Was ich mir diese Woche so angesehen habe
Ich sollte versuchen, bloggen wieder in meinem Tagesablauf unterzubekommen, damit die “Gestern gesehen”-Kategorie endlich wieder ihren Namen verdient – stattdessen beschränke ich mich heute mal auf eine kurze Rückschau, in der ich die Highlights der Woche zusammenfasse.
Das Wiener Stadtkino beehrte uns in den letzten zwei Wochen mit einem besonderen Gustostückerl: Christoph Schlingensiefs 1986er-Film Menu Total wurde gezeigt. Das Podiumsgespräch mit dem Künstler (der übrigens seit Kurzem nur noch einen Lungenflügel hat) am 3.10. habe ich leider versäumt, aber den Film ließ ich mir nicht nehmen. Ich war recht erstaunt, da ich vom Frühwerk Schlingensiefs noch nichts kannte. Der Film lässt sich am besten als eine Mischung aus dem frühen Buñuel, dem frühen Lynch und Helge Schneider beschreiben – Letzteres vor allem deswegen, weil der damals blutjunge Fitze-Fatze-Helge nicht nur die Hauptrolle und die Rolle des Adolf H. gibt, sondern auch die Musik beigesteuert hat – einen sanften Jazz, der dem seiner eigenen Filme nicht unähnlich ist. Insgesamt ein wahnsinnig beeindruckendes Werk, vor allem, wenn man bedenkt, dass es aus der Feder eines 26-Jährigen stammt. Ich muss mich dringend näher mit Schlingensiefs Filmschaffen auseinandersetzen.
Beziehungsweise: das habe ich dann auch gleich getan. Ebenfalls diese Woche habe ich mir dann noch Schlingensiefs nächsten, ebenfalls 1986 entstandenen Film Egomania – Insel ohne Hoffnung angsehen. Der Film lief vor Ewigkeiten mal in artes Trash-Reihe – und ganz ehrlich: in die Schiene passt er auch ganz gut. Denn wenn ein hemmungslos overactender Udo Kier im Dracula-Cape durch Kenneth-Anger-artige Farb-Alpträume samt passender Weichspülmusik torkelt und Derek Jarmans Chefmuse Tilda Swinton verführt (oder so, der Film ist für Interpretationen recht offen), dann hat Schlingensief offensichtlich größte Gaudi, die ohnehin nur noch vagen Grenzen zwischen Art und Abfall weiter zu verwischen. Klasse. Notiz: Kiers Figur heißt laut IMDb “Baron Tante Teufel” – ich glaube, so nenn’ ich meinen Erstgeborenen.
Bleiben wir bei Udo Kier: die Kumpels haben mir ja schon vor längerer Zeit zum Geburtstag einen Stapel DVDs aus der Edition der Standard geschenkt, und ein Film, der mich schon seit Längerem gereizt hat, ist Schamlos (1968) von einem gewissen Eddy Saller, der auf dem DVD-Umschlag als der “österreichische Russ Meyer” bezeichnet wird. Und tatsächlich entpuppt sich Saller als ein heimischer Meister des Sleaze: ganz old-School-Exploitation-mäßig wird erklärt, dass der nachfolgend geschilderte authentische Kriminalfall mit echten Mitgliedern der Wiener Unterwelt als Schauspielern inszeniert worden sei, natürlich nur der Akkuratheit wegen. Der Vergleich mit Russ Meyer zieht allerdings nur bedingt, denn zwar hat Hauptdarstellerin Marina Pool mächtig Holz vor der Hütte und auch keine Scheu, dieses regelmäßig vorzuführen, aber das ist nie so sehr der Mittelpunkt des Films wie bei Meyer. Stattdessen findet sich dort eine mitunter eher banale und in der Auflösung recht vorhersehbare Krimigeschichte, deren 20-jähriger krimineller Hauptakteur niemand anderes als der eingangs schon genannte Trashbaron Kier ist.
Und bleiben wir bei der österreichischen-Film-Edition: zur bestandenen Filmakademie-Aufnahme haben mir die Kumpels wieder einen Film der Reihe geschenkt, und zwar Raffl (1984). Eine gute Wahl, denn der Regisseur, Kameramann und Mit-Autor des Films Christian Berger unterrichtet mich jetzt im Fach Kamera. Im Film geht es um den Mann, der laut Legende/Historie den großen Tiroler Volkshelden Andreas Hofer an die elenden Bayern verriet. Für den Filmking war es gleich eingangs eine nette Feststellung, dass nicht nur Christian Berger einer von uns ist, sondern auch Dietmar “Cliff Allister McLane” Schönherr, der im Film einen Priester spielt. Stilistisch erinnert der Film stark an Arbeiten von Werner Herzog oder Volker Schlöndorff (aber vielleicht kommt mir das auch nur wegen der Maultrommel im Soundtrack so vor), besonders hervorhebenswert sind die schönen Bilder des größtenteils winterlichen Tirols.
Und sonst noch: Arielle, die Meerjungfrau und Hudsucker – der große Sprung: beides gemeinsam mit der Freundin, die letzteren, obwohl sie großer Coen-Fan ist, noch nicht gesehen hatte.


Der Fauststoff mag primär mit der Goethe-Bearbeitung assoziiert werden, Murnaus Verfilmung jedoch nimmt davon jedoch Abstand und orientiert sich mehr an der Volkssage. Die Grundelemente sind jedoch vorhanden: Dr. Faust, ein alternder Gelehrter, geht zwecks Wissensvermehrung einen Pakt mit dem Teufel (Emil Jannings) ein (konkret will Faust ein Heilmittel für die um ihn wütende Pest finden) verliebt sich in Gretchen, bla bla, Duell, bla, Erlösung durch LIEBE.



