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Tag: Rainer Brandt

Gestern gesehen: faster, faster, faster

Die Easy-Rider-DVD gestern bot einen guten Start ins Thema Motorrad-Romantik, an die das österreichische Filmmuseum heute nahtlos anzuknüpfen wusste: Teil eins eines sehr schönen Doppelfeatures war Kenneth Angers Chrom-und-Leder-Porno Scorpio Rising (1964).

Eine unglaublich frenetisch geschnittene Montage von reichlich homosexuell konnotierten Bikern in faschomäßig anmutender Lederkluft (nicht selten mit dazupassend umfassender Swastika-Deko), eine “Halloween-Party”, eine (angedeutete) Vergewaltigung, dazu in Parallelmontage Jesus Christus, wie er (ungefähr) dasselbe macht wie die Biker – und alles unterlegt mit bestem Happy-Sound aus den Fünfzigern.

Was mich vor allem überrascht hat: wie lustig der Film eigentlich ist. Bei all der Provokation tänzelt Anger durch sein Sujet mit einer Leichtfüßigkeit, mit der ich wirklich nicht gerechnet habe. Es macht ihm sichtlich Spaß, die Bikerkultur im gleichen Maße perfekt zusammenzufassen wie auch zu parodieren, zu überzeichnen. Kenneth Anger, der unheimlich aussehende Thelema-Anhänger, der seinen Krebstod für Halloween ‘08 angekündigt hat, ist jetzt ganz oben auf meiner Watchlist. Da muss mehr gesehen werden.

[youtube IembP_LJk3w]

Ladies and Gentlemen – welcome to Violence! Über Russ Meyers epochalen Faster, Pussycat! Kill! Kill! (1965) hab’ ich vor fast auf den Tag genau einem Jahr einen recht brauchbaren Text geschrieben, der sich ein bisschen zu sehr darauf kapriziert, blöde Späße über Meyers Brust-Fetisch zu machen. Shame on me. Denn obwohl man natürlich, man verzeihe mir, nur schwer an den sekundären Geschlechtsmerkmalen von Tura Satana, Haji und Lori Williams vorbeikommt, bietet der Film mit seiner wirklich totalen und hundertprozentigen Umkehrung von filmischen Geschlechterrollen einen beinahe feministischen Ansatz. Naja, hinter etwa hundert Schichten purem Camp. Und ausserdem ist der Film ein Zitatenschatzkästchen, wie es Rainer Brandt in einer Übersetzung nicht hätte erzeugen können. Herrlich, ich finde ihn wunderbar.

[youtube eSdtmHhZd0I]

(mein WordPress tut inzwischen übrigens wieder fast so, wie es soll. Nur das Bildereinfügen macht noch Stress, deshalb ist zur Zeit die Videodichte hier auf’m Blog so hoch.)

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Gestern gesehen: Filmparodien-Tripel

Es gab einmal eine Zeit, da hatte das Gespann Zucker-Abrahams-Zucker den cinematischen Himmel der Filmparodie quasi für sich alleine gepachtet. In diesem goldenen Zeitalter der Filmparodie, den sonst eher umstrittenen Achzigern, war jeder Schuss ein Treffer, jede Pointe saß. Als Scary-Movie-geplagter Parodienfan von heute erinnert man sich nur noch mit einer Träne im Auge an jene güldenen Tage.

Oder? Sieht man mal näher hin, muss man erkennen, dass das ZAZ-Team insgesamt nur sechs Filme gemeinsam gemacht hat. Und die sind – bei näherer Betrachtung – mitunter auch reichlich dumm. Zwei der Filme gab’s gestern bei einem Filmabend mit den Kumpels.

Das Kentucky Fried Movie (1977) hat nicht nur die besondere Ehre, der erste Film des ZAZ-Teams zu sein, sondern auch die, offensichtlich eine große Inspiration für den berühmten Dr. Boll, dessen Erstlingswerk passend einfallsreich German Fried Movie heißt. Schön, wenn man sich als Inspiration einen Film wählt, dessen erste Dialogzeile “In das Popcorn, das sie essen hat jemand reingepisst” lautet.

Ein Satz, der dann auch schon das Niveau des restlichen Abends recht gut vorgibt. Aber halt, bis jetzt klingt das so, als würde mir der Film nicht gefallen. Er ist großartig, lieber Leser, großartig. Die Klinge, die die ZAZe führen, mag zwar nicht die Feinste sein, aber sie verfehlt ihr Ziel nie. Ob die im episodisch strukturierten KFM enthaltenen Filmparodien, Werbeclips, oder schlichten Sight Gags, sie alle kommentieren trefflichst Medienphänomene, die heute nicht minder aktuell sind wie damals, Ende der Siebziger.

Wenig überraschend auch, dass die meisten, ja oft sehr kurz gehaltenen Gags ihren Weg auf YouTube gefunden haben – die Zusammenhangslosigkeit der einzelnen Abschnitte erinnert an jene besonders YouTube-tauglichen Strukturen, die Kollege Heller auch bei Family Guy findet.

Wesentlich mehr interne Struktur bietet da schon der etwas später entstandene Top Secret! (1984). Der US-Sänger Nick Rivers (Val Kilmer) wird auf ein Kulturfestival der DDR eingeladen, verstrickt sich jedoch bald in einer Spionagegeschichte rund um den entführten Dr. Flammond und seine Tochter Waltraud.

Es regiert eine gepflegte Mischung aus leichtverständlichen Nonsens-Gags und Anspielungen auf Genre-Konventionen – die meisten davon sind lustig, obwohl ich den Film fast auswendig kann. Und das wiederum ist bemerkenswert, obwohl ich den schon seit Jahren (vielleicht sogar Jahrzehnten) nicht mehr gesehen habe.

Und das wäre jetzt eigentlich eine gute Gelegenheit gewesen, Versatzstücke aus einem Blog-Eintrag zu verwenden, an dem ich schon ewig schreibe, und den ich vermutlich eh nicht mehr fertig bekommen werde. Ich wollte nämlich länger schon ein kleines Essay über den aktuellen Status des Genres Filmparodie schreiben und mich darin über den Untergang dieses Genres auslassen. Meine eigene Argumentation, dass Filmparodien immer dümmlicher werden würden, lässt sich aber anhand der doch recht dümmlichen ZAZ-Filme leicht widerlegen, ebenso die Behauptung, es gäbe keine guten Parodien mehr. Denn an dieser Stelle kommt der dritte Film des Abends ins Spiel.

Ein Film, den ich selbst nicht nur als very, very “low brow” bezeichnet habe, sondern über den ich auch gesagt habe: “Mitunter sind die Witzchen so minderbemittelt, präpubertär und lächerlich (Fürze anzünden, sich selbst bepissen etc.) dass ich mich echt geschämt habe, zu lachen.” (Und zwar hab ich das hier gesagt). Aber wer das ganze Review liest, wird sehen, dass ich über Disaster! (2005) auch Gutes zu vermelden hatte.

Was sich seit dem Fantasy Filmfest ‘06 geändert hat, ist die Tatsache, dass der Film mit einer Synchro ausgestattet wurde. Und schlauerweise haben sich die Damen und Herren von e-m-s an den vermutlich einzigen deutschen Gegenwarts-Sprachkünstler gewandt, der zur Übersetzung eines solchen Machwerks in der Lage sein dürfte: Rainer Brandt. Deim einzig echten Rainer Brandt. Oh yeah, Baby! Und Herr Brandt fasst wirklich in die Vollen, und zeigt, wie viele Kalauer er aus der deutschen Sprache noch herausholen kann. So ist Disaster! auf deutsch nochmal um einiges lustiger als auf Englisch.

Fazit: ein rundum gelungener Abend parodistischer Heiterkeit, mit einem eher tieffliegenden Niveau. Die Kumpels waren begeistert. Fein!

[youtube K6699JGyEtI]

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Vorgestern gesehen: Euro-Action

Spion zwischen zwei Fronten (1966): Christopher Plummer spielt Eddie Chapman, einen britischen Bankräuber/Tresorknacker, der im Weltkrieg Numero zwo in die Hände der Nazis fällt und von ihnen zum Spion ausgebildet wird, bei seinem ersten Einsatz aber flugs die Seiten wechselt und fortan für Alliierte und Achse spioniert.

Der stark fiktionalisierte Film fällt vor allem dadurch auf, dass die Nazis überraschend gut wegkommen. Zum Einen haben sie die wesentlich bessere Besetzung in Form von Romy Schneider, Gert Fröbe und Yul Brynner (ultracool mit Monokel) – zum Anderen fällt eine relativ ambivalente Darstellung auf. Spion zwischen zwei Fronten setzt sich somit recht unangenehm zwischen zwei Stühle: für eine ernste Auseinandersetzung mit dem Weltkrieg ist der Film zu belanglos-fiktiv, für einen Kriegs-Action-Film a la Agenten sterben einsam wird deutlich zu viel geredet und zu wenig geballert. Dennoch recht unterhaltsam.

Der Profi II (1987) – den sogenannten ersten Teil hab’ ich vor geraumer Zeit gesehen, der zweite Teil war mir schon im Vornhinein eher als Fußnote des Jean-Paul-Belmondo’schen Schaffens bewusst – trägt er seinen Namen als zweiter Teil eines ersten doch eh nur im Deutschen. Mehr als den Namen und den Hauptdarsteller haben die beiden Filme nicht gemein. Ersterer ist ein grandios zynischer Euro-Actionfilm, zweiterer ein 08/15-Actionreisser, der so belanglos ist, dass es offenbar sogar Rainer Brandt die Sprache verschlagen hat. Einzig nennenswert ist die brechreiz-auslösende Eighties-Mucke und die teilweise dazupassend durchschlagenden Stilelemente. Absolut keine Anguck-Empfehlung.

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Gestern gesehen: Jodorowsky und Homo-Belmondo

Alejandro Jodorowskys psychedelisches, mit religiösen Symboliken überladenes Meisterwerk The Holy Mountain (1973) lässt sich eigentlich nicht in Worte fassen. Ergo versuche ich’s einfach gar nicht und lege dem Leser stattdessen nahe, sich den Film schleunigst reinzuziehen.

Widmen wir uns lieber dem Doppelfeature, das den Abend eigentlich geprägt hat und werfen wir einen Blick auf zwei klassische Euro-Actionfilme mit Jean-Paul Belmondo, die sich deshalb sehr gut zusammenfassen lassen, weil sie beide dezente homosexuelle Untertöne beinhalten.

Der Panther wird gehetzt – 1960 war allerdings noch Lino Ventura der coolste Euro-Actionheld, und so darf der olle Jean-Paul (der damals noch ziemlich jung war) nur ein bisschen supplieren: Abel “der Panther” (Ventura), gesuchter Raubüberfaller, versucht, mit Frau, Kindern und Gangsterpartner von Italien über die Grenze nach Frankreich zu fliehen – unterwegs werden aber Frau und Partner erschossen, sodass er sich mit den beiden Bemperln alleine in Nizza findet. Von Kollegen losgeschickt trifft Eric (Belmondo) ein, um ihn im Krankenwagen nach Paris zu schmuggeln und dort eine Weile zu verstecken.

Und ich orte in diesem sonst sehr soliden Euro-Kracher einen dezent homosexuellen Unterton aus der Richtung Bébel: vielleicht ist es das Drehbuch, das nur allzu unerklärt lässt, warum Eric Abel retten will und für ihn durch jedes Feuer geht. Da kann auch das Mädel, das er so im Vorübergehen angräbt nichts ändern.

In Der Greifer (1976) drehen sich dann die Verhältnisse um 180 Grad: Belmondo ist der Ex-Großwildjäger, der von der Regierung angeheuert wird, um semilegal Verbrecher zu jagen, und dessen momentanes Hauptziel die “Bestie” ist, ein homosexueller Flugbegleiter, der junge Männer zu grausamen Raubmorden anstiftet und dann um die Ecke bringt. Und, äh, das ist bei Weitem nicht so klischeehaft, wie es klingt. Aber zuerst möchte ich auf das exzellente und tiefschürfende Review bei Sauft Benzin, ihr Himmelhunde! hinweisen, das man gelesen haben sollte.

Und, haben Sie’s gelesen? Ja? Dann kann ich eigentlich nicht mehr viel hinzufügen… tolles Review! Naja, witzigerweise war ich (der ich das Review schon vor dem Film kannte) dank der Erwähnung von Rainer Brandt war ich aufs Schlimmste vorbereitet, und auch, wenn ich die französische Fassung weder kenne noch verstehen würde: die deutsche Fassung ist OK. Gut, ab und zu kalauert der Belmondo schon ein bisschen, aber von einer Minderung des kalten Existenzialismus, den Funkhundd und der Aussenseiter dem Film unterstellen ist keine Spur: der Film ist nach wie vor sehr düster (und der Belmondo grinst sich ja so oder so einen, also, so unpassend können die ein, zwei Schnoddereien gar nicht sein). Ein ausgesprochen gelungener, düsterer kleiner Actioner, fast noir-artig.

Da fällt mir auf: nicht nur der Böse ist ja schwul, zwischen dem Belmondo und seinem jungen Zögling scheint’s ja durchaus auch zu funken – und dann schliesst der Film auch noch mit einem Zitat von Wilde! Sehr lauwarm, muss ich sagen.

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