtsbüchern einfach nur übersehen hat (deswegen sind die Missionen der diversen Kommandos auch immer mit einer gewissen Geheimhaltung versehen). Selbst Ilsa unternimmt durch eine reichlich geschmacklose Widmung am Anfang den Versuch, sich in der realen Geschichte zu verankern – und ist es ja letztendlich auch.

Damit gelingt Tarantino letztlich ein Meisterstück: anstatt sich in der bloßen Oberflächlichkeit der Popkultur der 00er zu suhlen und durch reines Zitateschleudern ein heiteres, aber doch bedeutungsfreies Referenzenspiel zu liefern (vgl. Kill Bill oder im deutlich Low-Brow’igeren Bereich die diversen … Movies der letzten Jahre) nimmt Tarantino den Kern des alten Genres, die filmische Wunsch- bzw. Fantasieerfüllung, als Basis eines exzentrischen, kantigen, vielseitigen, durchaus auch lustigen und an vielen Stellen unberechenbaren Films, der sich zu recht “Tarantinos Bester” nennen darf.

1661 Worte.

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Gestern gesehen: Eiskaltes Händchen

Von Chun Fang – Das blutige Geheimnis (1982) habe ich irgendwie vergessen, einen Screenshot zu machen, nicht aber vom Paul-Newman-Vehikel Cool Hand Luke (1967). von beiden Filmen gibt es übrigens schon Reviews aufm Blog. (Chun Fang, Cool Hand Luke)

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Vorgestern gesehen: Bluejeans-Romantik

Oscar-Film in der Oscar-Nacht: wenn sich der Ledger schon posthum den Goldbuben holt, kann man sich endlich auch den Film mit den Bubenspielen ansehen: Brokeback Mountain (2005). Ang-Lee-Filme sind eigentlich immer super, so auch dieser.

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Gestern gesehen: Oscar-Nominiertes 2

Best Supporting Actor: den wird zwar der Ledger posthum gewinnen, aber Robert Downey Jr. als auf schwarz umoperierter Hollywoodstar in Tropic Thunder ist auch nicht zu verachten. Geniale Parodie, super Cruise, und Downey ist sowieso einer der coolsten Schauspieler seiner Generation.

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Inglorious Basterds – Teaser

Der Trailer zu Quentin Tarantinos neuestem Streich, Inglorious Basterds, ist online. Als Staatsbürger eines Landes, das irgendwie immer noch mit seiner schwierigen Vergangenheit hadert, löst Tarantinos gleichermaßen ungewohnter wie argloser Umgang mit dem dritten Reich (ganz abseits von ernsthafter Aufarbeitung wie Helge Schneider oder Slapstick a la Bruno Ganz) irgendwie… Unbehagen aus. Und Brad Pitt erinnert mich an Lee Marvin.

(Auf den Lee Marvin klicken, um zum Trailer zu gelangen.)

leemarvin

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Gestern gesehen: Goldfieber

John Huston hat sich einen Gastauftritt in seinem Film Der Schatz der Sierra Madre (1948) nicht nehmen lassen (im Bild rechts).

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Gestern gesehen: Tätärä-tä, Tä-tärää

Nein, mein lieber Blog: ich hab’ dich nicht vergessen. Und ich hab auch noch im Kopf, dass ich noch über 10 Reviews nachbloggen muss. Ich hab eben keine Zeit dazu. Im Moment. Sorry.

[youtube Md7IhGYKncs]

Die Freundin hat (wie, glaube ich, schon andernorts gestanden) die Indiana-Jones-Filme noch nie so richtig gesehen. Ergo habe ich sie letztes Wochenende mal durch meine ganze Trilogie-DVD-Box durchgnötigt, was für mich auch ein interessantes Erlebnis war, weil die Jones-Filme für mich mittlerweile auch etwas sind, das ich mir nur noch alle paar Jahre einmal ansehe, im Gegensatz zu meiner Schulzeit, wo die Dinger mindestens einmal im Jahr dran waren.

Aber irgendwie tut es den Filmen auch ganz gut, wenn man sie nur alle paar Jahre mal ansieht - man kann besser fokussieren und entdeckt auf einmal bei jeder Sichtung Neues, Dinge, für die man zuvor nie ein Auge hatte (bei meiner letzten Sichtung, die je vorher und nachher einige Jahre Abstand zur jeweils nächsten Sichtung hatte, hab’ ich das erste Mal so richtig gemerkt, was für vortreffliche Hommagen an klassische Abenteuer- und Pulpgeschichten die Dinger eigentlich sind).

Und nicht nur die Tatsache, dass die Freundin die Filme sofort gut fand (und das Wort “Männerfilm” nur am Rande vorkommen ließ) spricht für den universellen Appeal der klassischen Trilogie: in den späten Neunzigern dürfte die Indiana-Jones-Titelmelodie (die ich im Titel des Blogeintrages phonetisch zu approximieren suchte) in Midi-Form so ziemlich der beliebteste Klingelton von überhaupt gewesen sein.

Entsprechend war ich skeptisch, als 19 Jahre nach dem letzten Indy-Film plötzlich klar wurde, dass eine Fortsetzung folgen würde. Nicht, dass etwas gegen eine Indy-Fortsetzung spräche – Indy ist cool, und die Filmserie bietet sich ja eigentlich sehr für Fortsetzungen an; ausserdem haben die letzten paar Sequels zu Achzigerjahre-Filmserien alle recht gut funktioniert. Aber eine Trilogie, das hat einfach so etwas Abgeschlossenes, Rundes – und Der letzte Kreuzzug war einfach so ein schöner Abschlussfilm – dazu kommt, dass Produzent George Lucas ja nicht gerade Talent im Fortsetzen alter Filmtrilogien bewiesen hat. Die viele nicht wirklich stimmungsvolle CGI im Trailer und der Einsatz von Hollywood-”Hip Kid” Shia LaBeouf (mit den vielen Selbstlauten) war auch nicht gerade hoffnungspendend.

Entsprechend war ich sehr positiv überrascht, dass das Ergebnis sich durchaus sehen lassen kann. Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels ist trotz dem sperrigen Titel (den sich wohl die wenigsten merken können werden) ein sehr gelungener, stimmungsvoller Film, dem es gar nicht so schwer fällt, an die alten Filme anzuknüpfen.

Mehr noch: dem Kristallschädel gelingt es, eine stimmungsvolle Welt der 1950er zu erzeugen, wie sie zu Indiana Jones passt: Nazis sind jetzt Commies, die unter Cate Blanchett (in schier grandioser Aufmachung) düstere Weltherrschaftspläne verfolgen (teils mit Body-Snatcheresker Stimmung), und anstelle okkulter christlicher Reliquien findet sich ein Von-Däniken-esker Alien-Plot, der auch sehr stimmungsvoll ins Atomzeitalter passt (wenngleich das sicherlich der Aspekt ist, mit dem mancher Zuseher Schwierigkeiten haben wird).

Shia LaBaeioueaf, Karen Allen (Marion ist zurück), John Hurt und Ray Winstone geben nette Kampfgefährten, die ebenfalls gut ins Gesamtbild passen, wenngleich die pure Stückzahl manchmal etwas zur Übersättigung der Leinwand führt (Shia im Brando-Outfit ist allerdings göttlich). Die Computerbilder sind besser, als der Trailer vermuten lässt, und nur sehr gelegentlich gleitet der Film allzu sehr ins cheesige ab (dann aber gründlich: Stichworte Kühlschrank und Affentarzan).

Wirklich Kudos gibts vor allem aber ausschließlich dafür, dass die beiden größten Kinder Hollywoods, George Lucas und Steven Spielberg, es geschafft haben, den inneren Elfjährigen der Zuseherschaft mal wieder herauszukitzeln – dafür sind die Indiana-Jones-Filme ja da.

[youtube SCdN6tRm9V4]

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Freitags gesehen: I am Iron Man

Wieder mal hat es ein Comicheld auf die Leinwand geschafft: der unbesiegbare Iron Man (2008). Der Filmking hat ja ein kleines Faible für die bunten Heftchen im Allgemeinen und für die fliegenden Männer aus Amerika im Speziellen – Zeit für eine umfassende Analyse.

Iron Man ist in vielerlei Hinsicht eine ganz besondere Gestalt: eigentlich hat er keine wirklichen Superkräfte, was speziell für den Marvel-Verlag sehr ungewöhnlich ist. Weder hat ihn ein radioaktiver Meteor getroffen, noch schlummert in ihm eine systeminhärente Super-Mutation – vielmehr beschließt er – ganz a la Batman – aus eigener Kraft bzw. aus einem traumatischen Erlebnis heraus, das Böse zu bekämpfen. Und mehr noch: Iron-Man-Erfinder Stan “The Man” Lee (wer sonst) setzt noch eins drauf, indem er Iron Man ganz nach dem Motto “harte Schale, weicher Kern” ganz besonders verletzbar macht.

Ingenieursgenie und Rüstungsmilliardär Tony Stark (Robert Downey Jr.) muss nämlich bei einer Waffeninspektion in Afghanistan miterleben, wie die von ihm geschaffenen Zerstörungsgeräte weder sonderlich friedensspendend noch in sonderlich guten Händen schlummern – so verfügt nicht nur die US-Armee über reichlich Stark-Industries-Feuerkraft, auch die Terroristen, die ihm da den Leinensack den Schädel entfernen, sind gut ausgestattet. Das erste, was Stark im Terroristenlager entdecken darf, idt allerdings das unheimliche Gerät, das in seiner Brust steckt. Zur Errettung vor tödlichen Granatsplittern hat ihm ein freundlicher (und ebenfalls wissenschaftlich sehr begabter) Mitgefangener namens Yinsen einen Elektromagneten implantiert, den Stark nun sein Leben lang tragen muss.

Stark wird vor die Wahl gestellt, dem Terroristenführer entweder binnen einer Woche eine besonders mächtige Bombe zu bauen, oder zu sterben. Im Wissen, dass beides auf dasselbe hinausläuft, beschließt Stark, das zu tun, was jeder hochbegabte Ingenieur in dieser Situation tun würde: er baut sich gemeinsam mit Yinsen eine mächtige Kampfrüstung, mit der er sich den Weg in die Freiheit erkämpft. Yinsen stirbt auf der Flucht den Heldentod, was Stark nur noch mehr dazu veranlasst, sein lasterhaftes Leben zu bessern. Zurück zuhause überrascht er als erstes seine treue Sekretärin Pepper Potts (Gwyneth Paltrow), seinen Freund Col. Rhodes (Terrence Howard) und seinen (scheinbar) väterlich-freundlichen Mentor Obadiah Stane (Jeff “der Dude” Bridges) mit der Ankündigung, dass seine Firma fortan keine Waffen mehr baue. Dann zieht er sich in sein Privatlabor zurück, um dort eine gewisse Erfindung zu verbessern – denn Schurken bekämpft man am Besten in rot und gold.

Und hier sei gleich mal festgehalten: Iron Mans eiserne Rüstung ist ein absoluter Show-Stealer. Ich hab’ mir ja schon erwartet, dass das Ding cool wird, aber Stan Winston und sein Team erinnern mich mal wieder daran, warum ich eigentlich auch ein technophiler Computerfreak bin. Mehr als nur ein großartiger Effekt – die Rüstung wird (so, wie es sich gehört) zu einem Bestandteil von Tony Starks Körper.

Und das ist Punkt zwei. Ich habe schon mehrmals gesagt, dass ich den Boden küsse, auf dem Robert Downey Jr. schreitet. Ich wiederhole das hiermit. Nuff Said.

Daneben gibt’s eine schön umgesetzte, wenngleich etwas konventionelle Superheldengeschichte, an der es eigentlich kaum etwas auszusetzen gibt (vielleicht minimal die leichte Schönfärberei in Richtung US-Army, was für einen insgesamt waffenkritischen Film eher seltsam anmutet – aber das ist wohl der Preis, wenn man mit der Army zusammenarbeitet). Ohne die herausragende Regiearbeit vom kapitalen Jon Favreau und der exzellenten Schauspieler-Riege wäre der Film allerdings ziemlich unbedeutend geworden, auch, wenn sich das Ray über diverse interessante Gedanken zum Thema Mensch und Maschine freut.

Oh, und da ist noch etwas: Potenzial. Schon lange habe ich keinen Film mehr erlebt, der sich so sehr bemüht, der Anfang von etwas Großem zu sein – so endet der Film beispielsweise mit dem offiziellen Karrierebeginn von Iron Man, und die Comicnerds unter den Lesern wissen ja sowieso schon von Marvels größenwahnsinnigen (und hoffentlich erfolgreichen) Plänen, den anderen bzw. ungeduldigen sei angeregt, sich vielleicht mal die wirkliche letzte Szene des Films (also nach dem Abspann) anzusehen. Das rockt.

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Gestern gesehen: faster, faster, faster

Die Easy-Rider-DVD gestern bot einen guten Start ins Thema Motorrad-Romantik, an die das österreichische Filmmuseum heute nahtlos anzuknüpfen wusste: Teil eins eines sehr schönen Doppelfeatures war Kenneth Angers Chrom-und-Leder-Porno Scorpio Rising (1964).

Eine unglaublich frenetisch geschnittene Montage von reichlich homosexuell konnotierten Bikern in faschomäßig anmutender Lederkluft (nicht selten mit dazupassend umfassender Swastika-Deko), eine “Halloween-Party”, eine (angedeutete) Vergewaltigung, dazu in Parallelmontage Jesus Christus, wie er (ungefähr) dasselbe macht wie die Biker – und alles unterlegt mit bestem Happy-Sound aus den Fünfzigern.

Was mich vor allem überrascht hat: wie lustig der Film eigentlich ist. Bei all der Provokation tänzelt Anger durch sein Sujet mit einer Leichtfüßigkeit, mit der ich wirklich nicht gerechnet habe. Es macht ihm sichtlich Spaß, die Bikerkultur im gleichen Maße perfekt zusammenzufassen wie auch zu parodieren, zu überzeichnen. Kenneth Anger, der unheimlich aussehende Thelema-Anhänger, der seinen Krebstod für Halloween ‘08 angekündigt hat, ist jetzt ganz oben auf meiner Watchlist. Da muss mehr gesehen werden.

[youtube IembP_LJk3w]

Ladies and Gentlemen – welcome to Violence! Über Russ Meyers epochalen Faster, Pussycat! Kill! Kill! (1965) hab’ ich vor fast auf den Tag genau einem Jahr einen recht brauchbaren Text geschrieben, der sich ein bisschen zu sehr darauf kapriziert, blöde Späße über Meyers Brust-Fetisch zu machen. Shame on me. Denn obwohl man natürlich, man verzeihe mir, nur schwer an den sekundären Geschlechtsmerkmalen von Tura Satana, Haji und Lori Williams vorbeikommt, bietet der Film mit seiner wirklich totalen und hundertprozentigen Umkehrung von filmischen Geschlechterrollen einen beinahe feministischen Ansatz. Naja, hinter etwa hundert Schichten purem Camp. Und ausserdem ist der Film ein Zitatenschatzkästchen, wie es Rainer Brandt in einer Übersetzung nicht hätte erzeugen können. Herrlich, ich finde ihn wunderbar.

[youtube eSdtmHhZd0I]

(mein WordPress tut inzwischen übrigens wieder fast so, wie es soll. Nur das Bildereinfügen macht noch Stress, deshalb ist zur Zeit die Videodichte hier auf’m Blog so hoch.)

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Gestern gesehen: The Last of the Independents

[youtube 21WZdsavtGc]

Ziemlich cool, huh? Der große Coup (1973) ist eine dieser halbvergessenen Seventies-Perlen, die man so gerne auf Sendern wie Das Vierte oder Kabel 1 entdeckt. Vor einiger Zeit, nämlich gegen Ende ‘06, hab’ ich den Film das letzte Mal gesehen – und ein recht passables Review geschrieben.

Jetzt ist Charley Varrick auf DVD erschienen, einer Scheibe aus dem Hause E-M-S, die wie so oft einem eher kleineren Film eine würdige Silberscheiben-Umsetzung beschert haben. Gelegenheit also für den Filmking, sich den Streifen noch mal reinzuziehen (im Kreise der Kumpels) und zu erkennen, dass sein altes Review deutlich zu streng mit dem Film war. Charley Varrick gehört eindeutig zu den Filmen, die mit jedem neuerlichen Ansehen besser werden, und so will der Filmking Phrasen wie “völlig vergessenswerter Seventies-B-Thriller” oder “gerade noch im Bereich der Autokino-Geheimtipps” nicht mehr in der Nähe dieses Films hören oder lesen – das ist eine Perle, sag’ ich euch! Coolness wird in großen Echte-Männer-Portionen serviert und Walter Matthau kann mit knallharten Siegel-Typen der Eastwood- oder Bronson-Schiene leicht mithalten! Kein Wunder, dass sich offensichtliche Zitate aus dem Film in den Werken Tarantinos oder im letzten Coen-Streifen finden! Ja, No Country for Old Men wirkt an mehr als einer Stelle sehr inspiriert von diesem Film. Grandios. Und Cropduster sind immer cool. Go, Cropdusters!

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