Fernsehtipps Ausgabe 21/06

Lobet den Herrn,

Denn selbst an seinem Geburtstag hat er noch Zeit, Fernsehtipps zu verfassen. Hurra. Und angesichts des Feiertags - und damit meine ich den kommenden Donnerstag, der ja irgendein Maria Dies-und-Das ist, und nicht meinen Geburtstag - ist das Programm diesmal sogar ein wenig üppiger.

Samstag

Bereits am Samstag Vormittag geht es diesmal mit einem Highlight los: Was gibt's Neues, Pussy ist Woody Allens erstes Spielfilmdrehbuch - eine Nebenrolle hat er selbst auch, in den Hauptrollen brillieren aber Peter O'Toole, Romy [Sissy] Schneider und der göttliche Peter Sellers. (11.00, ORF 2)

Im Hauptabendprogramm kämpfen dann zwei Klassiker um die Zuseherschaft: Der weisse Hai darf auf ATV+ zeigen, dass man auch mit 32 Jahren noch kraftvoll zubeissen kann (20.15, ATV+),

Und parallel dazu kämpft Harrison Ford als Präsident um die Wählerstimmen des Action-Publikums: in der Air Force One. (20.15, RTL)

Danach kann man sich noch ein wenig kritisch mit der katholischen Kirche auseinandersetzen: in Kevin Smiths vierter Komödie Dogma. (22.10, PRO 7)

Sonntag

Am Sonntag gibts dann die Chance, die Mississippi-Odyssee frei nach Homer und den Coen-Brüdern zu erleben. O Brother, Where Art Thou? fragen sich George Clooney, John Turturro und Jim Blake Nelson, die Men of Constant Sorrow. (20.15, ATV+)

Und wer dann noch einen grenztrashigen, hemmungslos kopierenden Science-Fiction-Dystopie- Thriller sehen will, sollte einen Blick auf Equilibrium werfen: Christian Bale muss darin in einer 1984-Welt Bücher bei 451 Grad Fahrenheit verbrennen, um eine schöne neue Welt zu erschaffen. Mit Kung Fu. (22.35, PRO 7)

Montag

Am Montag haben die Leute Glück, die in Innsbruck Kabelfernsehen haben: das SF 1 zeigt Beijing Bicycle, eine Neuadaption der berühmten Fahrraddiebe, die die Handlung ins Peking der Moderne verlegt. (23.35, SF 1)

Dienstag

Western-Alarm: Vierzig Gewehre braucht Regisseur Sam Fuller, um Barbara Stanwyck zu beschützen. (22.10, WDR)

Mittwoch

Am Mittwoch wuzelt es sich an interessanten Tipps: Insomnia stammt von Regisseur Christopher Nolan (Memento, Batman Begins) und ist das Remake eines isländischen Films - mit Al Pacino und (einem erfrischend unlustigen) Robin Williams. (21.20, ATV+)

Sean Connery und "Mr. Schnurrbart" Donald Sutherland machen inzwischen England unsicher: Der große Eisenbahnraub wurde nicht nur geschrieben, sondern auch regiert von Erfolgsautor Michael Crichton. (23.05, SWR)

Und parallel dazu gibts ein Schmankerl für Musikfans: No Direction Home ist eine Dokumentation von einem Meister über einen Meister: Bob Dylan wird hier portraitiert von Altmeister Martin Scorsese. (23.20, BR)

Und in der Nacht dann noch ein Highlight: Asphalt-Cowboy ist der einzige nichtpornographische Film, der in den USA sowohl eine "X"-Freigabe als auch einen Oskar bekommen hat - ersteres wohl für Jon Voights blanken Popo, zweiteres für besten Film, Regie und Drehbuch. (01.20, ORF 2)

Donnerstag (Maria Dies-und-Das)

Am vollgestopften Feiertag geht es schon früh los: um 13.10 muss sich die Zeugin der Anklage (a.k.a. Marlene Dietrich) dem gestrengen Verhör von Austro-Export- Regisseur Billy Wilder stellen. (13.10, 3sat)

Im Hauptabendprogramm fällt die Entscheidung schwer: Robin Williams (schon wieder in einer ernsten Rolle) verspricht One Hour Photo-Entwicklung. (20.15, ATV+)

Parallel dazu hat sich Schundsender RTL ein absolutes Highlight geangelt: X-Men 2 schafft es, noch ein ganzes Stück besser zu sein als der erste Teil (auch wenn RTL sich wieder größte Mühe geben dürfte, durch falsches Bildformat, Kürzungen, Werbung, sowie Werbeeinblendungen während des Films den Genuss kaputtzumachen). Der dritte Teil läuft übrigens an genau diesem Feiertagsdonnerstag in den Kinos an. (20.15, RTL)

Der King-Steven hat ja so einiges an Büchern geschrieben, und vieles davon wurde adaptiert, und einiges ist sogar ganz ansehbar (z.B. Die Verurteilten oder The Green Mile). "Misery", genremäßig mehr ein King-Heimspiel als die beiden zuvor genannten, spielt definitiv im oberen Mittelfeld mit. Regisseur war übrigens Rob "Spinal Tap" Reiner. (22.25, Kabel 1)

Dem Quentin Tarantino seine Filme mag ja wirklich jeder. Zum Teil ist es sogar so, dass man als echter Filmfreak gar nicht mehr sagen darf, dass man den Tarantino mag, weil der viel zu massentauglich ist (vgl. Kill Bill). Zum Glück kann man dann immer behaupten, dass sein bester Film Jackie Brown ist - weil den kennen nicht so viele Leute, und gut ist der auch. Und der Robert De Niro spielt mit. (23.45, ORF 1)

Und für die arthaus-Tucken unter euch gibts dann noch einen kleinen Fernsehwochen-Abschluss- Truffaut: Die letzte Metro von 1980. (01.05, ZDF)