Hallo,
Billy Wilder hat Geburtstag. Und jetzt sehe ich über den Köpfen von
einigen von euch
ein großes Fragezeichen, weil sie keine Ahnung haben, wer Billy Wilder ist. Deshalb eine
kurze Einführung:
Billy Wilder (eigentlich Samuel Wilder) wurde im früheren Österreich-Ungarn geboren.
Weil er jüdischer Abstammung war, sah er sich 1933 gezwungen, zuerst nach Frankreich und
dann in die USA zu emigrieren, wo er eine überaus erfolgreiche Karriere zuerst als
Drehbuchschreiber und später als Regisseur begann.
Als er 2002 im alter von 96 Jahren starb, hinterliess Wilder ein Werk von etwa 30
Regiearbeiten und etwa 70 Drehbüchern - die meisten Filme gelten heute als Klassiker,
einige haben sogar ihre jeweiligen Genres (neu) definiert.
Wilders Filme, obwohl oft technisch raffiniert und inhaltlich an der Grenze des
Erlaubten und Üblichen zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie trotz ihrer
Gewagtheit immer an ein Massenpublikum gerichtet waren - Wilders vorrangiges Ziel war
es, zu unterhalten.
Zu Wilders bekanntesten und erfolgreichsten Filmen gehören "Frau ohne Gewissen" (gilt als
der erste Film Noir), "Sunset Boulevard", "Zeugin der Anklage", "Manche mögen's heiss"
(nie war die Monroe so göttlich), "Das Apartment" und viele viele viele weitere.
Anlässlich seines Geburtstages zeigen fast alle nennenswerten TV-Sender mindestens einen
Film des genialen Österreichers - beinahe sein gesamtes Werk wird gezeigt. Ich nehme
das zum Anlass, seine Filme hier mit einer speziellen, gelben Markierung zu versehen.
Fast alle Filme werden zweimal ausgestrahlt, es sollte also die patriotische Pflicht
eines jeden Österreichers sein, sich diese Woche ein stattliches Wilder-Wissen
anzueignen. Nächste Woche kommen übrigens auch noch ein paar Wilder-Filme.
Ich kann es euch nur empfehlen: ich mag den Wilder wirklich gerne, und seine Filme
sind so ziemlich alle super. Seht euch so viele wie möglich davon an.
Samstag
Und es geht gleich los: zur unmöglichsten Zeit zeogt der ORF den absoluten Klassiker
(vielleicht Wilders bester) Das Apartment Mit Jack Lemmon und der
bezaubernden Shirley MacLaine. Sehr zu empfehlen.
(9.30, ORF 2)
Sonntag
Sonnenallee dürfte der Film sein, der die ganze Ostalgie-Welle ausgelöst
hat. Zumindest scheint es mir so. Und zurecht, denn der Film ist ziemlich gut. Den Robert
Stadlober packe ich zwar nicht, den könnte ich total herfotzen, aber ansonsten ein super
Film.
(20.15, Sat.1)
Wie ein wilder Stier ist vom Martin Scorsese und mit dem Robert De Niro.
Das sagte Nuff.
(23.05, WDR)
Ein Superfilm abseits von Billy Wilder, sogar ein ziemlich neuer: Swimming Pool
von 2003 zeigt eine in Würde gealterte Charlotte Rampling und eine ...
interessante ... Ludivine Sagnier in einem seltsam-erotischen französischen Mystery-Krimi.
(23.15, ARD)
Und dann noch ein Klassiker von Roman Polanski. Die Filmfans erkennen ihn sofort, wenn
ich sage: Jack Nicholson. Gebrochene Nase. Die Rede ist klarerweise von dem Film, der
als der Neo-Noir schlechthin gilt (wenngleich ich "Der Tod kennt keine
Wiederkehr" bevorzuge): Chinatown.
(23.50, Kabel 1)
Montag
Der Robin (nicht Robbie) Williams versucht sich zuletzt ja (und sehr erfolgreich)
vermehrt im ernsthaften Sektor. Und das passt mir eigentlich ganz gut, weil er ein
exzellenter Schauspieler ist. One Hour Photo ist ein schönes Beispiel:
Williams als unheimlicher Psychopath, der einer jungen Familie hinterherstelzt.
(22.00, ZDF)
Ein totaler Klassiker vom Herrn Wilder. Zeugin der Anklage dürfte der
Wilder-Film sein, der die meisten Remakes und Adaptionen (als Theaterstück, etc.)
erfahren hat. Die beste Version ist wohl dennoch das Original mit Marlene Dietrich.
(22.50, MDR)
Und auch der Herr Scorsese ist diese Woche wieder gut vertreten: Alice lebt hier
nicht mehr gehört zu seinen relativ frühen Filmen und zeichnet sich vor allem
dadurch aus, dass ich ihn noch nicht kenne.
(23.15, SWR)
Sam Peckinpah gilt wohl als der genialste Regisseur, wenn es um düstere Spätwestern geht.
Ein besonders schönes Beispiel ist Pat Garrett jagt Billy the Kid, in
dem nämlicher Pat Garrett (alias James Coburn) sich einen Schnurrbart wachsen lässt,
während er Kris Kristoffersen verfolgt. Und Bob Dylan (!) spielt auch mit.
(00.20, ARD)
Dienstag
Was ist das für eine Woche, wenn sogar der traditionell lahme Dienstag vollgepackt mit
guten Filmen ist? Army go Home (aka "Buffalo Soldiers") ist eine
amerikanische Armee-Satire jüngeren Datums, in der Joaquin Phoenix als US-Soldat in den
Achzigern auf einem der unzähligen deutschen Armeestützpunkte landet und dort nur Mist
baut.
(22.00, WDR)
Danach eine zweite Chance, Zeugin der Anklage zu sehen. Ergreift sie!
Der Film ist ein genialer Krimi, möglicherweise die beste Rolle der alternden Marlene
Dietrich, und auch sonst genial!
(22.00, BR)
Und gleich im Anschluss an die "Zeugin" noch ein total brillianter Wilderfilm:
Fedora ist ein Wilder-Spätwerk, ein trauriger Abgesang auf die große
Hollywoodzeit der unsterblichen Diven (Verweis auf die Dietrich), und zugleich ein
geniales Rätsel mit einem überraschenden Twist.
(23.50, BR)
Und wieder zeigt der ORF einen Film, der eigentlich ins Hauptabendprogramm gehört, zur
"besten" Zeit um ein Uhr früh: der möglicherweise beste Western aller Zeiten, der Clint
Eastwood zu Weltruhm verhalf (und zwar zu Recht, er ist der coolste Mensch der Welt in
diesem Film), der erste Western von Western-Gott Sergio Leone, der Western, der den
Italo-Western begründet hat, der Western, der Ponchos zum coolsten Kleidungsstück des
Universums machte: Für eine Handvoll Dollar ist der Fremde ohne Namen
(Clint Eastwood) bereit, alles zu tun.
(01.05, ORF 1)
Mittwoch
Waffen sind schlecht: Bowling for Columbine ist wohl der populärste
Film vom kontroversen Linksaktivisten Michael Moore. Aber den Film kennt eh schon jeder.
(23.15, WDR)
Und zu nicht minder blöder Zeit gibts dann das Sequel zum Dienstags-Highlight:
Für ein paar Dollar mehr nimmt es Clint Eastwood auch mit ein paar Schurken
mehr auf: zum Beispiel Klaus Kinski, dem genialen Deutschen. Und Lee Van Cleef (!)
kommt auch ins Spiel.
(00.50, ORF 1)
Donnerstag
Und der Donnerstag ist wieder voll und ganz dem großen Österreicher (über 1,80 m)
gewidmet: Stalag 17 (den ich leider selbst noch nicht kenne) ist ein
sehr sehr persönlicher Film, ein Kriegsdrama.
(20.15, Das Vierte)
Gleich im Anschluss eine geniale Satire über die Medienwelt, die heute so aktuell ist
wie eh und je: Reporter des Satans mit Kirk Douglas.
(22.25, 3sat)
Für die Innsbrucker gibts dann auf SF 1 noch einen totalen Klassiker, der als der erste
echte Film Noir gilt: Frau ohne Gewissen.
(00.05, SF 1)
Und die Fernsehwoche endet mit dem Werk, mit dem sie begonnen hat: Das Apartment
, Wilders geniale Tragikomödie mit Jack Lemmon und Shirley MacLaine.
(00.35, ARD)