Fernsehtipps Ausgabe 27/06
Hallo,
Ich begrüße euch zur am Wenigsten gelesenen Ausgabe der Fernsehtipps des Jahres. Drei Viertel meiner Leser sind ausser Landes, und der Vierte hat Prüfungsstress.
Nach dem großen Erfolg des gestrigen Filmabends sollten sich vielleicht die einen oder auch anderen verführt sehen, auf meinem BLOG vorbeizusehen, und dort kurzen Kommentar hinterlassen.
Freitag
Am Freitag gibts wieder einmal einen nennenswerten italienischen Herkulesfilm: Herkules erobert
Atlantis, und zwar derselbe Herkules, der gegen Vampire gekämpft hat. Ansonsten
soll dieser Film auch stilistisch dem von Mario Bava nicht unähnlich sein (auch ohne Bava).
(2.35, Kabel 1)
Samstag
Noch ein allerletztes Mal Billy Wilder, mit seiner berühmtesten Komödie: Manche mögen's heiss
- zu äusserst angemessener Sendezeit und mit den drei Frauenzimmern Marilyn Monroe, Tony Curtis
und Jack Lemmon.
(22.10, ARD)
The Crow - Die Krähe ist aus mehreren Gründen zu empfehlen: zum einen ist er von
Regisseur Alex Proyas, dessen stilistisch sehr ähnlicher Film "Dark City" letzte Woche von mir empfohlen
wurde - den hat aber sicher niemand angesehen, oder? Ausserdem ist "The Crow" ein Kultfilm der
Goth-Szene (OK, das muss jetzt kein Grund zum Ansehen sein). Und schliesslich wird die Hauptrolle zu
90 Prozent von Brandon Lee gespielt, Bruce Lees Sohn. Die restlichen zehn Prozent sind Doubles, denn in
einem grotesken Unfall ist Brandon Lee während der Dreharbeiten ums Leben gekommen.
(23.05, Kabel 1)
Wer schon immer einmal Michael Caine in einer Nazi-Uniform und Donald Sutherland als irischen Verräter
sehen wollte, kann seinen kuriosen Neigungen in Der Adler ist gelandet nachgehen. In
diesem fast ein bisschen trashigen Kriegs-Actioner führt Caine nämlich eine Gruppe von bösen deutschen
Infiltratoren an, die nichts Geringeres tun sollen, als Churchill zu ermorden.
(00.15, ARD)
Und schliesslich noch Gardenia - eine Frau will vergessen. Zum seltsamen deutschen Titel
sage ich einfach nichts, zum Film nur zwei Phrasen: "Fritz Lang" - "Film Noir". Recht cool.
(00.20, MDR)
Sonntag
Der Sonntag ist voll von interessanten Spielfilmen, deshalb empfehle ich eher die Kuriosa bzw. gut im
Programm versteckten: Forgotten Silver - eine faszinierende Dokumentation über einen
Neuseeländischen Stummfilmpionier - von Regisseur Peter Jackson.
(23.30, ORF 2)
Und in der Nacht noch der Antikriegsfilm-Klassiker mit Donald Sutherland und Elliot Gould zum
Immer-wieder-schauen: M*A*S*H.
(02.50, ZDF)
Montag
Der Montag ist dann Tag der Western-Klassiker: arte zeigt zuerst Michael Ciminos ("Die durch die Hölle
gehen") beinahe vierstündiges, geniales Western-Epos Heaven's Gate. Ciminos enorm teurer
Perfektionismus kombiniert mit der Tatsache, dass der Film (mit Kris Kristoffersen) ein Mega-Flop war,
trieb übrigens die United Artists in den Ruin.
(20.40, arte)
Parallel dazu zeigt das Vierte meinen persönlichen Lieblingswestern von John Ford, einen Film, der allein
schon wegen des genussvoll langen, ultracoolen Titels empfehlenswert ist: Der Mann, der Liberty
Valance erschoss, mit den Westernlegenden John Wayne und James Stewart.
(20.15, Das vierte)
Dienstag
Wer dann endlich einen Beweis will, dass Steve Martin doch lustig sein kann, sollte sich vielleicht mit
Tote tragen keine Karos arrangieren. Ich kenne den Film noch nicht, er soll aber recht
gut sein - und auf irgend etwas muss sich doch Steve Martins ehemals guter Ruf stützen.
(23.10, BR)
Mittwoch
Ein Film, der mir in meiner Kindheit kurioserweise völlig entgangen ist, obwohl ich quasi mit Disney
aufgewachsen bin: Mary Poppins - gilt technisch immerhin als bahnbrechend, Grund genug
für mich, zumindest einen Blick drauf zu werfen.
(20.15, SuperRTL)
Eine recht gelungene Komödie ist der schwedisch/dänische Kops - als ein Polizeirevier
mitten in der Pampa wegrationalisiert werden soll, sind die dortigen Kops bereit, um ihre Posten zu
kämpfen, selbst wenn das bedeutet, dass man die Kriminalstatistik selbst ein wenig anheben muss...
(23.30, BR)
Donnerstag
Wenn Werner Herzog und Klaus Kinski zusammengearbeitet haben, entstanden meiner Meinung nach echte
Meisterwerke. Die erste solche Zusammenarbeit ist Aguirre, der Zorn Gottes. Aguirre,
Konquistador von Beruf, schickt sich an, die goldene Stadt El Dorado zu finden und begibt sich auf eine
Reise (Achtung literarische Anspielung) ins Herz der Finsternis.
(00.30, VOX)
Und danach noch ein Film, den ich als "halben Fernsehtipp" bezeichnen würde: Mystery Men,
die Geschichte einer Truppe von Loser-Superhelden. Neben einer Hammerbesetzung (unter anderem Ben Stiller,
William H.
Macy, Hank Azaria, Janeane Garofalo, Paul Reubens, Greg Kinnear und Tom Waits) brilliert der Film mit
zum Teil genialer Komik, die vor allem aus der Tatsache entspringt, dass das Heldenteam der "Mystery Men"
aus den allerletzten Losern besteht: der "Schaufler" kann gut schaufeln, der "Blue Raja" trägt ein absolut
nicht blaues Kostüm, kann aber Gabeln wirklich präzise werfen, Mr. Furious verwandelt sich wenn er wütend
wird in einen wütenden Menschen, und so weiter. Ihnen gegenüber steht Casanova Frankenstein (Geoffrey Rush),
ein [im Originalton wienerisch redender] Superschurke. Doch die enorme Besetzung kann leider nichts daran
ändern, dass das Drehbuch und vor allem der Schluss des Films Schrott sind. Einen Blick ist er meiner
Meinung nach dennoch wert.
(01.20, ORF 1)