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Tag: Teufel

Was ich mir diese Woche so angesehen habe

Ich sollte versuchen, bloggen wieder in meinem Tagesablauf unterzubekommen, damit die “Gestern gesehen”-Kategorie endlich wieder ihren Namen verdient – stattdessen beschränke ich mich heute mal auf eine kurze Rückschau, in der ich die Highlights der Woche zusammenfasse.

Das Wiener Stadtkino beehrte uns in den letzten zwei Wochen mit einem besonderen Gustostückerl: Christoph Schlingensiefs 1986er-Film Menu Total wurde gezeigt. Das Podiumsgespräch mit dem Künstler (der übrigens seit Kurzem nur noch einen Lungenflügel hat) am 3.10. habe ich leider versäumt, aber den Film ließ ich mir nicht nehmen. Ich war recht erstaunt, da ich vom Frühwerk Schlingensiefs noch nichts kannte. Der Film lässt sich am besten als eine Mischung aus dem frühen Buñuel, dem frühen Lynch und Helge Schneider beschreiben – Letzteres vor allem deswegen, weil der damals blutjunge Fitze-Fatze-Helge nicht nur die Hauptrolle und die Rolle des Adolf H. gibt, sondern auch die Musik beigesteuert hat – einen sanften Jazz, der dem seiner eigenen Filme nicht unähnlich ist. Insgesamt ein wahnsinnig beeindruckendes Werk, vor allem, wenn man bedenkt, dass es aus der Feder eines 26-Jährigen stammt. Ich muss mich dringend näher mit Schlingensiefs Filmschaffen auseinandersetzen.

Beziehungsweise: das habe ich dann auch gleich getan. Ebenfalls diese Woche habe ich mir dann noch Schlingensiefs nächsten, ebenfalls 1986 entstandenen Film Egomania – Insel ohne Hoffnung angsehen. Der Film lief vor Ewigkeiten mal in artes Trash-Reihe – und ganz ehrlich: in die Schiene passt er auch ganz gut. Denn wenn ein hemmungslos overactender Udo Kier im Dracula-Cape durch Kenneth-Anger-artige Farb-Alpträume samt passender Weichspülmusik torkelt und Derek Jarmans Chefmuse Tilda Swinton verführt (oder so, der Film ist für Interpretationen recht offen), dann hat Schlingensief offensichtlich größte Gaudi, die ohnehin nur noch vagen Grenzen zwischen Art und Abfall weiter zu verwischen. Klasse. Notiz: Kiers Figur heißt laut IMDb “Baron Tante Teufel” – ich glaube, so nenn’ ich meinen Erstgeborenen.

Bleiben wir bei Udo Kier: die Kumpels haben mir ja schon vor längerer Zeit zum Geburtstag einen Stapel DVDs aus der Edition der Standard geschenkt, und ein Film, der mich schon seit Längerem gereizt hat, ist Schamlos (1968) von einem gewissen Eddy Saller, der auf dem DVD-Umschlag als der “österreichische Russ Meyer” bezeichnet wird. Und tatsächlich entpuppt sich Saller als ein heimischer Meister des Sleaze: ganz old-School-Exploitation-mäßig wird erklärt, dass der nachfolgend geschilderte authentische Kriminalfall mit echten Mitgliedern der Wiener Unterwelt als Schauspielern inszeniert worden sei, natürlich nur der Akkuratheit wegen. Der Vergleich mit Russ Meyer zieht allerdings nur bedingt, denn zwar hat Hauptdarstellerin Marina Pool mächtig Holz vor der Hütte und auch keine Scheu, dieses regelmäßig vorzuführen, aber das ist nie so sehr der Mittelpunkt des Films wie bei Meyer. Stattdessen findet sich dort eine mitunter eher banale und in der Auflösung recht vorhersehbare Krimigeschichte, deren 20-jähriger krimineller Hauptakteur niemand anderes als der eingangs schon genannte Trashbaron Kier ist.

Und bleiben wir bei der österreichischen-Film-Edition: zur bestandenen Filmakademie-Aufnahme haben mir die Kumpels wieder einen Film der Reihe geschenkt, und zwar Raffl (1984). Eine gute Wahl, denn der Regisseur, Kameramann und Mit-Autor des Films Christian Berger unterrichtet mich jetzt im Fach Kamera. Im Film geht es um den Mann, der laut Legende/Historie den großen Tiroler Volkshelden Andreas Hofer an die elenden Bayern verriet. Für den Filmking war es gleich eingangs eine nette Feststellung, dass nicht nur Christian Berger einer von uns ist, sondern auch Dietmar “Cliff Allister McLane” Schönherr, der im Film einen Priester spielt. Stilistisch erinnert der Film stark an Arbeiten von Werner Herzog oder Volker Schlöndorff (aber vielleicht kommt mir das auch nur wegen der Maultrommel im Soundtrack so vor), besonders hervorhebenswert sind die schönen Bilder des größtenteils winterlichen Tirols.

Und sonst noch: Arielle, die Meerjungfrau und Hudsucker – der große Sprung: beides gemeinsam mit der Freundin, die letzteren, obwohl sie großer Coen-Fan ist, noch nicht gesehen hatte.

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Gestern gesehen: Da steh’ ich nun, ich armer Tor…

Meine mittlerweile fast kultische Verehrung des österreichischen Filmmuseums hat mit der Entdeckung des zyklischen Programms “Die Utopie Film” (einer historischen Annäherung an das Konzept Film) neue Höhen erreicht. Vor zwei Wochen hab’ ich mir schon Erich von Stroheims ewigen Klassiker Greed angesehen (Review folgt), gestern gab’s einen schönen Klassiker des deutschen Expressionismus: F.W. Murnaus Faust (1926), seinen letzten in Deutschland gedrehten Film.

Der Fauststoff mag primär mit der Goethe-Bearbeitung assoziiert werden, Murnaus Verfilmung jedoch nimmt davon jedoch Abstand und orientiert sich mehr an der Volkssage. Die Grundelemente sind jedoch vorhanden: Dr. Faust, ein alternder Gelehrter, geht zwecks Wissensvermehrung einen Pakt mit dem Teufel (Emil Jannings) ein (konkret will Faust ein Heilmittel für die um ihn wütende Pest finden) verliebt sich in Gretchen, bla bla, Duell, bla, Erlösung durch LIEBE.

Drastisch interessanter als die (vor allem in der zweiten Hälfte ziemlich absackende) Handlung sind die unglaublichen Bilder, die Murnau da zeichnet. Die typisch expressionistisch fast an der Grenze zur Statik entlangschwammenden, genialst chiaroscuro-artigen Bilder sprengen beinahe die Leinwand, Jannings posiert sich als unheimlicher bzw. unheimlich cooler Mephisto durch die düstere Kulisse – grandios. Naja, die zweite Hälfte sackt wie bereits angedeutet schon ziemlich ab, auch visuell. (Im Filmmuseum wurde parallel auch das Gelächter etwas lauter – einige Momente der Romanze mit Gretchen grenzen stark ans Komödiantische.) Für Expressionismusfans wie den Filmking ist Murnaus Faust dennoch ein absolutes Muss.

Batman, Batman, Batman!

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Fernsehtipps, Ausgabe 17/08

SAMSTAG

Schindlers Liste (20.15, Das Vierte) – Spielbergs großartiges Schwarzweiß-Epos über den Fabrikanten Oskar Schindler.

Hellboy (21.45, ORF 1) – Big Red a.k.a. der freundliche Dämon, der gerne Lovecraft’sches Übel verkloppt. Fun.

Kuss der Spinnenfrau (00.50, MDR) – Homosexueller und Revoluzzer, gemeinsam im Gefängnis eines repressiven südamerikanischen Staates. (review)

Der Teufel mit der weißen Weste (02.20, ARD) – herrlich düsterer Gangsterfilm von Melville.

The Quiet Earth (02.45, ZDF) – ständig in den Fernsehtipps gefeaturte (?) neuseeländische Science-Fiction-Perle. (review)

SONNTAG

Moby Dick (00.00, SWR) – schöne Literaturadaption von John Huston. (review)

Der Adler ist gelandet (00.45, NDR) – ans Trashige grenzender WKII-Actioner.

DIENSTAG

Nur die Sonne war Zeuge (22.10, WDR) – gerade erst auf’m Blog gefeaturte Highsmith-Mr.Ripley-Verfilmung. (superkurzreview)

MITTWOCH

War Games (20.15, Kabel 1) – Broderick, das Computergenie – ein Klassiker der Achziger. (review, essay)

Das Geheimnis ihres Todes The Virgin Suicides (23.45, BR) - bla bla deutscher Titel bla bla Fernsehsender bla bla.

DONNERSTAG

Die Reise des jungen Che (21.00, arte) – The Motorcycle Diaries.

Die 13 Söhne des gelben Drachen (23.20, Das Vierte) – Welcher Shaw war das noch mal? (review)

Die Strohpuppe (00.50, ARD) – Recht cooler Thriller mit dem Connery. (review)

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Gestern gesehen: Menschenfischer

Die Bibelfesteren unter den Filmblog-Lesern können den obigen leicht unheimlichen Ausdruck natürlich sofort zuordnen und ahnen: die österliche Bibelfilm-Saison hat wieder begonnen. Einmal im Jahr bolzen die Sender nämlich wieder ihren Bestand an monumentalverfilmten Christengeschichten raus und erfreuen damit den Filmking, der dieses Genre trotz agnostischer Tendenzen im eigenen Glaubenssystem nicht ungerne mag und sich zur österlichen Zeit ganz gerne den einen oder anderen Monumentalschinken reinzieht. Das Vierte ist heuer besonders stark dabei mit einer dreiteiligen Reihe namens “Jesus Christ Superstar” und präsentiert unter anderem Die größte Geschichte aller Zeiten (1965). (Oder, wie mein Bruder gefragt hat: “Was? Die unendliche Geschichte?” – Naja, fast.)

Und anders als beim vorgestrigen Traffic bin ich diesmal nicht zu faul, das gewaltige Staraufgebot aufzulisten, das Produzent/Regisseur George Stevens da versammelt hat: José Ferrer, Charlton Heston, Martin Landau, Angela Lansbury, Donald Pleasence (als der Teufel), Sidney Poitier (rockt, wie immer), Claude Rains (in seiner letzten Rolle), Telly Savalas (als World’s Coolest Pilate), Shelley Winters und niemand Geringerer als der Duke. Der Duke. Ich hätte ihn ja als Jesus besetzt. Stattdessen beschränkt sich des Dukes Wirken auf eine einzelne Zeile in der Totalen, um die die Legende geht, dass der Duke sein “truly this man was the son of God” auf die Weisung hin, mehr Emotion zu zeigen (ein echter Mann zeigt keine Gefühle! Auch nicht wenn der Heiland stirbt!) und mehr Erstaunen – dass er diese Zeile umgebaut haben soll zu einem “Aw, truly this man was the son of God.” Glaub ich sofort.

Die gesamte Besetzung muss sich jedoch einem unterordnen, dem Sohn Gottes natürlich, Max von Sydow. Max von Sydow, Ladies und Gentlemen. Und, Ladies und Gentlemen, der Filmking gibt es ja gerne zu: wenn es eine Gelegenheit dazu gibt, teilt der Filmking gerne ein paar böse Seitenhiebe Richtung Christentum aus. Und in Sachen Jesus Christus Erlöser hatten wir ja schon den Teenage Jesus und den Kommunistenjesus (für Zombie Jesus hat’s noch nicht gereicht) – aber Max von Sydow? Das ist fast zu leicht.

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Und ja, lieber cinephiler Leser: ich vernachlässige Von Sydows duzende Arbeiten für Bergman, seine vielen Preise und Auszeichnungen zugunsten seiner trashigsten Performance und der Möglichkeit, doofe Filmzitate auszupacken. Klytus, I’m bored. What play thing can you offer me today?

Irgendwie kann ich nämlich nicht umhin, Von Sydows Jesus ein kleines Bisschen unheimlich zu finden – diese stechend blauen Augen, der verklärte Blick, das ihn ständig umgebende Leuchten – spooky. Passt aber ganz gut in George Stevens’ leicht expressionistische Kulisse, die sich zwar nur mäßig mit den dann wieder recht naturalistischen Landschaftsaufnahmen paart, dafür aber sehr an Fellini erinnert. Die Verurteilungsszene vor Pilatus: einfach herrlich!

Summa Summarum ein sehr interessanter Film, der zwar in seiner epischen Breite etwas lang geraten ist, das durch seine detailreiche und interessante Erzählweise aber wieder ausgleicht. Sehr sehenswert, nicht nur für Bibeltreue.

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You pitiful fool! My life is not for any Earthling to give or take!

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Gestern gesehen: schon Bekanntes, halbromantisch

Mit der Freundin macht’s doppelt Spaß, sich Filme anzusehen, speziell, wenn man sie schon in- und auswendig kennt.

Das Hitchcock-Gesamtwerk im Filmmuseum ist zwar schon vorbei, aber das heißt noch lange nicht, dass man sich keine Hitch-Filme mehr ansehen darf. Es ist schade, dass ich den Filmblog nicht schon drastisch länger führe, sonst könnte man eine recht schöne Entwicklung zu Über den Dächern von Nizza (1955) feststellen. Hitchcocks romantische Krimikomödie um Ex-Meisterdieb Cary Grant und seinen Soll-Nicht-beklaut-werden-Schützling Grace Kelly  hat mir nämlich, als ich sie das erste Mal sah gar nicht so sehr gefallen. Mit jeder weiteren Betrachtung hat mich der Film (und vor allem der unheimlich schön eingefangene Charme Nizzas bzw. Südfrankreichs allgemein) mehr verzaubert. Und diesmal, nachdem der Abstand zur letzten Sichtung doch ziemlich groß war, stelle ich fest: ich bin regelrecht begeistert! (Und ich vergesse jedes Mal, wer denn nun wirklich der Dieb war, was den Genuss des Films umso mehr steigert).

Danach ein Film, der eher zufällig im Fernsehen lief, und der in Anwesenheit der Freundin gleich völlig anders von mir goutiert wurde: Jungfrau (40), männlich, sucht (2005). Es finden sich übrigens zwei Reviews auf’m Blog, beide eher knapp, eines davon gar nicht so schlecht. Deshalb konzentriere ich mich eher auf ein paar Randaspekte:

Synchro: nachdem ich bisher nach der grauenhaften Anchorman-Synchro-Erfahrung bei allen Komödien aus dem Frat-Pack-Dunstkreis Synchros gemieden habe wie der Teufel das Weihwasser, war ich diesmal durch die Konsumation des Films im Fernsehen (ORF 1,by the way) quasi zur Synchro-Hörung gezwungen — und Positiv überrascht. Die Jungfrau-Synchro ist ziemlich gut gemacht und fängt den Humor des Originals bemerkenswert gut ein.

Seth Rogen: irgendwie scheint es ja damals jedem so gegangen zu sein: Rogens Rolle als Nebenfigur Cal [der Typ mit dem Stützgürtel] war so auffällig gut, dass Rogen (der gerade mal ein popeliges Jahr älter ist als ich) im Moment zu den totalen Comedy-Aufsteigern Hollywoods gehört. Dank Apatow. Knocked Up/Beim ersten Mal: recht solide, Superbad: Geil, geil, geil.

Mit der Freundin: gewinnt der Humor des Films gleich an Tiefe, da man erst so richtig richtig merkt, was für primitive Idioten Andys Freunde bzw. Männer im Allgemeinen eigentlich sind. (Oh Gott, ich hör’ mich ja schon an wie eine Frau! Ich muss mir sofort ein paar Duke-Filme ansehen, mich im Schritt kratzen und einen Eber schlachten. Testosteron! Ich brauche Testosteron!).

Alles in allem: ein netter Abend.

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Vorgestern gesehen: Bestes vom Besten

Ein Kollege von der Uni hat mich auf die Webseite They Shoot Pictures, Don’t They? gestoßen, und auf deren 1,000 Greatest Films-Liste. Deren Top 100 hat mich ein wenig schockiert, denn bemerkenswerterweise kenne ich insgesamt ganze 38 der 100 Filme noch nicht. Es ist also recht warscheinlich, dass sich in nächster Zeit mehr Filme aus dieser Liste hier auf’m Blog finden.

Den Anfang macht Jean Renoir’s Die Spielregel (La Règly du jeu, 1939) – die beiden wichtigsten Renoirs (diesen hier und La Grande Illusion) kannte ich nämlich bisher noch nicht. Die Untertitel der von mir besehenen Version waren bemerkenswert schlecht, und da sich meine Französischkenntnisse auf insgesamt etwa sieben Worte beschränken hat das meinen Filmgenuss dann doch deutlich geschmälert. Nichtsdestotrotz bekam ich ein Gefühl dafür, was für ein exzellenter Film das doch ist: großartige Satire auf die Oberschicht, vielschichtig und raffiniert.

Ähnlichkeiten zu Altmans Gosford Park fallen auf und sind nicht zufällig: Altmans Film scheint stark inspiriert von dieser Gruppe von amourös ineinander verschränkten Bourgeois (das waren jetzt übrigens zwei meiner sieben Worte), die sich da zu Jagd und Tollerei treffen, während draussen der Weltkrieg Numero zwo in den Startlöchern liegt. Dass der Film der drittbeste aller Zeiten ist, kann ich momentan noch nicht unterschreiben (obwohl ich mit Platz eins und zwei durchaus einverstanden bin) – allerdings halte ich den Film für einen massiven Grower.

Danach war’s schon recht spät, und ich wollte nur noch Kurzes genießen. Passend gab’s etwas Kurzes vom Luis Buñuel, der in der Top-100-Directors-Liste immerhin auf Platz 10 fungiert. Simon in der Wüste (1965): Simon, ein hochreligiöser Mann im 4. Jhdt., sitzt auf einer hohen Säule, um näher bei Gott zu sein. Neben allerlei lästigen Bittstellern stört ihn vor allem auch der Teufel, der ihn in Frauengestalt besucht und ihn allerlei Verführungen aussetzt.

Und wenn man nicht genau hinsieht, übersieht man vielleicht völlig, dass es sich bei dem Film um beissend satirische Religionskritik handelt. Ich vermute, dass die geschickte Verstecktheit der Satire mitgeholfen hat, dass Buñuel den Film überhaupt machen konnte. Herrlich! Eigentlich parodiert der Film in seinen knapp 45 Minuten das gesamte christliche Weltbild – wunderbar, wie geschickt der Luis auf die Reihe bekommen hat.

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Aw, crap.

Guillermo del Toro parodiert den Stil seines oscargekrönten Meisterwerkes Pans Labyrinth recht gut im Trailer für seinen neuen Film. Zu finden auf dessen Homepage. Hurra!

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Gestern gesehen: Infernales

Der teuflische Mr. Frost (1990) a.k.a. Jeff Goldblum ist ein Psychopath, der gleich zu Beginn des Films mit 24 Leichen im Keller gefunden wird. Nachdem sich Frost (über den die Polizei nichts herauszufinden vermag, das über seinen Nachnamen hinausgeht) bei der Verhandlung bockig stellt, und kein Wort mehr spricht, landet er über Umwege in einer psychiatrischen Klinik bei Ärztin Dr. Sarah Day (Kathy Baker), der er erklärt, der Beelzebub persönlich zu sein.

Es ist lustig: der Film tingelt schon eine Weile durch das Spätnachtprogramm, und die Prämisse (Jeff Goldblum als potentieller Herr der Fliegen) war reizvoll genug für mich, den Film quasi zu verfolgen. Irgendwie ist es mir bei den letzten drei, vier Ausstrahlungen nämlich nie gelungen, den Film tatsächlich zu sehen – und wie immer in solchen Fällen ist dann schon alleine dieses Scheitern ein Grund, umso interessierter am Film zu sein.

Goldblum als der Luzifer: bestimmte Schauspieler scheinen für diese Rolle geradewegs gemacht, und so ist es immer ein Genuss, einen angemessen diabolischen Schauspieler als Mephistopheles zu sehen (ich denke da beispielsweise an Al Pacino – oder an Tom Waits, der demnächst in irgendeinem Film den Leibhaftigen geben wird). Und interessanterweise ist ja eine konventionelle Darstellung des Deibels im Faust’schen Sinne sehr out geworden: nur gelegentlich taucht er einfach auf, und sagt “Hallo, ich bin’s, der Gehörnte, gib mir deine Seele” – stattdessen gibt’s entweder das große Überraschungsende, bei dem sich der geheimnisvolle Mr. XY plötzlich als der Höllenfürst herausstellt, oder eine “Ist er’s, oder ist er’s nicht”-Herumkokettiererei.

Um den Film jetzt endlich aus dem Weg zu schaffen: er ist ein konfuser Schmarrn, der bis auf die solide Schauspielleistung von Goldblum nix zu bieten hat. In der Tat haben wir hier ein “Is’ er’s”-Kokketier, nur dass sich der Zuseher fragt: “interessiert mich das, oder interessiert mich das nicht die Bohne?” Verzweifelt greift der Film nach einer Art symbolischer Bedeutung oder höherer Lesbarkeit, denn immerhin ist der Gottseibeiuns ja nicht irgendwer, sondern eine Figur mit von Volkstum, Büchern und anderen Filmen herrührenden Parametern. Eine derartige Bedeutung findet sich nicht, und so bleibt Goldblums Interpretation kaum mehr als ein gedroppter Name.

Kommen wir besser zum nächsten Film: Brian de Palmas Sisters – Schwestern des Bösen (1973). Interessanterweise deutet hier der deutsche Titel mehr Paranormales an, als tatsächlich im Spiel ist (dasselbe ist De Palma später noch einmal passiert, mit Carrie, die im Deutschen als Des Satans jüngste Tochter umgedeutet wurde). In Wahrheit verbirgt sich hinter dem Titel ein Film, der zwar durchaus noch als “Horrorfilm” angesehen werden kann, eigentlich aber dem Suspense im Hitchcock’schen Sinne näher verwandt ist. Beziehungsweise, De Palma ist ja bekanntermaßen ein großer Hitchcock-Verehrer, und so kann man die Sisters durchaus als eine Art Fingerübung im Hitchstil verstehen.

Danielle (Margot Kidder) ist eine junge Frau, die gerade erst begonnen hat, eine Karriere als Model und Schauspielerin zu machen. Als sie einen jungen Mann kennenlernt und mit nach Hause nimmt, vergisst sie, ihm zu sagen, dass dort ihre homizidale, ehemals siamesische Schwester auf ihn wartet…

Und auch wenn der sichtlich niedrigbudgetäre Film nur um Haaresbreite daran vorbeigleitet, ein Trashfilm zu sein, habe ich dem verschwurbelten Plot gegenüber doch leichte Inhibitionen. Die späte Stunde und meine enorme Müdigkeit gestern verhindern, dass ich mich darauf einlasse, die Logik des Films näher zu zerpflücken – aber irgendwo dürfte da der Wurm drin sein. Trotzdem: sehr unterhaltsam, speziell wegen der damals gerade bezaubernden Margot Kidder (a.k.a. Lois Lane aus den klassischen Superman-Filmen), die, wie ich herausgefunden habe, mittlerweile (passend zum Film) manisch-depressiv geworden ist.

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Gestern – vorgestern: Unheimliches

So irgendwie in die Ritzen der Viennale hab’ ich dann die letzten Tage auch noch zwei andere Filme gequetscht:

Angel Heart (1987) hab’ ich schon vor Ewigkeiten mal gesehen, damals aber nur so halb und halb verschlafen und irgendwie überhaupt nicht so richtig. Mickey Rourke spielt Harry Angel, Privatdetektiv, der für den unheimlichen Südstaatler Louis Cyphre (Robert De Niro) einen gewissen Johnny Favorite finden soll. Auf Harry warten einige ausgesprochen böse Überraschungen…

Und so dämlich wie die Figurennamen ist der Film zum Glück nicht. Ihm mag zwar manchmal ein bisschen die notwendige Rafinesse fehlen, insgesamt überzeugt er aber doch mit einer Stimmung, die so ein bisschen in Richtung “Southern Gothic” geht (allerdings mehr im traditionellen Grusel-Sinne). Irgendwie sehr Late-Eighties, aber doch auch sehr genießbar.

Donovans Hirn (1953): ein Wissenschaftler hat eine neue Methode entwickelt, Gehirne ausserhalb des Körpers am Leben zu erhalten und kann diese gleich an einem schwer verunglückten Multimillionär testen. Doch das entkörperte Gehirn übernimmt von seinem Brutkasten aus die Kontrolle über den Wissenschaftler und benutzt ihn, um alte Rechnungen zu begleichen…

Eine offensichtlich mehrfach adaptierte Geschichte – IMDb verweist auf zwei weitere Filmversionen und ein Radiohörspiel in dem Orson Welles (wer sonst) die Stimme des Wissenschaftlers gibt. Diese Version hier ist ein recht passables B-Filmchen, das zumindest Genre-Fans etwas Freude bereiten dürfte.

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“Wir hätten uns doch lieber einen Goldfisch kaufen sollen.”

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Gestern gesehen: Kriegs-Action-Zeugs

Und wieder kann ich einen Film von der Oktober-Wunschliste abhaken: Zeit, Geld und Kinolust haben offensichtlich gereicht, und so gab’s gestern Operation: Kingdom, einen Militär-Actionfilm, der von einem fiktiven Einsatz in Saudi-Arabien erzählt. Bereits im Kino (noch bevor der Film startete) stieg mir allerdings eine ganz grundlegende Frage in den Kopf: was mach’ ich hier?

Ich bin nämlich nicht gerade die unbedingte Zielgruppe eines solchen Films, und normalerweise ist Operation: Kingdom genau die Sorte Film, die frühestens auf DVD, eher aber erst im TV oder gar nicht von mir geguckt werden. Irgendwie (keine Ahnung, warum) fand ich mich dann aber doch in Saal neun eines hiesigen Multiplexes und, äh, war dann auf irgendeine Weise doch vom Film ganz gut unterhalten.

Kurz die Handlung anreissen: Saudi-Arabien, wichtigster Öl-Exporteur der Welt, leidet an einem inneren Konflikt: eine Quasi-Partnerschaft mit den USA, dem wichtigsten Öl-Importeur der Welt, hat das Land reich gemacht, die starken westlichen Einflüsse sorgen in dem strengislamischen Land aber für Probleme. Als ein fieser Anschlag auf eine US-Enklave zahlreiche Menschenleben fordert, schleust FBIler Jamie Foxx sein Team (u.a. Jennifer Garner, Chris Cooper, Jason Bateman) semi-legal nach Saudi-Arabien, um dort gemeinsam mit den Saudis Ermittlungen anzustellen. Doch die Ermittlungen gestalten sich in der repressiven Umgebung als schwierig.

Schwierig ist auch der Film anzusehen, primär, weil er sich die längste Zeit ziemlich zieht. “Schwierige Ermittlungen” sind eben etwas, was nicht unbedingt spannend sein muss. (Das Highlight der Ermittlungs-Szenen ist eine Montage, in der Chris Cooper ein Schlammloch leerpumpt.) Die Figuren werden nie sonderlich sympathisch – Jamie Foxx’ Figur Ronald Fleury heißt wie ein McDonalds-Eis, und Jennifer Garner hat deutlich zu wenig Screen Time.

Die Garner war auch ein wesentlicher Grund, warum ich mir Operation: Kingdom überhaupt angesehen habe – ich bin serienmäßig im Moment nämlich auch mit der letzten Staffel von Alias beschäftigt, und so hat sich bei mir im Moment durchaus eine Art Garner-Interesse eingestellt. Leider bleibt Garners Figur völlig uninteressant und flach – naja, “flach” eigentlich nicht. Denn, wie soll ich sagen… ihre…äh…Br… passiert sowas nach Schwangerschaften?…sie sind nämlich irgendwie… größer… säugetierartiger. Olivfarbene T-Shirts.

Die Darstellung des nahen Ostens: ich war geneigt dem Film eine allzu geflissentliche Einhaltung des gängigen Hollywood-Klischees zu unterstellen. Saudi-Arabien als total repressive Gesellschaft, dazwischen böse, böse Terroristen, die von Grund auf böse sind. Böööse! Zwischen Jamie Foxx und dem saudischen Verbindungsoffizier Al Ghazi gibt’s jede Menge Male Bonding und Freundschaft über alle Grenzen – weswegen der auch als liebevoller Familienvater dargestellt werden darf. Was irritiert, ist das Verhalten der Amerikaner: anfangs habe ich Foxx und Co.’s rechthaberisch-präpotentes Getue als actionfilmtypisches Phrasendreschen missgedeutet, dann als ungewollte amerikanische Selbstreflexion. Der durchaus gelungene Schluss lässt aber vermuten, dass die Selbstreflexion gar nicht so ungewollt ist, denn – seien wir ganz ehrlich: das Situationsbild, das der Film zeichnet, ist eigentlich ganz und gar nicht unrealistisch.

Das Hauptproblem, das ich dennoch mit Operation: Kingdom habe ist, dass ein Actionfilm (und der Film macht sich nie einen Hehl daraus, dass er genau das ist) einfach nicht das richtige Medium ist, um eine so komplizierte Situation wie die im nahen Osten adäquat wiederzugeben. Trotz dem hohen Maß an Intelligenz, die der Film an allen Ecken zu zeigen versucht, behält er doch die Subtilität und das Fingerspitzengefühl einer Handgranate. Bumm!

Und danach nochmal dasselbe, vierzig Jahre älter: Sie fürchten weder Tod noch Teufel (1966), die französischen Fallschirmjäger rund um Anthony Quinn und Alain Delon – auch nicht im Algerienkrieg. Der Film beginnt allerdings im Indochina-Krieg, und skizziert somit in den ersten 45 Minuten recht genau, um was es ihm geht: Frankreich verliert stückweise seine Kolonien, und kommt damit nicht so richtig zurecht.

Und genau wie bei Operation Kingdom ist es auch hier ein (damals noch recht zeitnahes) ernstes Thema, das eine überraschend ausgewogene, dennoch ein wenig plumpe Behandlung erfährt. Was noch mehr überrascht ist, wie schlecht zum Schluss hin die Hauptfiguren wegkommen, insbesondere Quinn als der liebenswürdige, talentierte Kommandant.

Interessant ist der Film in zweierlei Hinsicht: als Zeitdokument, und als Vertreter des damals so populären Kriegs-Action-Genres. In beiden Sparten gibt er sich recht solide und unterhaltsam. Durchaus sehenswert.

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Ich sollte wieder mehr Bilder auf’m Blog posten.

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