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Tag: Süßigkeiten

Gestern gesehen: aus aktuellem Anlass

Die bereits früher erwähnte aktuelle Retrospektive des österreichischen Filmmuseums über den Filmemacher Yasuzo Masumura ärgert mich – aus dem banalen Grund, dass ich  von allen Filmen, die mich interessiert hätten, nur einen einzigen sehen kann, aus Zeitgründen.

Giganten und Spielzeuge (Kyojin to gangu, 1958) – die drei Karamelbonbon-Hersteller World, Giant und Apollo liegen im ständigen Clinch um die höchsten Verkaufszahlen und im direkten Zusammenhang damit um die beste Marketing-Kampagne. Nichts ist den Konkurrenten zu blöd, in aktuellen Gewinnspielen werden lebende Tiere, Raumanzüge und Lebens-Subventionierungen verlost. Der wichtigste Marketingstratege bei World hat indes einen besonders raffinierten Plan: die lebenslustige Taxifahrerin Kyoko soll das neue Poster-Girl der Firma werden…

Mir liegt ein Vergleich auf der Zunge: Giganten und Spielzeuge ist in jeder Hinsicht eine Art Verfilmung eines Carl-Barks’schen Donald-Duck-Comics. Dieselbe satirische Überdrehtheit, sogar ein irgendwie ähnlicher visueller Stil – es fehlt eigentlich nur eine Übersetzung durch Dr. Erika Fuchs (leider gab’s nur englische Untertitel – die noch dazu ziemlich unscharf in die Filmkopie gelasert waren, grummel). Zugleich bietet der Film einen interessanten Blick auf die japanische Kultur Ende der Fünfziger, eine Kultur die (aber das dürfte auch etwas satirisch überhöht sein) sehr an die amerikanische angelehnt ist, jedoch ergänzt um den legendären japanischen Arbeitsethos. Hochinteressant!

Danach: wie der eine oder andere bereits mitbekommen haben mag, ist dieses Wochenende der Schauspieler Roy Scheider verstorben. Scheider ist einer dieser Schauspieler, die nie wirklich groß waren, aber die irgendwie jeder gekannt und gemocht hat – nicht nur wegen seiner Performance in Der weiße Hai. Und was gibt es Würdigeres, als einen Schauspieler durch den Genuss eines seiner Filme zu würdigen? Durch puren Zufall hatte ich gerade letzte Woche erst einen Film aufgenommen, den Ain’t it cool’s Quint in seinem Nachruf namedroppt: Sorcerer a.k.a. Atemlos vor Angst (1977), William Friedkins Remake des genialen Der Lohn der Angst.

Wie im Original geht es auch hier um Lastwagenfahrer, die unter höchsten Gefahren hochsensibles Nitroglyzerin im Laster über eine wilde, gefährliche Straße zu einem brennenden Ölbohrloch bringen müssen, damit dort der Brand durch Sprengung gelöscht werden kann. Friedkin ergänzt das Ganze liebevoll um Textur (in Rückblicken erfährt man die Vorgeschichte der Figuren), und um einen Schuss Zeitgenössisches – so spielt das Ganze in der obligatorischen fiktionalen Bananenrepublik-Diktatur, und die Ölgesellschaft steht in guter Verbindung zum Presidente – Zeitgeschichte eben.

Was wehtut, ist die Tatsache, dass es sich bei der von mir begutachteten Fassung um die europäische Version handelt, die im Vergleich zu Friedkins Fassung um gut 30 Minuten erleichtert und umgeschnitten wurde. Sehr ärgerlich, das. Der gute Roy ist natürlich trotzdem sehr cool. Bei Gelegenheit sollte ich mir mal die Originalversion ansehen.

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